Heimat-Liebe - Kultur der Erinnerung

Erinnerungen zusammen auf diesen drei Lebensfeldern: in der Freiheit Eversberg,im Caritas-Haus Schamoni in Meschede, in der Freiheit Freienohl. Einfühlsam entfaltet: ein ganz besonderer Dank an das exquisite Dasein und Leben im Caritas-Meschede Haus Schanoni mit den Caritas-Damen und Tages-Gästen und an Frau Adelheit Schmidt aus Eversberg für ihr Opus mirandum – wunderbares Werk „Erinnerungen an meine Heimat Schlesien“! - Die Verbundenheit von Eversberg und Freienohl ist selbstverständlich ihr – inzwischen – Ehrentitel: Freiheit, der verbindet sie. Der Ortstitel Freiheit hat mehrere Bedeutungen: frei von einer schützenden Wall-Umrundung, Besitz von Sonderrechten, z.B. Steuerrechte gegenüber der „Hauptstadt“ Arnsberg (usw. Googel…). Extra notiert sei: Geschichts-Texte von HP in Freienohler.de Homepage, rechts.

Nun zum Haupttext „Erinnerungen“:

Ausgezeichnet, ausgewählt, abgeschrieben für junge Erwachsene mit ihren großen Kindern im Sauerland. Mitreden, mitgestalten.

Im Zweiten Weltkrieg, 1939 – 1945, 1942: Flucht vor den Russen aus der Heimat Schlesien ins Sauerland in die Freiheit Eversberg.

Vorbemerkungen: Auf den ersten Blatt steht: „Erinnerungen an meine Heimat Schlesien“. Auf dem zweiten Blatt: oben ein nicht erklärbares Foto, vielleicht Adelheit Schmidt, dann mit ihrer Unterschrift zwölf handgeschriebene Zeinen, nicht korrekt zu entziffern, nur das Schreib-Datum: April 2023 „mit Tränen“ und mit ihrer Unterschrift.

