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Auf dem Weg zur Kinderbewahr- und Nähschule Kein Kindergarten, sondern Kinderbewahrschule und vielmehr von Heinrich Pasternak |
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![]() Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel |
Kein Kindergarten, sondern
Kinderbewahrschule und vielmehr Warum? Mehrere Gründe gibt es. Ziemlich vielschichtig sind sie. Den Namen „Kindergarten“ hatte um 1838 der sehr bedeutende Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel entwickelt und erziehungswissensschaflich gründlich und vor allem kindgerecht entfaltet. Ebenso den Namen „Kinderbewahrschule“. Beide Ausdrücke dürfen durchaus positiv gewichtet verstanden werden. Entfaltungen folgen. Für Politik in Deutschland war am einflussreichsten Preußen. Die preußische Regierung wollte alles sehr genau nehmen. Der König von Preußen Wilhelm II. war deutscher Kaiser von 1888 bis 1918. Zur politisch gewiss etwas anderen Ausrichtung zählen diese Ereignisse mit ihren Hintergründen: 1848: die Märzrevolution, die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche: 1854: das Verbot der Arbeitervereine durch den Deutschen Bundestag; 1869 Gründung der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiterpartei durch August Bebel und Wilhelm Liebknecht: 1873 – 1888: der preußische Kulturkampf mit dem Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck zwischen dem deutschen Staat und der katholischen Kirche in Deutschland. Und der dritte Teil der Überschrift, das „Viel mehr“, soll am Schluss dieses Kapitels deutlich werden. |
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In die Jahre rund um den „Kulturkampf“ gehört in Freienohl der
kirchlich und politisch höchst engagierte Pfarrer Julius Falter
(geb. 1840, Priesterweihe 1868, Vikar in Hagen, einer „richtigen Stadt“,
dann – nicht freiwillig, wie er betont – 1884 nach Freienohl versetzt
aus politischen Kulturkampf-Gründen als Hülfsgeistlicher, 1888 nach der
Entlassung Bismarcks: Pfarrer, gest. 1902).
Noch einmal zurück in die Gründerjahre von Kinderbewahrschule und Kindergarten. Der Name Kindergarten hatte seit 1851 einen schlechten Klang: der preußische Kultus-Minister hatte die Wörter mit ihrem pädagogischen Hintergrund verboten, weil der nach preußischer Auffassung die Kinder zum Sozialismus, zur Demokratie, zum Atheismus erziehen würde (drei nach damaligem Verständnis sehr verpönte Vokabeln). Dabei hatte der damals und heutzutage berühmte und hoch geachtete Friedrich Wilhelm August Fröbel mit diese Bewertung nichts zu tun. Vielmehr hatte das preußische Kultus-Ministerium nicht genau hin geschaut, nicht korrekt gearbeitet. Eine peinliche Verwechslung: vielmehr war der jüngere Neffe Karl Fröbel Sozialdemokrat, Demokrat und damit auch Atheist (nach damaligem Verständnis). |
Der Paderborner Bischof Konrad Martin, ein guter Freund von Pfarrer JuliusFalter |
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Pfarrer
Karl
Steimann
(in Freienohl von 1902 –
1916, dann Propst in Paderborn), setzte die begonnene Arbeit seines
Vorgängers Pfarrer Falter fort. Die Kinderbewahrschule passte genau für Freienohl. Dazu wird zitiert aus dem zeitgleich entstandenen sechs bändigen „Lexikon für Pädagogik“ aus dem Herder-Verlag Freiburg, 1913; Band 2, S. 1188: „Die Kinderbewahrschulen (Kbs) sind Einrichtungen zum Schutz von kleinen Kindern bis zum 6. oder höchstens 7. Lebensjahr, die der dauernden Elternaufsicht entbehren. Es handelt sich dabei besonders um Kinder, deren Mütter zum Lebensunterhalt der Familie durch Erwerbsarbeit beitragen müssen oder durch Krankheit oder Kränklichkeit behindert sind, die Kinder zu versorgen... Umgekehrt kommen die Kinderbewahrschulen auch für „einzige“ Kinder in Betracht, die zu Hause aus Mangel an Kindergesellschaft nicht gedeihen wollen... Auch ist es vom hohen Werte, dass die Kinder durch die