Zusammenleben Freienohler vor allem im 19. Jahrhundert

Inhaltsverzeichnis

1.  Zur Einleitung dient unser Freienohler Wappen

2.  Womit beginnen am Anfang des 19. Jahrhunderts?

Vom Kirchhof rund um die Kirche herum zu den Anfängen des neuen Alten Friedhofs.

3.  Der Straßenbau: ein besonders prägendes Erlebnisfeld für das Freienohler Zusammenleben Anfang des 19. Jahrhunderts

3.1.  Zu den Fuhrleuten

3.2.  Für die technische Ausführung der neu zu bauenden Straßen

3.3.  Militärische Durchmärsche

3.4.  „Befreiungskriege“ 1814 / 1815

3.5.  Ganz knapp, fast eine Zusammenfassung

4.  Der neue Alte Friedhof zeigt auch ein neues prägendes Erlebnisfeld für das Freienohler Zusammenleben Anfang des 19. Jahrhunderts.

Also ein Extra-Kapitel mit einem Extra-Namen und einem Extra-Einstieg.

4.1.  Friedhofs-Visite: Wie wir unsere Verstorbenen ehren und achten. - Ein paar Vorbemerkungen. - Eine Gliederung.

4.2.  Unsere Visite:

4.2.1.  Visite der Verstorbenen IN unserer St. Nikolaus-Kirche.

4.2.2.  Visite auf dem ehemaligen Kirchhof draußen um die Kirche herum.

Einschübe, die zum Totengedenken bei uns in Freienohl und auch zum Kirchhof um die Ganz Alte Kirche herum geeignet sind.

4.2.3.  Visite auf dem Alten Friedhof, anfangs noch Totenhof genannt.

Fortsetzung mit der Friedhofs-Geschichte im Laufe der Jahre.

4.2.4.  Zeitgerechter Einschub: Die Rümker Kapelle auf dem Alten Friedhof.

4.2.5.  Wieder Fortsetzung der Friedhofs-Geschichte im Laufe der Jahre.

4.2.6.  Noch ein zeitgerechter Einschub: „Kriegerdenkmal“: 14. Januar 1878 - 6. Juni 1899

4.2.7.  Eine Kurzfassung für unsere Soldaten-Gedenkstätte

4.2.8.  Wieder Fortsetzung der Friedhofs-Geschichte im Lauf der Jahre

4.2.9.  Zur Zeit des Ersten Weltkriegs: 1. August 1914 bis 11. November 1918

4.2.10.  Nach dem 1. Weltkrieg: Daten, die zur Friedhofs-Visite gehören. Aus der Sterbeliste der Kirchenbücher, hier die letzten 6 Beerdigungen auf unserem Alten Friedhof. Wie unser Leben mit unseren Verstorbenen auf unserem Alten Friedhof weiter geht.

4.3.  Der Waldfriedhof: der Neue Friedhof.

5.  Mit unserer Ruhr zusammen leben

5.1.  Die Ruhr-Tour von Annette von Droste—Hüllshoff mit ihrem Bruder Werner-Constantin.

5.2.  Die Wirklichkeit: „Die Ruhr-Verlegung des Flusses in sein altes Bett“.

5.3.  Das Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit der Ruhr hört nicht auf.

5.4.  Zehn Jahre weiter.

5.5.  Zum „Kontrakt über gehörige Einbettung“.

5.6.  Ruhrufer-Schlächtung

5.7.  Instandsetzung mit 810 Faschinen zwischen Knäppchen und Lanfer.

5.8.  Ein ganz neuartiges Zusammenleben.

5.9.  Ruhr-Schau.

5.10.  Auch schon 1887 Sorge und Arbeit: „Für eine saubere Ruhr!“

5.11.  Hochwasser und Billigkeits-Rücksichten

5.12.  Ruhr-Reaktionen

5.13.  Zwanzig Jahre später sieht alles anders aus, - auch für das Zusammenleben.

6.  Alte Hofnamen – Eigentümer  - 1827 – Parzellen: Tabelle

7.  Zehnten-Liste im Jahr 1813

7.1.  Fassung A

7.2.  Zehnten-Liste im Jahr 1813: Fassung B

7.3.  Zehnten + Listen + Statistik zeigen Zusammenleben.

7.4.  Bäuerliche Nahrung: am 24. August 1860: Zugvieh: Ochse, Pferd.

8.  Gastronomie: zuviel gastronomisches Zusammenleben?

9.  Liederlichkeiten und Traurigkeiten: Signale aus Armut, Verbrechen und Gefängnis.

10.  Vom Schmieshäuschen und Scheibenstand: 1834 und so weiter

11.  Gratifikation, Prämie für Lebensrettungen und Hebammen, Medizinalwesen, Seuchen und Ärzte

11.1.  Gratifikation, Prämie

11.2.  Hebammen

11.3.  Typhus – Seuchen – Angst und Schrecken

11.4.  Geburtshelfer, Ärzte in Freienohl

11.5.  Hebamme Josephine Schröer und ein Abstecher zu ihrer Küppel-Kapelle.

11.6.  Eine schreckliche Ruhr-Epidemie beherrscht Freienohl im August 1857.

12.  Mit der Katasterkarte von 1827 ein Gang durch die Hauptstraße Freienohl

13.  Vom Wohnen, - mit der gestreckten Windeldecke, dem Lehmschlag, Flachs-Schefen, Kaff, zuerst ohne, dann mit Russischen Kaminen

14.  Bau-Erlaubnisse: Berichte und Listen ab 1825

Strohdecken zum Dachdecken im Auftrag der Regierung

Bau-Erlaubnisse und Neubauten

15. Mit Männern, Freienohlern und Buiterlingen zusammenleben

Die erste Männerliste: Bürgermeister

Männer, die für andere arbeiten; mehr als eine Liste

Vom Nachtwächter zur Nachtbeleuchtung

Feuerspritze und Brandeimer, Spritzenhaus, Nachtwächter gegen Feuer-Gefahr

Freienohler Huflattich-Commission  von 1880 usw.; Vorläufer der „Friends of the Earth“ und „Greenpeace“

16.  Das Kreuz am Wege – am Küsterhaus: 1848 – 2020.

17. Zusammengefasst.

DER  HAUPT-TEXT

 

1. Zur Einleitung dient unser Freienohler Wappen

„Die beißen sich andauernd, die zanken sich, die beiden Ruhr-Fische in unserem Freienohler Wappen!“

Wer hat diesen Blick? Wer ist bloß auf diesen Gedanken gekommen? Was für eine Mecker-Brille! Und warum?

Der junge Freienohler, Arnsberger Historiker und Heimatforscher Franz Kessler benutzt zwar auch das Bild der „zwei ineinander verbissenen Fische, die mit den Flossen mächtig um sich schlagen“. Und er fährt fort in teilweise positiv und negativ gewichtender Anschaulichkeit: „Die schöne S-förmige Linie ihrer Leiber versinnbildet vielleicht das Krümmungs-S der Ruhr und die alte Fischerei-Gerechtsame Freienohls... Und die Zartheit dreier Lilien-Blüten, die den beiden Fischleibern entsprießt, ist wie ein Sang in Sterben in Schönheit.“ Jedenfalls ist dieses Wappenbild das ältere, von 1518, vielleicht auch noch älter. Und das später entstandene „S“, das mit dem Anfangsbuchstaben des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Siegfried in eins gebracht werden kann, mag für unsere Freiheit auch als ein Spektakel der Macht gewesen sein. - Franz Kessler starb als Soldat an der Front kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945. (Franz Kessler, 1931, in Kreuz statt Hakenkreuz, S. 65; H.: Günter Cronau, Verlag F.W.Becker, Arnsberg)

Die Position und Überzeugung dieses Textes „Zusammenleben Freienohler“ ist anders: Die mögen sich die beiden Silber-Fische! Weit weg von aller Hemmung und Angst. Die arbeiten zusammen. Die freuen sich zusammen. Die leben zusammen! Denn unsere zwei Wappen-Ruhr-Fische gehören gewiss zur Fisch-Art Äsche, darum besitzen sie keine Zähne wie Raubtier-Fische, darum können und wollen sie sich nicht beißen, sondern sie mögen sich, sie gehen sehr lieb miteinander um, - pst ! - sie küssen sich. Und noch ein Durchblick: Freienohler können sich gar nicht vorstellen, - auch schon wegen der S-Form ihres Ruhr-Laufs -, dass die zwei Äsche von einander wegschwimmen, also in umgekehrter Reihenfolge. Unser Freienohler Angel-Sportverein „Äsche“ bestätigt das mit Schmunzeln.

Und weitere Position und Überzeugung ergänzt diese Zeichensprache: die beiden Fische ernähren sich!  Wer in die Fischwelt eintauchen kann, wird das beobachten. Wer lieber draußen in der frischen Luft bleibt, sieht das auch bei Vögeln: die Alten ernähren die Jungen. Ähnlich unsere beiden Freienohler Ruhr-Fische. Unter Menschen gehört sich solches Ernähren ja auch umgekehrt.

Wer die Gemeinde-Akten über ein ganzes Jahrhundert durchstöbert, bewundert die Freienohler: Zum Beispiel im 19. Jahrhundert: Jahr für Jahr garantieren sie mit vielen von ihren Händen angefertigten Faschinen und noch viel mehr Pfählen einen ziemlich gesicherten Ruhr-Verlauf. Damit machen sie regelmäßig einen guten Eindruck bei der „Ruhr-Schau“ durch den Herrn Landrat aus Arnsberg, später den Regierungspräsidenten mit seinen Fachbereichsleitern. Mag sein, dass die Freienohler Uferwiesen-Besitzer die vornehmen, amtlichen Prüfer aus Arnsberg schmunzelnd auch mal über eine sehr feuchte Uferwiese tapsen ließen.

Also: die Äsche sind bestimmt bestens unser Zeichen. Und nicht die Ruhr-Fische Döbel, die sind zu scheu und leicht zu verjagen. Auch nicht die Groppe, die sind zu unbeweglich. Erst recht nicht sind die Hechte ein Freienohler Vorbild.

Das Zusammenleben, - es lässt sich auch so betonen: das zusammen Leben -, der Freienohler wahrzunehmen , darum geht es. Jahr für Jahr.  Abwechslungsreich und auch sich wiederholend. Alltägliches und nicht immer alltägliches Leben.

Ab und zu werden „Zeit-Blöcke“ vorgestellt. Manchmal scheinen sie sinnvoll zu sein.

Der gesamte Text soll dicht am wirklichen Leben sein. Was heutzutage das Fernseh-Kamera-Team leistet, soll hier das Mitlesen der Akten-Auszüge mit einigen kommentierenden Zusätzen aus vor allem alter sauerländischer Literatur schaffen. Alte Literatur: von heute aus gesehen; die aber vielleicht der eine oder andere Freienohler von damals auch kannte.

Wer die umfassenden Zusammenhänge wünscht, möge begleitend lesen: Dr. Manfred Wolf: „Freiheit Freienohl“.

2.  Womit beginnen am Anfang des 19. Jahrhunderts?

Mit zwei Ereignisfeldern, Erlebnisfeldern, die dicht über einander liegen, sich einander bedingen: Zum einen die Einrichtung eines neuen Friedhofs außerhalb des Dorfes, verbunden mit dem Ende der Beerdigungen auf dem Kirchhof rund um die Kirche herum, und zum anderen die Schaffung, der Ausbau einer neuen Straße, einer „richtigen“ Chaussee, die einen möglichst geraden Verlauf quer durch Freienohl garantiert, von Arnsberg über Brilon hinaus und von Brilon über Arnsberg hinaus. Jedenfalls haben diese beiden Projekte das Zusammenleben Freienohler ziemlich beeinflusst. - Angemerkt sei noch: Früher, vor und im 17. Jahrhundert war für diese Strecken auch noch der Plackweg auf den Höhen des Arnsberger Waldes üblich.

Freilich auch dies gilt: „In den Zeiten der Hanse, wo viele Straßen die Hauptverbindungswege zwischen Norddeutschland und den Niederlanden war... von Neuss, Düsseldorf, Essen... Werl... bog südlich über Neheim, Arnsberg, (Freienohl wird leider nicht genannt, aber da musste man durch) Meschede, über Volkmarsen nach Cassel... Diese Straße ist sehr alt und den Römern nicht unbekannt.“ (Johann Suitbert Seibertz: Die Straßen des Herzogtums Westfalen; Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 5. Band, Münster 1842, S. 98)

Vom historischen Datum aus gesehen gehört der neue Friedhof an die erste und der Chaussee-Bau an die zweite Stelle. Dabei werden freilich die politischen Umstände aufgrund der neuen Chaussee einen weitaus schwerer wiegenden Einfluss auf das Zusammenleben gehabt haben. Das soll nun deutlich werden.

Vom Kirchhof rund um die Kirche herum zu den Anfängen des neuen Alten Friedhofs

Am “10ten Brachmondes”, am 10. Juni 1785 gibt der Erzbischof von Köln und Kurfürst Maximilian Franz, der kirchlich und politisch  auch für das kurkölnische Sauerland zuständig ist, aus seiner Residenzstadt Bonn die Order bekannt: Die Städte und Ortschaften sollen ihre Verstorbenen nicht mehr auf den Kirchhöfen bestatten, sondern außerhalb der Städte und Ortschaften. Er nennt keine Gründe, meint wohl auch hygienische. Denn in Friedhofsakten anderer Städte und Gemeinden ist nachzulesen, dass die Kirchhöfe in jenen Jahren nicht mehr vergrößert werden konnten – wegen dicht anliegender Häuser. Und manche Bestattungen mussten vorgenommen werden im zeitlich zu schnellen Abstand, zweifach, dreifach übereinander; vor allem bei Regenwetter und im Winter: Peinlichkeiten entstanden, Pietätloses vor und während der Bestattung wurde sichtbar. Wichtig an diesem Datum – 1785 – ist auch, dass Ursprung dieses  Konzepts nicht Kaiser Napoleon war (wie heutzutage manchmal noch angenommen wird).

Am 20. Dezember 1785, ein paar Monate später, gibt der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Franz eine sein Anliegen verstärkende Order heraus (in heutiger Rechtschreibung): “An verschiedenen Orten Unserer Kurlande (Unseres Kurfürstentums) hat bis hierhin die Gewohnheit bestanden, dass bei Überbringung der Leichen von entfernten Orten zu den Kirchhöfen der ordentliche Weg nicht eingehalten, sondern die Leichen und Leichenwagen samt dem ganzen Zug über einen besonderen sogenannten Leichenweg durch Gras und Früchte, sogar mit Niederwerfung der Ufer und Zäune geführt worden sind. Da Wir aber diesen Missbrauch, wodurch den Äckern und Wiesen ein merklicher Schaden zuwächst (zugefügt wird), durchaus abgeschafft wissen wollen, so verordnen Wir hiermit gnädigst, dass hinfür (ab jetzt) alle und jede Unsere Untertanen bei Überbringung der Leichen zu den Kirchhöfen keines anderen als des gewöhnlichen Fuhrwegs sich bedienen sollen...”

Das Kurkölnische Sauerland oder das Herzogtum Westfalen wurde über vier Jahrhunderte von den Erzbischöfen und – zugleich – Kurfürsten von Köln regiert. Der letzte geistliche Kurfürst und Erzbischof (von 1784-1801) war Max Franz, der jüngste Sohn der österreichischen Kaiserin Maria Theresias und des deutschen Kaisers Franz I.und Bruder Josephs II. Max Franz wurde mit 28 Jahren Kurfürst, musste nach 10 Jahren vor den Franzosen fliehen, hielt sich dann in Mergentheim, Frankfurt und Wien auf, in dessen Nähe er mit 45 Jahren starb (1756-1801). Seit 1796 zogen fremde Armeen durch das Herzogtum; sie verlangten dafür den Neubau von Straßen. Der Kurfürst und Erzbischof Max Franz lebte schlicht und einfach, anspruchslos und sparsam. Es heißt, dass kein anderer Geistlicher seiner Zeit so arbeitsam fleißig war wie er. Wie ein Beamter arbeitete er an seinem Pult in der Kanzlei für das leibliche, geistige und geistliche Wohl seiner Untertanen, auch nach dem Fortgang von Bonn, (Ferdinand Menne: Das kurkölnische Sauerland um 1800; Sauerländer Heimatbund 1931)

Die zweite Order des Kurfürsten Max Franz betraf unseren Kirchhof eigentlich nicht so ausdrücklich. Von der Kirche aus etwas  bergauf, nach Süden, zum jetzigen Kirch-Parkplatz.  Von der Kirche aus ging es Richtung Norden, Nord-Osten über die jetzige Hauptstraße hinweg bergab bis zur “Alten Dorfstraße”. Auf ihrer anderen Seite lag die inzwischen abgerissene Pastorat. „Die Pastorat“ war früher weiblichen Geschlechts, wohl nicht ganz passend zum Zölibat des Pfarrers.  Ab und zu war „das Pastorat“ sächlichen Geschlechts. Und unser Kirchhof war oft feucht und nass; eine Kanalisation gab es noch nicht. Unter dem jetzigen Altar- und Tabernakel-Raum der St. Nikolaus-Pfarrkirche, den es zur Zeit der Alten Kirche noch nicht gab, lief ein bescheidenes, aber beständiges Siepen.

Freilich, die erste erzbischöfliche und kurfürstliche Order wurde bei weitem nicht sofort in die Tat umgesetzt. Zudem ist aus der Akte nicht ersichtlich, wann die Order Freienohl erreicht hatte, ein „Lesedatum“ ist in der Akte nicht notiert. Die politische Entwicklung half weiter. Der Kölner Kurfürst und Erzbischof stirbt am 27. Juli 1801.

Hier wird die angefangene Geschichte des neuen Alten Friedhofs unterbrochen, denn der Straßenbau der neuen Straße durch Freienohl hat das Zusammenleben von Tag zu Tag und rund um die Uhr sehr intensiv beeinflusst.

3.  Der Straßenbau: ein besonder prägendes Erlebnisfeld für das Freienohler Zusammenleben  Anfang des 19. Jahrhunderts

Das Herzogtum Westfalen, das kurkölnische Sauerland, wird 1802 Besitz des Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt (Er wurde 1806 Mitglied des Rheinbundes und nahm als Ludwig I. den Großherzogtitel an. Nach der Abtretung des Herzogtums Westfalen, das er 1803 als Entschädigung für linksrheinische Gebiete erhalten hatte, bekam er  Rheinhessen  als neuen Besitz. Der aufgeklärte (gemeint nach der kulturpolitisch gemeinten sogen. „Aufklärung“) Fürst erließ 1820 eine Verfassung. Er starb 1830.)  

Die Hessen haben das Sagen. Das wurde vom einfachen Volk durchaus nicht immer mit Freude erlebt. Das muss nicht an den Hessen gelegen haben, sondern an den militärischen Bewegungen, Auseinandersetzungen. Und die Hessen schaffen eine ziemlich neue, andere, ungewohnte Ordnung. Zum Beispiel mit dem Straßenbau. Die  neuen Straßen wurden „Kunststraße“ genannt, weil sie manche „natürlichen“ Straßen ablösten und weil Kunst auch mit Können etwas zu tun hat. Für die neue Chaussee durch Freienohl, die Arnsberg-Beverunger-Chaussee schrieb man auch Arnsberg-Casseler-Chaussee. Damit gibt es auf dem Kirchhof keine Bestattungen mehr. Erstes Gelände für den neuen Totenhof, - dieser Name taucht in den Akten auf -, wird gekauft, von der Pfarrgemeinde. Sie ist – zeitüblich – Besitzerin.  (vor allem: AA  213 Meschede, PfA  A5)

Von einem leider namentlich unbekannten hessischen Beamten gibt es einen Straßen-Zustandsbericht, gedruckt 1803, also wohl gerade mal ein Jahr alt: „Die Land- und Poststraßen dieses Herzogtums sind erbärmlich. Nirgends findet man eine Chaussee. Die Wege sind an wenigen Orten fahrbar. An Wege-Besserungen wird nicht gedacht. Die Fuhrwerke haben sehr hohe Räder und weite Spur. Für ausländische (!) Fuhrleute mit engeren Spuren sind diese Wege völlig unfahrbar. Der Mist vor den Häusern vermehrt die Unreinlichkeit der Straßen außerordentlich, und Städte und Dörfer bekommen dadurch ein  widrig schmutziges und oft ekelhaftes Ansehen. Überhaupt ist der Hang zur Unreinlichkeit nicht zu verkennen und scheint durch Erziehung und Gewohnheit verjährt zu sein. Kinder dürfen auf den Straßen der Natur freien Lauf lassen, und selbst Erwachsene genieren sich wenig in diesem Punkte. Die Abtritte (Toiletten) sind fast alle auf den Gassen sichtbar und machen mit dem Anblicke der vielen Misthaufen einen widrigen Eindruck. Arnsberg leidet hirin eine ziemliche Ausnahme.“ (J. Schatzmann: Beiträge für Geschichte und Verfassung des Herzogtums Westfalen, Darmstadt  1803; in: Ferdinand Menne: Das kurkölnische Sauerland um 1800, V. Sauerländer Heimatbund, 1931)

3.1.  Zu den Fuhrleuten gehörten auch Freienohler.

Ob die aber weit oder auch nur bis Arnsberg oder bis Soest in die „zuständige“ Hansestadt fuhren oder nur Holz aus dem heimischen Wald transportierten darüber gibt es keinen Akten-Befund. Aber wie sie aussahen, das beschreibt Johann Suitbert Seibertz, der sauerländische Geschichtsschreiber: „Die meisten Frachtfuhrleute waren ein Menschentyp für sich. Sie sowohl ihre Hengste zeichneten sich durch hohen, starken Gliederbau aus. Ein gewöhnliches Pferd ist nicht imstande, den schweren Karren im Stell oder in der Schere bergauf zu ziehen, bergab zu halten. Die Eigentümlichkeit dieser Leute und ihrer Pferde war in allem so bestimmt markiert, dass der Inbegriff derselben sich zu einem eigenen Fuhrmanstypus ausgebildet hat, der in mehr oder minder abweichenden Schattierungen fast durch ganz Deutschland bekannt geworden ist. Alles bis auf die Peitsche hatte seine eigentümliche Form. Sie war unten mit einem längeren Kolben von hartem Holze als die meisten Fuhrpeitschen versehen; der obere geflochtene Teil, steif krumm, war an der Spitze mit Leder überzogen. Ein niedriger Hut mit kugelrunder Kappe und breitem Rande, der bei gutem Wetter hinten an zwei Seiten aufgekremt und mit Zoll- oder Wege-Zetteln bespickt war, vorn aber als Auchenschirm herunterhing, schützte den Fuhrmann vor Sonne und Regen, ein blauer, bis auf die Knie reichender Kittel vor trockener Kälte. Bei starkem Unwetter wurde ein dickes rotwollenes Plaid, welches sonst am linken Hamenknopfe des Stellpferdes hing, um die Schultern geschlagen. Weiße Gamaschen mit roten Kniebändernreichten tief über starke hohe Schuhe herab, um den Fuß vor Dreck zu schützen. Vor allem aber war es die immer in stiller Glut gehaltene sogenannte Fuhrmannspfeife, bestehend aus einem geraden Hornmundstück mit silberner Röhre, worin ein irdener Stummel steckt, die den Fuhrman auszeichnete und mit Hilfe des Luftzuges ihn durch den eigentümlichen Geruch seines Strangkanasters schon auf lange Strecken ankündigte, wenn er in gemütlicher Ruhe vor seinem Pferd herschritt.“ (Heinrich Schauerte: Sauerländisches Fuhrmannsleben in früherer Zeit; Sauerländer Heimatbund, De Suerländer, 1937, S. 78-79)

3.2.  Für die technische Ausführung der neu zu bauenden Straßen erhielt kurz vor oder um 1800 der Wegekommissar Bender präzise Anweisungen (Bender war von Haus aus Justizamtmann, also auch kein Straßen- oder Wege-Baumeister). In bergigen Gegenden sollte die Straße 24 Fuß, in der Ebene 50 Fuß und mehr breit sein (1 Fuß = 31 cm, also etwa 7,50 m, bzw. 15,50 m). Auf Bergen und steilen Anhöhen waren für die Fuhrwerke Warte- und Erholungsplätze anzulegen. An der Bergseite sollten Gräben zur Ableitung des Wassers  gezogen werden. Damit dieses nicht über die Straße lief, mussten Quergräben angebracht werden. An den Stellen, wo der Untergrund fest war, sollte die Steinlage in der Mitte der Straße 2 ½ und an beiden Seiten 1 ½ Fuß hoch sein. Wenn darunter kein Fundament vorhanden war, sollte die Steindecke in der Mitte 3 Fuß und am Rande 2 Fuß betragen. An sumpfigen Stellen war der Untergrund zu verbohlen, die Seitengräben waren mit „Brüden“ oder „Krupers“ zu versehen. Alle Bäume und Hecken mussten auf 11 – 12 Schritt neben der Straße abgehauen werden. ...Für die Aufsicht auf der Straße sorgten angestellte Wege- oder Chausseeknechte. Sie hatten täglich die Wege (= Straßen) zu besichtigen. Wo Gleise  (durch die Fuhrwerke) entstanden waren oder Löcher, mussten sie diese mit Steien ausfüllen und das Wasser ableiten. Auf die Fuhrleute war zu achten, dass sie die Gräben nicht durch das Befahren des Randes beschädigten. Sie waren befugt, Fuhrleute fest zu nehmen und beim nächsten Ortsbeamten abzuliefern. Ihre Aufgabe war sicherlich nicht immer leicht. So sah das Regulativ vor, dass die Wegeknechte vor dem Unfug der Fuhrleute geschützt werden sollten. Auf das Beschimpfen eines Wegeknechtes stand eine Geldbuße, für eine Tätlichkeit war eine scharfe Strafe zu verhängen. (In Freienohler Namen-Listen mit Berufsangaben sind Fuhrleute, Steinhauer und Polizeidiener genannt; sie werden weiter unten aufgeführt.) … Die Kriegsereignisse mit ihren Militär-Durchzügen und Einquartierungen (siehe unten)  um 1800 und später brachten den Straßenbau oft ganz zum Erliegen. In hessischer Zeit ging man daran, den begonnenen Straßenbau weiterzuführen. Im Mai 1810 entschloss man sich zu dem notwendigen Schritt, eine Wegebaukasse einzurichten. Für die Finanzierung konnte man nun auf Steuerkapitalien zurückgreifen, die aber verursachten viel, viel Armut und viel, viel Ärger und Unwillen. Erst in der preußischen Zeit wurden diese Verhältnisse besser, gerechter. (Dr. Manfred Wolf: Der Straßenbau im Herzogtum Westfalen in den letzten Jahrzehnten der kurkölnischen Herrschaft, in: Südsauerland Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 1981/1, S. 2-20)