„Erinnerungen an meine Heimat Schlesien“ von Adelheit Schmidt

Ich, Adelheit Schmidt, habe folgende Erlebnisse und Gedanken niedergeschrieben für meine Kinder und Enkelkinder, dass sie wissen, wo die Heimatwurzeln ihrer Omi liegen. – Als erstes (Foto) ein Familienfoto aufgenommen am 16. August 1942. (Die Fotos sind in dieser Abschrift von HP ausgelassen.) – Also ich bin am 27. April 1941 in Gaulau / Schlesien geboren und habe fast keine Erinnerungen, da ich noch zu klein war, bis auf eine: Wir waren drei Kinder, Sohn Richard und Sohn Helmut. Richard ist mit 9 Jahren 1940 nach 3 Tagen Krankenhaus an Kinderlähmung oder Typhus gestorben. An einem Sonntag wollten meine Eltern zum Friedhof gehen und haben mich gesucht. Ich saß auf einer Wiese und pflückte Veilchen für das Grab meines Bruders. Wie gesagt, das ist meine einzige Erinnerung. (Neben einem Foto) Das ist die Wiese und im Hintergrund liegt der Friedhof. – Mein Vater hat mir sehr viel von der Heimat erzählt. Mit 10 Jahren bich das erste Mal zum Heimattreffen nach Iserlohn mitgefahren. Iserlohn hat die Partnerschaft vom Kreis Orlau, wo ich herkomme, übernommen. Ich habe mich sehr für meine Heimat interessiert und durch Erzählungen meines Vaters lebt alles so in mir, als hätte ich es bewusst selbst erlebt. Wenn ich heute mit fast 82 Jahren über meine Heimat rede, möchte ich gar nicht wieder aufhören, und immer wieder sind Tränen dabei. Also kann ich doch da von Heimat reden, obwohl ich schon seit 1946 hier im Sauerland lebe, wo ich mich aber auch sehr wohl fühle. – Nun wieder zurück zur Vergangenheit. Später bekam mein Bruder Helmut auch die gleiche Krankheit, die Richard hatte. Zum Glück hatte da unser Herrgott ein Einsehen und er wurde wieder gesund. Meine Mutter hat sehr schwer gelitten, zumal sie ja nicht wusste, wo mein Vater war und ob er noch lebte. – Und dann kamen die Russen. Sie nahmen uns alles weg und fielen über die Frauen her. Sie stellten die gestohlenen Sofas vor die Häuser und schnappten sich schnell eine Frau. Meine Mutter hatte sich mal versteckt. Sie lag ganz unten auf einem Holzgestell, darüber eine Matratze, darauf lag dann mein Bruder. Über ihm war wieder eine Matratze, auf der ich lag. Der Russe schaute nur auf die Matratzen und ging zum Glück weg und kam am nächsten Tag zurück. Meine Mutter stand im Hausflur und hatte mich auf dem Arm. Mit der anderen Hand hielt sie sich am Türgriff fest. Der Russe zerrte stark an ihr. Da kam mein Bruder rein, sah das, nahm eine Pappschachtel, die zum Glück im Flur lag. Damit schlug er dem Russen über den Schädel und schrie im schlesischen Dialekt: „Dui verdammte Lerge (ein schlesisches Schimpfwort), lässt du jetzt meinen Mami los!“ Der Russe stand still vor unserer Mutter, schlackerte mit den Armen und ging raus. Da hat mein Bruder ganz viel Stärke gezeigt und unsere Mutter vor dem Schlimmsten gerettet. Eigentlich liebten die Russen Kinder. Das war die einzige Nacht, wo meine Mutter nicht mit uns im Hause blieb, weil sie Angst hatte, der Russe komme wieder. – So lebten wir unter den Russen, bis am 14. Juli 1943 ein schrecklicher Sonderbefehl kam. Ihr könnt es selber lesen, was die mit uns gemacht haben. Es war ein glatter Rausschmiss. Wir konnten nur ganz wenig mitnehmen. Wenn mir jemand gesagt hat früher: „Ihr seid ja auch Flüchtlinge“, dann ging mir der Hut hoch und ich hätte denen am liebsten diesen Sonderbefehl unter die Nase gehalten (siehe letzte Seite). Meine Mutter erzählte, erst durften wir kein Fuhrwerk mitnehmen, doch zum Glück ging es dann anders. Meine Großeltern hatten Pferd und Wagen. So konnten meine Mutter, ihre Eltern, zwei Schwestern meiner Mutter und ich auf den Wagen. Mein Bruder war 8 Jahre alt und musste alles laufen, aber wo ging es hin? – Wir kamen in die Tschechei, so habe ich es als Kind gehört. Dort blieben wir 4 Wochen. Meine Mutter musste dort hart arbeiten. Ich war sehr krank: Magen, Darm, Typhus. Meine Großmutter hatte mal bei einem Bauern etwas Milch für mich geholt. Dafür wurde sie 8 Tage in einen Bunker gesperrt. Dann kam die Meldung, dass wir wieder zurück nach Hause, in die Heimat, durften. Jeder hatte die Hoffnung, dort bleiben zu können. Doch wie sah der Ort aus: Alles kaputt, zerstört und der Rest gestohlen. In unserem Haus wohnten Polen. (2 kleine Fotos) An unserem Haus wuchs Wein. Unsere Schmiede. – Es war schmerzlich für meine Mutter, denn meine Eltern hatten 1929 das Haus und die Schmiede neu gebaut. Und jetzt wohnten wir bei den Polen in unserem Haus, das uns nicht mehr gehören sollte. Meine Mutter erzählte mir, ich hätte die Polenfrau immer beobachtet, wie sie etwas gestohlen hat und wo sie es hingelegt hat. Und wenn sie gerade nicht im Raum war, hätte ich die Sachen schnell wieder zurückgeholt und versteckt. Das war die Zeit mit den Polen. – Und in der Schmiede arbeitete der Pole. Es war schwer für meine Mutter mit anzusehen, wie alles kaputt war. – Mein Vater war mit 29 Jahren schon Schmiedemeister. Früher war das so.: Der Mann war der Meister und die Frau die Meisterin. – Eines Tages hörte meine Mutter zufällig ein Gespräch zwischen dem Polen und unserem Bürgermeister. Der Pole sagte: „Gebt uns die deutschen Frauen und wir werden ihr Blut trinken.