Kinderbewahrschulen frühzeitig an Ordnung und Reinlichkeit gewöhnt werden, worauf in den Kinderbewahrschulen ganz besonders gesehen wird. Sie fördern ferner die körperliche Geschicklichkeit und geistige Gewecktheit (dafür gibt es heute andere Vokabeln), sodass die Schule später nicht gar so schwer an der ersten Einführung und Angewöhnung zu tragen hat... Die Kinderzahl darf 60 – 70 Kinder für eine Leiterin mit Gehilfin nicht überschreiten...Neuerdings nehmen die Kinderbewahrschulen immer mehr von der systematischen Tätigkeit der Kindergärten an, sodass eine Unterscheidung oft schwer wird...Die Ausbildung der Leiterinnen und Gehilfinnen geschieht in Kindergärtnerinnen-Seminarien... in Preußen mit staatlichen Prüfungen...“ - |
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![]() Das Logo der Hiltruper Missionsschwestern |
Ursprünglich sollte die Freienohler Kinderbewahrschule nicht mit den Hiltruper Missionsschwestern beginnen. Die gründeten erst 1902 eine Niederlassung in Oeventrop. Da kannte sie Pfarrer Falter wohl noch nicht. Denn er war in seinen letzten Jahren auch ziemlich krank, überarbeitet in seiner kirchenpolitischen Tätigkeit. Seine häufigen kürzeren oder längeren Fahrten, Reisen mit der Kutsche, zwei Pferden und Kutscher mit Hilfe des Kutscher-Betriebs Figgen belegen das (Pf B17). So erhielt Pfarrer Steimann am 2. November 1907 einen Brief vom Paderborner Generalvikariat: „Entsprechend dem Antrage vom 29. Oktober 1907 genehmigen wir gern, dass dort von den Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus zu Olpe (Stadt Olpe) eine Niederlassung zum Zwecke der ambulanten Krankenpflege und zur Leitung einer Näh- und Kinderbewahrschule errichtet wird. Dem Wirken der Schwestern in dieser Ordenstätigkeit wünschen wir Gottes reichsten Segen.“ - Am Fuß des Briefes notiert Pfarrer Steiman: „Ist durch die Niederlassung der Schwestern in Oeventrop (Hiltruper Missionsschwestern) nicht zur Ausführung gelangt.“ Zwischenzeitlich datierte Texte, Briefe und dergleichen von Pfarrer Falter und Steimann wurden in den Akten im Freienohler Pfarrarchiv nicht gefunden (PfA A12), auch nicht in den beiden Pfarrer-Chroniken. |
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Am 3. Juni 1908 schreibt Pfarrer Steimann -
ausdrücklich als Kirchenvorstand - an den Regierungspräsidenten
Alfred Georg von Bake
zu Arnsberg auf dem Weg über den Freienohler Amtmann Göpfert:
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![]() So sah der Künstler Benjamin Vautier (1829-1898) im Jahre 1859 die Nähschulen |
Pfarrer Steimann antwortet am 2. August 1909 dem Freienohler Amtmann: „Die Unterhaltung der Schwestern für die hier beantragte Niederlassung betreffend, erwidere ich sehr ergebenst, dass für die Schwestern gesorgt ist: 1. Durch einen versprochenen Beitrag des Vaterländischen Frauenvereins in Höhe von jährlich 600 Mark. 2. Durch das Schulgeld für die Kinderbewahrschule im Durchschnitt monatlich 60 Mark, macht für das Jahr 720 Mark. 3. Durch das Schulgeld für die Erteilung des Unterrichts im Nähen etc., durchschnittliche monatlich 25 Mark, macht im Jahr 300 Mark. 4. Außerdem kommen noch hinzu die Gaben, welche für Leistung der Krankenpflege den Schwestern gegeben werden, wohl meist in Naturalien bestehend. Die Unterhaltung der vier Schwestern, für gewöhnlich sind es nur drei, wird also die Gemeinde wohl leisten können“ |
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Vom 28. September 1909, Arnsberg,
liegt vor eine Notiz: Der Regierungs-Präsident
(hier ausgelassene Aktenzeichen) dem Herrn
Landrat in Arnsberg: „Zur Äußerung, wie hoch sich die Baukosten
für die zu errichtende Kinderbewahr- und Nähschule belaufen werden und
wer die Mittel hierfür hergeben wird. Ich bemerke schon jetzt,
dass die katholische Kirchengemeinde Freienohl weder zu den Baukosten
noch zu den laufenden Unterhaltungskosten beisteuern kann. gez.
