| Die Aufgaben der Freienohler Missionsschwestern vom Hlst. Herzen Jesu von Hiltrup - Kinderbewahrschule, Nähschule und die ambulante Krankenpflege | ||
|
Wir schreiben das Jahr 1910
|
||
|
Pfarrer Steimann (1902 -
1916 Pfarrer in Freienohl) sorgte für eine Niederlassung der
Ordensgemeinschaft vom Heiligsten Herzen Jesu aus Hiltrup, zu deren
Aufgabengebieten u.a. die Einrichtung für Kinderbetreuung zählten. Die Gemeinde hatte die Schwestern gebeten, die ambulante Krankenpflege zu übernehmen; ferner sollte eine Nähschule und eine "Kinderbewahrschule" eingerichtet werden. "Gleich am ersten Tag", so ist es in der Pfarrchronik nachzulesen, "konnten die Schwestern für die Krankenpflege in Tätigkeit treten." |
Schwesternhaus von 1910 - 1966 |
|
|
Das erworbene Haus musste noch renoviert werden und während der Renovierungszeit wohnten die fünf Schwestern zunächst im Dachstübchen des Sparkassenrendanten Kerstholt in der Kirchgasse. Die Säle des Vereinshauses Hellmann (Hellmann`sche Saal) standen den Schwestern für die "Kinderbewahrschule" und die Nähschule zur Verfügung. Nachdem die Schwestern es sich wohnlich eingerichtet hatten, eröffneten sie bereits sechs Tage nach ihrem Einzug am 21. Juni 1910 die Kinderbewahrschule. Aus der Pfarrchronik ist zu lesen, dass Pfarrer Steimann die Eröffnung der Kinderbewahrschule am Sonntag von der Kanzel verkündete. Er konnte am Montagmorgen 120 Kinder mit ihren Eltern begrüßen. Noch fehlte es an Spielzeug und Mobiliar, aber bis zum Umzug Ende Oktober 1911 in das Cossmann`sche Haus konnten diese Dinge beschafft werden. |
||
|
|
Pfarrer Steinmann sorgte dafür, dass für die Unterbringung des Kindergartens alsbald ein Anbau an das Schwesternhaus errichtet wurde. Mit diesem Anbau wurde gleichzeitig im Dachgeschoss des Schwesternhauses eine Kapelle eingerichtet, die am 13. Mai 1911 durch den Ortspfarrer im Auftrag des Generalvikariates Paderborn benediziert wurde. Einmal wöchentlich wurde hier nun die Heilige Messe gefeiert, und das Allerheiligste konnte im Hause aufbewahrt werden. Ende Oktober 1911 konnten auch die Kinder die neuen Räumlichkeiten beziehen. Die Inneneinrichtung des Kindergartens und des Schwesternhauses wurde im Laufe der Jahre immer wieder den Erfordernissen angepasst; ebenso der Raum für die Nähschule, die sehr gut besucht wurde. |
|
|
In den folgenden Jahren hat sich die Kinderbewahrschule sehr verändert. Es war eine große Aufgabe für die Schwestern in diesen schwierigen Zeiten, die große Zahl der Kinder in zwei Räumen zu betreuen. In den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges wurde das
Schwesternhaus zu einer Zufluchtsstätte für viele Menschen; so auch für einen
kleinen Schwesternconvent aus Witten, die dort ausgebombt waren. Der Keller
unter dem Kindergarten wurde als Luftschutzraum genutzt. Im Kindergarten hatten
zeitweilig Soldaten ihr Quartier aufgeschlagen und Ende des Krieges wurde
die Nähschule zu einem Ausweichkrankenhaus umfunktioniert. Gerade in den letzten
Kriegstagen suchten viele Menschen im Schwesternhaus Zuflucht, "das Haus glich
einem Bienenstock". "Unser Schutzkeller war Zuflucht für ängstliche Nachbarn,
manchmal noch zu klein. Bei uns fühlten sie sich sicher und ließen ihre Koffer
oft tagelang hier stehen," so schrieb es eine Schwester in die Chronik ihres
Hauses. - Unter Kanonenbeschuss wurde am Morgen des 10. April 1945 in der
Waschküche des Schwesternhauses ein kleiner Junge geboren; nach dem Taufbuch
muss es Heinz Ulrich Josef Eckhardt gewesen sein, dessen Eltern aus
Dortmund stammten. "Granatsplitter sausten am Kopf der Hebamme vorbei - die Frau
war mit Staub bedeckt -, da schrie der Kleine", so weiß es eine Schwester in der
Chronik zu berichten. "Um uns krachte es, das Fenster fiel heraus. In dieser
Stunde hatten wir die meiste Angst; selbst den Männern merkte man es an."