Im folgenden Auszug werden zwar Freienohler nicht ausdrücklich und nicht namentlich genannt, aber mit den Arbeiten werden sie zu tun gehabt haben, denn es handelte sich um die Straße Richtung Arnsberg und Brilon, von Freienohl aus gesehen: Die hergestellten Wegstrecken (damals: Weg = Straße) wurden zur laufenden Reparatur auf die angrenzenden Ortschaften ausgeschrieben. Die Wegegelder dienten zur Finanzierung besonderer Instandsetzungsarbeiten. Über die Unterhaltungspflicht kam es häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Konkurrenten. Die anliegenden Gemeinden waren  wenig eifrig in der Beseitigung der Straßenschäden, obgleich die für sie nicht unerhebliche Verdienstmöglichkeit boten, - Vorspanndienste für Pferdebesitzer und Fuhrleute, Fuhrwerk-Reparaturen für Schmiede, Übernachtungen für Wirte und ihrem Personal. Immer wieder klagte der Arnsberger Wegkommissar und Wegbaumeister Bender über die Widersetzlichkeit der Reparatur-Pflichtigen bei der Heranziehung zu Wege-Arbeiten (kurz vor 1800). Der Arnsberger Landdroste Franz Wilhelm von Spiegel berichtete (auch kurz vor 1800), es gäbe ehrfürchtige (!) Leute genug, die der Auffassung seien, „ihre Väter seien im Kot gewatet, da könnten sie denselben Weg gehen“. So boten die westfälischen Straßen und Wege mit wenigen Ausnahmen bis zuletzt ein trostloses Bild. Noch 1803 schrieb der Arnsberger Hofrat Arndts an die hessische Organisationskommission: „...hier möchte man zu Ehren des Landes wünschen, dass die Augen der Reisenden nicht sehen. Doch wer würde die Gefühle hemmen, die, durch unleidliche Stöße, schroffe Abhänge und Vertiefungen unterbrochen, bei ihm geweckt werden und an die Lebensgefahr ihn erinnern“. (Elisabeth Schumacher: Das kölnische Westfalen im Zeitalter der Aufklärung; Landeskundliche Schriftenreihe für das kölnische Sauerland, Olpe 1967, S. 190)

Ein anderer Straßenzustandsbericht, kurz vor 1811: „Nachrichten über die neuen Wege-Verbesserungen im Herzogtum Westfalen: Unter den wichtigen Verbesserungen, welche das Herzogtum Westfalen in unseren Zeiten erhalten hat, gehört unstreitig die Anlegung von Chausseen. Bisher waren, mit Ausnahme einiger Strecken, die Wege so schlecht, dass man sie nur mit Mühe, oft nur mit Gefahr passieren konnte... das vaterländische Publikum mit den neu vorgenommenen Verbesserungen...etwas genauer bekannt macht … Eine der wichtigsten Straßen für Handel und Gewerbe ist die von Westen nach Osten über Cassel usw. Diese ist jetzt angelegt von Menden an der westlichen Grenze des Landes und geht von da weiter über Wimbern, Vosswinkel, Neheim, Hüsten, Arnsberg, Rumbeck, Oeventrop, Freienohl Bokum, Lahr, Meschede, Velmede, Nuttlar, Brilon, Bredelar...und Cassel.  Als weg bestand diese Straße freilich bisher schon, aber oft in einem so schlechten Zustande, dass sie nur zu notdürftiger Passage, selten zu eigentlichem Handelsverkehr gebraucht wurde. ... Überall, wo es nötig war, ist man von dem alten Wege abgegangen, z.B. zwischen Rumbeck und Freienohl eine sehr bedeutende Strecke, indem man statt der alten gebirgigen Straße, eine neue über Oeventrop durch das Tal angelegt hat. Alle Unterbrechungen des Weges durch die Ruhr und andere kleine Flüsse sind durch dauerhafte Brücken gehoben, z.B. bei Neheim, bei Rumbeck, bei Freienohl usw., manche sollen noch angelegt werden, z.B. bei Oeventrop, wo hierzu schon alle Voraussetzungen getroffen sind... Der neue Weg bei Nuttlar über den Berg ist ganz chaussiert, und wird noch in diesem Jahr fertig; so wie auch der von Rumbeck über Oeventrop nach Freienohl, welcher jedoch erst angefangen wird; usw. Auch für ein besseres Pflaster ist gesorgt worden, wo es nötig war. So ist z.B. in Vosswinkel, Neheim, Freienohl, Meschede und Brilon ein ganz neues vorzüglich schönes Pflaster angelegt... Kurz, man sieht überall mit Vergnügen die Fortschritte dieser Unternehmung, welche uns nur ihre baldige Vollendung zu wünschen übrig lässt.“ (Vaterländische Blätter für das Herzogtum Westfalen; Herausgeber: Dr. Ruer d. Jüngere; 1. Jg., 1. Band, Arnsberg 1811, S. 125-129)

Die “Alte Dorfstraße”, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, begann – von Arnsberg kommend – beim Bach Rümmecke. Dann lag links die Rümmecker Kapelle. Da wo sich jetzt – 2009 – die Bäckerei Hahne und die Schreinerei und das Bestattungsunternehmen von Schreinermeister Udo Klute mit seiner Gattin Bestattungsmeisterin Martina Klute  befindet. Auf der derzeitigen Hauptstraße geht die Alte Dorfstraße weiter. Dann durch den Alten Weg. Die Hauptstraße überqueren. Auch das kanalisierte Siepen aus der Brunnenstraße. Die Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es damals nicht, weil die Hauptstraße auch noch nicht da war: Hauptstraße 28: Wohnhaus Küster, daneben die Eisdiele, weiter Optik Wendt / Milbradt, Moden Blessenohl und so weiter bis zur Twiete. Die Alte Dorfstraße führte wohl zwischen  dem Wohnhaus Küster und der Eisdiele entlang der – nicht vorhandenen Häuserreihe - , hat dann links vor sich das Wohnhaus  Höhmann / Winkelmann und – wer sich noch erinnert – entlang des alten Pfarrhauses am Anfang der Twiete. Dieser Verlauf der Alten Dorfstraße ist deutlich zu erkennen am Hauseingang von Höhmann / Winkelmann. Die Haustür dieses alten Hauses führt direkt auf die “Alte Dorfstraße” und nicht zur Twiete. Ähnlich war das beim alten Pastorat, dessen Eingang lag freilich – wie sich das wohl gehörte – etwa 15 Meter von der Straße entfernt. Die Pastorat wurde im Oktober 2009 abgerissen. Auch die weibliche Geschlechtszuordnung ist grammatisch richtig; in Freienohler Akten des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Form verwendet.Wo die Alte Dorfstraße dann zur Hauptstraße wird, ist noch nicht genau auszumachen. Vielleicht bis zum Friedhofsweg zwischen dem Haus Hotel Bracht und dem jetzigen Marktplatz. Die Weiterführung war dann der Breite Weg.

3.3.  Militärische Durchmärsche

In den Jahren noch lange über den nächsten Regierungswechsel von Hessen nach Preußen hinaus, brachte die neue Chaussee den Freienohlern auch viele Unannehmlichkeiten und viel Ärger mit sich durch manche militärischen Durchmärsche, mal von Arnsberg Richtung Brilon, mal von Brilon Richtung Arnsberg, immer durch Freienohl mit sich, manchmal auch mit Einquartierung in Freienohl.. Das Hin und Her marschierte sich zwar zügiger als früher. Aber die Einquartierungen waren auch sehr unangenehm und vergrößerten die Armut. Denn das Militär wollte auch versorgt werden.

Zunächst ein einfach erscheinendes „Marsch-Patent“; für hessische Truppen von Werl nach Gießen: „Werl, 13. März 1813. 1 Capitain, 1 Lieutenant, 8 Unteroffiziere, 5 Spielleute,, 140 Gemeine vom Depot des Regiments Groß- und Erbprinz gehen in folgenden Stationen nach Gießen ab; den 14. März 1813 bis Freienohl, den 15. März 1813 bis Bigge, den 16. März 1813 bis Hallenberg, den 17. März 1813 bis Biedenkopf, den 18. März 1813 bis Gießen. Sie erhalten in den vorbenannten Orten freies Quartier und Verpflegung; auch ist dem kommandierenden Offizier in unvorhergesehenen Fällen alle mögliche Unterstützung zu leisten.  Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen bestellter Oberst-Lieutenant des Depot Regiments Groß- und Erbprinz: Unterschrift: Oberst.“ - Die Kosten kamen aus der Gemeinde-Kasse, die aber von den Steuern. Und ob alle Nahrungsmittel vom Truppen-Transport genommen wurden, ist ungewiss. Die Einquartierung selbst war für jeden Haushalt schon sehr belastend, für die Mutter, die Kinder, den Vater (wenn der nicht „im Felde“ war, d.h. beim Militär, nicht als Landwirt „auf dem Acker“) und Magd und Knecht.  (AA 280)

3.4.  „Befreiungskriege“ 1814 / 1815

Die folgende Liste Freienohler Teilnehmer an den „Befreiungskriegen“ lässt manchmal zwei Deutungen zu: als „Freiwilliger“ auf Seiten der Franzosen oder später auf Seiten der Hessen. Der Großherzog Ludwig X. hatte im November 1813 seinen Beitritt zur „Kriegsallianz“ gegen Frankreich erklärt. Überschrift der Liste „Kriegsteilnehmer 1813 / 15; alle 16 Freienohler gehörten zur Charge (Ausbildungsgrad): Gemeiner (überhaupt nicht negativ gewichtet); dann Name, dann Beruf, dann mitgemachte Gefechte, zuletzt (bei einigen) Bemerkungen.

Franz Fritzen gnt. Göckeler: Maurer; 1814/15 gegen Frankreich.

Kaspar Düring: Schmied; 1810,1811 und 1812 in Spanien und gegen Frankreich; Kugelschuß durch linke Hand.

Heinrich Voß: Tagelöhner; 1810, 1811 und 1812 in Spanien, 1814/15 gegen Frankreich; durch Zeugnis nachgewiesen.

Kaspar  Flinkerbusch: Tagelöhner; 1814/15 gegen Frankreich.

Bernhard Rocholl: Tagelöhner; 1815 gegen Frankreich; im  Abschiedspatent steht: Bernhard Rauchholt.

Caspar Henrich Stirnberg: Tagelöhner; 1814/15 gegen Frankreich.

Caspar Petz: - ; 1814/15 gegen Frankreich.

Caspar Kaulmann: Polizeidiener; 1814/15 gegen Frankreich.

Heinrich Kohsmann: Glashändler; 1814/15 gegen Frankreich.

Philipp Sommer gnt. Jürgens: Tagelöhner; 1814/15 gegen Frankreich; gut betragen.

Johannes Korte: Tagelöhner; 1814/15 gegen Frankreich; gut betragen.

Joseph Korte: Handelsmann; 1814/15 gegen Frankreich; gut betragen.

Arnold Raulf: Gastwirt; 1813/14/15 gegen Frankreich; gut betragen.

Caspar Kehsler: Tagelöhner; 1813/14/15 gegen Frankreich; Streifschuß am Knie.

Andreas Heckmann: Tagelöhner; 1814/15 gegen Frankreich; gut betragen.

Heinrich Molitor: -; 1814/15 gegen Frankreich.    (AA 280)

Eine Einquartierungs-Liste aus dem Jahr1814 macht die Belastungen der Freienohler überdeutlich. Dazu ist noch wissenswert: Wohnhäuser gab es 1801 in Freienohl: 67; in Brilon: 406, in Arnsberg: 252, in Meschede: 172. 1818 gab es in Freienohl 78 Wohnhäuser und 824 Einwohner. Anzumerken ist: die Namen werden in der vorliegenden Schreibweise abgeschrieben; im Laufe der Jahre haben sich für denselben Namen, dieselbe Familie andere Schreibweisen eingebürgert. Zur Einquartierungs-Liste:O = Offizier, G = Gemeiner – gewöhnlicher Soldat:  Witwe Theodor Krick (die Frau wurde nach ihrem verstorbenen Mann benannt) 31 G; Caspar Lenze 68 G:  Anton Sahse 21 G; Caspar Cöster 23 G; Franz Gahse 16 G; Henrich Vohshane 23 G; Michael Schwarzfärber 36 G; Joannes Becker 43 G; Ferdinand Pöttgen  5 O, 98 G; Henrich Lenze 51 G; Gaudenz Cohsmann 23 G; Adam Necker (?) 10 G; Joannes Lenze 16 G; Bernard Heckmann 33 G; Joseph Necker (?) 27 G; Henrich Korte  48 G; Nikolaus Schwinne 20 G; Mathias Miehse 79 G; Adam Kehsler 8 O, 92 G; Zachens 33 G; Joannes Winkelmann 19 G; Gaudenz Schäfers 15 G; Henrich Vohshane 20 G; Fritz Albers 10 G; Bernard Spiehs 9 G; Georg Düring 6 O, 84 G; Franz Hirnstein 21 G; Michael Schwefer  86 G; Franz Hömberg 13 G; Gaudenz Kerstholt 29 G; Franz Vogt 11 O, 74 G; Franz Trompetter 7 G; Caspar Knickenberg 3 O, 39 G; Adam Geihsler 15 O, 84 G; Ferdinand Kückenhoff 64 G; Michael Heinemann 52 G; Theodor König  26 G; Franz Kaulmann 4 O,  48 G; Fritz Mester 27 G; Caspar Schroeder 5 G;  Schneider 104 G; Franz (Mester) Schmitz 23 G; Joannes Trompetter  8 O, 74 G; Heinrich Schwert 45 G; Franz Hömann 5 O,  92 G; Georg Franze (?)  13 G; Franz Schröer 12 G; Franz Feldmann  13 O, 81 G; Barthel Schröer 6 G; Caspar Düring 27 G; Caspar Neihse 33 G; Caspar Vohs 4 O, 80 G; Henrich Spieler 32 G; Joseph Trompetter 10 O, 58 G; Caspar Trompetter 74 G; Ferdinand Tilmann 49 G; Franz Weber 17 G; Georg Linnenweber 12 G; Fritz Cohsmann 55 G; Philipp Kaulmann  4 O, 84 G; Caspar Tönne  14 G; Franz Göbel 23 G; Jodocus Engel  19 G; Fritz Riedehsel  3 O, 78 G; Bernard Schwinne  36 G; Georg Humpert 3 O, 34 G; Caspar Stierenberg 32 G; Anton Grünhage 29 G; Anton Göckeler 17 G; C. Flinkerbusch 5 O, 58 G, Pfarrer 4 O, 14 G.  Insgesamt 112 Offiziere, 3683 Gemeine. (AA 280)

In dieser Mappe AA 280 sind noch weitere, freilich viel kürzere Einquartierungs-Listen angegeben. Hier die Daten: 14. März 1813;  30. März 1813; 25. April 1814; 7. Mai 1814; 7. Juni 1814; 24. Juni 1814; 26. Juni 1814. - Listen ohne Datum: 1 Liste mit Vor- und Nachnamen: 3 Offiziere, 794 Gemeine; 1 Liste mit Vor- und Nachnamen; 79 Offiziere, 280 Gemeine. (AA 280)

Die Berichte von den Militär-Zügen (Märschen!) durch das Ruhrtal, damit auch durch Freienohl, belegen: die neue Straße war in diesen Jahren fertig geworden.

Besonders einfühlsam ist ein Bericht von Rektor Wagener, Meschede, mit seiner Benutzung der Chronik des Kirchspiels Velmede (Sauerländer Heimatbund, Zeitschrift: De Suerländer, 1923, S. 73-76; hier Auszüge, Zitate aus Chronik des Kirchspiels Velmede): „Im Jahre 1812 waren die Abgaben unerschwinglich, die Aushebungen zum Militärstand außerordentlich und dabei in unserem Herzogtum sehr schwierig. Viele verließen ihr Vaterland oder hielten sich versteckt. Sie wollten nicht für die Franzosen kriegen (Krieg führen). In den Jahren 1811 und 1812 wurde nicht durch ordinäre (ordentliche, gewöhnliche) Rekrutierung (Rekrut = unterster Dienstgrad) ausgehoben (geregelt), sondern die Rekruten wurden gepresst (gezwungen). Der Entwichenen Eltern oder nahe Verwandte, Witteber und Witteben (Witwer und Witwen) ohne Unterschied wurden gefänglich (als Gefangene) nach Hessen-Darmstadt geschleppt, bis sich die Söhne oder Vettern stellten. So barbarisch war die Untersuchung, dass ein Dragoner (ein mit Gewehr bewaffneter Soldat) zu Ostern, wo das ganze Volk zur Andacht in der Kirche war, in die Kirche ging, dieselbe auf und ab stürmte (den Mittelgang), mit barschem Gesicht die Anwesenden anstierte, um eine Witwe aufzuspüren, der ihr Sohn der Rekrutierung entwichen war. Dieses Attentat hatte bald traurige Folgen gehabt. Die ganze Kirche geriet in Aufruhr. Sie hielten es für eine freventliche Verletzung ihrer heiligen Religion.“ Das Jahr 1813 brachte Napoleon bei der sogenannten Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. - 19. Oktober 1813 eine neue Niederlage; es war die Entscheidungsschlacht der „Befreiungskriege“: die verbündeten Truppen Österreich, Preußen, Russland gegen die Truppen Napoleons.  Die Folgen erlebte auch das Ruhrtal. Der Chronist: „Unter dem Misslingen der Schlacht bei Leipzig brach Hieronymus (Jéronym, „Bruder Lustik“ im deutschen Volksmund wegen seiner „lustigen“ Lebensweise) Bruder des Kaisers Napoleon, König in Westfalen, von seiner Residenz Hessen-Kassel auf und flüchtete umgeben von seiner Garde und der Ehrenlegion. Es waren bei 6000 (sechstausend) Mann lauter Kavallerie (Soldaten zu Pferde). Sie kamen alle durch Velmede (und damit auch durch Freienohl). Sie stiegen nicht ab, es war ein Marsch ohne Weilen. Zu Meschede hielt Hieronymus Nachtquartier und bezahlte – nichts. Militärisch ist bei Hieronymus Durchzug keine Unordnung vorgefallen... Nach dem Abzug war die Furcht vor feindlichen Truppen-Durchzügen noch nicht beseitigt... Der Krieg war indessen noch nicht zu Ende...

Von der Flucht der Franzosen berichtet der Freienohler Chronist Konrektor Franz Kroh in seiner eigenhändig handgeschriebenen Chronik: König Lustik (so wurde er geschrieben) floh kopflos nach Frankreich. Die verstorbene Großmutter Bracht erzählte 1926, sie habe von ihren Vorgängern gehört, damals im Herbst 1813 habe das Rad eines Kutschwagens in Freienohl repariert werden müssen; der Fahrgast sei unterdessen im Wirtshaus Bracht eingekehrt, das sei König Lustik gewesen. (Seite 103/104)

 

Eingeschoben gehört auch hierher die Geschichte von der Degenspitze im Türbalken im Haus Siepe / Necker in der – jetzt – St. Nikolaus-Straße: Durch Freienohl zogen die geschlagenen Franzosen dem Rhein zu. Ihnen folgten die Heeresgruppen der Verbündeten, auch eine kilometerlange Russen-Kolonne. Damals sagte man im Ruhrtal: „Der Franzose als Feind ist nicht so schlimm wie der Russe als Freund“. Im Haus Siepe / Necker wohnte der Urgroßvater des Wirts Wilhelm Siepe, damals: in der Mittelstraße. In dieses Haus drang ein Russe ein und bedrohte die Frau. Seine Degenspitze stieß er in den oberen Türbalken. Auf einen Hilferuf erschien ein russischer Offizier, der den  Eindringling vertrieb. Zum Dank für den glücklichen Ausgang gelobte Siepe die Errichtung eines Kreuzes, das auch 1813 in der Bergstraße, dem jetzigen Hause Kampmann gegenüber, aufgestellt wurde. Es diente immer als Stationskreuz bei der Urbanus-Prozession. - Anhang: Als 1848 bei der Urbanus-Bergmecke-Prozesssion gepredigt werden sollte, wurde das Siepen-Kreuz in die Bergmecke neben die „Waldkanzel“ versetzt, wo es auch als Prozessionskreuz dient. Im Jahr 1932 wurde es erneuert. Dem Haus Kampmann gegenüber wurde ein neues Kreuz errichtet. (Ausführlicheres mit Einbeziehung der Fronleichnams-Urbanus-Prozession in einem Text über die Freienohler Prozessionen; www.freienohler.de)

Der Chronist von Velmede: „Im Frühjahr 1814 rückte russische Kavallerie, etwa  4000 Man stark, durch das Ruhrtal...Im Juni desselben Jahres zogen etwa 4000 Mann Infanterie nebst Artillerie mit ungefähr 60 Mörsern von der französischen Besatzung von Magdeburg durch das Ruhrtal. Der Durchmarsch dauerte 4 Tage. Die Leute waren sehr artig und freundlich. Sie waren aber alle etwas traurig, wie Leute, denen der Mut gesunken. Der Sturz Napoleons wollte ihnen gar nicht zu Kopfe.“ Im Herbst 1814 zog die hessische und dann die sächsische Landwehr auf ihrem Rückmarsche aus Frankreich das Ruhrtal hinauf...Der Chronist: „Am 16. Juli 1816 ward unser Herzogtum Westfalen durch Freiherrn von Vincke im Auftrag für den König von Preussen an das Königreich Preussen übergeben. Die Darmstädter zogen sich wohlgemästet und bereichert in Menge zurück. Denn fast alle Chargen (Ämter) waren mit Darmstädtern besetzt, und sie wussten sich die Vorteile wohl zu Nutzen zu machen. Mit Frohlocken sah das Volk die Darmstädter abziehen, die mit einem Bündelchen in der Hand gekommen waren und jetzt mit Wagen voll Möbel und Güternn abmarschierten...“ (Sauerländer Heimatbund, De Suerländer, 1923, S. 73-76: Rektor Wagner-Meschede: Vor 100 Jahren. Aus der Chronik des Kirchspiels Velmede)

Auf den Wagen befanden sich auch der Hitda-Codex des Stiftes Meschede, eine der kostbarsten Kölner Miniaturen aus dem 11. Jahrhundert, die Grafschafter Klosterbibliothek, Handschriften aus den Klöstern Bredelar, Ewig, Glindfeld und Wedinghausen waren schon früher ebenso nach Darmstadt gebracht worden wie der in Arnsberg versteckte Kölner Domschatz; letzterer kehrte, um Preziosen, Gold und Silber beraubt, um viele Stücke dezimiert, schließlich nach Köln zurück.  (Magdalena Padberg: Als wir preußisch wurden. Das Sauerland von 1816 bis 1849, Grobbel V. Fredeburg 1982, S. 9)

Eingeschoben seien ein paar Daten über Ludwig Freiherr von Vincke: Er wurde 1774 in Minden geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaft in Marburg, Erlangen und Göttingen begann er seine Laufbahn: 1795 – 1798 Referendar und Assessor in der kurmärkischen Kammer in Berlin,  1798 als Landrat in Minden, 1800 erste Englandreise, 1802 Reise nach Spanien, 1803 Präsident der ostfriesischen Kriegs- und Domänen-Kammer in Aurich; 1804 Nachfolger Steins, den er seit dem Studium kannte, Präsident der Kammern in Münster und Hamm. 1807 Entlassung durch den französischen Gouverneur, und  zweite Englandreise. 1809/10 Regierungspräsident in Potsdam. 1810 Ausscheiden aus dem Staatsdienst. 1810 Eheschließung mit Eleonore von Syberg auf Haus Busch bei Hagen. 1812, März – Juni: Verhaftung und Internierung durch französische Behörden. 1813 nach der Franzosenzeit Zivilgoverneur für die Provinz zwischen Weser und Rhein. Danach war er Regierungspräsident, Sitz in Arnsberg. 1816 erster Oberpräsident der Provinz Westfalen, Sitz in Münster. 1826 Tod der 1. Frau. 1827 Eheschließung mit Luise von Hohnhorst. Vincke gehörte zu den volkstümlichsten preußischen Beamten seiner Zeit. Er starb 1844 in Münster.