Unterschrift.“ (Ein Name fehlt.)
Diesem Text liegt zugrunde das kurze Schreiben vom 7. Oktober
1909 vom
Ehrenamtmann Schulte mit dem Briefkopf des Freienohler Amtmanns an
Pfarrer Steimann: „Ich bitte, mir zu der umstehenden Verfügung der
Königlichen Regierung eine Äußerung baldgefälligst zukommen zu lassen.“
Gemeint ist der Text vom 28.
September 1909. Pfarrer Steimann notiert auf die Rückseite: „Beantwortet dahin:
1. dass die Schwestern vorläufig Mietswohnung beziehen;
2. dass die Gemeinde nicht in Anspruch genommen werden soll (Gemeinde
meint die politische Gemeinde Freienohl;
3. dass über die Höhe der Bausumme keine Angaben gemacht werden können
(zu diesem Zeitpunkt nicht).“
Ausführlicher liegt von Pfarrer Steimann vom 13. Oktober 1909 dieses „Concept“ (ausdrücklich) vor: „Falls die beantragte Niederlassung der Ordensschwestern gestattet wird, werden diese in einem gemieteten Hause vorerst wohnen. Wenn ein Haus gebaut wird, werden auch die Mittel bereit stehen. Einen Teil des nötigen Geldes hat der verstorbene Pfarrer Falter bereits durch milde Gaben aufgebracht. Die Gemeinde soll weder für den Bau noch für die Unterhaltung der Schwestern angegangen werden, da die Gemeinde, die fast eine halbe Million für ein Elektrizitätswerk aufgewandt hat, stark überlastet ist. Die Höhe der Kosten werden 15.000 Mark nicht übersteigen.“ |
| Cossmannsche Haus an der Hauptstraße wird das Hiltruper Schwesternhaus | ||
![]() Schwesternhaus von 1910 - 1966 Altes Cossmannsche Haus an der Hauptstraße |
Das neue Haus für die Hiltruper Schwestern wird das „Alte Schwesternhaus“:
Die Katasterverwaltung vom Königlichen Katasteramt in Arnsberg legt die Abschrift vom „Feldbuch“ vor, bescheinigt am 10. und 11. Dezember 1909, für das Grundstück an der Provinzial-Straße, Alte Haus-Nummer 65, Flur 4, Parzelle 174/19, 175/19, 176/19: Wohnhaus: bei der „Bezeichnung der Lage“ steht da für heutige Freienohler (2010) ungewohnt: Kaiserwiese; gemeint war damals damit „das ganze Gelände“ von der Provinzialstraße bis zur Ruhr. Pfarrer Steimann schreibt in seiner Pfarrerchronik von 1910 (ohne genaues Datum): „Es wurde das Haus der Eheleute Cossmann an der Straße nach Oeventrop mit Garten für 7.125 Mark gekauft. Witwe Elisabeth Geisler (Ehefrau des verst. Ludwig G.) schenkte den 22 ar großen Garten für die Schwestern.“ |
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Zur Familiengeschichte der Familie
Cossmann Anmerkung: Damals war für diesen Familienzweig diese Schreibweise üblich: Cossmann. Danach sind zumindest diese Schreibweisen zu finden: Kossmann, Koßmann. Also die Schreibweise ist nicht maßgeblich für die jeweiligen Familienzugehörigkeit. Das Haus verkauft hatte die Witwe Maria-Gertrud Cossmann, geb. Schemme, geb. 26.07.1842. Ihre Eltern sind: der Schäfer Clemens Schemme und Elisabeth Sommer, beide aus Sögtrop; gest. 27.01.1913. Ungewöhnlich ist die Anmerkung von Pfarrer Steimann im Sterbe-Beerdigungs-Register: „Die Verstorbene war eine sehr fromme Frau“. Ihr Mann war der Schuhmachermeister Johann Cossmann, geb. 29.05.1837 in Glösingen; seine Eltern: Johannes Cossmann und Elisabeth Ludovica Schulte; er gest. 27.12.1906 mit dem Beinamen Schnackäs (getrennt gesprochen: Schnack – äs; man sagt: auf Schützenfesten darf man diesen Beinamen erklären). Um die Anmerkung von Pfarrer Steimann nicht nur auf den Hausverkauf für unsere Hiltruper Schwestern zu beziehen, mag diese Familien-Geschichte wichtig sein und zugleich auch das Zusammenleben in Freienohl charakterisieren. Johann Cossmann, gen. Schnackäs war in erster Ehe verheiratet mit Maria Christina Düring, sie geb. 06.10.1836 in Freienohl, sie starb am 20.08.1868 vom Blitz erschlagen; ihre Eltern waren Heinrich Düring, gen. Adames und Clara Köster, eine Tochter wurde am 05.03.1863 in Glösingen geboren (die war beim Tod ihrer Mutter 5 ½ Jahre jung): mit ihr ist Johann Cossmann, gen.Schnackäs nach Freienohl gezogen.