|
||
|
Am 1. Juni 1945 wurde der Kindergarten wieder geöffnet. Zunächst galt es, die Räumlichkeiten notdürftig wieder aufzubauen und den Kindergartenbetrieb wieder aufzunehmen. Von 1910 - 1961 war die Leitung des Kindergartens in den Händen verschiedener Ordensschwestern. Hilfreich zur Seite stand ihnen Olga Rocholl, als Tante Olga bekannt, die über 50 Jahre als Kindergartenhelferin drei Generationen umsorgt hat. 1949 wurde Ruth Kleinfeller (Tante Ruth) eingestellt. Später unterstützte Anneliese Rickert als Gruppenleiterin die Kindergartenarbeit. Schwester Wilburgis Hillen MSC leitete den Kindergarten von 1961 - 1988. Sie pflegt auch heute noch viele Kontakte zu den Kindern, die sie betreut hat, und deren Familien. Darüber hinaus hat sie immer noch in der Gemeindearbeit ihren festen Wirkungskreis. |
|
|
Mit den Jahren verbesserten sich die Lebensbedingungen der Menschen; soziale und pädagogische Maßstäbe für die Kindergartenarbeit wurden gesetzt. Damit stiegen auch die Anforderungen an den Kindergarten in Freienohl. |
||
|
|
Dies führte im Jahre 1963 zum Neubau des Schwesternhauses und damit verbunden zu neuen Räumlichkeiten für den Kindergarten. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, die Kinder in 4 Gruppen zu betreuen. In einer Feierstunde wurden am 19.03.1966 von Pfarrer Hagemeyer die Kindergarten und das Schwesternhaus eingeweiht. Schutzpatron des Kindergartens wurde der heilige Nikolaus. Bis zum 5. Juli 1988 war es die Aufgabe der Missionschwestern den Kindergarten der Pfarrgemeinde zu betreuen; bis zu jenem Tag leitete Schwester Wilburgis die Einrichtung. Das neue Schwesternhaus mit St. Nikolaus Kindergarten |
|
|
|
Mit dem Tod von Schwester Anselma 1968 wurde die Nähschule geschlossen. In der hohen Zeit der Nähschule gab es sogar einen "Paramentenverein". Der kümmerte sich um die liturgische Kleidung und erstellte auch neue. Bis 1992 wurde von den Schwestern auch die Krankenpflege wahrgenommen, zum Segen vieler kranker Menschen in Freienohl. Bis zum 15.10.2006 verbrachten unsere drei Schwestern hier ihren Lebensabend. Zu tun gab es noch immer reichlich für Schwester Wilburgis und Schwester Marialdis im kirchlichen Dienst. Am 15.10.2006 wurden die Schwestern Wilburgis, Marialdis u. Patricis mit einer Messe und einer anschließenden Abschiedsfeier im Pfarrheim feierlich verabschiedet. |
![]() |
Unter
dem Wahlspruch der Missionare und Missionsschwestern vom Heiligsten
Herzen Jesu "Geliebt sei überall das Heiligste Herz Jesu"
arbeiten sie 96 Jahre in selbstlosen Einsatz für unsere
Gemeinde und zur Ehre Gottes. Stets teilten die Schwestern Freud und Leid
der Freienohler Bevölkerung. Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. |
|
"Freienohl, 27. April. Der Minister der geißtl. Unterichts- und Medizinalangelegenheiten hat unter dem 12. März d.J. die Niederlassung von Ordensschwestern aus dem Mutterhause zu Hiltrup für ambulante Krankenpflege, Kinderverwahr- und Nähschule für schulentlassene Mädchen genehmigt." "Freienohl 17. Juni. Heute fand die Einführung der für die hiesige Gemeinde genehmigten Schwestern aus dem Mutterhause zu Hiltrup statt. Dieselben werden für die ambulante Krankenpflege, sowie in der Handarbeits- und Kinderbewahrschule tätig sein. Auf die Handarbeitsschule, welche in allen weiblichen Handarbeiten vollständig ausgebildet, sei im Interesse der jungen Mädchen der benachbarten Orte besonders aufmerksam gemacht. Die Oberin, Schwester Rosa, nimmt Anmeldungen jederzeit entgegen. Möge die neue Niederlassung blühen und gedeihen." Aus der Pfarrchronik Kindergartenerinnerungen Frau Bracht, Küppelweg, erinnert sich an