Gemäß seiner Tagebücher kam von Vincke am 10. Juli 1816 durch Freienohl: „...in Brilon auf der elenden Straße herumgewandert – die Ruhr begrüßt in Nuttlar -großer Chausseeangriff (es ging um die Fertigstellung der Chausse) – Freienohl – und um 7 Uhr … Arnsberg...“ Am 21. Mai 1818: „... mit Fürstenbergischen Pferden – das Wetter vortrefflich – Freienohl – Galiläa und Runge besucht – Graf Westfalen in Laer ...“ (H. Ludger Graf von Westfalen: Die Tagebücher des Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke, 1813-1818; V. Aschendorff, Münster 1980, 779 S.; hier S. 274, 423)

Bestimmt etwas davon wussten die Freienohler. Und – aus einer Lobesrede – manche Freienohler sahen ihn so: „Und war er nicht ein solcher freier westfälischer Bauer durch und durch, wenn er in seiner Leibtracht, den blauen Leinwandkittel, einherging, oder gar mit hinaufgerutschten Beinkleidern zu Pferde saß – das Soldatenmützchen auf dem Kopfe, das kurze Pfeifchen, an dem er auf dem letzten Knopfe biß, im Munde, - und in dem runden pausbackenen Gesichte das gutmütige Lächeln um die vollen Lippen, den klugen Blick in dem schönen blauen Auge, die Haare schlicht über die Stirn fallend, - in allem der herzgewinnende Ausdruck tiefen Wohlwollens, edler Einfachheit und großen Verstandes, - so ganz das Bild des wackeren Landmannes, welchem bei allen Reichtümern in der geistigen Schatzkammer seines erfahrungsreichen Lebens doch der schönste Schatz, - jenes Kleinod seiner Kindheit; die Einfalt des Gemütes bleibt. Er war zuletzt eigentlich Bürgermeister von Westfalen; denn er mischte sich, stets zwar zu gutem Zwecke und mit Einsicht und Geschick, in alle kleinsten Verhältnisse der Verwaltung..“ Jacobi (Magdalena Padberg: Als wir preußisch wurden. Das Sauerland von 1816 bis 1849, Grobbel V. Fredeburg 1982, S. 26)

Die Freienohler, vielleicht sogar die Freienohler Straßen-Bauleute können durchaus diese Geschichte gekannt haben: Freiherr von Vincke kam eines Morgens früh im eigenen Gefährt zum ersten Male nach Meschede (da muss er durch Freienohl gekommen sein), um die dortigen ihm unterstellten Behörden unerwartet zu kontrollieren. Er verließ den Wagen schon vor der Einfahrt in die Stadt und gab dem Kutscher Anweisung, zum zum Gasthof Schäffer (dann Hotel Baxmann, in der Nähe der jetzigen – 2009 – Volksbank in Richtung zur Arnsberger Straße) zu fahren und dort zu bestellen, dass er gegen Mittag zum Essen kommen würde. - Als der Kutscher im Hofe die Pferde ausgespannt hatte, ging er die Treppen hinaus und sagte dem an der Tür stehenden Wirt: „Heute Mittag habt Ihr hohen Besuch zu erwarten, der Oberpräsident von Vincke ist in der Stadt, der will bei Euch essen.“ - „Jömmer joh“, erwiderte Schäffer, „dät driept dai awwer gutt: van Middag kummet Krammetsvuile op den Disk.“ - Nachdem von Vincke sich über den Stand der Dinge auf dem Landratsamt, dem Kreisgericht und dem Bürgermeisteramt unterrichtet hatte, ging er gegen 12 Uhr zum Gasthof. - Der Besitzer stand wie gewöhnlich am Eingang, vermutete aber durchaus nicht in diesem Fremden, der mit einer alten Soldatenmütze, blauem Kittel und schäbiger Hose bekleidet war, den Oberpräsidenten von Westfalen vor sich zu haben. Als der Besucher daher auf die Tür zur sogenannten „Heerenstuawe“ auf der rechten Seite vom Hausflur zuging, rief Schäffer ihm zu: „Do hör Ey nit hen, Ey mottet do links in de Kutscherstuawe gohn!“ - Still vor sich hinächelnd, folgte von Vincke der Weisung. Es dauerte nicht lange, da kam Vinckes Kutscher heraus, um nach den Pferden zu sehen. - Im Vorbeigehen sagte ihm Schäffer, dass er noch immer auf den Oberpräsidenten warte, der sich doch für 12 Uhr angesagt hätte. Der Kutscher erwiderte: „Der Freiherr sitzt ja in der Stube links, wo ich war, und wartet auf das Essen.“ Mit den Worten: „Wann Ey de Oberpräsident sind, dann mott Ey hey riut, dann hör Ey in de Heerenstuawe“, holte Schäffer sofort seinen hohen Gast von den Kutschern weg und schob ihn in die „Gute Stube“. Dort war der große Tisch schon gedeckt für zehn Personen. Schäffer wies Freiherrn von Vincke den Ehrenplatz an der Tafel an und setzte sich links neben ihn.Nachdem die übrigen Gäste auch ihre Plätze eingenommen,wurde die Suppe und danach als Vorspeise, eine Schüssel  mit Krammetsvögeln aufgetragen. Selbstverständlich wurde die Delikatesse zuerst dem Freiherrn von Vincke angereicht, der mit schnellem Blick erkannte, dass für jeden Tischgenossen ein Vogel bestimmt war. Trotzdem legte er, um den Wirt Schäffer in Verlegenheit zu bringen, kaltlächeln zwei Vögel auf seinen Teller und gab die Schüssel weiter an seinen Nachbarn zur Rechten. Nachdem sich jeder der übrigen Tischgenossen mit einem Vogel bedient hatte, gelangte zuerst die die vollständig entleerte Schüssel an den Gastgeber Schäffer. Der besann sich aber nicht lange, sondern holte sich mit einem kühnen Gabelstich einen einen Vogel von Vinckes Teller, wobei er zum Gaudium aller Teilnehmer rief: „O Vedderken, iet ok Ziufeln, et giet nit alle Dage Krammetsvuile.“ Und der Beraubte erhob sein Glas und trank auf das Wohl des Räubers. (Wilhelm Kathol in: Der Kreis Meschede im Spiegel der Geschichte, 2. Teil: 1400-1850, Heft 4, H. von Schulrat Leines, Meschede, o.J.)    

Ganz knapp,  fast eine Zusammenfassung:

Der politische Wechsel von Hessen nach Preußen kam mit dem Wiener Kongress 1815, endgültig mit dem Staatsvertrag in Frankfurt am Main 1816: das Herzogtum Westfalen wurde preußisch.

Die neue “Chaussee”, die von Arnsberg fachlich und behördlich beaufsichtigte  “geschotterte” Straße war kein “Weg” mehr. „Im Jahre 1810 wurde durch Freienohl die jetzt dort befindliche Kunststraße angelegt.“ So steht es in zwei Gerichtsprotokollen am 17. Oktober 1851 und am 7. Februar 1852, wo die Gemeinde Freienohl in einen ganz anderen Wegebau-Prozess verwickelt war. (AA 530) 1816, als die Chaussee schon wenige Jahre fertig war, spricht jedenfalls die Post vom “preußischen Schnellkurs”, vom “Dahinschweben”, nennt den Straßenverkehr freilich auch noch “abenteuerlich und lebensgefährlich”.

Von einer ganz und gar anderen Lebenssituation berichtet allerdings Pfarrer Kost zum 9. April 1828; er schreibt: „Ad perpetuam rei memoriam“ . Zum ewigen Gedenken an dieses Ereignis: „Nachmittags halb zwei Uhr traf hier der höchst betrübte Unfall ein, dass durch das außerordentliche Jagen des Königlichen Preußischen Packwagens auf der Chausse unter der Schule Heinrich, der vierjährige Sohn der Eheleute Heinrich Vogt und Christine Knickenberg feige überfahren und dadurch getötet wurde.“ -  Daneben steht – freilich in Latein – der Eintrag: An derselben Stelle starb am 12. Juli 1863 der junge Antonius Gördes.“ (PfA  Sterbelisten Band 8)

 

Im Internet ist viel zu lesen und zu sehen zur Geschichte des Straßenbaus.

Diese Daten über das Ereignisfeld und Erlebnisfeld des Chaussee-Baus durch Freienohl sollen die sicher gleichzeitige Einrichtung des neuen “Alten Friedhofs” deutlich machen.

 

4.  Der neue Alte Friedhof zeigt auch ein neues prägendes Erlebnisfeld  für das Freienohler Zusammenleben Anfang des 19. Jahrhunderts:

Also ein Extra-Kapitel mit einem Extra-Namen und einem Extra-Einstieg:

 

4.1.  Friedhofs-Visite: Wie wir unsere Versorbenen ehren und achten

Ein paar Vorbemerkungen

Für den historisch genau Interessierten ist noch offen das Datum, wann denn nun auf dem alten Kirchhof die letzte und wann auf dem neuen “Alten Friedhof” die erste Bestattung war. Im Kirchbuch “Sterbelisten” steht auf den möglichen Seiten vom bestattenden Pfarrer keine Bemerkung, auch im Pfarrarchiv und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn ist nichts zu finden (2009). - Dr. Wolf stützt sich in seiner Chronik “Freiheit Freienohl” auf die oben schon erwähnte “Geschichte der Pfarreien des Dekanats Arnsberg” vom emeritierten Pfarrer F.A. Höynck, 1910. Damals gehörte Freienohl kirchlich zum Dekanat Arnsberg. So meint Höynck den jetzt “Alten Friedhof”: “Der Kirchhof wurde 1820 statt des alten um die Kirche liegenden Begräbnisplatzes angekauft und seitdem mehrmals vergrößert. Von der Kirche ist er ein paar Minuten entfernt.” (S. 275)  Fertig gestellt war 1820 gewiss alles.  Wahrscheinlich früher, etwa 1810, 1814, 1816. -  Aus Arnsberg liegt vom 17.9.1811 ein Schreiben an den Magistrat in Freienohl vor: wegen des Straßenbaus sind „manchen“ Freienohlern „Grundstücke fortgenommen worden, auch dem Pastorat.“ (PfA  A1)

Ab dem 16. Juli 1821 kam Freienohl vom Erzbistum Köln zum Erzbistum Paderborn; dieser Bistums-Wechsel bewirkt wohl auch, dass  die „Akten-Lage“ unvollständig ist. -

Einige Einzelheiten aus dem Protokoll der Gemeinde-Versammlung vom 5. Februar 1847 sind zwar schon bekannt, doch es gibt auch einiges Neue und Original-Deutliches für das Zusammenleben: Die Überschrift in der Akte: „Den Totenhof zu Freienohl betreffend. Der ursprüngliche Kirchhof des hiesigen Kirchspiels (ein altes Wort für Pfarrgemeinde) war beider Kirche belegen (heutzutage: gelegen). Vor mehr als 40 Jahren wurde die Anlage der neuen Kunststraße durch den hiesigen Ort ein Teil von dem Kirchhof zu der Straßen-Anlage gewonnen. Dadurch war die Notwendigkeit entstanden, den Kirchhof zu verlegen. Der hier gedachte um die Kirche belegene frühere Kirchhof gehörte damals sowohl auch jetzt der Kirchengemeinde. Zur Beschaffung des Platzes zu dem neuen Totenhof (der neue Name, weil nicht mehr um die Kirche gelegen) wurde ein Grundstück von dem Caspar Cohsmann gnt. Claren erworben, Derselbe verlangte jedoch dafür durch ein anderes Grundstück entschädigt zu werden. Die Kirchengemeinde besaß indessen kein Grundstück, um dem Cohsmann in der verlangten Art zu entschädigen. Es verstand sich jedoch die politische Gemeinde dazu, dem Cohsmann für das von ihm zum Kirchhof als zu gebende Grundstück ein anderes Grundstück als Eigentum unter der Bedingung zu überweisen, dass jeder katholische Kirchspiel-Eingesessene 1 Taler bezahle und das Geld zur Gemeindekasse fließe, um damit sich für das Grundstück bezahlt zu machen. Es hat hierauf jeder katholische Kirchspiel-Eingesessene den fraglichen Taler bezahlt und ist mit dem Geld die politische Gemeinde, für die dem Cohsmann gewährte Grundentschädigung befriedigt worden. In späteren Jahren stellt sich die Notwendigkeit ein, den Totenhof zu erweitern und besser zu gestalten. Zu diesem Ende wurde einem Teil von dem an den neuen Totenhof grenzenden katholischen Pastoratsgrundstück zu demselben und zwar ohne Vergütung hergegeben, weil das eine wie das andere katholisches Kirchspiels-Eigentum ist. Aus diesen angeführten Gründen kann die katholische Gemeinde Freienohl keinen Anspruch wieder an den früheren um die Kirche belegenen, noch an den jetzigen Totenhof begründen und muss dabei solche den früheren Kirchhof sowohl als den jetzigen als ausschließliches Eigentum der katholischen Kirchengemeinde anerkennen.“  (AA 395)

 

Diese Visite wird keine besinnliche Lesestunde sein. Vielmehr  möchte diese möglichst gründliche Daten-Sammlung aus den Unterlagen, Akten  im Freienohler Amtsarchiv im Alten Amtshaus, im Pfarr-Archiv unserer St. Nikolaus-Pfarrei im Pfarrhaus und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn, im Stadtarchiv Arnsberg und in den angegebenen Quellen Anlass für eine über 200 Jahre lange Visite durch unser Zusammenleben möglich machen.   Warum Visite? Weil eine Visite öfters gemacht wird. Weil eine Visite mehr ist als ein wiederholter Besuch.

 

Gliederung:

-      Visite in der St. Nikolaus-Kirche.

-      Visite auf dem ehemaligen Kirchhof, draußen um die Kirche herum.

-       Visite auf dem Alten Friedhof, Totenhof, zwischen Pfarrhaus und Grundschule.

-       Eine Visite auf dem Waldfriedhof, dem Neuen Friedhof, unterhalb des Küppels oder Auf´m Hahn wird hier ausgespart

Andere Namen für Friedhof: Kirchhof, Totenhof, Gottesacker.

Zu den Quellen-Angaben: AA und Nummer: zum Findbuch im Stadtarchiv = Amtsarchiv der Stadt Meschede, hier immer Abteilung Freienohl; PfA und Nummer zum Findbuch = Pfarr-Archiv St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl, Pfarrhaus, Findbuch auch im Stadtarchiv; EBAP = Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Generalvikariat Meinwerk-Haus.

4.2.  Unsere Visite

 

4.2.1.   Visite bei Verstorbenen IN unserer St. Nikolaus-Kirche

Zunächst stichwortartig einige Grund-Informationen:

Im Altar sind in einem ganz kleinen Gefäß noch kleinere Reliquien von zumeist einem Heiligen aufbewahrt. Dieser Brauch ist eine hohe Auszeichnung für den Verstorbenen. Reliquien sind sterbliche, besonders und ehrfürchtig aufgehobene leibliche Überreste hoch geachteter Christen.

Der Altar ist ein Symbol für Jesus Christus. Ein Symbol ist qualitativ mehr als ein Zeichen.

Auf dem Altar-Fuß (auch Stipes genannt) sind bildhaft in Stein gemeißelt ein Gebirge, Feuerflammen, in ihnen ein Kreuz. Das soll bedeuten die Geschichte von Mose, dem Führer des Alten Volkes Gottes, mit Gott, mit dem Namen Gottes am brennenden Dornbusch: Jahweh (dabei sind auch möglich diese eingedeutschten Schreibweisen: Jachwech, Jehovah):; in der Einheitsübersetzung der Bibel steht dafür auf Deutsch: „Mein Name ist der ICH BIN DA“. Wer sich in der Philosophie und Theologie des 13. und 14. Jahrhunderts  auskennt, für den ist diese Übertragung sehr lebendig. Noch viel lebendiger und erfahrungsreicher ist für Heutige diese Übertragung genau so richtig: "Mein Name ist: Ich war immer für euch da - Ich bin immer für euch da - Ich werde immer für euch da sein!"  Der brennende Dornbusch “äußerlich” gesehen: ein Zeichen, ein Signal für das Alte Volk Gottes. Darin das Kreuz “innerlich” gesehen das Zeichen, das Signal für das Neue Volk Gottes, für die Christen, für Jesus Christus.

Bevor ein Altar in einer katholischen Kirche für die Eucharistiefeier benutzt wird, wird er von einem Bischof geweiht: mit brennendem Feuer gereinigt als altes Zeichen für äußerste Reinheit (Reinheit ist qualitativ mehr als Sauberkeit), an den 4 Ecken sind je 1 Kreuz eingraviert, hinweisend auf alle vier Himmelsrichtungen, alles umfassend.

Die  "Alte Kirche" ist ein Neubau nach der "Ganz alten Kirche"; von Pfarrer Bartholdus Pöttgen: 1753, am 23. Juni. (Einzelheiten zur Baugeschichte: „Festbuch“: 1753-2003: 250 Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus Freienohl, S. 6 ff.) Das jetzige, künstlerisch sehr wertvolle Portal könnte gekauft worden sein vom damals „still gelegten“ Frauen-Kloster Odacker bei Hirschberg; denn gewichtige „Mitarbeiter“ von Pfarrer Pöttgen, der aus einer Mescheder Bau-Familie stammt, kommen aus jener Gegend. - Der Durchgang durch dieses Portal ist nicht ohne Symbolik: aus dem Alltag des Dorflebens über den Kirchhof, auf dem manche Familienmitglieder ruhen, hinein in das Gotteshaus, - oder umgekehrt.

Die Reliquien in der Alten Kirche waren von den 1 000, später sprach man von 11000 Gefährtinnen der Hl. Ursula von Köln. - Warum diese Reliquien nicht mehr “verwendet” worden sind, war im Pfarrarchiv und im EBAP, im Erzbischöflichen Archiv Paderborn, nicht genau fest zu stellen. Wahrscheinlich war man – 1959  bei der Altar-Renovierung  - von der Echtheit, Glaubwürdigkeit dieser Reliquien nicht so sehr überzeugt. 

Die “neuen” Reliquien von 1959 im Hochaltar sind vom Hl. Candidus mit seinen Gefährten. Candidus war römischer Offizier wie der Hl. Mauritius und der Hl. Exsuperius. Mauritius war der Primicerius, der Anführer der Thebäischen Legion, die aus Afrika stammte. Das Martyrium der drei Offiziere ereignete sich am 22 September zwischen 280 und 300 bei Agaunum / Martigny (St. Moritz) in der Schweiz. Der Kaiser Maximianus Herkulius, ein wüster Christenverfolger und auch sonst und politisch ein unangenehmer Zeitgenosse, ließ die aus der ägyptischen Thebais stammende, aus 6600 christlichen Soldaten bestehende Legion zuerst zweimal dezimieren (jeden 10. der in einer Reihe stehenden Soldaten mit dem Schwert töten) und dann die ganze Legion nieder hauen, weil die Legionäre die Mitwirkung an der Christenverfolgung verweigerten. - Dargestellt wird der Hl. Mauritius in militärischer Rüstung mit Körper-Panzer, Lanze oder Fahne, im Spätmittelalter (bei Matthias Grünewald) als bewaffneter Farbiger. - Reliquien eines farbigen Afrikaners in unserem Hochaltar, das ist schon etwas ganz besonders Auszeichnendes!

Wir sprechen von der “Ganz alten Kirche”: bis 1753. von der “Alten Kirche”: bis 1888, ab da von der “Erweiterten, jetzigen Kirche”. Skizzen stehen im “Festbuch” S. 25 oder in den beiden Ringbüchern „Kirchenführung durch unsere St. Nikolaus-Kirche“, die im Turm am Schriftenstand ausliegen.

Die Visite geht weiter:

Beim Neubau einer Heizungs- und Lüftungsanlage 1985 wurden u.a. zwei Grabstätten entdeckt. Man wusste aufgrund von Urkunden schon immer von ihnen:

- Das Grab der 12-jährigen Tochter des hessischen Kaiserlichen Wachtmeisters Matthias von 1634, mitten im 30-jährigen Krieg: der Landgraf  Wilhelm von Hessen hat, hatte mit den Schweden das Kloster Wedinghausen in Arnsberg belagert. (Das jetzige Stadtarchiv Arnsberg; hinter der Propsteikirche, links vom Gymnasiusm Laurentianum) Als “Bestechung” für eine solche, nicht übliche Bestattung erhielt der Pfarrer einen vom Wachtmeister geraubten silbernen Kelch. Der ist leider nicht mehr vorhanden. Das ursprüngliche Grab befand sich vom Haupteingang aus auf der rechten Seite, auf Bankhöhe direkt  vor dem Quergang, über dem Heizungs-Lüftungsschacht; jetzt mit anderen Gebeinen unter dem Seitenaltar im rechten Seitenschiff, dem Olper Schiff. 

- Das Grab des Erbauers der Alten Kirche: Pfarrer Pöttgen (gestorben 1775) ist hinten bei der Hl. Franziskus-Figur (dem Vorbild für Bescheidenheit und Verzicht auf Macht und Macht-Gehabe), eben davor beim Ausgang des Heizungs-Lüftungsschachts. Hier stand früher das Taufbecken, für Christen "richtig" im Eingang zur Kirche.

Beim Heizungsneubau sind noch mehr in der Kirche Bestattete gefunden worden. Ein paar Gebeine wurden mit einer Urkunde auch unter den jetzigen Seitenaltar im rechten Seitenschiff, dem Olper Schiff umgebettet. Früher stand hier der dem Hl. Joseph gewidmete Seitenaltar (zu ihm Ausführlicheres s.u.) Noch mehr Gebeine wurden auf dem Waldfriedhof bestattet.

 

4.2.2.   Visite  auf dem ehemaligen Kirchhof draußen um die Kirche herum

Eine ganze Reihe historisch geordneter Informationen:

Im Jahr 1612 steht in einer Akte: "Ein bestimmtes Haus steht besonders nahe auf dem Friedhof nahe der Kirche."  Unbekannt ist, welches Haus gemeint ist; es könnte ein "Beinhaus" sein. Eine Art Aufbewahrungsort, nach 30 - 50 Jahren braucht man wieder Platz für neue Bestattungen. Aber ein Beinhaus ist eigentlich kein „richtiges“ Haus.

(PfA  A5)

1710: „Das anstoßende Beinhaus war abgebrannt.“ (Höynck: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Arnsberg, 1910, S. 272) Gemeint ist das Beinhaus bei der „Ganz alten Kirche“.

Im Jahr 1636 herrschte in Freienohl die "Große Pest".  Manche Freienohler starben. Es gab das Gerücht: aus Angst vor Ansteckung seien die Verstorbenen außerhalb des Dorfs, auf dem Hohlknochen bestattet worden. Und wegen der begrabenen Knochen heiße der   Ort Hohlknochen.  Das kann nicht stimmen. Denn das Wort "Hohlknochen" ist für diesen "Ortsteil" am Mondsiepen älter. Hohlknochen hieß schon vor jener Pest das gesamte Waldstück ab der Langelbrücke bis unterhalb des neuen Waldfriedhofs, bis „Auf'm Hahn“. - Pfarrer Caspar Erlmann (Pfarrer in Freienohl: 1797-1806, vorher Kaplan und Religionslehrer in Meschede, geb. 1767 in Grevenstein) berichtet ziemlich ausführlich über Freienohl, auch über diese Große Pest, erwähnt aber nichts über Bestattungen auf dem Hohlknochen. Er kann das auch vergessen haben. - Überzeugend ist dies: zunächst die Vor-Information:: Der Weg von Freienohls Mitte den Hügel hinunter zur Langelbrücke, wieder hinauf Auf'm Hahn, vorher über das Mondsiepen, dann durch die Giesmecke zum Plackweg; endlich die uralte Verbindung von West nach Ost, oder von Ost nach West, oder auch direkt weiter nach Norden: Hirschberg, nach Soest oder nach Warstein. - Zur Haupt-Information: Im Mittelniederdeutschen Wörterbuch von Karl Schiller und Antonius Lübben, 1875 – 1881 steht auf Seite 285, Zeile 18-22 bei „hol“: „Höhle, Loch für den Wasserabfluss eine quer unter den Weg gelegte aus einem hohlen Baumstamm oder aus Bohlen oder Steinen belegte Öffnung.“ (www.mediaevum.de)  Genau der Wasserabfluss für das Mondsiepen! - Das Wort „Hohlknochen“ wurde ursprünglich ohne „h“ geschrieben: „Holknochen“; das „o“ wird gesprochen so zwischen „ou“ und „au“, So geschrieben in einer Urkunde vom 15. Juni 1771. In ihr handelt es sich um Schuldverschreibungen zwischen  Caspar Wil(e)ke mit seiner Ehefrau Elisabeth und Georg Geihsler mit seiner Ehefrau Maria Margaretha. Es geht um „einen halben Morgen Land auf dem Holknochen, stoßend mit einem Ende an Schwers und mit einem Ende an Vohses Land“. Unterschrieben vom „Freiheits-Sekretär“ Johannes Heinrich Ahsmann. (PfA  A2)

Im Jahr 1737 steht in der Akte einer bischöflichen Visitation: "Der Friedhof ist rundum abgeschlossen." Gemeint war damals damit eine Mauer, wenn auch nur eine kleine, 50, 70 cm hoch, kein Zaun im heutigen Sinn. (EBAP XVIII b 16)

"Traufkinder" sind direkt an der Kirchen-Gebäude-Wand bestattete tot geborene,  viel zu früh gestorbene, von den Eltern oder der Hebamme not-getaufte Kinder. Sie wurden durch das vom Himmel über die Traufe (es gab keine Regenrinne, deswegen) herab fließende Regenwasser getauft - im Volksglauben.

In der Einleitung schon angedeutet, hier entfaltet:

Am “10ten Brachmondes”, am 10. Juni 1785 gibt der Erzbischof von Köln und Kurfürst Maximilian Franz, der kirchlich und politisch  auch für das kurkölnische Sauerland zuständig ist, aus seiner Residenzstadt Bonn die Order bekannt: Die Städte und Ortschaften sollen ihre Verstorbenen nicht mehr auf den Kirchhöfen bestatten, sondern außerhalb der Städte und Ortschaften. Er nennt keine Gründe, meint aber wohl hygienische. Auch in Friedhofsakten anderer Städte und Gemeinden ist nachzulesen, dass die Kirchhöfe in jenen Jahren nicht mehr vergrößert werden konnten – wegen dicht anliegender Häuser. Und manche Bestattungen wurden vorgenommen im zeitlich zu schnellen Abstand, zweifach, dreifach übereinander;  vor allem bei Regenwetter und im Winter: Peinlichkeiten entstanden, Pietätloses wurde sichtbar.

Wichtig an diesem Datum – 1785 – ist auch, dass Ursprung dieses hygienischen Konzepts nicht Kaiser Napoleon war (wie heutzutage manchmal noch angenommen wird).

