Glasfabriken  Becker  /  Buthe in der Giesmecke

Friedrich Wilhelm Becker Glas-Faktor in der Giesmecke
 
Die Familie:
Friedrich Wilhelm Becker aus Alten-Böddeken
seine Ehefrau: Wilhelmine geb. Zenin
2 Söhne:
Friedrich Wilhelm Becker
Ernst Rudolf Becker
5 Töchter
Wilhelmine Becker
Clementine Becker
Emilie Becker
Auguste Becker
Elfriede Becker
 
Fassung: Transkription
Vorbemerkungen, Zeichenerklärungen:
Verwendet wird die heutige (2014) deutsche Rechtschreibung, auch bei Fremdwörtern, die Zeit entsprechend oft aus dem Französischen kommen, und Zeichensetzung.
… (1) : Punkte und Klammer mit Mengenangabe: Wörter sind nicht korrekt lesbar, oder auch nur 1 Fragezeichen für Wort-Teil.
Die vorgegebenen Seiten sind hier oben links fortlaufend nummeriert: 1/7 usw.
 
1/7 : quer liegender Umschlag, Couvert, Original: Stadtarchiv Meschede in Grevenstein
Dieses Paket enthält meinen letzten Willen
Ich erbitte, alle gerichtliche Versiegelung.
Glasfabrik auf Alten-Böddeken, den 24. Oktober
1838 – Fried. Wilh. Becker
Hierin befindet sich das Testament
des Glasfaktors Herrn Friedrich Wilhelm Becker zu
Alt-Böddeken, welches derselbe heute der
unterzeichneten Gerichts-Deputation verschlossen
zur gerichtlichen Deputation überreicht.  Hat sich die
Versiegelung nur ...(3,4 Wörter)
verbeten.  Butin (?) 24. Oktober 1838
Sommer              Brunge (?)
Justiz-Rat           Gerichts-Aktuar
 
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Ich, Friedrich Wilhelm Becker zu Alten-Böddeken, Faktor
Eigentümer der Glasfabrik zu Alten-Böddeken
und der Glasfabrik mit allen dazu gehörenden Gebäuden
bei Freienohl in der Giesmecke, habe auch entschlossen
auf den Fall meines Absterbens festzusetzen
...(1) mit meinem nachzulassenden Ver-
mögen gehalten werden soll und er-
richte ich hierdurch folgendes Testament, welches
ich eigenhändig niederschreibe und dann
dem Gericht zur Deposition übergeben will.
Ich habe sieben Kinder mit meiner verstorbenen
Ehefrau Wilhelmine Ehrbare Zenin gezeugt, die
ich alle gleich liebe, ich will aber nicht, dass sie
nach meinem Tod in Misshelligkeiten ge-
raten. Ich befehle ihnen väterlich den Segen
ihrer Eltern durch geschwisterliche Bänder
zu erwidern. Dies meine Kinder sind
a : meine Söhne Friedrich Wilhelm Becker,
                           Ernst Rudolf Becker,
b : meine Töchter Wilhelmine Becker,
                             Clementine Becker,
                             Emilie Becker,
                             Auguste Becker,
                            Elfriede Becker.
Ich verordne nun von Todes wegen. Sobald ich mit
Tod abgehen soll:
I.
Soll meine Glasfabrik zu Alten-Böddeken mit sämt-
lichen dazu gehörenden Gebäuden, Ländereien,
Wiesen, Holzgründen, wie ich sie und die Anrechte,
deren bei meinem Ableben Bestand gehabt,
sowie die vorrätigen Materialien, Fabriken
und sonstige Sachen, die zur Fabrik gehören werden,
 
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die vorhandenen Pferde, Kühe, ...(1) und alles,
was zum Feld...(?) gehört, meinen
beiden Söhnen Friedrich Wilhelm Becker,
Ernst Rudolf Becker
gemeinschaftlich zu halten und vererbt seinen
für sie zur Erbschaftsmasse 6000 Taler – schreiben
sechstausend Reichstaler beil. (?) Couvert zu con...(?)
haben.
Ich erwarte von meinen Söhnen, dass sie
in brüderlicher Liebe und Eintracht diesen meinen
Nachlass beachten, bewahren und sich ohne alle
Prozesse als Weitläufigkeit durch bekannte
Rechtsmänner, Sachverständige oder Schiedsrichter
auf einander setzen, wann die Umstände dieses
notwendig machen sollten.
II.
In gleicher Art vererbe auf meinen Todesfall
meinen Töchtern
Wilhelmine Becker
Clementine Becker
Emilie Becker
Auguste Becker
Elfriede Becker
meine Glasfabrik bei Freienohl mit den dortigen
Gebäuden, Ansprüche der Fabrik-Materialien,
Vorrat, Fabrik-Utensilien, jedoch mit dem
Bedingen, dass sie die Administrations-Contrakte,
die ich bei meinen Lebzeiten geschlossen, für
die Dauer der stigulirten(?) Zeit gelten lassen
und halten, wogegen ...(1) von Zeit meines
Todes an, erben wie meinen Söhnen von der
Fabrik zu Alten-Böddeken Vorteil (?) und(?)  Vorlage
gleich erhält und berechnet wird ...(1)
 