“ Das hatte auch ein Russe gehört. Er drehte sich zu meiner Mutter und sagte: „Meisterin, geh.“ – Dann kam der Treck. Darüber weiß ich gar nichts. – Also war es jetzt besiegelt. Wir müssen gehen. – Wieder die Sorge um unseren Vater. Lebt er noch? Wo ist er? – So kamen wir ins Sauerland. Zum Glück waren wir noch alle zusammen und einigermaßen gesund. Wir waren erst 14 Tage in Föckinghausen und dann kamen wir 14 Tage in die Bullenhalle nach Meschede. Dann wurden wir in verschiedene Orte verteilt. Wir kamen alle nach Wehrstapel. Meine Mutter mit meinem Bruder und mir kamen in die Familie Burmann. Es ist das letzte Haus vor Velmede, es hieß Fünfhausen. Wir bekamen eine Küche und einen Raum zum Schlafen. Wir bekamen von der Familie einen Teller Kartoffelsuppe und Pfannkuchen, aber uns fehlten die Löffel für die Suppe. Mein Bruder wollte die Löffel holen, doch meine Mutter hat das unter Tränen untersagt. So schlürften wir die Suppe vom Teller mit großer Freude: Endlich einmal etwas Gutes zu essen haben. Wir hatten nichts mehr. Denn das kleine Löffelchen, das wir damals mit in die Tschechei nehmen durften und wieder mit zurück, hatten uns die Polen auch noch geklaut. – Für uns war immer noch das Schlimmste die Sorge um den Vater: Wo war er? Lebte er noch? Als wir noch in Schlesien waren, bekam meine Mutter am 15. April zu ihrem Geburtstag eine Karte von ihm. Die war schon ein Jahr alt und kam aus Frankreich. – Von Burmanns wurden wir gut aufgenommen, auch in Wehrstapel. Wenn ich draußen rumlief als fast Sechsjährige ging ich zu den Leuten im Ort und bettelte Wolle. Ich habe immer gesagt: „Meine Mutter kann sehr gut stricken.“ So kam es, dass wir dann tatsächlich mal ein fertiges Teil verkaufen und dafür etwas zu essen kaufen konnten. Wenn in Meschede Kirmes war, hat meine Mutter immer gesagt: „Dahin gehen wir nicht. Da sind immer so viele Wespen im Sommer, die euch stechen.“ Sie kaufte dann eine Tafel Schokolade, die dann für uns zusammen war. – Eines Nachts schellt es bei Burmanns an der Haustür. Eine Männerstimme fragt: „Wohnt hier eine Frau mit zwei Kindern, Mädchen und Junge?“ Mein Bruder steht senkrecht im Bett und schreit und schreit: „Papa, Papa!“ Er hat seine Stimme erkannt. Meine Mutter versteckt sich weinend hinter den Kindern. Wir stehen da und schauen ihn nur an. Ich kannte ihn ja nicht mehr. Selbst wenn ich das schreibe, stehe ich schon wieder unter Tränen. – Einschub: Zu dem Wort „Treck“ muss ich noch eine Erklärung schreiben. „Treck“ sagte man zu der Zeit, wenn viel Menschenmassen unterwegs waren. Leider ist von der Generation, die zu der Zeit gelebt hat, kaum noch jemand da, den ich zu der Situation fragen könnte und ich war ja erst 4 Jahre alt. So vermute ich, dass wir Vertriebenen (nicht Flüchtlinge) zum Teil in Züge verfrachtet wurden. Meine Mutter erzählte mir später, eine Frau lag im Zugabteil auf dem Boden und schrie und schrie. Sie war dabei, ihr erstes Kind zu gebären. Eine andere alte Frau, auch auf dem Boden liegend, sollte etwas zur Seite rollen, dass noch jemand Platz fand, doch dann stellte man fest, dass die Frau am Boden angefroren war. Grausame, so schreckliche Szenen müssen sich da abgespielt haben. Später erzählte meine Mutter, sie habe nur noch unserem Herrgott danken können, dass wir da heil wieder herausgekommen sind. Doch da blieb immer noch die Sorge: Wo ist unser Vater, lebt er noch? Bei allem Schmerz unterwegs: Der Zug rollt und rollt ins Nirgendwo? Ins Irgendwo? Aber eins war allen klar: Es gibt keinen Zug mehr, der zurück fährt in die geliebte Heimat Schlesien. Ende des Einschubs. - Mein Vater hatte einen Holzkoffer mitgebracht. Auf den setzte ich mich und fragte ihn, ob er mir etwas mitgebracht habe. Den Holzkoffer habe ich heute noch, das gute Stück. In dem Koffer liegen jetzt meine Schwibbögen für die Adventszeit. – Wie kam mein Vater nun nach Wehrstapel? Wie hat er uns gefunden? Er war ja in Frankreich in Kriegsgefangenschaft. Ein Arzt stellte ihm Papiere aus, dass er lungenkrank sei und sagte noch dazu: „Diese Papiere sind später wichtig für die Rente.