Am 20. Dezember 1785, ein paar Monate später, gibt der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Franz von Österreich eine neue Order heraus (in heutiger Rechtschreibung): “An verschiedenen Orten Unserer Kurlande (Unseres Kurfürstentums) hat bis hierhin die Gewohnheit bestanden, dass bei Überbringung der Leichen von entfernten Orten zu den Kirchhöfen der ordentliche Weg nicht eingehalten, sondern die Leichen und Leichenwagen samt dem ganzen Zug über einen besonderen sogenannten Leichenweg durch Gras und Früchte, sogar mit Niederwerfung der Ufer und Zäune geführt worden sind. Da Wir aber diesen Missbrauch, wodurch den Äckern und Wiesen ein merklicher Schaden zuwächst (zugefügt wird), durchaus abgeschafft wissen wollen, so verordnen Wir hiermit gnädigst, dass hinfür (ab jetzt) alle und jede Unsere Untertanen bei Überbringung der Leichen zu den Kirchhöfen keines anderen als des gewöhnlichen Fuhrwegs sich bedienen sollen...”

Diese -zweite – Order betraf unseren Kirchhof nicht. Nach Süden, zum jetzigen Parkplatz, ging es damals etwas bergauf; nach Norden, über die jetzige Hauptstraße hinweg, hing es bergab bis zur “Alten Dorfstraße”. Und der Kirchhof war oft feucht und nass; eine Kanalisation gab es noch nicht. Unter dem jetzigen Altar- und Tabernakel-Raum, den es zur Zeit der Alten Kirche noch nicht gab, lief ein bescheidenes, aber beständiges Siepen.

Und die erste erzbischöfliche und kurfürstliche Order wurde bei weitem nicht sofort in die Wege geleitet. Zudem ist nicht bekannt, wann die Order Freienohl erreicht hatte, ein „Lesedatum“ ist in der Akte nicht notiert. Die politische Entwicklung half weiter. Der Kölner Kurfürst und Erzbischof stirbt am 27. Juli 1801. Das Herzogtum Westfalen, das kurkölnische Sauerland, wird 1802 Besitz des Landgrafen Ludwig X. von Hessen-Darmstadt. Die Hessen haben das Sagen. Das wurde an der Basis durchaus nicht immer mit Freude erlebt. Die Hessen schaffen eine ziemlich neue Ordnung. Das gilt auch für den Straßenbau, - auch „Kunststraße“ genannt - ,für die neue Chaussee durch Freienohl, die Arnsberg-Beverunger-Chaussee. Manchmal schrieb man auch Arnsberg-Casseler-Chaussee. Damit gibt es auf dem Kirchhof keine Bestattungen mehr. Erstes Gelände für den neuen Totenhof, - dieser Name taucht in den Akten auf -, wird gekauft, von der Pfarrgemeinde. Sie ist – zeitüblich – Besitzerin . 

(AA  213 Meschede, PfA  A5)

Die “Alte Dorfstraße”, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, ging entlang des Hauses Höhmann / Winkelmann und – wer sich noch erinnert - des alten Pfarrhauses am Anfang der Twiete. Deutlich zu sehen ist das am Hauseingang von Höhmann / Winkelmann. Die Haustür führt direkt auf die “Alte Dorfstraße” und nicht zur Twiete. Ähnlich war das beim alten Pastorat, dessen Eingang lag freilich – wie sich das wohl gehörte – etwa 15 Meter von der Straße entfernt. Die, das Pastorat wurde im Oktober 2009 abgerissen; die beiden „Geschlechter“: weiblich/die und sächlich/das sind grammatisch richtig; in Freienohler Akten des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Form. Der Verlauf der neuen Chaussee wurde im obigen Kapitel vom Straßenbau schon etwas dargestellt; hier geht es nur um den Friedhof.   Die jetzigen Häuser zwischen der Alten Dorfstraße und der jetzigen Hauptstraße gab es da noch nicht. In den Jahren weit über den nächsten Regierungswechsel – Preußen – hinaus, brachte die neue Chaussee den Freienohlern auch viel Ärger durch manche militärischen Durchmärsche, mal von Arnsberg Richtung Brilon, mal von Brilon Richtung Arnsberg, immer durch Freienohl. Das Hin und Her marschierte sich zwar zügiger als früher. Aber die  Einquartierungen waren auch sehr unangenehm und vergrößerten die Armut. Denn das Militär wollte auch versorgt werden. Der politische Wechsel von Hessen nach Preußen kam mit dem Wiener Kongress 1815, endgültig mit dem Staatsvertrag in Frankfurt am Main 1816: das Herzogtum Westfalen wurde preußisch.

Für den historisch genau Interessierten ist noch offen das Datum, wann denn nun auf dem alten Kirchhof die letzte und wann auf dem neuen “Alten Friedhof” die erste Bestattung war. Im Kirchbuch “Sterbelisten” steht auf den  möglichen Seiten vom bestattenden Pfarrer keine Bemerkung, auch im Pfarrarchiv und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn ist nichts zu finden (2009). - Dr. Wolf stützt sich in seiner Chronik “Freiheit Freienohl” auf die oben schon erwähnte “Geschichte der Pfarreien des Dekanats Arnsberg” vom emeritierten Pfarrer F.A. Höynck, 1910. Damals gehörte Freienohl kirchlich zum Dekanat Arnsberg. Höynck meint den jetzt “Alten Friedhof”: “Der Kirchhof wurde 1820 statt des alten um die Kirche liegenden Begräbnisplatzes angekauft und seitdem mehrmals vergrößert. Von der Kirche ist er ein paar Minuten entfernt.” (S. 275)  Fertig gestellt war 1820 gewiss alles.  Wahrscheinlich früher, etwa 1810, 1814, 1816. Eine “Chaussee” war eine fachlich und behördlich beaufsichtigte, wohl auch vom Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke von Arnsberg persönlich, eine  “geschotterte” Straße, kein “Weg”. 1816, als die Chausse wenige Jahre fertig war, spricht jedenfalls die Post vom “preußischen Schnellkurs”, vom “Dahinschweben”, nennt den Straßenverkehr freilich auch noch “abenteuerlich und lebensgefährlich”.

Diese Daten über den Chaussee-Bau sollen die gewiss gleichzeitige Anlegung des neuen “Alten Friedhofs” deutlich machen.

Im Jahr 1805 berichtet der Arnsberger Justiz-Commissarius Gronarz, seit dem 11. Februar 1808 Richter beim Freiheits-Gericht Freienohl, über die umliegenden Häuser am Kirchhof. (An bestimmten Tagen reist er aus Arnsberg an.) Er hatte auch direkt mit dem Chaussee-Bau zu tun: “Nach Norden 3 Häuser plus Pastorat, die vom Kirchhof ziemlich entfernt und niedriger als der Friedhof seien. Nach Osten : 4 Häuser, davon nur 1 = 5 Fuß (1,60 m) vom Tor des Kirchhofs entfernt, die übrigen = 20 bis 60 Fuß (6,40 m; 19,20 m)vom Friedhof entlegen. Nach Westen: 5 Häuser in einer Entfernung von 120 bis 200 Fuß (38,40 m; 64 m). Nach Süden die ganze Freiheit, etwa 70 Häuser, das kleine Haus.” In diesem Text werden die möglichen Besitzer-Namen dieser Häuser nicht genannt, weil auch nicht genau fest zu stellen ist, welche Häuser wirklich gemeint waren. Das mag dem Justiz-Kommissar Gronarz bekannt gewesen sein; zum Gerichtstag kam er regelmäßig nach Freienohl. (Maße für Preußen: 1 Fuß etwa 32 cm)

Ergänzung zu Justiz-Commissarius Gronarz:

Seit dem 11. Februar 1808 war er Richter (Justitiar) beim Freiheits-Gericht Freienohl. Am 12. Februar 1825 hat Freienohl zwar aufgrund oberster Order auf die Jurisdiction (Gerichtsbarkeit, etwas hochtrabend formuliert: auf den der Freiheit eigenen „Besitz“ eines Gerichts) verzichten müssen. Doch wohl wegen seines würdigen Alters blieb Gronarz bis zu seinem Tod am 6. März 1839 Richter in Freienohl. Zwei Tage später, am 8. März 1839, wird auch in Freienohl, wie schon in vielen Städten und Freiheiten im Herzogtum Westfalen das Gericht aufgelöst und dem hiesigen Land- und Stadtgericht in Arnsberg übertragen. Am 13. März 1839 unternimmt Freienohl noch einmal eine Seiten ausführliche „Protestation“ mit seinen Gemeinde-Verordneten Caspar Humpert, Heinrich Lenze gnt. Lichte, Georg Schwefer , Bernard Heckmann, gezeichnet vom Bürgermeister Koffler an die oberste Behörde; doch im Nachhinein wohl selbstverständlich ohne Erfolg. (AA 76,77)

Einschübe, die zum Toten-Gedenken bei uns in Freienohl und auch zum Kirchhof um die „Ganz Alte  Kirche“ herum geeignet sind

1801 gab es in Freienohl 67 Wohnhäuser (in Arnsberg: 252, in Meschede: 172, in Brilon: 406); 1818 gab es in Freienohl 78 Wohnhäuser und 824 Einwohner. - Am 21. Februar 1814 war die Pastorat abgebrannt und wurde 1815 neu gebaut. 

1998: das Priester-Gedenk-Kreuz an der Süd-Seite der Kirche, zum Parkplatz hin, wurde mit dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand von Pfarrer Werner Gerold geplant, angeschafft; hergestellt vom Steinmetz-Künstler Gördes in Hellefeld.

1998: von diesen Beiden stammt ebenfalls die Toten-Gedenk-Leuchte an der Treppe zur Hauptstraße. Wenn ein Freienohler, auch ein nicht katholischer gestorben ist und Frau Elsa Feldmann informiert ist vom Bestattungsinstitut oder vom Pfarrhaus, zündet sie in der Leuchte eine Kerze an - bis zur Beerdigung oder 3 Tage bis zur Urnen-Bestattung. Beim Vorbeigehen – unten auf der Hauptstraße - kann nun leicht ein stilles Gedenken gebetet werden. (PfA PC = Pfarrer-Chronik)

Ein gewichtiges Gedenken ist das „Totengebet“: die Angehörigen eines gerade Verstorbenen, Freunde und vor allem Nachbarn kommen zusammen zum gemeinsamen Beten. Das ist immer und grundsätzlich an Gott, an den Dreieinigen Gott gerichtet und soll dabei für den Verstorbenen und für die Betenden gut sein. Im Grunde ein sogenanntes Privat-Gebet, auch wenn es von mehreren gebetet wird, also kein kirchen-amtliches Beten mit dem zuständigen Pfarrer „an der Spitze“. Die nächsten Angehörigen haben für das gemeinsame Beten einen ihnen bekannten Vorbeter eingeladen. Seit Mitte der sechziger Jahre im 20. Jahrhundert findet dieses Totengebet in der Kirche am Vorabend der Beerdigung statt. So gut zehn Jahre davor wurde das Totengebet in der Kirche an drei Abenden gebetet. Und in den Jahren davor im Haus des Verstorbenen, der war im „guten Zimmer“ aufgebahrt. Dieser Brauch wurde aufgehoben, als sich aus dem Haus die Wohnung entwickelt hatte, die für eine größere, im Dorf übliche Trauergemeinde zu klein geworden war, und für das Weiterleben im Alltag.

 

4.2.3.   Visite auf dem Alten Friedhof, anfangs auch Totenhof genannt

 

Zunächst ganz knapp:

Seine Lage ist bekannt: zwischen dem Pfarrhaus und der Grundschule.

Sein Anfang: zwischen 1800 und 1816. Schon bald und regelmäßig waren Erweiterungen notwendig. Die stehen in den Akten mit genauer "Ortsangabe": 1856 in Richtung Ruhr (die Konrad-Adenauer-Straße – vorher Graf-Gottfried-Straße geheißen - gab es ja noch lange nicht, nur landwirtschaftlich genutzte Grundstücke, Gärten), ferner 1877, 1887 nach Osten, 1891.

Nun ausführlicher:

Vom 5. März 1804: Aus dem Lagerbuch-Eintrag von Pfarrer Caspar Erlmann (in Freienohjl Pfarrer 1797 – 1808) Ein Lagerbuch listet auf die Geld-Einnahmen und -Ausgeben des Pfarrers, der manchmal äußerst sparsam mit dem Papier umgeht, manchmal nicht, manchmal auch mit persönlich wirkenden Notizen. Pfarrer Erlmann: „Der Graskampt (Name einer bestimmten Flur, eines bestimmten Landabschnitts; auch Kamp oder Kämpgen genannt) hinterm Pastorat nach Osten an Göers und Klaren, – und nach Süden an den Weg, Westen Jagers, Norden Klaren – Becker ...(ein paar nicht entzifferbares Wörter) ...habe ich obigen Graskampt (Graskampf) noch ein ober Winkelmann und Sassen gelegenes Wiesenplätzchen von Kaisers angekauft, welches ganz zwischen den Pastoratsgründen lag für (Geldbetrag nicht entzifferbar).“ - Leider fehlt hier die Aussage: „Gekauft für den neuen Friedhof.“ (PfA  B3, S. 23 und S. 124 wohl nicht von Pastor Erlmann geschrieben, aber inhaltlich dasselbe, nur etwas kürzer gefasst.)

Einen etwas anderen Anfang für den neuen Alten Friedhofs gibt es im Pfarrarchiv (PfA  A 5) und im Stadtarchiv Freienohl (AA 1813): vom 5. Februar 1847 fast denselben Text; der im Stadtarchiv ist etwas ausführlicher, daraus hier ein Auszug: Beschluss der Gemeindeversammlung unter Vorsitz des Amtmanns Devivere und unter Teilnahme der Gemeinde-Verordneten Sasse, Düring, Trompetter, Geissler: Vom hochwürdigen Generalvikariat (Paderborn) war an den Herrn Landdechanten ein am 2. Oktober 1846 erlassenes Circular (Rundschreiben) und Betreff des Eigentums der Kirchhöfe und war vom hiesigen Ortspfarrer Herrn Sporkmann hier abgegeben und der darauf verlangte Beschluss der Gemeindeversammlung abzufassen. Die Gemeindeversammlung erklärte: „Der ursprüngliche Kirchhof des hiesigen Kirchspiels war bei der Kirche gelegen. Vor mehr als 40 Jahren wurde bei Anlage einer Kunststraße (also vor 1807, und: was  heutzutage der Autobahn-Bau ist, war damals die ziemlich schnurgerade, nach genauen Bauplänen „konstruierte“ Chaussee) durch den hiesigen Ort ein großer Teil von dem Kirchhof zu der Straßenbauanlage genommen. Dadurch war die Notwendigkeit entstanden, den Kirchhof zu verlegen. Der hier gedachte um die Kirche belegene (gelegene) frühere Kirchhof gehörte damals sowohl als jetzt der Kirchengemeinde.  Zur Beschaffung des Platzes zu dem neuen Totenhof wurde ein Grundstück von dem Caspar Cohsmann genannt Claren erworben. Derselbe verlangte jedoch dafür, durch ein anderes Grundstück entschädigt zu werden. Die Kirchengemeinde besaß indessen kein Grundstück, um dem Cohsmann gt. Claren in der verlangten Art zu entschädigen. Es verstand sich jedoch die politische Gemeinde dazu, dem Cohsmann für das von ihm zum Kirchhof abzugebende Grundstück ein anderes Grundstück als Eigentum unter der Bedingung zu überweisen, dass jeder des katholischen Kirchspiels Eingesessene 1 Taler bezahle und das Geld zur Gemeindekasse fließe, um damit sich für das Grundstück bezahlt zu machen.“ Das ist so geschehen. In späteren Jahren wurde es notwendig, den Kirchhof zu erweitern „und besser zu gestalten“. So wurde ein Grundstück-Teil des katholischen Pastorats zur Erweiterung benutzt, ohne Vergütung, weil die Besitzverhältnisse sich nicht geändert hatten. (AA  1813)

Am 16. Juli 1821 wird die Pfarrei St.Nikolaus Freienohl dem Erzbistum Paderborn übertragen; vorher gehörte sie zum Erzbistum Köln. Dieses Ereignis erschwert die Suche nach einem genauen Datum des Wechsels der Bestattungen vom Kirchhof zum neuen (Alten) Friedhof. (PfA 01)

Bekannt ist das Jahr des Straßenbaus. In Gemeinde-Versammlungen geht es im Jahr 1850 um die „Instandsetzung der Friedhofsmauer“; damit war gemeint die „Vorgängerin“ der jetzigen Mauer zwischen Hauptstraße und Kirche. Am 10. April 1850 hat der Schuster Franz Lardon, 70 Jahre alt, erklärt: „1810 wurde die Chaussee angelegt und die Kirchhofsmauer gegenüber Raulf (Parzelle 721, Ecke Hauptstraße / Twiete) wurde höher gelegt. Die war vorher 5 oder 6 Tritte hoch, danach 14 Tritte.“  Tritt ist ein Höhenmaß für Treppenstufen; 1 Tritt etwa 18 cm hoch; also von 1,08 m bis zu 2,52 m. Der Beitrag von Franz Lardon ist glaubwürdig; er wird auch vom damaligen Schultheiß Franz Feldmann bestätigt. Der „Umkreis“ von Franz Lardon bestand aus in Freienohl achtbaren Personen: Hermann Spillert, Heinrich Assmann, Bernard Feldmann, Franz Feldmann, Franz Schröer gen. Kleinschmidt, Fritz Lenze, Johann Heinrich Schirp, Theresia Neise, Heinrich Sasse (Gemeindevorsteher, Gemeindeverordneter). Das geht hervor aus Trauungsregistern und Gemeinde-Protokollen.  (AA 530)

In jenen Gemeindeversammlungen haben die Gemeinde-Verordneten mit dem Amtmann die Gerichtsverhandlungen mit dem Wegebau-Fiskus (mit der Finanz-Behörde des Chausse-Bau-Amtes) in Arnsberg vorbereitet. Darum geht es: wer bezahlt den notwendigen Mauerbau, die Gemeinde Freienohl oder „der Staat“? Aus dem Gerichtsurteil vom 7. Februar 1852: Im Namen des Königs. In Sachen der Gemeinde Freienohl als Klägerin gegen den Königlichen Wegebau.Fiskus, vertreten durch die Königliche Regierung zu Arnsberg... (Personen des Gerichts werden genannt) ...aufgrund der Akten und der mündlichen Verhandlung... Im Jahre 1810 wurde durch Freienohl die jetzt dort befindliche Kunststraße angelegt. Ein Teil des mit einer Mauer umgebenen Kirchhofs fiel in die Wege-Linie, die Mauer wurde hier weggenommen und es wurde von der Wegebau-Kommission (s.o. 1805, Gronarz) eine höhere Mauer errichtet... die jetzige zum Kirchhof führende Treppe habe statt der früheren 5 – 6 Tritte jetzt 14 Tritte. Die frühere Mauer sei  in Kalk  aufgeführt gewesen und habe eine lange Dauer versprochen; die neue sei aber mit Moos ausgefüllt worden, sei daher um so weniger im Stande , den ganzen Schutt der hinter ihr liegenden Erdmasse anzuhalten als die frühere, welche frei gestanden habe; daher soll denn die Folge entstanden sein, dass die Mauer an vielen Stellen ein zu stürzen drohe und eine neue Mauer erforderlich sei, statt dass, wenn die alte Mauer geblieben wäre, die Erbauung einer neuen noch nicht nötig sein würde.“ - Der Wegebau-Fiskus sollte die neu zu errichtende Mauer zahlen; der weigert sich. - Fortsetzung im Gerichts-Text: „Aus der damals (1810) vom Fiskus gemachten Anlage einer neuen Mauer kann durchaus nicht gefolgert werden, dass außerdem in Beziehung auf diese Mauer (1851/52) noch irgendeine Verbindlichkeit oder eine Last für die Zukunft übernommen werde... Die zehnjährige Verjährungsfrist ist daher längst vollendet.“ (AA 530, diese Akte von 1846 bis 1852 besteht aus 165 zumeist beidseitig geschriebenen Seiten)     

Eine etwas eigenwillige, aber nicht lange haltbare Argumentation steht in einem Gemeinde-Protokoll vom 17. Oktober 1851: Der Kirchhof ist normalerweise Eigentum der Kirchengemeinde, infolge des Chausseebaus 1810freilich Eigentum der (politischen) Gemeinde. - Am 27. August 1857 heißt es im – politischen – Gemeinde-Protokoll wieder: Der Kirchhof (gemeint ist der neue Friedhof) ist Eigentum der Kirchengemeinde.  (AA 530)

Noch eine Anmerkung zum Grundstück-Kauf für den neuen Friedhof. Und bei dessen Erweiterungen tauchen diese Namen auf: Clarmann (= Claren), Spenschröer (Penschröer), Peters / Petersmann, Caspar Kohsmann gen. Claren, Franz Wrede, Trompetter, Witwe Krick gt. Michels. Ein miteinander Vergleichen dieser Namen in den Kirchenbüchern: Geburtsregister, Trauungsregister, Sterbelisten zeigt, dass diese Freienohler miteinander verwandt sind und dass ihre Grundstücke am Rand oder außerhalb des Orts dicht beieinander, nebeneinander liegen, auch die Teile des Alten Friedhofs,

Eine Entfaltung dieser Familien-Verbindungen wird hier ausgespart. Nur dies: der Beiname „Claren“ hat nichts mit Schnaps, mit einem „Klaren“ zu tun; vielmehr hat ein Cohsmann – damit dann später auch ein Pöttgen – in die Familie Gaudenz Claren eingeheiratet, diese Familie Claren hat bei den Militär-Durchmärschen und Übernachtungen aufgrund der Einquartierungslisten Soldaten aufnehmen müssen: 14. März 1813, 25. April 1814 und 7. Juni 1814 (AA 289); danach ist die Familie Claren wohl   aus Freienohl verzogen; denn in den Sterbelisten taucht sie nicht auf.

Vom (politischen) Gemeinderat und dem Amtmann wurde noch einmal festgesetzt, dass der neue Totenhof der katholischen Kirchengemeinde gehört wie schon der Kirchhof rund um die Kirche. - Letzteres bringt dann noch mit sich Zeit übliche Schwierigkeiten, ja Ärgerlichkeiten.

Fortsetzung mit der Friedhofs-Geschichte im Laufe der Jahre

Ab hier wird wieder – zumeist - die historisch orientierte Reihenfolge eingehalten.

Freilich, ob folgendes Zeichen des Zusammenlebens und einer eher offiziellen Trauerbegleitung noch in die Zeit des Kirchhofs oder schon in die Anfänge des neuen Alten Friedhofs gehört, ist offen. Aus der Sterbeliste der damaligen Kirchenbücher: Ab 1808 unterschreiben oder bestätigen mit ihrer Namensnennung jeweils zwei Freienohler, dass sie bei der Beerdigung dabei gewesen waren. Bis 1810 stehen hier die Namen für diesen Brauch der Pietät: Friedrich Hahse, Franz erlmann, Caspar Cohsmann, Henricus Kaulmann, Franz Trompetter, Franz Hömberg, Caspar Tönne, Johannes Lenze, x. Spindeldreher, Caspar Schröder, Johann Schröer, Franz Bräutigam, Fritz Pöttgen, Caspar Stienberg, Caspar Flinkerbusch, Caspar Knickenberg, Caspar Vohshane, Caspar Köster. (PfA Sterbelisten)

Aus den „Sterbelisten“ Freienohls, die vom Pfarrer geführt werden. Beim Zusammen-Lesen der Sterbe-Daten im Nacheinander und im Nebeneinander mit dem „Alter“ der Verstorbenen und in Verbindung mit den Eltern kann ein bis in die Gegenwart reichendes Toten-Gedenken auftauchen:

1820: 21 Verstorbene, davon 12 Kinder (immer unter 15 Jahre).

1821: 18 Verstorbene, davon 12 Kinder.

1822: 28 Verstorbene, davon 11 Kinder.

Zwei besonders traurige Jahre: 1835 ab Oktober, bis 1836 Dezember: Für diese Zeit werden hier alle Verstorbenen genannt.  Das ? Bedeutet: nicht lesbar.

1835, 8. Oktober: Franz Wrede, 10 Monate, Sohn des Ferdinand Wrede, Tagelöhner.

1835, 21. Oktober: Joseph Spies, 2 Jahre, 6 Monate, Sohn des Jodokus Spies.

1835, 6. November: tot geborener Sohn des Matthias Sollmann.

1835, 28. November: Elisabeth Schröder, 1 Jahr, 8 Moante, Tochter des Adam Schröder.

1835, 28. November: Adam Pöttgen, 32. J., hinterlässt Ehefrau u. 1 minderjähr. Kind.

1835, 6. Dezember: tot geborener Sohn des Caspar Kessler, Tagelöhner.

1835, 9. Dezember: tot geborener Sohn des Friedrich Gundlach aus der Giesmecke.

1835, 9. Dezember: Franz Lenze, 2 J., 11 M., Sohn des Caspar Lenze, Ackerer.

1835, 14. Dezember: Fritz Köster, 3 J., 2 M., Sohn des Heinrich Köster, Lagelöhner.

1835, 15. Dezember: Johannes Trumpetter, 6 M., Sohn des Anton Trumpetter.

1835, 16. Dezember: Elisabeth Kersthold, 7 J., 8 M., Tochter des Franz Kersthold.

1835, 24. Dezember: Fritz Cohsmann, 1 J., 4 M., Sohn des Heinrich Cohsmann, Ackerer.

1835, 29. Dezember: Maria Catharina Schnapp, 36 J., nicht verheiratet

1836, 1. Januar: Ferdinand Leineweber, 4 J., Sohn des Franz Leineweber, Tagelöhner.

1836, 1. Januar: Franz Weber, 1 J., 5 M., Sohn des Caspar Weber, A ckersmann.

1836, 1. Februar: Johann Eberhard Gea...(?), 5 M., 17 Tage, Sohn des Franz Gea...(?),  Schuhmacher.

1836, 10. Februar: Elisabeth Flimkerbusch, 12 J., 6 M., Tochter des Caspar Franz Flinkerbusch.

1836, 12. Februar: Nina Ständer, 1 J., Tochter des Friedrich Ständer, Glasarbeiter in der Giesmecke

1836, 19. Februar: Johannes Stirnberg, 1 J., 3 M., Sohn des Caspar Stirnberg, Ackerer.

1836, 13. März: ...(?)  Flinkerbusch, 9 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagelöhner.