In Freienohl heiratete er am 28.11.1868 in zweiter Ehe Margaretha Kessler, sie geb. 22.11.1842, gest. 12.01.1881 mit 42 Jahren; ihre Eltern waren Adam Kessler und Agatha Düring aus Freienohl. - Aus dieser zweiten Ehe stammen 7 Kinder: 1. Johannes, geb. 24.08.1869; er heiratete am 13.11.1897 Bernhardine Mütherig aus Velmede; ihre Eltern sind Luis Mütherig und Theresia Köster. 2. Heinrich, geb. 09.12.1870. 3. Berta, geb. 09.05.1872. 4. Friedrika, geb. 18.03.1874, sie heiratete am 13.02.1896 den Schuhmacher Heinrich Pöttgen, Sohn von Adam Pöttgen und Anna Schröer. 5. Anna, geb. 02.12.181875. 6. Franziska, geb. 01.04.1878. 7. Franz, geb. 30.06.1880, gest. 22.04.1881 (!). - Ein Jahr nach dem Tod seiner zweiten Frau Margaretha Kessler heiratete Johann Cossmann gen. Schnackäs am 04.02.1882 (mit 45 Jahren und 7 Kindern: Tochter aus 1. Ehe, 6 Kinder aus 2. Ehe) in dritter Ehe Maria Gertrud Schemme. Er starb 27.12.1906. (Geburts-, Sterbe- und Trauungs-Register; Pfarrarchiv, Stadtarchiv) Im Einwohner-Verzeichnis Freienohl von 1905 ist für die Alte Haus-Nr. 65 ohne Namen nur 1 Person Cossmann eingetragen; außerdem: Bäcker Franz Korte, Hanebrink, Preker. 1910 schon nicht mehr, nur noch Witwe von Franz Korte und Loebach. (AA 2189) |
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| Nun wieder auf den Weg zur Eröffnung der Kinderbewahrschule - Die Genehmigung | ||
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Und zum 12. März 1910: Berlin. Der Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten über das Amt Freienohl mit seinem Ehrenamtmann Schulte am 22. April 1910 an den Freienohler Pfarrer Steimann: „Auf den Bericht vom 25. Dezember 1909 (von „Arnsberg“ und „Freienohl“ und nach dem Zitieren der behördlichen Gesetzes-Daten) genehmigen wir, dass in Freienohl, Kreis Arnsberg, eine neue Niederlassung der Missionsgesellschaft vom heiligen Herzen Jesu aus dem Mutterhaus Hiltrup behufs Ausübung ambulanter Krankenpflege errichtet werde, und der genannten Genossenschaft zugleich widerruflich gestatten wir, in Verbindung mit dieser Niederlassung die Pflege und Unterweisung von Kindern katholischer Konfession, welche sich noch nicht im schulpflichtigen Alter befinden, in der daselbst neu zu errichtenden Kinderbewahranstalt sowie die Leitung und Unterweisung in einer Handarbeitsschule (Nähschule) für katholische Mädchen im nicht mehr schulpflichtigen Alter als Nebentätigkeit zu übernehmen. |
Das alte Schwesternhaus heute |
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| Was die Berufung
der einzelnen in der neuen Niederlassung bzw. bei Ausübung der
Nebentätigkeiten zur Verwendung gelangenden Schwestern betrifft, so sind
hierfür die hinsichtlich der Annahme und Verwendung von
Ordensmitgliedern erlassenen