“ Ein guter Arzt. Durch seine Krankheit konnte er aus der Gefangenschaft, aber wohin? Er durfte auch nur raus, wenn er eine Adresse angeben konnte. Zum Glück wurde vor ihm auch ein Kranker entlassen. Es war ein Schmied aus Bayern. Also hat er seine Adresse bekommen und ist nach Bayern. Bei dem Mann konnte er etwas arbeiten und hat dann von da aus übers Rote Kreuz nach seiner Familie geforscht. Es war ein Erfolg. So machte er sich eines Tages mit dem Holzkoffer – fast leer – und dem Rucksack auf den Weg ins Sauerland. Zum Glück konnte er von dort etwas an Lebensmitteln im Rucksack mitnehmen und so lief und lief er durch französische und die englische Zone, was zu der Zeit noch gefährlich war. Auch meine Mutter hat nach ihm über das Rote Kreuz geforscht mit einem glücklichen Ende. Mein Vater bekam dann bei der Firma Busch eine Arbeit und dadurch auch eine Werkswohnung. Leider konnte er nur immer 3 Monate arbeiten und dann wieder 3 Monate krank wegen seiner Lungenkrankheit. So haben wir von August 1946 bis zum 16. Juni 1967 dort gelebt. Dann habe ich Hubert, - auch ein Schlesier -, geheiratet und bin nach Eversberg gezogen. Später, als Huberts Eltern verstorben sind, sind meine Eltern zu uns gezogen. – Mit den Jahren reifte in mir der Plan, einmal in meine Heimat zu fahren und das Elternhaus zu sehen. Doch mein Vater war strikt dagegen mit den Worten: „So wie er alles geschaffen habe, ist es nicht mehr und Trümmer und zerstörte Häuser musst du dir nicht ansehen. Ich konnte ihn etwas verstehen. Er litt sehr darunter, dass er seine geliebte Heimat so verlassen musste. Er hat auch nie daran gedacht, dass die Polem, die jetzt dort wohnen, ja nicht schuld daran waren, dass wir gehen mussten. 1986 ist nein Vater leider im Januar verstorben und im Dezember 1988 auch meine Mutter. Dann gingen 1990 die Grenzen der DDR auf, - ein großer Lichtblick für uns. Wir bestellten uns in Köln ein Visum, dass wir nach Polen reisen durften. Und dann ging es los. Hubert hatte in Ostdeutschland viele Verwandte, sodass wir da wohnen konnten. Eines Tages war es so weit. Wir fuhren über Bad Muskau auf der Autobahn nach Breslau. Ziemlich weit in Polen las ich ein Schild auf der Autobahn: Wiazow. Und ich wusste: das ist Wansen in Deutsch. Nun waren es noch 20 km bis nach Hause. Mein Vater hatte in den Jahren Briefkontakt mit der polnischen Familie, die in unserem Haus wohnten. Von Bildern kannte ich unsere Kirche im Dorf und nun sah ich die Kirchturmspitze. Mein Herz überschlug sich bald. Es gab nur eine Dorfstraße in unserem Ort und mein Elternhaus stand nur 50 Meter von der Kirche entfernt. Ich fuhr in die Dorfstraße und sah den Polen. Ich kannte ihn von Fotos. Er wusste, dass wir kamen. Er stand am Zaun. Ich kann es nicht beschreiben, wie mir war: Ich war angekommen. Endlich zuhause! Einmal tief durchatmen und dann aussteigen. Neben unserm Haus stand noch die Trauerweide, die zur Zeit, als meine Eltern dort lebten, auch schon dort stand. Daran war ein Pferd angebunden. Mir blieb fast das Herz stehen und ich habe nur geweint. Wir wurden sehr gut aufgenommen. Die Familie hat unser Haus wieder sehr schön hergerichtet. Im Flur lagen noch die Platten, die meine Eltern reingelegt hatten. Da kam die Erinnerung wieder: Es war der gleiche Flur, wo mein Bruder unsere Mutter gerettet hat. Die Polin überreichte mir ein Sparbuch meiner Mutter, das sie auf dem Boden gefunden hatte, von Mäusen angefressen. Es waren 200 Reichsmark drauf. Am späten Nachmittag mussten wir leider wieder zurück. Aber ich konnte am Abend nur unserm Herrgott danken, dass ich das alles erleben durfte. Bei dieser Fahrt haben wir auf dem Weg auch die Heimat von Hubert besucht. Sein Elternhaus stand auch noch, - aber ziemlich kaputt. Wir waren in den Jahren zweimal dort. – Als ich 75 wurde, bekam ich von Siegfried und Peter eine Reise mit ihnen und Cordula und Anton geschenkt. Ich konnte es kaum begreifen. Vor lauter Tränen konnte ich erst gar nichts sagen. Solch eine Freude. Vor allem, dass es sie auch interessierte. Es war für mich überwältigend. Wir wohnten 3 Tage in Breslau im Hotel. Breslau ist eine sehr saubere Stadt. Als ich das Rathaus sah, stand ich wieder unter Tränen. Meine Gedanken sind hier auch an meine Eltern gegangen. Bis zu meinem Heimatort waren es 44 Kilometer. Die Söhne der polnischen Familie haben alles sehr schön umgebaut. Der alte Pole mit seiner Frau lebte nicht mehr. Aus der Schmiede ist eine Autowerkstatt entstanden. – Ich glaube, jetzt muss ich mal langsam aufhören zu schreiben. Ich war so dankbar, dass meine Söhne mir dies große Geschenk gemacht haben. Ich danke euch von ganzem Herzen. Eure Mutti und Omi. – (ein kleines Foto) Meine Eltern vor ihrem Haus. – Nachtrag: Vor Jahren fuhr ein Bus-Unternehmen nach Breslau. Es hatten sich viele, auch aus Eversberg angemeldet. Leider war es für uns nicht möglich, zu diesem Termin mitzufahren. Da auch jemand im Bus war, der aus meinem Heimatort stammt, fuhr der Bus natürlich auch dorthin. Unser ehemaliger Chorleiter war auch dabei und schlenderte durch unsere Schmiede. Dabei entdeckte er ein handgeschmiedetes Kreuz für den Friedhof. Hat mein Vater das schon für sich ceschmiedet? Hubert und ich fuhren später dorthin, um das Kreuz zu holen. Damit wir auf der Autobahn, falls wir von den Polen angehalten würden, keine Schwierigkeiten bekommen konnten, hat uns die Polin auf einem Zettel in Polnisch bestätigt, dass das Kreuz ein Geschenk. Jetzt steht das Kreuz bei dem Grab meiner Eltern und meinem unvergesslichen Mann, eurem Vater und Opa.“