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meine vorgedachten Töchter conferieren für diese
ihnen ...(?)haltene Fabrik zu Freienohl nebst B...(?)-
 ...(1) Zubehör zur Erbschaftsmasse die
Summe von 3000 Taler schreibe dreitausend Taler
berliner(?) Courant.
III.
Diese 6000 Taler, die meinen Söhnen und die 3000 Taler, welche
meine Töchter zu conferieren haben, werden
indes erst sechs Jahre nach meinem Absterben
conferiert und bleiben bis dahin zinsenfrei
bei meinen ernannten Erben stehen.
IV.
Sollte mein Sohn E. Rudolf unverheiratet mit
Tod abgehen, so tritt sein Bruder Friedrich
Wilhelm in alle dem ersten übertragenen
Rechten und Pflichten, sollte eine oder die andere
meiner Töchter vor zurückgelegtem 24. Lebensjahr
unverheiratet versterben, so erhalten nur
vererbene die übrigen Schwestern die An-
sprüche und Verpflichtungen der Verstorbenen.
V.
Meine Söhne sollen nach meinem Tode, sobald
wie möglich und ohne Abbrüche der Handels- und
Erben (mit/aus?) Conjunktionen geschehen kann, meinen
Nachlass in der Art ordnen, dass meine ...(1)
die (1 durchgestrichenes Wort) Forderungen eingezogen daraus
die Schulden bezahlt werden, wodurch sich
unter Zurechnung der Collationssteuer von
6000 Taler und 3000 Taler für die Fabriken etc.die Erbschafts- und
… (1) im Allgemeinen sowohl als der Erbenteil
jedes einzelnen Kindes bleibt.
VI.
Meine Söhne erhalten die Verpflichtung, meine
Töchter gerade so, wie sie es bei ihren Eltern
gewohnt gewesen
 
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zu ernähren, zu erziehen, zu veranschlagen, zu
kleiden und überhaupt anständig zu erhalten.
Sollte eine meiner Töchter das 24. Lebensjahr un-
verheiratet erreicht haben, so steht es ihr
frei, auch für die Zukunft und bis an ihr Le-
bensende ihre vorbestimmte Pflege vorab von
den Brüdern beide oder einen derselben
zu fordern, will sie das nicht, so kann sie
eine Schwester wählen. Stirbt sie beim Bruder
oder der Schwester unverheiratet, so wird
ihre Erbportion an diejenige vererbt,
bei dem sie ihre letzten Tage oder ihr Leben
nach dem 24. Lebensjahr zugebracht.
Diejenige meiner Töchter, die in dieser Art
unverheiratet ihr Leben beschließt, zieht aber(?)
als Taschengeld außer Erhaltung ad Pflege die
Zinsen ihrer Erbportion mit vier Prozent,
das Kapital bleint bei den Brüdern stehen,
wofür sie erforderlichen Falls gebührende
hypothekerische Sicherheit stellen müssen.
Dagegen muss sie, wenn sie bei mehreren
der Geschwister einzeln gewohnt, diese durch
ihre Zinsen entschädigen, wenn(?) sie endlich ...(1)
der letzten ihr Erbteil zuwendet.
VII.
Mein Sohn Friedrich Wilhelm, der mit seiner Frau
und Kinder bei mir lebt und das Geschäft erben wird
und Rudolf besorgt hat und seinem ...(quirat?) Ver-
mögen 620 Taler – schreibe: sechshundertzwanzig Taler  - aus meinem
Nachlass vorab zurück erhalten, sobald ich tot
bin, jedoch Zinsen frei, da er mit seiner Familie
weiter
 
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bei mir lebt, wie meine anderen Kinder.
VIII.
Wenn eine meiner Töchter bei meinem Leben
heiratet, so soll die Ausstattung derselben notiert
werden, dieses wird ihr an ihrem einstigen
Erbteil abgezogen und der Gesamtmasse
zugerechnet, damit alle Töchter gleiche Rechte
haben.
IX.
Was mein übriges Hab und Gut (darüberstehend eingeschoben, nicht korrekt lesbar)                                   Vermögen, vorzüglich in Silber
und goldenen Sachen …(Troll ?) und Leinen, Tischtücher,
Servietten, Betten etc. betrifft, so sollen sich
meine obigen Kinder gütlich teilen, damit
darüber kein Anlass zu irgend einer Verdrieß-
lichkeit entstehe.
X.
Meine Tochter Auguste hat ein Legat von
100 T, schreiben: einhundert Taler, zu Courant
von der Tante zu Bielefeld ererbt. Diese
hundert Taler habe ich erhalten und im Geschäft
verbraucht. Die hundert Taler sollen derselben
aber vorab von der Erbschaftsmasse nebst 4 Prozent
Zinsen von der Zeit der Einlage ausbezahlt
werden.
XI.
Wünsche und erwarte(?)  ich, dass ...(1) meiner
lieben Kinder, die ich alle herzlich liebe, auch nach
meinem Tod in der Einigkeit bleibt, als wie
ich als Vater noch unter euch weilte.
Euch segne der allmächtige Gott und unser Herr
Jesus Christus! Und meinem Segen folgt auch … (1)
der, wenn ich zur Mutter gegangen bin.
So gesehen Glasfabrik auf Alten-Göddeken, den dreiundzwanzigsten
Oktober eintausendachthundertachtunddreißig
Friedrich Wilhelm Becker Senior
 
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Bekräftigt durch Schrift und Unterschrift mit
Beteilung (Beteiligung?) meines gewöhnlichen Posthefts.
Friedrich Wilhelm Becker Senior
 
Transkription: Heinrich Pasternak, 2014, 2024.