1836, 5. Juli: Catharina Flinkerbusch, 10 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagel.

1836, 27. Juli: Caspar Spieler, 12 J., 4 M., Sohn des Heinrich Spieler.

1836, 22. August: Heinrich Lenze, 77 J., Witwer.

1836, 24. August: Agatha Winkelmeier geb. Willeke, 71 J., Ehefrau.

1836, 27. September: Elisabeth Ganlöher (?) geb. Trumpetter, 68 J., Witwe.

1836, 3. Dezember: Johannes Friedrich Nuss (?), 22 J., Sohn des Tagel. Joh. Nuss (?).

1836, 7. Dezember: Bernard Wurm (?), 1 J., 1 M., Sohn des Franz Wurm (?), Tagelöhner.

1836, 18. Dezember: Georg Schröer, 69 J., Tagelöhner.

1836, 31. Dezember: Gertrud Köster, 9 J., 4 M., Tochter des Franz Köster, Schreiner.   

Die Häufigkeit des Kinder-Sterbens hat aufgehört. Auffällig: die Mutter des Kindes wird vom Pfarrer nicht angegeben.

1850: 28 Verstorbene, davon 14 Kinder.

1853: 16 Verstorbene, davon 3 Kinder.

1854: 32 Verstorbene, davon 13 Kinder.

1857: an der Seuche: die Rote Ruhr und aufgrund äußerst schlechten Wetters: 77 Verstorbene, 27 Jugendliche und Erwachsene; 50 Kinder, davon 19 Kinder im August und 15 Kinder im September

Am  17. April 1838: Der Landrat von Arnsberg von Lilien erwartet vom Bürgermeister Koffler in Freienohl, dass er dafür sorgt, dass „die Eingesessenen jedes mal beim Grabmachen sich vorher bei dem Totengräber nähere Instruktion behufs (wegen) Anfertigung des Grabes einholen”.  Der Bürgermeister antwortet am 27. April 1838 (u.a.), dass er sich darum kümmert und „dass jeder auf die kleinste Unregelmäßigkeit in Hinsicht der Anfertigung der Gräber ohne Nachsicht mit Ordnungsstrafe von 1 bis 5 Reichstaler geahndet werden würde”. (AA 1813)

Am 11. September 1841: Zum Verstehen wohl etwas lückenhaft: Bürgermeister Alberts  an Pfarrer Sporkmann: „Der Beerdigung der gestern schlagartig gestorbenen verwitweten Gertrud Cohsmann geb. Weber steht nichts im Wege.“  Der Hintergrund für diese Notiz des Bürgermeisters ist nicht festgehalten. Vielleicht ist mit „schlagartig“ ein nicht erklärbarer Schlaganfall gemeint. (PfA  A5)

Die Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten der Königlichen Regierung in Berlin halten am 30. Mai 1844 zur Weitergabe an die Landräte fest: “Auch die im Staate aufgenommenen Kirchengesellschaften der verschiedenen Religionsparteien dürfen einander wechselweise in Ermangelung das Begräbnis nicht versagen.” Die Wortwahl und das politische Konzept “hinter” diesen Wörtern mag heutzutage (2009) zum Schmunzeln sein. Eigenartig auch: in diesem – hier abgekürzten – Erlass werden nicht mehr die Wörter “Kirchhof” und “Friedhof” benutzt, sondern “Gottesacker”. (AA 1814) 

Die Gemeindeversammlung Freienohl und der Amtmann Devivere stellen am 5. Mai 1845 fest, dass die in der Giesmecke Verstorbenen auf dem Freienohler Kirchhof vom Pfarrer Sporkmann beerdigt würden, ohne dass sie zur hiesigen Pfarrei gehören und ohne dass die Bewohner der Giesmecke zum Unterhalt des Totenhofs und der Glocken beitragen, „womit hier nach dem Absterben und bei der Beerdigung für sie geläutet würde”. Man ersucht den Pfarrer Sporkmann, „sich in der Folge des Läutens für die Giesmecker Toten und deren Beerdigung auf dem hiesigen Totenhof zu enthalten”.  Für diesen Beschluss bleibt unbekannt, ob das Abnutzen der Glockenseile, für deren Bezahlung die politische Gemeinde zuständig war, zu teuer war, oder ob der „Läutnant“, der Küster und zugleich Lehrer dahinter steckt und Extra-Bezahlung beansprucht. (AA 1813, PfA  A5)

Zur Giesmecke: Manche verstorbenen Mitarbeiter und und deren Familienangehörige, die in der Mühle und vor allem in der Glashütte in der Giesmecke gearbeitet haben, die zumeist  keine Freienohler waren, vielleicht auch evangelisch oder auch arm, mittellos (für eine Beerdigung ganz in Calle! Dahin gehörte die Giesmecke damals.). Für die gab es einen “stillen”,  nahezu privaten Friedhof in der Giesmecke, in Richtung Hirschberg links vor Bräutigam. Namen und Zahlen sind (noch) unbekannt. - Zum wohl besseren Verständnis: der Besitzer der Glashütte hatte für die Kinder seiner Arbeiter und Arbeiterinnen eine Schule mit einem Privatlehrer, also nicht von Arnsberg oder Freienohl angestellt, bezahlt, unabhängig (manchmal mit Problemen) von der Freienohler Schule  eingerichtet. (Schule bedeutete damals in Freienohl: 1 oder 2 Klassenräume mit den Kindern der Altersstufen 10 – 14 Jahre).

 

4.2.4.  Zeitgerechter Einschub: Die Rümker-Kapelle auf dem Alten Friedhof

Hier folgt eine Textfassung, die fast bis in die Gegenwart reicht. Die historisch geordnete Reihenfolge der Daten zur Geschichte der Rümker Kapelle durch den gesamten Text wird nicht eingehalten. Denn so zusammengefasst wie jetzt zeigt gerade die Geschichte der Rümker Kapelle das Zusammenleben Freienohler, - getreu dem Leitwort unserer St. Nikolaus-Bruderschaft: Glaube – Heimat – Sitte. Das macht schon die Textfassung dieses Abschnitts deutlich: er besteht aus Teilen von „B 4“ des Pfarrarchivs der St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl; aus der bescheidenen und doch sehr kostbaren Broschüre „Kirchen, Kapellen, christliche Zeichen in der St. Nikolaus-Gemeinde Freienohl“, herausgegeben zum Pfarrfest am 5. und 6. Mai 1979 von der Firmgruppe IV 1978 (17 Mädchen und Jungen mit ihren Firmhelfern Elisabeth Göckeler, Ingeborg Schwefer, Erich Adams und Ludwig Schwefer; er zeichnet auch verantwortlich für die historisch korrekte Aufarbeitung dieses textes), schließlich wurden aus dem Text „Die Kapelle auf dem Alten Friedhof“ in www.freineohler.de einige Passagen übernommen; - alles: sehr dankbar.

Begonnen sei mit der Notiz von Pfarrer Steimann (1902-1916 Pfarrer in Freienohl), die er als loses Blatt in „B 4“ eingelegt hat. „B“ bedeutet: Buch (im Unterschied zu A  = Akte) im Pfarrarchiv, angefertigt von Pfarrer Johannes Barthold Pöttgen (1732-1775 Pfarrer in Freienohl). Weil dieses „B 4“ ziemlich schwer zu entziffern ist, hat Pfarrer Steimann wohl so notiert: „Kapelle am Rümkerwege (Fachwerkbau). Diese Kapelle ist im Jahre 1847 oder 1848 abgebrochen und auf dem Kirchhofe wieder aufgebaut. Hl. Messe ist in derselben schon lange nicht mehr gelesen; zuletzt vielleicht um 1830, wie sich der älteste Mann hier noch zu erinnern meint. Steimann“ (Der Name dieses ältesten Mannes steht da leider nicht.) Pfarrer Pöttgen: „Diese Capellen ist aufgerichtet worden im Jahre 1707 auf Unkosten des Ehrbaren Philipp Holzapfel Churfürstlicher Jägerer (auch Bürgermeister von Freienohl) und Einwilligung seiner tugendsamen Hausfrouwen Guida Spenschröer zur Ehre Gottes, der allerheiligsten Jungfrau, des Hl, Antonius von Padua und des Hl. Hubertus.“  Die Inschrift des breiten Querbalkens über dem Portal: „ZUR VEREHRUNG S.V. MARIA & ZUM HEILE DER HIER BEGRABENEN AUS DER RÜMBKE HIERHER VERSETZT IM JAHR 1846 DURCH MILDE  GABEN“  (S.V. = sancta venerabilis = heilige verehrungswürdige) Diese Inschrift zeigt, dass die Kapelle früher in der Rümmecke stand und zwar in dem  dem Ortskern zugewandten Winkel zwischen dem Rümmecker Bach und der Ruhr. Möglicherweise stand an dieser Stelle eine Art Wachtturm oder eine ähnliche „Befestigungsanlage“. In Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts gibt es – wahrscheinlich für diese Stelle – die Bezeichnung „Rümpker Porte“ (kein „Portal“ und keine „Pforte“, vielleicht ein bescheidenes Tor).

Aus: Akte Amtsarchiv Freienohl Nr. 394: Protokollbuch der Gemeinde Freienohl (ab 23, Jan. 1844):  15. Mai 1844: Gemeinde-Versammlung: Protokoll-Nr. 21 (wörtlich übernommen):

Amtmann war seit dem 5. April 1844: Freiherr von Devivere; Gemeinde-Verordnete (= Gemeinde-Versammlung): Kapsar Humpert, Heinrich Sahse, Anton Trompetter, Heinrich Düring, Georg Geihsler, Adam Kehsler (seit dem 12. April 1844: Rendant).

„Baufälligkeit und Abbruch der Kapelle am Rümker Bach:  Der Gemeinde-Versammlung wurde vom Amtmann bekannt gemacht, dass nach Relation des Gebäude-Taxators Kehsler hierselbst (also Adam Kehsler) die Kapelle am sogen. Rümkerbache so baufällig sei, dass nicht einmal mehr am künftigen Sonntag dahin Prozession gegangen gegangen werden kann und daher entweder gehörig instand gesetzt werden oder abgebrochen werden müsste. Zugleich wurde dann die Versammlung darüber vernommen (= befragt), ob die Gemeinde Ansprüche an dieser Kapelle habe? Diese Frage wurde aber gänzlich verneint und bemerkt (= es wurde festgestellt),  dass dieselbe dem Vernehmen und dem allgemeinen Anspruche nach, den Erben Holzapfel zu Völlinghausen, von denen noch ein Glied zu Oeventrop gehört, indem deren Großeltern oder Urgroßeltern dieselbe sollen haben aufbauen lassen und der Vater des jetzigen Holzapfel zu Oeventrop si bis zu seinem Tod instand gehalten haben soll.“

Aus den Akten des Pfarr-Archivs (Pf A 5) informieren diese Daten weiter:

Am 28. Juni 1844 wendet sich Amtmann Devivere an Pfarrer Sporkmann bezüglich „der Abtretung der am sogenannten Rümker Bach stehenden sehr baufälligen Kapelle durch die Geschwister Gaudenz und Gottfried Holzapfel in Oeventrop an die katholische Kirchengemeinde in Freienohl. Die Pfarrei kann die Kapelle aufstellen, wo sie will. Holzapfel schenkt der Pfarrei außerdem noch 100 Stück Backsteine.“

Am 1. Juli 1844 teilt Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann mit, dass die Kapelle in einem baufälligen Zustand ist; sie werde binnen 6 Wochen abgebrochen oder muss von neuem wieder aufgebaut werden. Die 6 Wochen dauern länger.

Am 13. Januar 1846 (erst!) erneuert Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann gegenüber seine Mitteilung vom 1. Juli 1844 und schreibt weiter: dass „es wirklich allen Vorübergehenden einen Skandal bietet, dass ein Gotteshaus so sehr dem Verfall ausgesetzt bleibt. Deshalb muss er darum bitten, binnen 14 Tage die Kapelle abzubrechen.“ In dieser Akte steht oben eine handschriftliche Notiz; „1707 gebaut, 1847 abgerissen.“ In der einen und anderen Überlieferung soll ein Dechant sehr geschimpft haben; wahrscheinlich ein Lesefehler.

Die Freienohler reagierten gelassen und stark: Mit der Zustimmung von Pfarrer Sporkmann luden sie – laut mündlicher Überlieferung - „das Bauwerk als Ganzes, ohne es abzubrechen, kurzerhand auf mehrere Fuhrwerke und transportierten es zu dem Totenhof.“ Die Rümker Kapelle ist dort – repariert – aufgebaut worden.

Das liest sich im „Protokollbuch“ der Gemeinde Freienohl vom 8. Februar 1848, Nr. 20 so (AA 399): „Der Gemeinde-Versammlung wurde vorgestellt, dass die früher an der Chaussee von hier nach Oeventrop gestandene Kapelle von den Erben Holzapfel der Gemeinde Freienohl behufs Errichtung derselben auf ihrem Totenhof geschenkt worden sei. Wegen Errichtung der fraglichen (gemeinten) Kapelle auf dem Totenhof haben der unterzeichnete Amtmann (Freiherr von Devivere) mit dem Schreinermeister Heinrich Sahse den Accord (die Vereinbarung) getroffen, dass derselbe die Arbeit für 25 Taler ausführe. Der Sahse habe nachgewiesen: 28 Taler 29 Silbergroschen zu der fraglichen (tatsächlichen) Arbeit verwendet zu haben, außerdem eine Menge Holz dazu geliefert und für seine Arbeit nicht berechnet zu haben. Die Gemeinde-Versammlung beschloss, den zwischen dem Amtmann und dem Heinrich Sahse getroffenen mündlichen Vertrag, wonach dem letzteren für die Versetzung der fraglichen (erwähnten; hier mehr eine zeitlich übliche leere Worthülse) Kapelle von der Chaussee nach Oeventrop auf den hiesigen Totenhof 25 Taler bezahlt werden sollen, nicht nur zu genehmigen, sondern dem Sahse außerdem noch 3 Taler 27 Silbergroschen zu bewilligen, welche zu zahlen noch rückständig stehen, und zwar an den Schieferdecker Knickenberg mit 2 Taler 21 Silbergroschen, Franz Küster mit 18 Silbergroschen, Georg Schröder mit 18 Silbergroschen.“ - Angemerkt sei: Die hier genannten 4 Freienohler werden diesen Transport nicht allein geleistet haben; Schreinermeister Heinrich Sahse hatte gewiss seine zu bezahlenden Mitarbeiter.

Bis 1895 steht nichts in den Gemeinde- und Pfarr-Akten.

Erst am 17. Mai 1895 gibt es etwas Neues zur Rümker Kapelle: etwas dagegen, gegen sie. Waren Instandsetzungsarbeiten notwendig, die sich nicht mehr lohnten, die nicht mehr sinnvoll zu sein schienen? Dazu war Akten-Material im Gemeinde-Archiv und im Pfarr-Archiv (also politisch und kirchlich) nicht zu finden. Bekannt ist aber die peinliche  Verscherbelung altehrwürdiger Gebets- und Kunst-Schätze in der Freienohler Pfarrkirche. Erinnert sei nur an die Barock-Figur der Schmerzhaften Mutter Gottes (wohl zwischen 1716, 1740 geschaffen). Die war dank des Glaubensbewusstseins der „eingesessenen“ Freienohler Familie Peetz vor der Vernichtung gerettet, zu Hause aufbewahrt, am 13.12.1959 wieder gegeben worden; unsere Schmerzhafte Mutter konnte schnell – 1963 -  unter Denkmalschutz gestellt werden (beim Westfälischen Amt für Denkmalschutz in Münster); leider ging der Denkmalschutz am 13.11.2003 aufgrund unsachgemäßer Behandlung durch den Kirchenvorstand verloren. Wieder zur Rümker Kapelle: Im Pfarr-Archiv (Pf A 5) liegt vom 17. Mai 1895 dieses vor: „Neubau-Kosten einer Kapelle auf dem hiesigen Friedhof von Fritz Göckeler mit 1.752,92 Mark“. Und eine Skizze von Prof. J. Kleesattel in Düsseldorf; Innenmaße: Länge 7,50 m, Breite 4,50 m. Diese neue Kapelle ist nie gebaut worden, aus welchem Grund nicht, das ist in den Akten nicht gefunden worden.

Ein Zeitsprung: Am 4. Oktober 1947 – also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – genehmigt  Amtsdirektor Hahne die Wiederinstandsetzung der Friedhofskapelle, der Rümker Kapelle, „damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle benutzt werden kann“. Die beiden Fensternischen der Kapelle erhielten 1948 neue in Blei gefasste bildliche Darstellungen der „Grablegung Jesu“ und der „Auferstehung Jesu“. Die schuf der aus seiner schleischen Heimat vertriebene und in Freienohl lebende Kunstmaler und Graphiker Martin Pautsch (geb. 21.10.1905, gest. 27.02.1964) (www.freienohler.de). Er wohnte damals im Hotel Bracht in der Von Steuben-Stra0e 3 (so hieß nach dem Krieg die Hauptstraße). Seine Rechnung an die katholische Pfarrkirche beträgt für „Entwürfe, Herstellung, Ausführung: 1.100 RM“am 28. Mai 1948.

Am 15. August 1950 genehmigte Amtsdirektor Hahne dem Pfarrer Dolle wieder eine Renovierung der Kapelle.

Eine weitere größere Renovierung wurde 1978 vorgenommen.

Im Jahr 2003 hat die St. Nikolaus-Schützenbruderschaft Freienohl die ehrenamtliche Patenschaft für unsere Rümker Kapelle auf unserem Alten Friedhof übernommen – ganz getreu ihrem Konzept und Leitwort: Glaube – Heimat – Sitte.  

Soweit zur Rümker Kapelle auf unserem Alten Friedhof.

 

4.2.5.  Wieder Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Die Wegebau-Verwaltung der Königlichen Regierung in Arnsberg erklärt am 3. Juli 1850, dass sie nicht zuständig ist für die Unterhaltung der Kirchhofsmauer in Freienohl. - Gemeint ist hiermit eine „Vorläuferin“ der jetzigen Mauer zwischen der Arnsberg-Beverunger-Chaussee und dem hoch gelegenen Kirchplatz, dem ehemaligen Kirchhof. (AA 1812)

Am 29. März 1851 erhält der Freienohler Amtmann Devivere vom Arnsberger Landrat von Lilien zur Information ein Schreiben, darin steht die Meinung, Überzeugung des behördlich zuständigen katholischen Pfarrers Münstermann von Neheim die Erlassordnung von 1844 (s.o.) sei inzwischen ungültig und stimmt nicht nach Rücksprache mit dem katholischen Bischof. Der katholische Pfarrer habe dem evangelischen Geistlichen über den Polizeidienst den Friedhofsschlüssel für eine evangelische Bestattung auszuhändigen. Diese Praxis wird 1852 vom Oberpräsidenten von Westfalen in Münster ausführlicher wiederholt. (AA 1812)

Doch leider schon eine Schwierigkeit. Am 2. April 1851: Die evangelische Witwe Luise Wiedemann, die Schwiegermutter des Kaufmanns Hirschberger ist gestorben. Sie soll auf dem katholischen Friedhof beerdigt werden nach evangelischem Ritus vom evangelischen Pastor Bertelsmann aus Arnsberg. Der katholische Pfarrer von Freienohl Franz Anton Sporkmann gestattet das nicht. Das Verhalten, von einem Besitz etwas abzugeben, kannte er nicht. „Bertelsmann hat unseren Beistand in Anspruch genommen“, reagiert die Königliche Regierung in Arnsberg, Abteilung des Inneren (zusammengefasst): „Gesetzliche Weigerungsgründe stehen dem katholischen Pfarrer nicht zur Seite, indem selbst, wenn der dortige Kirchhof Eigentum der katholischen Kirchengemeinde sein sollte, was noch nicht erwiesen ist aufgrund der Verordnung vom 15. März 1847, die Beerdigung stattfinden würde. Wir weisen Sie (den Freienohler Amtmann von Devivere) daher an, darauf zu wachen, dass dem von dem Bertelsmann vorzunehmenden Begräbnis kein Hindernis entgegengestellt werde, … durch zeitig vorzubereitendes polizeiliches Einschreiten kräftigst zu begegnen... dass die dem kirchlichen Begräbnis vorangehenden Vorbereitungen, als das Grab Machen usw., ungehindert vorgenommen werden...“ Wie dann diese Beerdigung vonstatten ging, war in den Akten nicht zu finden. (AA 1812)

Vom 4. April 1851 steht in einem Schreiben von der Regierung in Arnsberg an den Freienohler Amtmann Devivere, dass „kürzlich zu Neheim ein ähnlicher Fall vorgekommen“ sei. (AA 1812) - Jetzt – 2009 – muss wenigstens erwähnt werden, dass die gegenwärtigen ökumenischen Lebensgefühle und Verhaltensweisen nicht auf die damaligen Jahre zurückdatiert werden dürfen.

Im  Datum vorgegriffen, inhaltlich hierher passend: Ähnlich schwierig war es auch noch 8 Jahre später bei der Beerdigung des evangelischen Christen Kaufmann Hirschberger. (s.u., AA 1813)

Auf dem Amt beschwert sich am 3. Mai 1851 Franz Caspar Cohsmann gnt. Claren, dass „der hiesige Kirchhof dieses Jahr (3. Mai!) nicht beschnitten werde“. Das schadet seinem eigenen darüber liegenden Grundstück. „wodurch ihm nicht unbedeutende Nachteile zugefügt werden“.  Cohsmann bat um die baldige Beschneidung der Hecke. (AA 1812)

Am 11. und 14. Juni 1851: Für Cohsmann gnt. Claren sind Unklarheiten vorhanden hinsichtlich der Grundstücksregelungen zum Totenhof (s.o. 5.2.1847). Vom Amtmann Devivere wird der Schultheiß Feldmann gebeten, zu erklären, an was er sich erinnern könne: Die Vergrößerung des Totenhofs im Zusammenhang mit Cohsmann gnt. Claren fand statt 1823 oder 1824. Es ging um die Parzellen Flur I Nr. 448 und 754; Cohsmann gnt. Claren erhielt Parzelle Flur I Nr. 480. „Noch einige Jahre nachher“ ist Cohsmann gnt. Claren von den „katholischen hiesigen Eingesessenen entschädigt worden, was dem fraglichen Grundstück gleichkommt“. (AA 1912) (gt. oder gnt. = genannt. Der Beiname Claren hat nichts mit Schnaps zu tun; ein Cohsmann hatte im 18. Jahrhundert in die Familie Claren eingeheiratet; die starb Anfang des 19. Jahrhunderts aus.)

Am  22. Juli 1851, am 5. und 11. November 1851 bestätigen die Königliche Regierung Arnsberg, die Abteilung des Innern und der Landrat von Lilien dem Kirchenvorstand in Freienohl, dass der Kirchhof in Freienohl Eigentum der katholischen Kirchengemeinde ist; Grundsteuer-Kataster Flur I Nr. 448, 746, 754 und 713. (AA 1812 und EBAP Acta specialia 1836-1933)

Am 17, April 1854 erhält Bürgermeister Devivere eine namenlose Beschwerde: „Der Weg zum hiesigen Totenhof ist so eingeengt, dass derselbe kaum noch passiert werden kann.“ - Aus dem Protokoll der Gemeinde-Versammlung: „Die Weg-Verengung soll wegen des Fehlens mehrerer Grenzsteine entstanden sein. Die Regulierung wird geleistet. Was dagegen die Verengung des Weges zum Totenhof betrifft, so sei solche nicht bekannt. gez. Bürgermeister Devivere“ - Es könnte ja so gewesen sein: Nach einem längeren Regen-Wetter war der Friedhofsweg sehr matschig geworden, vielleicht auch bei oder nach einer „großen Beerdigung“; und der Weg war vielleicht auch nicht gepflastert, asphaltiert noch lange nicht, und einen mit einem oder zwei Pferden gezogenen Toten-Wagen gab es noch nicht im Dorf vom Sterbe-Haus zum Totenhof. (AA 571)

Am 12. Januar 1856 bittet Pfarrer Brand den Freienohler Bürgermeister Thüsing bezüglich des Kirchhofs um eine Informationshilfe: „Euer Wohlgeboren ist bekannt, dass ich es für notwendig erachte, Repräsentanten für die hiesige Kirchengemeinde wählen zu lassen, welche die Beschaffung der Kosten für verschiedene dringende Bedürfnisse insbesondere für den Ankauf von Grundstücken zur Erweiterung des jetzigen Kirchhofs zu besorgen haben. Nach vorschriftsmäßiger Publication (Bekanntgabe) von der Kanzel hatte ich zu diesem Zweck den Termin auf den 16. vom Monat anberaumt. Es waren auch die meisten Mitglieder der Gemeinde erschienen. Als aber die Wahl beginnen sollte, wurde auf Anraten des Caspar Cohsmann gt. Dreher (?) und des Caspar Kehsler gt. Willeken, welche behaupteten, die politische und nicht die kirchliche Gemeinde sei zur Herstellung eines neuen oder der Vergrößerung des jetzigen Kirchhofs verpflichtet, die Wahl verweigert. Euer Wohlgeboren ersuche ich nun um gefällige Erklärung, ob die Gemeinde bereit ist, für den Totenhof zu sorgen (aufgrund der Wortwahl ist wohl die politische Gemeinde gemeint). Da die Sache sehr eilig ist, so bitte ich, die Vorstandsmitglieder (die Gemeinderatsmitglieder) möglichst bald darüber zu vernehmen und mir davon Erklärung zukommen zu lassen. - Dero (Ihr) ergebenster Diener Pfarrer Brand“. (AA 1812)

Am 15. Januar 1856 fand die Gemeinderatsversammlung statt. Die schriftliche Antwort erfolgte am 17. Januar 1856. Die Anwesenden: Gemeindevorsteher Thüsing, Gemeinderatsmitglieder Josef Funke, Heinrich Sasse, Heinrich Flinkerbusch, Friedrich Schwefer, Franz Tönne verweisen darauf, dass sie sich „in dieser Angelegenheit lediglich auf den Gemeindebeschluss vom 5. Februar 1847 beziehen müssen und also auf den gestellten Antrag des Pfarrers Brand keineswegs eingehen können“. Der Bürgermeister legte noch eine Kopie des damaligen Beschlusses bei (s.o. 5. November 1851) Pfarrer Brand war in Freienohl Pfarrer von 1853 bis zum 9.12.1857; sein Vorgänger war Pfarrer Sporkmann.

