101 km durch das Land der tausend Berge
Ein Erlebnisbericht von Udo Reffelmann


Udo Reffelmann - 101 km durch das Land der tausend Berge
  „Welcher Teufel hat mich nur geritten?“, das waren meine ersten Gedanken als ich an der Anmeldung zum 7. Bödefelder Hollenmarsch am 13. und 14. Mai meine Startunterlagen abholte. 101 km habe ich mir vorgenommen durch das Land der tausend Berge. Die Strecke führte von Bödefeld – Nasse Wiese – Lenneplätze – Kühude – Jagdhaus – zum Rhein Weser Turm und zurück.

Nicht nur die lange Strecke machte mir ein wenig Angst, sondern auch die Startzeit um 19.00 Uhr. Eine so lange Nachtwanderung habe ich noch nie gemacht. Pünktlich um 18.50Uhr stand ich in dem Startbereich. Der Startschuss fiel auf die Sekunde genau und los ging es. Mit einem forschen Tritt ging es die Sauerländer Hänge rund um Bödefeld herauf und auch wieder herunter (insgesamt waren es 2.200 Höhenmeter). Die Strecke führte erst einmal rund um den Ort herum, und dann auf die Höhen des Rothaarsteigs.

Nach ca. 20 km kam dann die erste Verpflegungsstation Nasse Wiese. Ein 6 km langer Anstieg führte dort hin. An der Station gab es eine reiche Auswahl an heißen und kalten Getränken. Auch Obstsnacks wurden angeboten. Die kleinen Stationen wurden von Fahrzeugen aus bewirtschaftet. An den Lenneplätzen und am Rheinweserturm fand die Versorgung mit Essen im Warmen statt. So langsam wurde es dunkel, ab 21.30 Uhr dann auch so dunkel, dass es ohne Lampe nicht mehr ging. Es bildeten sich kleine Gruppen, die sich durch die dunkle Nacht bewegten. Eine tolle ganz besondere Stimmung. Vor mir leuchteten Lichter durch die Bäume und hinter mir sah ich die Lichter wie kleine Glühwürmchen. An den Lenneplätzen war man dann auf den Höhen des Rothaarsteigs angelangt. In einer schönen, mit Kamin beheizten Hütte, wurde eine warme Suppe, belegte Brote, Obst, Kaffee, Tee und diverse kalte Getränke gereicht. Die Freundlichkeit der Helfer fiel mir auf. Sie versuchten einem jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.


Es war Nacht, die Sicht war gut. Durch die Bäume schimmerte das zunehmende Licht des Mondes. Die Strecke forderte volle Konzentration. Kondition und Konzentration waren da, alles pendelte sich ein. So langsam wurden die Beine schwerer. Sie hatten einen bis zum Wendepunkt Rhein Weser Turm gebracht. Ich merkte ein leichtes Reiben beginnender Blasen an beiden Füssen. Der Rhein Weser Turm war festlich erleuchtet. Nach 57 km ein schöner Anblick mitten in der Nacht. Gut gelaunte Helfer in einer schön hergerichteten Scheune wenige Meter hinter dem Turm registrierten jeden ankommenden Wanderer, schrieben seine Startnummer, seine Ankunfts- und seine Abgangszeit auf. Auch hier gab es warme Suppe, Brote, Obst, Süßigkeiten und Getränke. Dort traf ich auch Taisir Senge aus Freienohl der mit seinen goldenen Händen meine Waden wieder locker massierte. Gute 20 Minuten hielt ich mich dort auf. Gut gestärkt brach ich wieder in die Nacht auf. Mit lockeren Beinen wanderte es sich jetzt wieder besser und schneller in Richtung Bödefeld.

     
Leider hielt dieses gute und lockere Gefühl nicht lange an. Dann kam der Hammer. Meine Füße schmerzten bei jedem Tritt. Ich hatte ein Gefühl, als hätte ich eine riesige Blasenfläche unter meinen Füßen. Ich zog meine Schuhe nicht aus, aus Angst sie nicht mehr anziehen zu können. Jetzt zählte nur noch der Wille. Ich wollte ins Ziel.

Noch 25 km bis ins Ziel. Ermüdungserscheinungen hatte ich nicht. Mein Kopf, mein Oberkörper und meine Beine waren fit. Aber die Füße schmerzten bei jedem Schritt. Die letzten km vor der großen Versorgungsstation Lenneplätze wurden schon verdammt zäh. Eine letzte kurze Stärkung, kein langer Aufenthalt und weiter ging es. Noch 15 km. Jetzt hieß es kämpfen. Jetzt hieß es beißen! „Keine Schmerzen, keine Schmerzen“, redete ich mir ein.

„Du hast es ja so gewollt, wäre ja noch schöner, wenn man jetzt nichts merken würde. Noch wenige km bis zum Ziel.“ Zuschauer an der Strecke feuerten mich an. Dann der letzte km. Adrenalin schoss durch meinen Körper, Glücksgefühle kamen über mich. Ich sah das Ziel und überquerte die Ziellinie nach 18 Stunden und 11 Minuten. Ein tolles Gefühl 101km geschafft zu haben. Ich war müde, aber glücklich.
Jeder, der mal seine sportlichen Grenzen austesten möchte, sollte einmal an dieser Wanderung teilnehmen.
Ein großes Lob an die Bödefelder. Diese Veranstaltung war bis ins Kleinste perfekt organisiert.
 

Udo Reffelmann beim Start zur 101km Wanderung