Allgemeinen Bestimmungen
gleichfalls maßgebend...“
Von den allerersten Tagen unserer Hiltruper Schwestern in Freienohl schreibt Pfarrer Steimann in seiner Pfarrer-Chronik nur ganz knapp: „Am 15. Juni 1910 trafen, von der Generaloberin geführt, die ersten Schwestern aus dem Mutterhaus der Schwestern vom Hlgst (Heiligsten) Herzen Jesu zu Hiltrup hier ein. Dieselben sind herbeigerufen zur Übernahme der ambulanten Krankenpflege, Näh- und Kinderbewahr-Schule. Gleich am ersten Tag konnten die Schwestern in Tätigkeit treten für die Krankenpflege.“ Wie konkret letzteres gemeint war, schildert Pfarrer Steimann leider nicht. Die alle 5 Jahre praktizierte Einwohner-Zählung listet 1910 nur auf: Bergstraße, Alte Haus-Nr. 9: Sparkassenrendant Johannes Kerstholt: 2 m, 2 w (2 männliche, 2 weibliche Personen); Ehrw. (Ehrwürdige; Hochwürden gilt nur für Priester) Schwester Rosa, 4 w (so hieß die Schwester Oberin der Niederlassung; die Namen der drei anderen Schwestern werden hier nicht genannt). Hier lebten die Schwestern zunächst; zur Miete. Das Cossmannsche Haus war ja noch nicht hergerichtet zum Alten Schwesternhaus. - Gemeint ist das Eckhaus Bergstraße und Kirchhofgasse. Später lebte und arbeitete hier der Zahnarzt Dr. Rudolf Vorderwülbecke mit seiner Familie. |
![]() Die Kinderbewahrschule begann im von Pfarrer Falter gebauten „Vereinshaus“ (Haus Hellmann) |
Die Kinderbewahrschule begann im von Pfarrer Falter gebauten „Vereinshaus“ (Haus Hellmann); gleich mit 120 Kindern. Noch ein Jahr später hält der Kirchenvorstand mit Pfarrer Steimann fest: „Die im Vereinshaus gemieteten Räume sind nicht zweckdienlich...“ Geradezu sofort nach Beginn der Arbeit der Hiltruper Schwestern zeigen, beweisen die Freienohler ihr Zusammenleben. Pfarrer Steimann gibt bekannt am 19. Juni 1910: „Die Mitglieder unserer Gemeinde bitte ich herzlichst durch Zeichnung von Anteilscheinen zu zehn Mark den Anbau des Schwestern-Hauses für Kinderbewahr- und Näh-Schule fördern zu wollen. Das Geld wird durch jährliche Auslosung einer Anzahl von Scheinen zurückgezahlt. Dass ich nicht zu jedem kommen kann, bedauere ich, kann es aber leider nicht machen.“ |
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| Dann
folgt eine Liste mit
211 (zweihundertundelf)
Freienohler Vor- und
Nachnamen, mit den Beträgen: 10 oder 20 und auch mehr Mark, mit den
Losnummern, manchmal auch nur mit der Notiz: „Geschenk“.
- Weil nicht alle Ziffern
ganz genau zu lesen sind, ist hier die Gesamtsumme nicht feststellbar. Eine weitere Bauspende: Am 4. Juli 1910 und – wohl auf Grund einer Erinnerung - am 3. Dezember 1910 überweist der Hauptverein vom Vaterländischen-Frauenverein in Berlin: 300 Mark an den Vorstand dieses Vereins in Freienohl: an Frau Linnemann.