Am 20. März 1856 bittet Pfarrer Brand das Paderborner Generalvikariat um Erweiterung des Friedhofs; der Ankauf wird genehmigt, 3 kleine Gärten: Garten des Becker, Winkelmann, Sasse, Schneioers (?)(3?) (EBAP Acta specialia 1836-1933, PfA  A27)

Am 3. Mai 1856 schreibt das Paderborner Generalvikariat an Pfarrer Brand: Weil die Besitzverhältnisse des Friedhofs noch nicht durch urkundliche Schreiben abgeklärt sind, darf der Pfarrer nicht den erweiterten Teil benedicieren (segnen, einweihen); er darf aber vorläufig jedes einzelne Grab bei der Beerdigung einsegnen und sich dazu die Fakultät Erlaubnis von Paderborn) holen. (PfA  A5)

Am 30. Juli Juli 1856 erhielt Gemeindevorsteher Thüsing von der Königlichen Regierung Arnsberg, Abteilung des Innern, dieses Schreiben: „... am 26. Mai dieses Jahres haben Sie dem Pfarrer Brand selbst die polizeiliche Erlaubnis zur Erweiterung des hiesigen Kirchhofs mündlich erteilt. Wir bemerken Ihnen hierauf, dass eine mündliche Erlaubnis in Fällen der vorliegenden Art unzulässig ist, da um so mehr zur Erreichung der erforderlichen Aktenmäßigkeit und Beseitigung künftiger Zweifel jedenfalls schriftlich hätte erfolgen müssen. Es kommt hinzu, dass die Erteilung der polizeilichen Erlaubnis zur Anlegung neuer und Erweiterung bestehender Kirchhöfe ohnehin nicht zu Ihrer Kompetenz gehört...“ Anmerkung: vielleicht haben Herr Thüsing und Pfarrer Brand einfach mal so unter Dorf-Nachbarn mit einander „geschwatert“ und irgend ein anderer hat das in den so genannten „falschen Hals“ bekommen, missverstanden usw... und „Arnsberg“ auch. (AA 1812)

Am 18. September 1856 konnte die wohl nächste evangelische Beerdigung der Maria Gertrud Bracht, Ehefrau des katholischen  Arnold Schröder durch Pfarrer Bertelsmann stattfinden. Im Archiv liegen auch zwei Texte vor, die für ein sehr höfliches und korrektes Hin und Her sprechen. Katholischer Pfarrer: Franz Josef Brand. Keine Bemerkungen über mögliche Schwierigkeiten. (AA 1812)

April 1859, kompliziert: Der hier in Freienohl gestorbene evangelische Christ Kaufmann F.W. Hirschberger (s.o. 2. April 1851) soll auf dem Freienohler Friedhof beerdigt werden. Der evangelische Pfarrer Bertelsmann schreibt von Arnsberg am 14. April 1859 an den Gerichts-Assessor Boese in Freienohl: Für die Beerdigung am Sonnabend, den 16. April 1859 morgens um 9 Uhr erhielt er von Pfarrer Adams eine abschlägige Antwort. Dazu schreibt am 15. April 1859 der kath. Pfarrer Johann Heinrich Adams (Pfarrer in Freienohl 1858 – 1881): „Gegen diese Beerdigung wird Verwahrung eingelegt, da besagte von der hiesigen katholischen Bevölkerung wohlerworbene Räumlichkeit (gemeint ist der Friedhof) eben ausschließliches Eigentum der hiesigen katholischen Kirchengemeinde ist und folglich jedweder Gebrauch und Mitgebrauch derselben von Seiten irgendwelcher Andersgläubigen, so oft ein solcher gegen den Willen der Bischöflichen Behörde beansprucht wird, wie nach dem Kirchenrecht, so auch schon nach den allgemeinsten Prinzipien des Naturrechts, allezeit eine schreiende Rechtsverletzung und unbefugte Besitzstörung offenbar in sich schließt.“ Unterschrieben von Pfarrer Adams, Sasse und Adam Kehsler. - Der Bischof in Paderborn hatte dann für eine solch außerordentliche Situation die Genehmigung erteilt. So konnte schlussendlich der evangelische Pfarrer sein evangelisches Gemeindemitglied auf dem Freienohler Friedhof bestatten. (AA 1812)

Hier sei angehängt für heutzutage ökumenisch ausgerichtete Christen ein Brief, der ein Verallgemeinern des Freienohler Verhaltens nicht zulässt. Außerdem enthalten die damaligen Protokoll-Akten, heute nennt man sie Ergebnis-Protokolle, kein Hin und Her unterschiedlicher Überlegungen, Ansichten. Der Brief vom katholischen Pfarrer Böschen in Meschede am 10. August 1812 an den Generalvikar in Paderborn (den Stellvertreter des Erzbischofs von Paderborn): „In der hiesigen Pfarrei befindet sich jetzt dermalen eine ziemliche Anzahl Protestanten, unter denen verschiedene Großherzogliche Beamte sind. Ich wurde gestern von der Frau Oberförsterin Rauch, der Schwiegermutter des Großherzoglichen Forstverwalters Viehe ersucht, ihr und verschiedenen anderen Alten ihrer Religion zu erlauben, dass sie zu Laer in der Kapelle sich durch den Arnsberger Prediger das Abendmahl dürfen geben lassen. Da diese Frau nun eben so wie mehrere andere sehr schwach und wegen ihres siebzig jährigen Alters nicht reisen kann, und mit ihren Verwandten fast alle Sonntage dem hiesigen Gottesdienst beiwohnt, und ich so gar das Zutrauen derselben in so weit besitze, dass sie mich in Krankheiten zu sich berufen haben, auch wie ich hoffe am Sterbebette bei den meisten sein werde, so habe ich denselben in der Absicht dies gestattet, um das Zutrauen aller gegen mich dadurch zu befestigen und zu vermehren, und weil ich bei einer Weigerung einen höheren Zwang fürchtete. Ich glaube, Euer Hochwürden Gnaden, dies pflichtmäßig und untertänigst anzeigen zu müssen, und bitte gehorsamst, mir sobald als möglich hochgeneigst melden zu lassen, ob Euer Hochwürden Gnaden mein Verfahren genehmigt haben. Ich habe die Ehre mit aller Verehrung und Ergebenheit zu sein / Euer Hochwürden Hochwohlgeboren Gnaden / Untertänigster Diener / Böschen.“ Eine Antwort ist nicht bekannt.Mit diesem Zitat geht es ja auch nur um das Einfühlungsvermögen des katholischen Pfarrers. (EBAP BD 256 BLAU)

Unkompliziert fand durch Pfarrer Bertelsmann aus Arnsberg die evangelische  Beerdigung der Caroline Bracht, Ehefrau von August Lichte gt. Grünhage auf dem Freienohler Friedhof am 17. April 1863 statt, mit einem Schreiben vom 14. April 1863. Katholischer Pfarrer: Johann Heinrich Adams. (AA 1812)

1861: Kirchenglocken-Läute-Ordnung, z. B. beim Tod des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861: Paderborn, am 5. Januar 1861: Der Bischof Konrad (Martin): “Es wird hierdurch angeordnet, dass in allen Pfarr-, Klöster- und Annex-Kirchen der Diözese von dem Tage des Empfanges (dieses Schreibens) an vierzehn Tage hindurch jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr das übliche Trauergeläute für Seine Majestät den hochseligen König Friedrich Wilhelm IV. stattfinden soll. (Annex-Kirche = eine der Pfarrkirche zugehörige Kirche)

Am 8. Juli 1864 in Verbindung mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn: Auf dem Friedhof musste das alte, morsch und schadhaft gewordene einfache Kreuz entfernt werden. „Es war unwürdig geworden. Die Pfarrgemeinde hat für ein neues Kreuz gesorgt,“ (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Am 7. November 1864 wird ein neues Kreuz auf dem Friedhof eingeweiht.

In den Jahren zwischen 1870 und 1880 geht es bezüglich der rund um 1809 bis 1820 neu angelegten Grabstellen um die Wiederbelegung der älteren Grabstätten. Die wird genehmigt. Doch ist zu achten auf Erb-Begräbnisplätze, die bleiben erhalten. Dafür liegen in den Akten gedruckte Bedingungen vor vom 31. Januar 1870. (AA 1812)

Am 6. März 1870 zeigt sich ein christlicher, heute würde man sagen: ökumenischer Fortschritt: Für die Beerdigung des evangelischen Friedrich Hilmbach übergibt Pfarrer Adams von sich aus  der Freienohler Polizeibehörde den Schlüssel zum Friedhof. Ausdrücklich fügt  Pfarrer Adams hinzu, dass sich deswegen „keinerlei Rechte auf ein Miteigentum auf den katholischen Kirchhof ergeben“. (AA 1812)

1870: Die beim Bau des Eisenbahntunnels tödlich Verunglückten, die auch zumeist keine Freienohler waren, wurden auf dem hiesigen Friedhof von Pfarrer Adams bestattet.

(PfA  A5)

Am 18. Juli 1871: Der verstorbene 8-jährige Sohn von Josef Noeke darf polizeilicherseits beerdigt werden. Ein tödlicher Unfall.  (PfA  A5)

 Am 5. Januar 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter meldet dem Pfarrer Korte (eine Vertretung für den erkrankten Pfarrer Adams) : er habe nur noch für 3 Leichen Platz. Die vor ungefähr 26Jahren begrabenen Leichen sind noch nicht verwest. 1877 wurde der Friedhof erweitert, d.h.neues Gelände dazu gekauft – nach Besitzer-Verhandlungen. (PfA  A5)

Am 1.Mai 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter hat kürzlich damit begonnen, die Leichen in dem oberen Teil des Kirchhofs umzubetten,wo vor circa 25 Jahren beerdigt worden sei. Jene Leichen sind noch nicht verwest. (AA 1812, PfA  A5)

Am 17. September 1876 hält Pfarrer die Erweiterung des Friedhofs für erforderlich.

1876: Der Totenhof in Freienohl ist erweitert worden; die aufgekaufte Fläche geht über  in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde. (AA 1812, PfA A5)

Am 24. April 1877 stehen nördlich der Kapelle bei aufgekauften Grundstücken diese Namen: Franz Mester, Johannes Kückenhoff, Heinrich Karneil, Johannes Rocholl, Jakob Meier, A. Schröder. (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Am 27. Mai 1877 wendet sich Josef Noeke an den Kirchenvorstand und Pfarrer Korte: „Ich habe einen kleinen Wiesengrund neben dem neuen Kirchhof und kann infolge Einzäunung des letzten nicht zu meinem Grundstück kommen; ich beantrage, den seither benutzten Pfad über den Kirchhof wieder bloß zu legen oder die untere Hecke um so viel zu verrücken, dass ich meinen berechtigten Pfad dorthin gebrauchen kann.“ Die Antwort des Kirchenvorstands: „Es wurde einstimmig beschlossen, den genannten Noeke mit seiner Forderung abzuweisen, indem zu seinem Grundstück bekanntlich nie ein rechtlicher Weg geführt hat.“ Josef Noeke war Gemeinde-Verordneter im (politischen) Gemeinde-Vorstand. (PfA  A5)

Bezüglich der Erweiterung des Friedhofs wird in einem Erlass vom Landrat in Arnsberg am 1. Februar und am 6. Juli 1878 ein Text-Teil von 1844 (s.o.) seitens der Königlichen Regierung von Berlin wiederholt; verglichen werden soll Flur / Parzellen mit dem Hypothekenschein vom 8. Mai 1841. -  Und es wird auf die Polizeiverordnung vom 13. Oktober 1818 bezüglich des Grundwassers, des Durchflusswassers und der Überfüllung hingewiesen. Ein Übereinander-Bestatten ist nicht gestattet und die Minimal-Tiefe des Grabes ist auf 5 Fuß bestimmt (1 Fuß = 32 cm; 5 Fuß = 160 cm). (AA 1814, PfA  A5)

Am 1. Februar 1883 benachrichtigt das Amtsgericht Arnsberg den Freienohler Kirchenvorstand bezüglich der Erweiterung des Friedhofs: Laut Eintrag im Grundbuchblatt ist die katholische Kirchengemeinde Besitzer des Friedhofs. (PfA  A5)

4.2.6.  Noch ein zeitgerechter Einschub:

“Kriegerdenkmal”: 14. Januar 1878 bis 6. Juni 1899

 

Durchaus nicht auffällig: ein vorbildliches Freienohler Gemeinschaftsunternehmen.

Am 14. Januar 1878 wendet sich der Vorstand des “Krieger-Vereins” an den Amtmann Keiser. Zum Vorstand gehören: Johann Schwefer, Johannes Kückenhoff, Johann Humpert, Caspar Kehsler, Caspar Altenwerth: “Weil wir in der Gemeinde Freienohl noch kein bleibendes Denkmal an die Kriegsjahre 1870-71, mithin auch noch keine bleibende Erinnerung an unsere in dem Krieg gefallenen Kameraden haben, so beabsichtigt der Vorstand des Krieger-Vereins, ein solches Denkmal aufzustellen.” Der Amtmann wird um seine Mithilfe gebeten, der Gesangverein ist schon bereit, eine für die Gemeinde offene Informationsveranstaltung findet statt am Samstag, dem 19. Januar 1878 um 8 Uhr im Vereinslokal beim Wirt Theodor Bracht. Aus dem Protokoll der Veranstaltung: “Alle sind für die Denkmal-Errichtung. Finanzielle Beiträge leisten der Krieger-Verein, der Gesangsverein; die Gemeinde wird um Spenden gebeten. Als Platz wird vorgeschlagen:  „dem Gastwirt Trompetter  gegenüber auf der anderen Seite der Straße. Möglich ist auch ein anderer Platz.“  Gemeint ist Gastwirt Franz Trompetter, Alte Haus-Nr. 62, Parz. 717 (später Caspar Humpert mit Kegelbahn), an der Ecke Am Hügel / Hauptstraße; das Haus Blessenohl gab es damals da noch nicht.

Am 16. Dezember 1878: Aus dem Protokoll des Krieger-Vereins: “Ausschreibungen wurden begonnen. Ein großer Teil der Beitragsspender wünscht das Denkmal bis spätestens Juni  errichtet zu sehen.” In der Akte AA 10 liegen die unterschiedlichsten Angebote als Annoncen aus Berlin, Diez, Menden, Meissen, Soest, Königswinter, Köln-Ehrenfeld, Bonn, Crefeld (mit C). - Die Zeit geht weiter. Ohne Verärgerungen (jedenfalls nicht in der ziemlich ausführlichen Akte).

Aus dem Protokoll vom 29. September 1879: “Ein Commitee-Mitglied kann an der für heute Abend anberaumten Sitzung nicht erscheinen. Er muss mit seinem Arbeiter nach Bahnhof-Olsberg und Siedlinghausen. Früher da zu sein kann er sich nicht leisten wegen der Unkosten von mindestens 30 bis 40 Mark. Er bittet um Terminverlegung. Er habe auch schon mit den anderen Commitee-Mitgliedern gesprochen.” Reaktionen sind nicht bekannt.

Am 6. Februar 1882 erklärt ein Commitee-Mitglied seinen Austritt, “weil ich einsehe, dass aus der ganzen Sache nichts wird. Meine versprochenen 150 Mark muss ich vorher erst deponieren.”

Am 12. April 1886 sind die Commitee-Mitglieder mit dem Amtmann: Schneidermeister Arnold Schröder, Maurermeister Caspar Kehsler, Rendant Louis Bracht, Dachdeckermeister Hirnstein, Zimmerermeister Franz Korte.

Am 16. April 1886 ist der geeignete Platz für das Denkmal „zwischen der Besitzung des Kaufmanns Emmerich und des Ferdinand Kerstholt”. 2009: Emmerich = Hömberg, Kerstholt = Gastwirtschaft I-Punkt; Ecke Hauptstraße – Brunnenstraße. In jenen Jahren auch noch wie früher genannt: In der Ecke.

Die Provinzialsständische Wege-Bau-Inspektion – am 3. Mai 1886 – hat nichts dagegen, nur „der Grundstücksbesitz muss geklärt sein”.

Am 14. Juni 1886: Der Platz zwischen Emmerich und Kerstholt soll zu klein sein und – noch ein anderer Vorschlag - “die Kirchhofsmauer eignet sich nicht als Bauplatz. Es bliebe nur der Gemeindeplatz vor der Geissler'schen Besitzung, … doch dafür würden die Fundierungs- und Einfriedigungskosten zu hohe Kosten werden”. Es solle noch bis zum nächsten Jahr gewartet werden, ob sich bis dahin “wegen etwaiger neuer Wasserleitungen ein neuer Platz ergebe”.

Aus der Korrespondenz geht – am 22. Oktober 1886 – hervor, dass Louis Grineisen aus Volkmarsen den Sockel des Denkmals herstellt. Die Tafel wird in Berlin bei Werck und Glinicke angefertigt.

Ganz einig ist man sich noch nicht – am 9. März 1887: Der Denkmalsplatz soll sein Flur I Nr. 788, 716, das ist – aus heutiger (2009) Sicht das Haus des Modegeschäfts Blessenohl, genauer: die Ecke Hauptstraße / Am Hügel. Auch der Platz bei Emmerich soll vermessen werden.

Am 31. Juli 1887 ist alles klar: endgültiger Platz vor dem Kaufmann Emmerich und „erster Tag: Enthüllung des Krieger-Denkmals”.

Pfarrer Falter schreibt in seiner „Pfarrer-Chronik“: „Also genau an demselben Tage, an welchem vor 17 Jahren der König seine Residenz verließ und zur Armee nach Frankreich reiste, wurde im Beisein des Regierungspräsidenten von Rosen, des Landrats Freusberg in Arnsberg und des Bezirks-Commandeurs Major von Heineccius in Meschede das Kriegerdenkmal eingeweiht, bei welcher Gelegenheit der genannte Präsident die Festrede hielt. Es wohnten der Feier noch mehrere Offiziere, 8 Fremde und der hiesige Kriegerverein, der Ortspfarrer, im Ganzen gegen 2000 Personen bei. - Der Bau des Denkmals hat viel böses Blut gemacht, da es viel Geld kostet, und dasselbe sonst, beispielsweise für die Kirche, zu gebrauchen war; jedoch lässt der Bau sich entschuldigen, da das Geld anderweitig zu Vereinszwecken zusammengebracht war.“ (PfA  PC)

 

Zum 5., 6. Juni 1899 schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik: Es „wurde das 25-jährige Stiftungsfest des hiesigen Kriegervereins gefeiert. Es wurde ähnlich begangen wie das Schützenfest und auch auf zwei Tage ausgedehnt. Des Morgens war Gottesdienst, des Nachmittags auf dem Schützenhofe Konzert resp. (bzw.) Ball. Am ersten Tage fand auch eine Begrüßung der von auswärts mit ihren Fahnen erschienenen 17 Vereine bei dem Kriegerdenkmal durch den Amtmann von Köckritz statt und im Anschluss daran der Parademarsch, welcher von dem Fest-Commitee abgenommen wurde. Auch waren die Herren Oberregierungsrat Michaelis und Landrat Droege als Vertreter des Regierungspräsidenten erschienen, von denen der erstere die Krieger im Namen des Königs begrüßte und den Kaisertoast ausbrachte (aussprach). Auch fand eine Dekorierung (Auszeichnung, Ehrung) der Gründer des Vereins, sofern sie dem Verein 25 Jahre ununterbrochen stabil angehört hatten – 12 an der Zahl – statt, bei welcher der ebenfalls anwesende Ortspfarrer Falter einige salbungsvolle Worte sprach. - Der Ort war einheitlich geschmückt und zählte 63 Ehrenpforten (Überkränzungen der Straße). Bei dem Festzug durch die Stadt (!), an welchem die fremden Vereine sich beteiligten, wirkten 3 Musik-Chöre mit, unter denen die 83-ger Militär-Kapelle aus Arolsen. - Die Namen der 12 Gründer sind folgende: Kaspar Altenwerth, Adam Assmann, Anton Bauerdick, Johann Kerstholt, Kaspar Kehsler, Johann Kückenhoff, Josef Noeke, Fritz Neise, Heinrich Schwer, Fritz Spindeldreher, Kaspar Weber, Theodor Zacharias. (PfA PC)

 

4.2.7.  Eine Kurzfassung für unsere Soldaten-Gedenkstätten

 

Rechts vom Amtshaus: Deutsch-Französischer Krieg 1870/71.

Zwischen Schützenhalle und Grundschule: Erster Weltkrieg 1914-1918; unter ihnen der Jude Paul Zander + 1918.  Zweiter Weltkrieg 1939-1945.

 

In den Sterbelisten, im Totenbuch des Ersten Weltkriegs steht bei manchen verstorbenen Kindern die Bemerkung des Pfarrers: "Der Vater steht im Felde." - Bei Friedhofs-Visiten mit Schulklassen (Kl. 8 - 10): die Bedeutungen von “gefallen”, “Gefallener” und “Der Vater steht im Felde” kannten Schüler nicht. Manche antworteten so: „der Bauer war bei der Feldarbeit hingefallen.“ Und: „Als sein Kind zu Hause starb, arbeitete er auf dem Feld, auf dem Acker.“ Allerdings sagte einer ziemlich leise: “Die Soldaten, die da aufeinander schießen, ermorden sich ja.”

Zur Information, - „In-Form-Bringung“ -, zur Erinnerung, - zum „Ins-Innere-Bringen -, aus Pietät zu unseren Vorfahren, - zum gründlich bedachten Gedenken -, sei an dieser Stelle die Kriegsgeschichte der Schlacht von Sedan zitiert aus „Der Große Brockhaus“, 20 Bände, hier Band 17, aus dem Jahr 1934; dieser Text ist kurz und bündig und lässt doch noch etwas von der militärischen Atmosphäre damaliger Kriegsführung herauslesen. Die Querverweise in diesem Text werden hier ganz ausgelassen.

Im Deutsch-Französischen Krieg von1870/71 wurde die Schlacht bei Sedan (1. September 1870) der entscheidende Deutsche Sieg über das Heer Kaiser Napoleons III. Die französische Armee des Marschalls Mac-Mahon (135 000 Mann), bei der sich Napoleon selbst befand, wurde bei dem Versuch, die in Metz eingeschlossene Armee des Marschalls Bazaine zu entsetzen, von der deutschen 3. Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (133 000 Mann) zusammen mit der neugebildeten Maasarmee unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen (86 000 Mann) nach Sedan abgedrängt und hier in ihrer starken Verteidigungsstellung am rechten Maasufer angegriffen. Dervrechte deutsche Flügel griff die Franzosen frontal von SO her an, während die übrigen Streitkräfte die Maas überschritten und sich westlich von Sedan entwickelten, um den Feind nördlich zu umfassen. Bei Tagesanbruch begannen die Bayern den Angriff auf Bazeilles, bald darauf die Sachsen auf La Moncelle und Daigny.  Der Kampf um den Givonneabschnitt, wo noch die preußische Garde eingriff, blieb freilich längere Zeit unentschieden. Aber um 2 Uhr nachmittags war auf den Höhen von Illy im Norden die völlige Einschließung von Sedan durch die deutschen Truppen vollzogen; Ein Durchbruchsversuch der Franzosen nach Osten gegen Carignan misslang, ebenso ein Kavallerievorstoß größten Stils, den General Gallifefet zwischen Cazal und Floing im Norden unternahm. Als die deutsche Artillerie um 4 Uhr nachmittags die allgemeine Beschießung der Stadt eröffnete, wurde die weiße Fahne gehisst. Die in Don chery geführten Kapitulationsverhandlungen kamen am 2. September um 11 Uhr vormittags in Frénois zum Abschluss. In der Schlacht hatten die Deutschen fast 9000 Mann, die Franzosen 17 000 Tote und Verwundete sowie 21 000 Gefangene verloren; durch die Kapitulation gerieten mit Napoleon III. noch 88 000 Mann in deutsche Kriegsgefangenschaft. - Aus „Der Große Brockhaus“, Band 4, nur noch diese Einleitung:

Deutsch-Französischer Krieg von 1870/71, hervorgegangen aus der Feindschaft des napoleonischen Frankreichs gegen die Einigung Deutschlands, deren Grundlage Bismarck durch den Deutschen Krieg von1866 geschaffen hatte. Das werdende Deutsche Reich unter preußischer Führung musste die von Napoleon III. angestrebte Vormachtstellung in Europa gefährden... Es reicht. Also:

 

Rechts vom Amtshaus steht die Gedenksäule für verstorbene Freienohler Soldaten im Preußisch-Französischen Krieg / Deutsch-Französischen Krieg mit der Schlacht bei Sedan 1870/71. Auch mit dem Namen des Freienohler Juden Joseph Benjamin Rosenthal, 24 jährig, Infanterie-Regiment Nr. 82, ältester Sohn von Leser Rosenthal, ganz selbstverständlich gehörte er als Deutscher dazu. Mit ihm sind am 6.8.1870 in Wörth / Rheinland. Pfalz gefallen: J. Pöttgen, Infanterie-Regiment Nr. 87, - F. Schirp, Infaterie-Regiment Nr. 82, - in Mars la Tour am 16.8.1870: H. Funke, Infanterie-Regiment Nr. 16, in der Schlacht von Sedan am 1.9.1870: A. Lenze, Infanterie-Regiment Nr. 82. - (Im Kapitel „Zeitungsberichte“ stehen ab 1871 die jährlich sich wiederholenden Hinweise auf die Gedenk-Feierlichkeiten an die Schlacht von Sedan. - www.deutsche-schutzgebiete.de / dfkrieg.htm)

 

4.2.8.  Wieder Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Aus den Gemeinderatssitzungen:

Am 17. Juni 1885: Die Pflasterung des Kirchhofswegs wird vorbereitet. (AA 407)

Am 5. September 1885: Der an dem Weg zum Totenhof führende Abzugsgraben soll bis zu dem von Kehsler (Gemeindeverordneter) projektierten Ende mit einer ähnlichen wie die bereits fertig  gestellten Mauer eingeböscht (Böschung!) und der Graben selbst in einer Breite von 85 Zentimetern ausgepflastert werden. (AA 407)

Ein pastoral peinlicher Zwischenfall oder/und ein Spektakel der Macht:

Quelle: EBAP; Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Acta Specialia 1836-1933, St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl. - In Klammern kursiv Geschriebenes sind Anmerkungen vom Autor H.P.