Damit endet die persönliche Textfassung von Adelheit Schmidt. Sie hat angefügt ein Extrablatt: „Sonderbefehl“; das kopierte Blatt ist einsehbar im Stadtarchiv Meschede in Grevenstein.

„Sonderbefehl für die deutsche Bevölkerung der Stadt Bad Salzbrunn einschliesslich Ortsteil Sandberg: Laut Befehl der Polnischen Regierung wird befohlen: 1. Am 14. Juli 1945 ab 6 bis 9 Uhr wird eine Umsiedlung der deutschen Bevölkerung stattfinden. 2. Die deutsche Bevölkerung wird in das Gebiet westlich des Flusses Reiffe umgesiedelt. 3. Jeder Deutsche darf höchstens 20 kg Reisegepäck mitnehmen. 4. Kein Transport (Wagen, Ochsen, Pferde, Kühe usw.) wird erlaubt. 5. Das ganze Lebendige und totr Inventar im unbeschädigten Zustande bleibt als Eigentum der Polnischen Regierung. 6. Die letzte Umsiedlungsfrist läuft am 14. Juli 10 Uhr ab. 7. Nichtausführung des Befehls wird mit schärfsten Strafen verfolgt, einschließlich Waffengebrauch. 8. Auch mit Waffengebrauch wird verhindert Sabotage und Plünderung. 9. Sammelplatz an der Straße, Bahnhof Bad Salzbrunn, Abelbacher Weg in einer Marschkolonne zu 4 Personen, Spitze der Kolonne 20 Meter vor der Ortschaft Abelbach. 10. Diejenigen Deutschen, die 9m Besitz der Richterkurierungsbescheinigungeh (?) sind, dürfen die Wohnung mit ihren Angehörigen in der Zeit von 5 bis 14 Uhr nicht verlassen. 11. Alle Wohnungen in der Stadt müssen offen bleiben, die Wohnungs- und Hausschlüssel müssen nach außen gesteckt werden. – Bad Salzbrunn, 14. Juli 1945 6 Uhr – Abschnittskommandant Zukowski, Oberleutnant – Ende des Extrablattes „Sonderbefehl“.

Zusammengefasst: DANKE für Heimat-Liebe plus Heimat-Kunde!

Heinrich Pasternak, Februar 2026.