Folgendes aus der Kindergartenzeit ihrer Tochter um 1960: Frau Höges, Grimmestraße, erinnert sich
an folgende Begebenheit aus ihrer Kindergartenzeit um 1920: Frau Urbainsky erzählt: In meiner Kinderzeit besuchte ich auch den Kindergarten - wir sagten "Verwahrschule". Damals war er noch an der Hauptstraße im Cossmann'schen Haus (Schnackäs) an der heutigen B7. Ein mächtiger Kastanienbaum überschattete das kleine Fachwerkhäuschen, welches den Wohnraum für die sechs Schwestern abgab. Im Mai erfreute der knorrige Alte uns durch seine weiße Kerzenblütenpracht, im Herbst fertigten wir lustige Tiere und Männchen aus seinen Kastanien. Der Anbau hatte die Kapelle unter seinem Dach. Im ebenerdigen Geschoss von der Straßenseite waren unsere Spielräume, die durch eine Schiebetür in zwei Räume getrennt werden konnten. Die Wände waren mit Rotkäppchen-, Wolf- und Struwelpeterbildern bemalt. Im Sommer spielten wir im tiefgelegenen Hofraum, wo auch die Räume der Nähschule lagen und backten Kuchen im holzüberdachten Sandkasten. Der Hühnerzwinger lag gleich nebenan. An dem Zaun guckten wir oft dem stolzen Hahn und seinen Hennen zu. Mit meiner Schwester gingen wir Hand in Hand die vier Häuser zu Schwester Justitia und Tante Olga. Einen blauen Leinenbeutel mit aufgesticktem Namen hatten wir um den Hals. Darin hatten wir unser Frühstücksbrot versteckt. Unterm Schürzchen hielt die Sicherheitsnadel den Zipfel vom Taschentuch. Wenn der Bischof oder hoher Besucht kam, führten wir einen Reigentanz mit Buchsbaum und Seidenpapierblumen geschmücktem Bogen aus Haselstock vor. Zu einem Elternbesuchstag durfte ich ein Schneewittchen-Puppenstübchen basteln. Aus einem Pappkarton wurden ein Seitenteil geschnitten und Fenster rein geritzt, "das mir ja das Fensterkreuz heil bleibt!" Aus unserem Laden brachte ich rote Gelatineblättchen mit, die so schon rotes Licht durchließen. Mit Tapetenresten pappten wir die 'Wände an. Bildchen wurden aus alten Zeitschriften mit Heftzwecken angezweckt. Tisch, Sessel, Kommode, Ofen und Bettchen wurden mittels Pappe, Streichholzkästchen und Garnrollen gewerkelt. Tellerchen, Becher, Besteck von Knete zurechtgedrückt - fertig. Schneewittchen fertigte die geschicktere Schwester. Zeitungspapierdreispitze schmückten die Köpfe der Jungen, dazu Holzsäbelchen an Bindfäden schräg umgehängt. Zu alledem wurde gesungen: "Links, rechts, Säbel an der Seite, auf der Schulter das Gewehr und mit großer Freude marschieren wir daher". Das "Lange, lange Reihe, oh, wie schön ... muss ans Ende gehn" ließ sich endlos verlängern. Auch ist mir das Lied mit dem Holzschuhtanz noch gut bekannt: "Wenn wir diesen Sommer mal nach Holland gehn", oder "Ri-ra-rutschika, wir fahren nach Amerika". Schwester Isentrud und Schwester Magdalis sind mir noch vertraut. Letztere war neu gekommen und sagte zu mit: "Kind, jetzt musst Du aber heimgehen." Wegen meiner Länge hatte sie mich für ein Schulkind gehalten. Ein bang erwartetes Ereignis war immer Nikolaus wegen seines dicken Buches - war Gutes oder Schlechtes aufgeschrieben? Am Ende bekam doch jedes Kind eine süße Tüte. Vom 21.06.1910 bis zum 15.10.2006 waren im Freienohler Schwesternhaus insgesamt 45 Schwestern tätig. Ihre Namen sind:
Literaturnachweis: Bildnachweis: |