Am 12. April 1886 schickt der Freienohler Gastwirt Johann Siepe-Necker an das Erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn (GV) dieses Telegramm: „Pfarrverwalter Falter verweigert Abholung der Leiche meines am 7. dieses Monats gestorbenen Kindes. Bitte denselben anzuweisen, seiner Pflicht nachzukommen oder einen anderen beauftragen.“

Am 12. April 1886: Antwort des GV an Siepe-Necker: „Verhältnis uns unbekannt. Seelsorger muss entscheiden.“

Am 21. April 1886 steht im EBAP in den Akten des GV: Falter / Siepe die Notiz: „Die Eingabe des Gastwirts Johann Siepe zu Freienohl vom 16. April 1886 betreffend der Beerdigung eines Kindes ist dem Hülfsseelsorger (damalige Schreibweise, dieser Titel  geht noch auf den sogen. Kulturkampf zurück, am 17.12.1886 wird er Pfarrer) Falter in Freienohl zum Bericht zugesandt worden.“ Der Brief von Siepe am 16. April war 4 Seiten lang, rechtsseitig beschrieben, so war es üblich für die Randnotizen des Lesers.

Am 10. Mai 1886 antwortet Pfarrer Falter dem GV mit einem 4 Seiten langen Brief; hier folgt die gestraffte Wiedergabe: Die Wirtschaft Johann Siepe liegt von der Kirche aus gesehen jenseits der Ruhr. (Die Strecken-Länge ist nicht angegeben. Etwa 40-50 Meter)  Bisher war es nicht üblich, dass der Pfarrer auch von außerhalb der Ruhr – als Grenze der Pfarrei, wie nach Arnsberg hin der Rümmeke Bach – die Leiche abholte. Pfarrer Adams freilich hat Ausnahmen gemacht. Ausnahmen sind keine Regeln. Üblich war, die Leiche bis zur Grenze (hier: die Ruhrbrücke) zu bringen. Von dort holt der Pfarrer die Leiche mit dem Leichenwagen ab. So sollte es auch diesmal sein. (Fast wie nebensächlich hört sich an:) Das Kind ist notgetauft von der Hebamme Kerstholt. - Johann Siepe rechnete mit einer Ausnahme. Die machte Pfarrer Falter nicht. Er beantzragt beim Generalvikariat, die Beschwerde abzuweisen, „zumal derselbe (Johann Siepe) keinen Grund hat, seinen kleinlichen Sinn besonders hervorzukehren, da er den jungen Leuten beiderlei Geschlechts bis spät abends Zusammenkünfte gewährt und selbst in der geschlossenen Zeit in seinem Haus Tanzmusik erschallt“. (Die Adventszeit und die Fastenzeit waren „geschlossene Zeiten“, z.B. kirchliches Verbot von Tanz- und ähnlichen Veranstaltungen. „Echte“ Musik! Schallplattenmusik gab es noch nicht. - Die Leiche war ein Kind, der Sohn von Johann Siepe, 2 Tage alt! Einerseits hätten Totenträger der Familie Siepe, wie üblich die nächsten Nachbarn, den Kleinstkindsarg die 40 – 50 Meter leicht bis zur anderen Ruhrseite tragen können, dort würde dann Pfarrer Falter mit dem Leichenwagen, - Pferdefuhrwerk mit 2 Pferden, es ging den Breiten Weg hinauf - , bereit stehen. Oder andererseits: Pfarrer Falter wäre in Begleitung des Leichenwagens die 40 – 50 Meter zum Haus des Wirts Johann Siepe gegangen, hätte viel Platz zum Wenden gehabt... Vielleicht ist zu unterscheiden zwischen den gesagten und wahren Gründen. Der wahre Grund mag gewesen sein das „unsittliche“ Verhalten des Gastwirts.)   

Der Tag der Beerdigung des verstorbenen Babys Caspar Siepe ist im Sterberegister der 12. April 1886; Bemerkungen stehen nicht darin.

Einen guten Monat später, am 26. Mai 1886 schreibt Johann Siepe ans Generalvikariat Paderborn: „Ich erlaube mir die Bitte um gefällige Erledigung und Beantwortung (zeitüblicher Briefstil) meiner Beschwerdeschrift vom 16. April des Jahres. Die Umstände sind danach angetan, dass ich die Sache geregelt haben muss. Ich beanspruche meine Rechte als katholischer Christ von dem vorgesetzten Seelsorger, und als der katholischen Kirchengemeinde in Freienohl zu den Kirchensteuern verpflichtet, wünsche ich gleich den anderen Katholiken behandelt zu werden. Eventuell werde ich der Königlichen Regierung damit wird der Landrat in Arnsberg gemeint sein) die sache zur weiteren Erörterung  vortragen. Joh. Siepe“

Am 29. Mai 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe: „Aufgrund der Berichte von Falter und dem zuständigen Dechanten (in Meschede, der die Angaben Falters bestätigt) liegt kein Grund für eine Rüge vor. Falter hat für die vorgenommene kirchliche Beerdigung Ihres Kindes jede denkbare Rücksicht gemacht. - Obiges als Abschrift an Falter zur Kenntnisnahme.“ Demnach wird Pfarrer Falter über die Ruhrbrücke gekommen sein. -  In seiner eigenen und jedem Pfarrer aufgetragenen Chronik über seine Arbeit und über das Leben in der Pfarrei steht nichts von dieser Bestattung. Dafür steht darin vom Sonntag, dem11. April 1886 ein attraktiver Bericht von der feierlichen Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus der Kirche im Rahmen eines Nachmittags-Gottesdienstes mit einigen gewichtigen kirchlichen und politischen Gästen. Auf dem Grundstein stehen eingemeißelt 4 Buchstaben: P.L.J.F. (Parocho Loci Julio Falter – Durch den Pfarrer des Ortes Julius Falter).

Am 20. August 1886  schreibt Johann Siepe erneut an das Generalvikariat in Paderborn; hier fast wörtlich: Johann Siepe bittet dringend um nochmalige sorgfältige Durchsicht seiner Eingaben vom 16. April. Seine Angaben sind wahr und richtig und seine Beschwerde deshalb auch gerechtfertigt, „wie ich denn auch das geschilderte Verhalten des Hülfsseelsorgers Falter nicht zu loben weiß“. Johann Siepe sieht „vom erlebten Vorfall ab und“ stützt sich „auf sach- und rechtsbeständiges Herkommen, katholischen Brauch und fromme Sitte“, bittet für sich und seinen Hausstand und namens seiner Nachbarn hinter (von Siepe aus gesehen) der Freienohler Ruhrbrücke, aber innerhalb der Ortsgemeinde Freienohl. Das Generalvikariat möge dem jetzigen und allen zukünftigen Pfarrern aufgeben, den katholischen Christen  jenseits der Ruhrbrücke (von den Pfarrern aus gesehen) bei Krankheits- und Todesfällen die geistlichen Trost- und Heilmittel promt zu gewähren, die Leichen im Sterbehaus einzusegnen (so war es damals üblich, nachzulesen in alten Toten-Gebetsbüchern und Gesangbüchern) und von da christlich und würdevoll zum Friedhof zu geleiten.“

Am 27. August 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe, dass das Generalvikariat keinen Grund hat, die Verfügung vom 29. Mai 1886 abzuändern.

Der Volksmund mag vielleicht sagen. Der Verstorbene würde sich im Grabe umdrehen,

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Weiter mit anderen Daten zur Friedhofs-Visite:

Am 3. Mai 1887: Der Kirchenvorstand wendet sich mit dem Pfarrer an das Erzbischöfliche  Paderborner Generalvikariat: Die Erweiterung des Totenhofs ist notwendig. Die ist nur noch möglich Richtung Osten. Der jetzige Totenhof hat 1 ¼  Morgen. Das reicht nicht aus für 1400 Personen. (EBAP Acta specialia 1836-1933) (1 Morgen = 2.553,22 m² : Preußen; also etwa 3.200 m²)

Am 6. Juli 1887 informiert das Generalvikariat in Paderborn den Kirchenvorstand mit Pfarrer Falter: Der Totengräber erhält 1,50 Mark für 1 Beerdigung 1 Leiche älter als 12. Lebensjahr;  für Kinder unter 12: 1 Mark. (PfA  A5)

August, September 1888: Ein Hin und Her an Informationen, Klärungen, Bemühungen zwischen dem katholischen Kirchenvorstand Pfarrer Falter, dem Amtmann Enser in Freienohl und dem Landrat Freusberg in Arnsberg: Der Totenwagen schafft nicht den Weg von der Landstraßehier auf den Totenhof. Dieser Weg ist viel zu eng und für den Wagen wegen der Weg-Nässe nicht befahrbar. Für den Wege-Ausbau bedarf es Ankäufe; dafür fehlt Geld. Und es geht nicht so schnell. - Gemeint ist der Weg von der Hauptstraße zum Friedhof zwischen Haus Bracht und dem – damals – Bauernhof Flinkerbusch. (AA  1815)

Am 29. April 1891 schreibt der Freienohler Kirchenvorstand ans Paderborner Generalvikariat: „Der Wasserschaden am Totenhof macht wohl eine Schließung notwendig; auch Jauche aus dem Ort fällt auf.“ Das Generalvikariat fragt zurück: „Was geht der Totenhof die Pfarrei an? Ist da nicht die (politische) Gemeinde zuständig?“ Der Fragesteller wird nicht gewusst haben, dass für den Freienohler Friedhof die katholische Gemeinde verantwortlich war. (noch aus der Zeit vom Kirchhof rund um die Kirche herum). (EBAP, Acta Specialia 1836 - 1933)

Am 27. November 1891: Pfarrer Falter und Amtmann Enser in Freienohl erklären übereinstimmend, dass der jetzige Friedhof zu klein ist und notwendig einer Erweiterung bedürfe. Landrat Freusberg in Arnsberg setzt sich für eine Erweiterung ein. (PfA  A5)

1891: Die Anschaffung eines Totenwagens wird verschoben, weil ein ordentlicher Fahrweg immer noch fehlt (1 bis  2 Pferde mit einer Art  "Leiterwagen"!). (AA 1815)

Am 1. Dezember 1891: Landrat Freusberg an Pfarrer Falter: Eine Erweiterung ist nur sinnvoll, wenn das Regenwasser im Untergrund abgeleitet wird. (PfA  A5)

Am 29. April 1891: Der Kirchenvorstand informiert das Generalvikariat in Paderborn: "Der Wasserschaden am Totenhof macht wohl seine Schließung notwendig. Auch Jauche aus dem Ort fällt auf." (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Im Februar 1892 kümmert sich Pfarrer Falter um die Entwässerung des Friedhofs. (AA 1815)

In der „Mescheder Zeitung“ steht am 27. Juni 1893 unter Amt Freienohl: „In den Gemeindebezirken Dinschede, Rumbeck und Grevenstein ist nach Beratung mit den Gemeindevorständen polizeilich verordnet worden, dass von jetzt ab die Leichen mittels eines Leichenwagens nach den Kirchhöfen gefahren werden und darf die Überführung derselben nicht mehr durch Träger erfolgen. Bei Leichen von Kindern unter 10 Jahren kann jedoch mit Erlaubnis der Ortspolizeibehörde die Überführung durch Träger stattfinden. Die Erteilung der Erlaubnis kann von der Beibringung eines ärztlichen Attests über die Todesursache abhängig gemacht werden.“ - Damals war es üblich – in Freienohl und wohl auch im Sauerland - , den Verstorbenen bis zur Beerdigung zu hause 2,3 Tage aufzubahren und auch zu hause das Totengebet mit der Nachbarschaft zu halten. Damit wird auch deutlich, dass dieses Totengebet, wenn auch zu mehreren ein Privatgebet ist, auch wenn es im Raum der Kirche stattfindet; doch deswegen hat der Pfarrer das Sorge-Recht für würdiges, gemeinsames Beten.

Am 7. Januar 1895 informiert der Freienohler Amtmann Enser den Landrat in Arnsberg aufgrund dessen Anfrage, dass “der Weg zum Totenhof seit einigen Wochen im (be)fahrbaren Zustand gesetzt worden ist. Jetzt geht es um die Anschaffung eines Totenwagens.” (AA 1815)

Bis in den Mai 1895 geht es um Grundstücksverhandlungen zur Vergrößerung des Friedhofs. (AA 1815)

   

Am 17. Mai 1895: Die Friedhofskapelle wird gebaut, genau nach dem Muster der ehemaligen Rümmecker-Kapelle, von Maurermeister Fritz Göckeler, für 1.752,94 Mark. - Informationen über die Rümmecker-Kapelle stehen in einer anderen Textfassung. Die neue Rümmecker-Kapelle wird von den Schützenbrüdern immer wieder instand gehalten, handwerklich bestens gepflegt. Ganz im Sinn des Leitworts der Schützenbruderschaft: Glaube - Heimat – Sitte.  

 

„Auf Kirchweihfest, am 17. November 1895,“ schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik, „wurde zum ersten Mal der auf Befehl der Regierung seitens der Gemeinde angeschaffte neue Totenwagen benutzt. Die Ehefrau Storm geb. Kaulmann wurde als die erste in demselben zum Kirchhof gebracht, während der von dem ehemaligen Posthalter Lorenz Düring gefahren wurde. Zur Erstattung der Anschaffungs- und Unterhaltungskosten wurden für den Wagen von Fall zu Fall 3 Mark entrichtet, welche in die Gemeindekasse fließen, während die Beschaffung der Pferde den Interessenten (!) überlassen bleibt.“ (PfA PC-Falter)

 

Am 6. Juni 1899: Pfarrer Falter wird vom Totengräber Franz Stirnberg informiert, dass er vor einer Beerdigung (des Fritz Lange am 27. Mai) dreißig (!) Eimer Wasser aus dem Grab geschöpft hat. (PfA  A5)

1902: Der Wirt Vater Necker-Siepe hat es nicht leicht, dass seine verstorbene Tochter Maria, „gerade mal eine viertel Stunde auf der Welt", unkompliziert auf dem Friedhof bestattet wird. 50 Meter von der Ruhrbrücke entfernt trennte Haus und Familie Necker-Siepe  "räumlich" von Freienohl; denn politisch gehörte man nach Meschede und kirchlich nach Calle. Pfarrer Falter wollte mit dem inzwischen angeschafften Totenwagen nur bis vor die Ruhrbrücke ziehen. Dabei waren Freienohler die gängigen Gäste der Schenkwirtschaft Necker-Siepe, vor allem auch "die jungen Leute". Das "gehörte" sich nicht, die "herein zu lassen", meint Pfarrer Falter. Spektakel der Macht. Und: die gesagten Gründe sind nicht immer die wahren Gründe. 

 

Am 8. Oktober 1906: Kosten-Anschlag für den Entwässerungsgraben: 974,13 Mark. Am 15. Oktober 1906 ein neuer Betrag: 992,13 Nark.

 

4.2.9.  Zur Zeit des Ersten Weltkriegs: 1. August 1914 bis 11. November 1918:

Erschütternd sind die Eintragungen vor allem zu Beginn des Ersten Weltkrieges von Pfarrer Steimann (in Freienohl 1902-1916). Sie lesen sich wie noch am selben Tag geschriebene sehr persönlich gehaltene Aufzeichnungen. Die folgen am Schluss dieses Kapitels 4.2.9 mit dem Bericht vom anschließenden Pfarrer Ferdinand Gerwinn.

Im Pfarrarchiv befinden sich bei den Pfarrer-Chroniken mehrere Briefe „von der Front“ an den Freienohler Pfarrer für seine Trauerarbeit mit den Angehörigen. Der erste Brief sei ausgewählt und hier zitiert. Er betrifft Bernhard Weber, gefallen am 3. Oktober.1914 (der Erste Weltkrieg hatte am 1. August 1914 begonnen!) in Cerny, Grab: Colligs bei Reims; Pionier; Maurer, ledig; geb.  15.2.1890. Der Brief: „Colligs, den 3. Oktober 1914 / Herrn Bernhard Weber, Freienohl Kreis Arnsberg / Das Lazarett erfüllt die traurige Pflicht, Sie von dem Hinscheiden Ihres Sohnes Bernhard, R.K. Batt. 21.2. Comp. In Kenntnis zu setzen. Er wurde schwer verletzt in das Feldlazarett 36 in Colligs am 26. September gebracht und ist am 3. Oktober seinen Verletzungen erlegen. Er ruht auf dem Friedhof zu Colligs und ist feierlich von dem Divisionsgeistlichen beerdigt worden. Ein Kreuz mit Namen bezeichnet seine letzte Ruhestätte. / Der Chefarzt gez. Lydow, Oberstabsarzt.“

Zum möglichen Gedenken hier noch die ersten 6 Auszüge aus der „Kriegsstammrolle“, von den „Kriegsschauplätzen“, dort auch bestattet  (Wer hat bloß dieses Wort erfunden: Kriegschauplatz?), aufbewahrt im Stadtarchiv (AA 2224):

Heinrich Althaus, Arbeiter, geb. 3.5.1888, ledig; Eltern Christian Althaus und Elisabeth geb. Neise; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien; 2. Kp.R.I.R. 81 = 2. Kompanie Reserve Infanterie Regiment 81 (für Freienohler: „die Einundachtziger“).

Hermann Pütz, Maurer, geb. 1.9.1887; verheiratet mit Franziska geb. Dölle; Eltern: Heinrich Pütz, Fabrikarbeiter, Christiana geb. Bräutigam; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien, 2. Kp.R.I.R. 81;  aus der Kriegsstammrolle: Die Krankenträger Schulte und Cordes: Wir bestätigen, dass der Unteroffizier Pütz aus Freienohl bei Petitvour am 22.8.1914 gefallen und tot ist.“

Kaspar Becker, Zimmermann, geb. 16.11.1886, verheiratet Johanna geb. Jablonski, 1 Kind; Eltern: August Becker, Fabrikarbeiter, Elisabeth geb. Kohsmann; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien, 2.Kp.R.I.R. 81; aus der Kriegsstammrolle: „Infolge seiner Verwundungen im Kriegslazarett gestorben.“

August Wrede; seine Mutter hat diesen Brief erhalten: „Kriegslazarett VII, St. Quentin, d.11.10.1914, Palais de Justices. - Sehr geehrte Frau! Leider muss ich Ihnen die Mitteilung machen, dass Ihr Sohn, der Musketier August Wrede aus Freienohl bei Arnsberg vom Infanterie-Regiment 131, 2. Comp., am 10.10.1914 abends 8.30 Uhr im Kriegslazarett VII, Palais de Justice sanft entschlafen ist. Er war in guter Pflege und starb an den Verletzungen, die er im Felde für das Vaterland erhalten hatte. Er ruht auf dem Friedhof der deutschen Soldaten in St. Quentin. Die Nachlaßsachen werden später auf dienstlichem Wege zugesandt. - Laz. ...nicht lesbar .. Pulvermacher“  (PfA  A29)

Josef Müller, Arbeiter, geb. 6.4.1894, ledig; Eltern: Josef Müller, Wildshausen, Maria geb. Freimuth; Kopfschuß am 21.3.1915, gestorben am 25.3.1915 im Kriegslazarettt Johann von Arc zu Voiziers, Füsilier im 4. Garderegiment.

Fritz Beckmann, Erdarbeiter, geb. 17.7.1892, ledig; Eltern: Fritz Beckmann und Klara geb. Flinkerbusch; eingetreten 15.10.1913 beim Pionier-Battaillion 21; mitgemachte Gefechte:

Anloy 22.8.1914, Villers 27.8.1914, Alliamelles 7.9.1914, Sermaize 8.u.9.9.1914. Merlot 18.9.1914, Chivy 26.9.1914, Damery 6.10.1914, Pavillers 8.10.1914, Fresnoy 11.10.1914, Le Anesnoy 1.11.1914, Stelingl. Bei Roye / Pobar 9.4.1915; gefallen beim Sturm auf den Selowatka 18.4.1915. (Die Rechtschreibung dieser Orte ist im Vergleich zur heutigen gewiss nicht korrekt.)

 

Um sich nachträglich hinein zu fühlen in den Ersten Weltkrieg folgen hier Auszüge aus einem von heute – 2009 – aus gesehen nahezu unmöglichen Buch. Damalige Freienohler haben dieses  Buch bestimmt nicht gekannt: Johann Leicht (Herausgeber): Sankt Michael. Ein Erinnerungsbuch aus schwerer Zeit zur Erbauung und Tröstung für die Katholiken deutscher Zunge. Deutscher  St. Michaels-Verlag Würzburg, Berlin und Wien, 1919, Imprimatur 1. Juni 1917, 384 Seiten, mit vielen ganzseitigen Kunstblättern und Textzeichnungen, großes Format: 33x23 cm; einsehbar: Stadtarchiv Meschede im Alten Amtshaus Freienohl. -  Das Datum „Imprimatur 1917“ bedeutet, dass die Texte  um 1915, 1916 entstanden sind. Und „Imprimatur“ heißt: Kirchliche, Bischöfliche Druckerlaubnis.  Kein Grund zur Aufregung: Was heutzutage der „Regierungssprecher“ oder ähnliche  Aufgabenträger in die Öffentlichkeit bekannt geben dürfen, das bedeutet für unseren Zusammenhang: Hinter den einzelnen Beiträgen steht hier wenigstens grundsätzlich die katholische Kirche, hier: Bischöfe, Theologie-Professoren und mit dem letzten Zitat der damalige Papst. Was noch zu beachten ist: der Rede-Schreib-Stil und die Gedanken-Führung von 1915 sind für 100 Jahre später sehr ungewohnt, teilweise gewiss auch etwas peinlich. - Die Verfasser der einzelnen Beiträge werden hier ausgelassen. Dieser Buchauszug ist kursiv geschrieben:

Der echte Soldatengeist. Vor dem Abmarsch. Bewegten und gehobenen Herzens noch ein letztes Wort, ein letzter Wunsch: behaltet und bewahret den echten Soldatengeist. Worin besteht er? Kurz in drei Worten: Froh, Fromm, Treu! - Froh! Froh muss uns stimmen die große, gerechte, heilige Sache, für die wir in den Kampf ziehen...Froh muss uns stimmen unser gutes Gewissen, mit Gott und den Menschen versöhnt!...

Unsere Waffenschmiede im Gotteshaus. Inseln im sturmgepeitschten Meere des Völkerstreites sind unsere Kirchen. Weiße Fahnen wehen von ihren Zinnen und Türmen, als riefen sie in das Gewühl aufgeregter feindlicher Elemente: Hier ist Friede!... Hier aber im Gotteshaus wollen wir Waffenschmiede und Waffenweihe halten. Am Altarstein lässt sich so gut und so scharf das Schwert schleifen; an der heiligsten Opferstätte legt sich so starke Kraft in die von den Vätern ererbte Wehr; aus Gottes Hand empfangen schützt die Rüstung treu gegen feindliche Unbill...

Die deutsche Frau im Krieg. Fest Mariä Himmelfahrt. ...Ist auch im Christentum das Weib in die segensvolle Stille des häuslichen Berufes zurückgekehrt, si schaffte doch unermüdlich an der Wehr und Rüstung des Mannes, an seiner sittlich-religiösen Erziehung für die Tage göttlicher Prüfung... Wenn die Mutter dem Knaben schon in frühen Tagen die Großtaten des Volkes erzählt, wenn sie blättert im Siegesbuch des Vaterlandes, wenn sie zeigt auf das Funkeln und Flammen der gewonnenen Schlachten, wie Feuer sprüht es da aus des Knaben Augen, tiefer und heißer, bis er vor dich, deutsche Mutter, hin tritt und dich um den Segen bittet: Mutter, lass uns ausziehen in den Krieg für das Reich! Deutsche Frau, das ist Kampf um deinen Sohn und ist gewonnene Schlacht....

Der Kinder Opfer. Ein Hirtenschreiben an die Kinder. … Ihr wisst, es ist Krieg – schlimmer, blutiger Krieg! ...Ihr selbst habt es miterlebt, wie sie daheim Abschied genommen haben, und habt gesehen, wie sie hinaus gezogen sind gegen die Feinde, mutig und mit klingendem Spiel. Aber ihr habt auch gesehen, wie manche aus dem Felde heim gekommen sind, verwundet am Kopf, am Arm oder Bein, manche gar schwer verwundet. Und ihr habt gehört oder gelesen, wie viele tapfere Soldaten in den blutigen Kämpfen getötet sind und nun begraben liegen in fremder Erde. Sie kommen nicht mehr zurück....

Am Massenheldengrab. ...Blutleere Träume hat man sie genannt: sieh da, Millionen kleiner Kreuze künden`s dir: Sie sind das Wirkliche, das selbst das Leben überwand.... Drum  Dank euch, tapfere Söhne deutscher Mütter! Das Vaterland will euer Erbe ehren – mehren!

 

Genau hier gehört eingeschoben ein für Freienohl wunderbares Ereignis:

Grauenhafte Kriegserfahrungen hat erlebt: Otto Kloke, geb. 29.11.1882, er war Soldat, er fiel in der Schlacht am Hartmannsweiler Kopf in den Vogesen, „gleich hinter der Grenze“, in einem kriegsüblichen Massengrab wurde er bestattet. Doch seine Kameraden waren kurz danach überzeugt, dass ihr Otto Kloke noch gar nicht tot sein müsse, sie schaufelten die dünne Erdschicht beiseite, tatsächlich: er lebte. Er wurde versorgt, im Lazarett usw., usw. Er lebte ein neues Leben.  Mit ganz neuen Erfahrungen. Otto Kloke starb am 30.11.1962 und wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt, gewiss mit vielen Erinnerungen seiner Familie und Freunde.

