Westfalengruß aus der Ferne
 
Seh' ich das Frührot strahlen,
Verglühn den Morgenstern,
Dann denk' ich an Westfalen,
Die liebe Heimat fern.
Da liegen Berg und Haide
In weissem Nebelflor
D'raus steigt im goldnen Kleide
Die Heimatsonn' empor

Und dunkelt's in den Thalen,
Und blinkt der erste Stern,
Dann send' ich nach Westfalen
Den Abendgruss so gern;
Mir ist, als müsst' ich lauschen
Des Glöckleins` letztem Klang,
Als hört dem Strom ich rauschen
Den kühlen Grund entlang.

Lieb Heimatland Westfalen,
Denk denk' ich noch im Traum:
Ein Haus muss ich mir malen,
Dabei den Blütenbaum;
Da schlafen meine Lieben,
Ein guter Stern hält Wacht,
Wir sind uns treu verblieben -
Nun, Heimat, gute Nacht!


                 Professor Joseph Wormstall, Münster
                 gedruckt im SGV-Boten, 1893

 

Ein Haus muss ich mir malen, Dabei den Blütenbaum;

Ein Haus muss ich mir malen,
Dabei den Blütenbaum;

Foto: Karl-Heinz Kordel