In seiner Pfarrer-Chronik fasst Pfarrer Steimann knapp zusammen: „Im Jahr 1911 wurde das Haus für die Schwestern eingerichtet. An demselben wurde ein Anbau aufgeführt, der zu ebener Erde die Bewahrschule und Nähschule enthält. Im Dachgeschoss sind nach der Straße hin 2 Zimmer für Schwestern, nach der Nordseite ist die Kapelle eingerichtet. Dieselbe wurde am 13. Mai durch den Ortspfarrer im Auftrag des Bischöflichen Generalvikariats Paderborn, unterzeichnet vom Domkapitualr Dr. Schulte, benediziert (gesegnet, geweiht für Gottesdienste). Das Hl. Sakrament (die Hl. Eucharistie) wird in derselben aufbewahrt. Wöchentlich einmal ist Hl. Messe. Der aufgeführte Neubau kostete (ein Betrag ist nicht eingetragen). Von der Kirchengemeinde, der das Grundstück und Gebäude gehört, wurden 5.000 Mark bei der hiesigen Sparkasse geliehen. Durch den Vaterländischen Frauenverein wurden 1.200 Mark geschenkt (wohl Arnsberg + Freienohl). Ferner wurden durch zinslose Anteilscheine 2.400 Mark aufgebracht (s.o.). Der genaue Kostenpreis kann erst nach vollständiger Einrichtung und Bezahlung angegeben werden.“
Die nächsten Abschnitte haben eher indirekt etwas mit unserer Kinderbewahrschule und der Nähschule zu tun. Sie leiten den dritten Teil der Kapitelsüberschrift ein, das Viel-mehr. Zunächst geht es um das gesamte Wohlergehen unserer Hiltruper Schwestern. Dabei wird dann das Viel-mehr unserer Kinderbewahrschule, die Spiritualität unserer Schwestern wahrnehmbar., - als Wahrheit dankbar deutlich.
Ein Jahr nach der Eröffnung, am 17. Juni 1911, listet Schwester Franziska, die Generaloberin der Hiltruper Schwestern, auf die „Bedingungen bei der Übernahme der ambulanten Krankenpflege, der Leitung einer Handarbeits- und Kinderbewahrschule in einer Gemeinde" (mit Gemeinde ist hier die Kirchengemeinde, Pfarrei gemeint).
Bedingungen bei der Übernahme der ambulanten Krankenpflege, der Leitung einer Handarbeits- und Kinderbewahrschule in einer Gemeinde
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| Der Anbau | ||
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Weihnachten 1920 in der Kinderbewahrschule |
Vom 12. Juli 1911 liegt die Abschrift eines Protokolls des Kirchenvorstandes vor. Dies ist am 16. August 1911 vom Bischöflichen Generalvikariat Paderborn genehmigt worden, wieder vom Domkapitular Dr. Schulte. Bei der Kirchenvorstandssitzung waren die 6 Mitglieder vollständig anwesend: Pfarrer Steimann, Vorsitzender, Albers, stellvertr. Vors., Helnerus, Röther, Mester, Rocholl, Humpert (leider ohne Vornamen). Nach der Einleitung „wurde verhandelt: Für die Kinderbewahr- und Nähschule sind die im sogen. Vereinshaus gemieteten Räume nicht zweckdienlich, weshalb für endgültige Unterbringung der beiden Schulen gesorgt werden muss. Es wird deshalb beschlossen, an dem für die Schwestern angekauften Haus einen Saalbau anzubauen, in welchem beide (Schulen) untergebracht werden können. Die anliegende Zeichnung erklärt den geplanten Anbau (die ist leider nicht vorhanden). | |
| Nach
dem beiliegenden Kostenanschlag ist die Herstellung des Gebäudes auf ca.
9.000 Mark veranschlagt. Derselbe vermindert sich jedoch um ungefähr
1.000 Mark, da der in der Zeichnung im Erdgeschoss als Speisesaal
bezeichnete Raum vorerst nicht ausgebaut werden soll. Die Aufbringung
der Kosten für diesen Hausbau ist in folgender Weise bewerkstelligt...“
- Diese Angaben werden hier ausgelassen, sie stehen
z.T . vereinzelt in den anderen
Text-Passagen. Für den Anbau liegen vor: Kostenanschlag, Baubeschreibung, Bauschein, Baupolizeiliche Prüfung, Rohbau-Abnahmeschein, Gebrauchs-Abnahmescheine vom August und September 1911. Die Zusammenstellung des Kostenanschlags; dabei wurden hier die Unterpunkte ausgelassen; hier also nur die Summen der Hauptpunkte:
Die Kosten am alten Haus und im Dachgeschoss des Saalbaus: 1.831,32 Mark.
