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Es ist auch im Sauerlande alter
Brauch, dass sich am 1. April Kinder und Erwachsene gegenseitig „in den
April schicken". Da werden immer wieder nichtsahnende kleine Kinder
veranlasst, im Laden „Stecknadelsalat, Dukatensamen, Puckelblau oder
Haumichblau" oder in der Apotheke „Krebsblut, Mücken- oder
Schnakenfett, Ipidum [= Ich bin dumm], Ohwiedum, Kieselsteinöl oder
Kuckucksöl " zu holen. Ist der Scherz gelungen, so ruft man dem
Hereingefallenen zu: April, April! Früher rief man: „Aprilsgeck, steck
die Nase in'n Dreck!" („Aprilsnarre".)
Andere Aprilscherze sind das animierende
Zeigen oder Schauen in eine bestimmte Richtung oder auf einen bestimmten
Punkt, um dann die zum Mitschauen Verleiteten als Aprilnarren zu
entlarven. Gerne verleitet man Leichtgläubige, angebliche Flecken, Löcher,
Beulen oder andere Schäden an der eigenen Kleidung zu entdecken.
Hinterfotzige servieren an diesem Tag auch gerne einmal einen Schnaps, der
sich als Leitungswasser entpuppt oder Pralinen, die mit Senf gefüllt
sind.
Die Kinder versuchen in der Schule, den
Lehrer „anzuführen" und sind glücklich, wenn es ihnen gelingt.
Auch die örtliche Tagespresse schickt ihre Leser gern in den April, indem
sie ihnen eine erfundene Meldung bringt, die mancher Leichtgläubige als
wahr hinnimmt. Am nächsten Tag wird die Nachricht natürlich mit leichtem
Spott berichtigt. |
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Der Brauch stammt aus dem 17.
Jahrhundert. Es ist schwer, seine geistige Wurzel zu finden. Wahrscheinlich ist
er ein Ausdruck der Freude über den kommenden Frühling und mag mit den alten
Frühlingsfesten zusammenhängen. Hier sind noch einige andere Erklärungen über
die Entstehung des 1. Aprilscherzes.
Ursprung im römischen Reich?
Eine These zum 1. April erklärt, dass an diesem Termin das römische Narrenfest
stattfand. Aus christlicher Tradition ist der 1. April aus dem "Herumschicken"
Christi von Kaiphas zu Pilatus und Herodes am Abend vor der Kreuzigung
hervorgegangen
Ursprung im mittelalterlichen Brauchtum?
Mittelalterliche Passionsspiele, die meist Anfang April aufgeführt wurden,
werden ebenfalls als Erklärungshilfe bemüht. Sie thematisierten das unnütze
"Herumschicken" von Jesus: Von Pilatus zu Herodes und zurück, wurde er wiederum
von Pilatus zu den jüdischen Hohepriestern Hannas und Kaiphas gesandt. Manche
Forscher sehen darin den Brauch begründet, insbesondere Kinder am 1. April
unmögliche Dinge wie Kuckucksöl oder Ibitum (ich bin dumm) einkaufen gehen zu
lassen.
Ursprung im Frankreich der Frühen Neuzeit?
Urheberrechte könnten auch die Franzosen beanspruchen. 1564 verlegte nämlich
König Karl IX. das bis dato am 1. April gefeierte Neujahrsfest auf den 1.
Januar. Wer dem nicht folgen wollte, galt als "April-Narr". Der 1. April ist
seitdem vor allem ein Spaß für die Erwachsenen und die Überlegenen gewesen:
Väter haben ihre Kinder, Meister ihre Lehrlinge und Herren ihren gerade
eingestellten Knecht in den April geschickt und befohlen, Schnakenfett oder
gedörrten Schnee aus der Apotheke zu holen, Hühnergräten oder einen Windsack ins
Nachbardorf zu tragen oder sich irgendwo ungebrannte Asche abzuholen.
Christlicher Ursprung durch Kalenderreform?
Vor der Kalenderreform durch Papst Gregor XIII begann das neue Jahr am 1. April.
Da einige unglückliche Mitmenschen die Verlegung des Jahreswechsels durch die
Einführung des Gregorianischen Kalenders (1582) auf den 1. Januar nicht glauben
oder wissen konnten, feierten sie weiterhin am 1. April und wurden entsprechend
als "Narren" bezeichnet.
Ursprung im Augsburger Reichstag der Frühen Neuzeit?
Möglicherweise wurde der Aprilscherz anno 1530 in deutschen Landen geboren.
Beschloss damals doch der Augsburger Reichstag, zum 1.April 1540, das staatliche
Münzwesen zu vereinheitlichen. Kurz vor dem Stichtag wurde der Termin indes
vertagt. Spekulanten ernteten Hohn und Spott, gehörten zu den "Angeschmierten"
und wurden von den einfachen Leuten auf der Straße mit einem schadenfreudigen
"April, April" gegrüßt. Fest steht, dass seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland
die Gutgläubigen "in den April geschickt" werden. Der Ausdruck selbst taucht
erstmals 1618 in Bayern auf und das Wort "Aprilscherz" ist seit dem 19.
Jahrhundert geläufig.
Ursprung im unbeständigen Wetter?
Anlass könnte auch das launische Aprilwetter gegeben haben. In dieser Version
vertritt der Aprilnarr, den man hinschicken kann, wohin man will, den
absterbenden, machtlosen Winter, mit dem der seine Herrschaft antretende Sommer
tun kann, was er will. Es äußerst sich darin die Fröhlichkeit, welche alle
Menschen bei Beginn des Frühlings ergreift.
Der Aprilscherz in der Literatur:
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Auch Wolfgang von Goethe dichtet zum 1. April:
"Willst du den März nicht ganz verlieren,
so lass nicht in April dich führen.
Den ersten April sollst du mit viel Lachen überstehen,
dann kann dir manches Gute nur geschehen."
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Mark Twain:
"Der erste April ist der Tag, an dem wir uns daran erinnern, was wir an den
anderen 364 Tagen des Jahres sind."
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