Wichtig sind für das Zusammenleben die – leider unvollständig überlieferten – Namen der ersten Freienohler Handwerksmeister und Mitarbeiter am Alten Schwesternhaus und der Kinderbewahr- und Nähschule (in ungewichteter Reihenfolge):
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Das Vielmehr
Die bisher vorgelegten kurzen und längeren Auszüge aus dem Archiv der St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl und dem Stadtarchiv Meschede im Amtshaus Freienohl zeigen die Entstehung unserer Kinderbewahrschule und dabei das Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Freienohler. Jetzt soll mit 3 Beispielen das Viel-mehr der Überschrift „Kein Kindergarten, sondern Kinderbewahrschule und viel mehr“ deutlich werden. Das, was der hier nicht entfalteten hervorragenden Pädagogik, die in den letzten 150 Jahren nicht abgeschafft zu werden brauchte, sondern weiter entwickelt wurde, die gewünschte Würze und besondere Atmosphäre garantiert: die Spiritualität, das geistliche Leben der Hiltruper Schwestern. Die 3 Beispiele, die freilich erst nach dem sichtbaren Herrichten der Häuslichkeiten deutlich werden. Am 16. April 1912 genehmigt das Bischöfliche Generalvikariat Paderborn, dass in der Kapelle des Schwesternhauses, die genau über dem „Saalbau“ der Kinderbewahrschule lag, im Tabernakel die Hl. Eucharistie aufbewahrt werden darf. Um den Wert dieser Erlaubnis wenigstens etwas verständlich zu machen, sei ein Leitwort eines anderen alten katholischen Ordens zitiert: „Contemplari – et contemplata aliis tradere! - Im Heiligtum Gott schauen – und das Geschaute mit den anderen teilen, den anderen mitteilen!“ Genau das trifft zu für die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, den Hiltruper Schwestern.
Zum 6. Februar 1913 schickt der Pater Guardian vom Franziskaner-Convent in Werl (Guardian = der vom Convent, von der Hausgemeinschaft gewählte Obere) Bernardus Albers seinen Mitbruder Pater Titus Schwiertz OFM (Ordinis Fratrum Minorum: Orden der Minder-Brüder des Hl. Franziskus) ins Freienohler Schwesternhaus, genannt zur Hl. Elisabeth, um hier einen Kreuzweg einzuweihen, - bestehend aus 14 Stationen. Es war und ist üblich, dass eine solche Weihe Aufgabe der Franziskaner ist. Die Bescheinigung ist in Kirchen-Latein abgefasst, unterschrieben von Schw. Rosa m.s.c. und von Carolus Steimann. Wer diesen Bilder-Kreuzweg regelmäßig „geht“, betet, von dem kann ein Funke überspringen von dem, was der jetzige Papst Benedikt XVI. So gesagt hat: „Lieben – wie Jesus geliebt hat!“
Das dritte Beispiel kommt aus der Jetzt-Zeit. Das Alte Schwesternhaus ist inzwischen aufgegeben, unsere Hiltruper Schwestern leben im neuen Schwesternhaus, zu ihren Füßen – wieder – ihr St. Nikolaus-Kindergarten, jetzt ganz modern und auf Grund besonderer Leistungsnachweise qualifiziert: Familienzentrum, Die Schwestern beten in ihrer Haus-Kapelle und in der St. Nikolaus-Pfarrkirche. Da knien sie – natürlich – auf der Frauenseite, in der ersten Bank. Die inzwischen längst im Himmel lebende Schwester Rictrudis sagt da zum gerade vorbei gehenden Ministranten-Zeremoniar: „Sehen Sie dort über dem Altar die Eule?“ Neugieriges Umherblicken. Nein. „Da, das Schild am Kreuz. Das sieht aus wie eine Eule, die da hockt.“ Tatsächlich. Eulen gelten ja als immer hellwache und weise Tiere und der Gottheit besonders verbunden; jedenfalls bei den Griechen in vorchristlicher Zeit. Ein Zeichen, ein Signal für Wachsein, Weisheit, Spiritualität – für das Wort Frömmigkeit – für unsere Kinder in Freienohl – von unseren Hiltruper Schwestern!
Bericht: Heinrich Pasternak
Weiterführende Artikel:
Die Kinderbewahrschule - 1910 bis heute
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