Fortsetzung der Buchauszüge:

Heiliges Feuer. Weiter greift der gewaltige Kampf, in den wir gestellt sind. Er ist ein Erlebnis für uns nicht nur als Deutsche, sondern auch als Weltbürger. Der Krieg ist ein internationales, ein Welterlebnis... Ganz nahe geht uns aber eine andere Beziehung an, die wichtigste in diesem gewaltigen Völkerringen, die Beziehung dieses Krieges zu Gott, der Krieg als sittliches, religiöses Erlebnis … So ist der Ursprung dieses Krieges sittlich.... Vaterlandsliebe, Gemeinsinn...

Papst Benedikt XV. Am 28. Juni 1915 (15!) ...Es ist Bruderblut, das über die Erde und Meere dahinfließt. Die schönsten Gegenden Europas sind sind mit Leichen und Ruinen übersät.... Man erwidere nicht, dass der unmenschliche Konflikt nicht ohne Waffengewalt geschlichtet werden könne! Möge man von der gegenseitigen Zerstörungswut ablassen! … Gesegnet sei, wer zuerst den Ölzweig erhebt!...

Die Berichte von Pfarrer Karl Steimann und Pfarrer Ferdinand Gerwinn

sind abschriftlich aus dem Freienohler Pfarr-Archiv übernommen. Inhaltlich, thematisch nicht zum Krieg gehörende Passagen sind ausgelassen. Eine solche Textfassung war der pflichtgemäße Jahresbericht für den Bischof in Paderborn.

Pfarrer Karl Steimann: seine persönlichen Daten: geb. 16.6.1864 in Berlinghausen bei Horn; Priesterweihe 6.4.1889 in Paderborn; April 1889 Vikar in Fretter; August 1889 Kaplan an der Propstei-Kirche in Dortmund; 10.4.1902 Pfarrer in Freienohl bis 1.8.1916; dann Propst an der Gaukirche in Paderborn; gestorben 14.4.1934.

Wörtliche Textfassung von Pfarrer Karl Steimann:

1914:  Der eben ausgebrochene Krieg zieht das ganze Land oder jede kleine Gemeinde in Mitleidenschaft und in eine nicht geringe, deshalb soll, so gut es geht, das Wichtigste notiert werden. Über den Krieg, seine Gründe, seine Vorgeschichte, seinen Verlauf wird die Geschichte ein genaues Bild liefern, hier sollen nur Stimmungsbilder aus unserer Gemeinde kurz skizziert werden. Der Krieg, der die Welt so schrecklich mitnimmt, war schon seit Jahren ein Gegenstand banger Sorge und Erwartung des Königs und des Volkes. Deshalb war man gerüstet und sozusagen seit Jahren bis an die Zähne bewaffnet. Der erste Schuss dieses Krieges ist in Bosnien gefallen, wo in Sarajewo am 28. Juni 1914 der Erzherzog = Thronfolger von Österreich mit seiner Gemahlin durch die Hand von Meuchelmördern getötet wurde. Bis ins Kleinste Dorf geriet die Menschheit in Aufregung über das fluchwürdige Verbrechen. Jedermann sagte sich: jetzt ist der Funke ans Pulverfass gefallen und es wird zu einer entsetzlichen Katastrophe kommen. Österreich fordert Untersuchung über die aus Serbien stammenden Verbrecher. Der Volksmund beschuldigt allgemein den Königshof oder doch die Minister oder Offiziere Serbiens als Mitwisser an der Untat.  Als die von Österreich geforderte Genugtuung nicht geleistet wird, erfolgt die Kriegserklärung. Petersburg hält seine Hand über die Fürstenmörder; ob es auch mit weiß um die Absichten? Russland rüstet gegen Österreich und Deutschland; Frankreich und Russland erklären: wir wollen keinen Krieg. Beide suchen den Kaiser zu täuschen, endlich reißt ihm, der stets den Frieden zu erhalten bestrebt war, die Geduld. Auf eine energische Anfrage erfolgt denn die gleiche verlogene Antwort sowohl von Russland als Frankreich. Am 1. August 1914 wird die allgemeine Mobilmachung angeordnet und damit ist der Beginn des Krieges. Mit schwerem Herzen vernahmen unsere Leute die Kunde. Sie wussten wohl aus den Erzählungen der Alten, die 1871 den Feldzug mitgemacht hatten, Kessler, Caspar, Bauunternehmer, - Johann Kückenhoff, Frohnen, - Adam Beckmannm, Alter Weg, - Johann Kerstholt, Sparkassen-Rendant, - Heinrich Helnerus, Bahnhofstraße u.a., wie es im Krieg hergeht, aber jetzt heißt es, selbst sich rüsten. – Für die kriegerische Ausrüstung sorgt der Staat, aber auch die Seelen müssen bereit sein. Als am Sonntagmorgen in der Frühmesse in der Predigt die schrecklichen Ereignisse berührt wurden, gab es ein allgemeines Schluchzen. Zahlreich waren die Männer an diesem Tag schon zu den hl. Sakramenten gegangen. Montag, Dienstag, Mittwoch dasselbe Schauspiel. Die größte Zahl der zur Fahne berufenen ging jeden Tag bis zur Abberufung, alle aber haben vorher die Sakramente empfangen. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich, wie tiefgläubig unsere Männerwelt im Sauerland ist. Es sind ja gewiss keine Engel und sie nehmen es auch als ihr gutes Recht in Anspruch, ihren Seelsorger einmal bei Gelegenheit zu ärgern und über ihn zu schimpfen, aber jetzt kommt nicht die Oberfläche, sondern der Grund der Seele zum Vorschein. Rührend waren die Zeichen der Anhänglichkeit an den Heiland, seine Religion, die Kirche und die Priester, an Fürst und Vaterland.

Gleich am 2. August 1914 war abends Andacht und Erflehung des Sieges und glückliche Heimkehr. Sie soll durch die ganze Zeit bis zum Frieden fortgesetzt werden. Abend 9 Uhr wird eine Weile mit der größten Glocke geläutet, damit alle in ihren Häusern für ihre fernen Krieger beten. Am Montag zogen die ersten in den Krieg. Es waren nur erst einzelne. Manche ältere Leute waren schon am Samstag, den 1. August, abends 6 Uhr zur Bewachung der Eisenbahnen und der Brücken abkommandiert. Feindliche Spione haben vielfach in Deutschland diese zu zerstören versucht. Dank der Vorsorge der Behörden konnten sie ergriffen und der verdienten Strafe überantwortet werden. Am Dienstag, 4. August, Mittag zog die erste größere Anzahl meist jüngerer Leute zu den Waffen. Es sind an die 30 gewesen. Morgens hatten fast alle die hl. Kommunion empfangen; nach der hl. Messe richtete der Pfarrer eine Ansprache ermahnenden, tröstenden und aufmunternden Inhalts an die Gemeinde und besonders die Krieger. Um ½  1 Uhr zogen sie vom Kriegerdenkmal aus, wo ein Kaiserhoch ausgebracht wurde, ab unter klingendem Spiel und unter vielem Weinen der Angehörigen. Da der Pfarrer vorher hiervon nichts wusste, hatte er von diesem eigentlichen Fortgange der Burschen, abgesehen von der kirchlichen Feier, keine Notiz genommen zu seinem lebhaften Bedauern. – Am Mittwoch, dem 5. August, war von Seiten des Bischofs Bitt-Hochamt und Aussetzung des Allerheiligsten von 6 bis 10 Uhr vormittags angeordnet. Empfang der hl. Sakramente, Besuch des Gottesdienstes und der Betstunden war außerordentlich gut. Es sind (heute ist Freitag, 7.8.)  in der Zeit vom 1. – 7. August: 2.175 hl. Kommunionen ausgeteilt.

Um ½ 1 Uhr versammelten sich die Männer, die zur Fahne mussten. Dass es hier besonders bittere Abschiedsszenen gegeben hat, lässt sich begreifen. Vernünftiger Weise waren die Frauen und Kinder fast alle zu Hause geblieben. Das Herz war uns allen schwer genug; es waren Tage der Tränen. Fast die ganzen Tage flossen sie. Wenn die Leute, Männer wie Frauen, nach der Bahn schauten und die in Abständen von 10 – 15 Minuten nach der Westgrenze hin wollenden Züge mit Menschen und Geschützen, Tod speienden Schnellfeuerkanonen usw. sahen, wenn sie hörten, wie die Maschinen mit ihrer Last voran keuchten und die Schienen gleichsam ihr „das ist der Tod, das ist der Tod, das ist der Tod“ dazu sangen oder vielmehr ratterten, dann ist es verständlich, wenn alte Männer, denen die Tränen nicht gerade lose folgen, tief aufseufzend weinten. Aber es waren auch Tage der Erhebung und des Trostes. Mit ruhigem Gewissen sahen die Männer ihrem schweren Gang entgegen. Eine heilige Entschlossenheit lag auf allen Gesichtern; sie waren sich bewusst, es handelt sich um eine heilige und gerechte Sache, wir kämpfen für unser Land, die Heimat, für Weib und Kind, für alle, die uns lieb und teuer sind. Die meisten der Einberufenen waren persönlich zum Abschied bei mir. Ich habe mich an ihrer Ruhe erbaut. Um ½ 1 ging ich zum Kriegerdenkmal, um ihnen dort ein Wort des Abschieds zu sagen. Ungefähr 70 Männer standen dort in Reih’ und Glied.

Vater, ich rufe dich, so blickt das deutsche Volk heute zum Himmel empor. Brüllend umwölkt uns noch nicht der Dampf der Geschütze, aber es umtobt uns der Hass unserer Feinde. Aber mit der Gefahr wächst unser Mut. Viel Feind’, viel Ehr’. Ihr zieht hinaus, meine Brüder! Wohl an, mit Gott für König und Vaterland. Unbesiegter Gottesheld, St. Michael! Komm uns zu Hilf, zieh mit zu Feld! Vor der Schlacht betet ihr! Ihr zieht zur Schlacht. Wir rufen: Vater unser, der du bist etc. (usw.) Hier segne ich Euch zum Abschied. Der Segen des allmächtigen Gottes sei mit Euch. Hier rufe ich Euch noch einmal zu: Mit Gott für König und Vaterland, deutscher Kaiser, deutsches Volk, lebe hoch. Die Musik fällt ein, Heil dir im Siegerkranz etc. Die Glocken läuten und mit klingendem Spiel ziehen auch diese zur Bahn. Damit ist der letzte größere Trupp gegangen. Es sollen Namen und Alter noch angegeben werden.

Am 7. August 1914.           

Nachdem der erste Abschiedsschmerz überwunden ist, tritt auch allmählich bei den Frauen besonders, Ruhe wieder ein. Während ich schreibe, singen im Bracht’schen Garten Kinder das Lied, in dem eine Stelle vorkommt: „Frankreich, Frankreich, wie wird es dir ergehen, wenn du die deutschen Soldaten wirst sehen.“ Es sind Kinder auch mit 7 Jahren alt. Hoffentlich gelingt es den tapferen Soldaten unter Gottes Beistand in dem schrecklichen Krieg siegreich zu bleiben. Was allenthalben sich zeigt, sieht man auch hier. Allenthalben Spione, d.h. in der Phantasie der Leute! Die tollsten Gerüchte werden geglaubt. Glücklicherweise gelingt es meist, die Schauergeschichten als Unsinn und dummes Zeug zu verweisen. Nachrichten über bestandene siegreiche Gefechte erhöhen die Stimmung. Aber, was soll es geben, wenn die Nachrichten von den furchtbaren Schlachten mit ihren entsetzlichen Verlusten eintreffen. Herr, erbarme dich unser!

Der 9.August 1914.

Am Samstag ist eine Reihe von Freiwilligen in die Heimat vorläufig zurückgekehrt. Alle berichten über eine wunderbare Begeisterung, die im Volk herrscht. Zwei Söhne des Hauptlehrers Heinemann, Otto, Lehrerseminarist, und Joseph, Student der Theologie, erzählen von ihrer Fahrt nach Mainz und den ungeheuren Truppenmassen, die dort zusammengezogen sind.  Der dritte Bruder, Hubert, der Maschinentechniker werden will, hat sich in Kiel zur Marine freiwillig gemeldet. Heute war der Zudrang zu den hl. Sakramenten (samstags zur Beichte, sonntags zur Kommunion) wieder sehr groß. 250 Männer und 456 Frauen. Man hört in der Kirche am Beten, dass es vom Herzen kommt. Den ganzen Tag war die Kirche stark besucht auch von Vätern, die für ihre zu den Waffen gerufenen Söhne beteten. Da die von hier stammenden Soldaten noch in Meschede waren, gingen die Verwandten zahlreich hin, ihnen noch einen Besuch zu machen. 22 Freienohler mit einer Reihe Oeventroper bilden eine Korporalschaft unter dem Lehrer Heins, Lehrer in Neheim, Schwiegersohn des Unternehmers Caspar Kessler und Neffe des Lehrers H. Heins. Wie die Verwandten sagen, haben alle heute noch einmal gebeichtet, gehen morgen früh noch einmal zur hl. Kommunion in Meschede und ziehen dann gegen den Feind.

Ich habe die Leute heute aufgefordert, die Namen der beim Militär stehenden und aller jetzt zur Fahne einberufenen aufzuschreiben. Ich lasse dieselben hier folgen:

Diese Liste ist so kostbar wegen der dazugehörigen Familien-Daten.

1. Nikolaus Dehen, Arzt, verheiratet seit November 1913, mulier gravida (Ehefrau schwanger).

2. Wilhelm Schulte, Student der Medizin, Sohn des Ehrenamtmanns, geb. zu Uentrop den (Datum fehlt),unverheiratet.

3. Otto Heinemann, geb. (Datum fehlt), Sohn des Hauptlehrers.

4. Josef Heinemann, geb. (Datum fehlt), Weihnachten erst gezogen.

5 Hubert Heinemann, geb. (Datum fehlt), nicht genommen, Weihnachten erst gezogen.

6. Ludwig Pöttgen, geb. 18. Mai 1884, verheiratet seit Mai d. J.

7. Heinrich Pöttgen, geb. 25. Dezember 1886, ledig.

8. Bernard Weber, geb. 15. Februar 1890, ledig.

9. Philipp Trompetter,  geb. 15. Februar  1892, ledig, aktiver Husar.

10. Kaspar Trompetter,  geb. 30. August 1877, verheiratet, Frau und vier Kinder.

11. Hermann Pütz, geb. 1. Sept. 1887, verheir. seit Frühjahr 1914. (Nachtrag:) Gefallen.

12. Georg Neise, 28 Jahre.

13. Fritz Neise, 21 Jahre, Bruder von Georg Neise.

14. Albert Flinkerbusch, geb. 31. Dez. 1880, verh., ohne Kinder.

15. Adam Heckmann, geb. 3. April 1882, verh., 4 Kinder.

16. Eberhard Heckmann, geb. 3. März 1886, verh., 2 Kinder, Bruder von Adam Heckmann.

17. Adolf Stirnberg, geb. 9. Juli 1889, ledig.

18. Caspar Becker, geb. 16. Nov. 1886, verh., 1 Kind.

19. Hugo Becker, geb.7. Sept. 1888, ledig, Bruder von Caspar Becker.

20. Franz Korte, geb. 9. Juni 1892, ledig, Artillerie Münster.

21. Johann Kemper, geb. 8. Febr. 1888, ledig.

22. Franz Weber, geb. 16. Mai 1892, ledig, Infanterie.

23. Adalbert Trumpetter, geb. 18. Aug. 1888, ledig.

24. Karl Rocholl, geb. 30. Nov 1892, ledig, Pionier.

25. Paul Helnerus, geb. 29. Nov. 1888, ledig.

26. Hubert Helnerus, geb. 29. Apr. 1890, ledig, Bruder von Paul Helnerus.

27. Josef Vieth, geb. 23. Apr. 1887, ledig.

28. Hubert Ante, geb. 4. Okt. 1880, verh. 2 Kinder (Giesmecke).

      Fritz Ante, geb. 6. März 1888, ledig. In Laer bei Meschede.

29. Rudolf Köster, geb. 22. Jun. 1876, ledig, zum Bahnschutz einberufen.

30. Franz Köster, geb. 17. Juli 1888, ledig, Bruder von Rudolf Köster.

31. Franz Höhmann, geb. 28. Okt. 1883, ledig.

32. Wilhelm Höhmann, geb. 30. Juli 1889, ledig, Bruder von Franz Höhmann.

33. Josef Zacharias, geb. 16. März 1882, verh., 4 Kinder, vorläufig Bahnschutz.

34. Wilhelm Zacharias, geb. 3. Sept. 1886, ledig.

35. Theodor Zacharias, geb. 5. März 1892, ledig, Infanterie.

36. Fritz Trumpetter, geb. (Datum fehlt), verh., ohne Kinder.

37. Heinrich Lichte, geb. (Datum fehlt), verh., mulier gravida (Ehefrau schwanger).

38. Johann Schirp, geb. 31. März 1889.

39. Theodor Zacharias, geb. (Datum fehlt), verh., 4 Kinder, Bahnschutz.

40. Friedrich Nolte, geb. 6. Aug. 1888, verh. 2 Kinder.

41. Theodor Köster, geb. (Datum fehlt), verh., 2 Kinder, (Alter Weg).

42. Hermann Storm, geb. 18. Nov. 1890, ledig, Infanterie.

43. Anton Pieper,  geb. (Datum fehlt), ledig.

44. Egon Schwefer, geb. 5. Febr. 1877, verh., 5 Kinder, vorläufig Bahnschutz.

45. Bernard Folle, geb. (Datum fehlt), verh., 5 Kinder.

46. Josef Flinkerbusch, geb. 12. Okt. 1891, ledig Infanterie.

47. Josef Pieper, geb. (Datum fehlt), verh., 2 Kinder.

48. Wilhelm Pütz, geb. 7. Febr. 1885, verh., 1 Kind, Bruder von Herm  (Nr.11) u.Heinr.

49. Heinrich Pütz, geb. 18. Okt. 1892, ledig,  Bruder von Wilhelm und Hermann Pütz.

50 Johann Mester, geb. 25. Sept. 1877, verh., 3 Kinder.

51. Ludwig Siepe, geb. 29. Jan. 1878,  verh., 3 Kinder.

52. Franz Göckeler, geb. 15. Aug. 1887, ledig.

53. Wilhelm Göckeler, geb. 2. Okt. 1893, ledig, Infanterie.

54. Josef Pöttgen, geb. 14. Mai 1887, ledig, Infanterie.

55. Friedrich Wiesemann, geb. 24. Apr. 1885, ledig.

56. Wilhelm Köster (Angaben fehlen).

57. Josef Höhmann, geb. 8. Nov. 1885, verh., 1 Kind.

58. Josef Kaulmann, geb.  8. Okt. 1892, ledig, Artillerie.

59. Aloys Zacharias, geb. 16. Dez. 1892, ledig, Artillerie.

60. Albert Altenwerth, geb. 12. Apr. 1881, verh., 3 Kinder.

61. Josef Weber, geb. 12. März 1887, verh. 1 Kind.

62. Fritz Beckmann, geb. 17. Juli 1892, ledig (Soldat).

63. Anton Bauerdick, geb. 13. Febr. 1884, ledig.

64. Albert Figge,  geb. 22. Apr. 1876, verh., 4 Kinder.

65. Josef Beckmann, geb. 22. Aug. 1884, verh., kein Kind.

66. Heinrich Bürger, geb. 20. Sept. 1879, verh., 4 Kinder.

67. Hugo Düring, geb. 14. Apr. 1885, ledig.

68. Aloys Düring, geb, 5. Apr. 1891, ledig, Bruder von Hugo Düring.

69. Anton Lörwald, 35 Jahre alt, verh., kein Kind.

70. Franz Lörwald, 26 Jahre alt, verh. 24.6.1914, kein Kind.

71. Adolf Düring, geb. 5. Okt. 1892, ledig, aktiver Soldat.

72. Philipp Bürger, geb. 5. Aug. 1884, ledig (verlobt).

73. Wilhelm Korte, geb. 13. Jan. 1876, verh., 4 Kinder.

74. Paul Schwefer, geb. 24. Okt. 1888, ledig.

75. Josef Klauke, geb. 30. Nov. 1885, verh. 1 Kind.

76. Karl Klauke, geb. 7. Mai 1888, ledig.

77. Emil Klauke, geb. 16. Aug. 1893, ledig, Bruder von Karl und Josef Klauke.

78. Bernard Kintrup, geb. 20. Juni 1877, verh., 4 Kinder, Bahnschutz.

79. Heinrich Klauke, geb. 20. Sept. 1885, verh., 3 Kinder.

79. (Schreibfehler) Josef Molitor, geb. 27. Okt. 1892, ledig, aktiver Soldat.

80. Ernst Rocholl, geb. 3. Apr. 1892, ledig, aktiver Soldat.

81. Friedrich Lenze, geb. 24. Juni 1892, ledig.

82. Franz Molitor, geb. 6. Dez. 1877, verh., 5 Kinder, Bruder von Nr. 79, Josef M.

83. Heinrich Siepe, geb. 17. Jul. 1884, verh., kein Kind.

84. Ludwig Lörwald, 22 Jahre, aktiver Soldat.

85. Hugo Wrede, geb. 13. März 1890, aktiver Soldat, Posen.

86. August Wrede, geb. 13. Febr. 1893, aktiver Soldat, Mörchingen; Bruder von Hugo W.

       Josef Spindeldreher, geb. 21. Juli 1883, verh., Hirschberg.

87.  Wilhelm Spindeldreher, geb. 9. Juli 1886, ledig.

88. Hugo Spindeldreher, geb. 12. März 1890, ledig.

89. Franz Spindeldreher, geb. 23. Nov. 1892, ledig; Josef + Wilhelm + Hugo + Franz = Br.

90. Lorenz Siepe, geb. 23. Juli 1883, verh., 2 Kinder.

91. Heinrich Kordel, geb. 22. Juli 1889, ledig

92. Julius Helnerus, geb. 13. Apr. 1877, verh., 3 Kinder

93. Josef Volmer, geb. 27. Mai 1880, verh. 6 Kinder.

94. Josef Schwefer, geb. 13. Jan. 1883, verh., 5 Kinder.

95. Anton Heckmann, geb. 15. Febr. 1892, aktiver Soldat.

96. Josef Kerstholt, geb. 24. Jan. 1891, aktiver Soldat.

97. Hubert Köster, geb. 20. Nov. 1885, verh., 2 Kinder.

98. Franz Latzer, geb. 28. Juli 1880, verh. 6 Kinder.

99. Reinhard Bräutigam, geb. 17. Jan. 1879, verh. 5 Kinder.

100. Johann Lemmer, geb. 22. Febr. 1892, ledig, Soldat.

101. Anton Lemmer, geb. 13. Jan. 1889, ledig, Bruder von Johann Lemmer-

102. August Rüth, geb. 24. Dez. 1880, verh., 4 Kinder.

103. Fritz Gördes, geb. 30. Okt. 1880, ledig.

104. Josef Gördes, geb. 24. Mai 1882, ledig.

105. Franz Gördes, geb. 20. Dez. 1886, ledig; Fritz + Josef + Franz G. = Brüder.

106. Emil Schmitte, geb. 16. Dez. 1885, verh.,  2 Kinder.

107. Gottfried Beier, geb.  11. Sept. 1887, verh., 1 Kind.

108. Egbert Pütz, (Daten fehlen) verh.

109. Josef Trumpetter, (Daten fehlen) verh., 2 Kinder.

110. Josef Nathan, geb. 8. Apr. 1883, verh., 1 Kind, (Jude).

111. Heinrich Althaus, geb. 3. Mai 1888, ledig.

10. August 1914

Heute Vormittag besuchte ich eine Reihe von Familien (9). In allen herrscht Trauer, aber auch christliche Fassung und Ergebenheit. Eben tritt das, allerdings unverbürgte, Gerücht auf, es sei der unter Nr. 80 aufgeführte Ernst Rocholl gefallen. Es sind noch weiter als Einberufene zu verzeichnen:

112. Johann Kaiser, geb. (Tag, Monat fehlen) 1883, verh., 3 Kinder.

113. Paul Zander, geb,  31. März  1885, Protestant, mit einer Jüdin verheiratet, stammt aus Zerbst.

114. Fritz Karneil, geb. 25. Jan. 1891, ledig.

115. Karl Montag, geb. geb. 15. Okt. 1886, ledig.

116. Anton Vonrüden, geb, 11. März 1884, verh., 1 Kind.

117. Peter Lübke, geb. 25. Jan. 1880, verh., 3 Kinder.

118. Johann Bruchhage, geb. 3. Jan. 1887, ledig.

119. Josef Helnerus, geb. 29. Okt. 1892, ledig.

120. Josef Feldmann, (Daten fehlen) verh. 1 Kind.

121. Theodor Hellmann, (Daten fehlen) verh., 1 Kind.

122. Heinrich Feldmann,  (Daten fehlen) ledig; Josef + Heinrich = Brüder, Theodor = Schwager.

123. Johann Pöttgen, geb. (Tag fehlt) Sept. 1877, verh., 4 Kinder.

124. Richard Pöttgen, geb. (Tag fehlt) Aug. 1883, verh., 2 Kinder; Bruder = Johann P.

125. Wilhelm Kordel, geb. 2. Febr. 1881, verh., 2 Kinder.

126. Norbert Lichte, (Daten fehlen), ledig, ist am 2.9.1914 noch in Arnsberg freiwillig eingetreten.

127. Fritz Kossmann, (Daten fehlen), ledig.

128. August Klasmeier, geb. 16. März 1882, verh., 1 Kind.

 129. Karl Birkenfeld, (Daten fehlen) ledig, Lehrer, freiwillig.

130. August Geisler, (Daten fehlen) ledig.

11. August 1914

Heute Morgen hatte ich eine Besprechung mit dem Amtmann und dem Ortsvorsteher Schwefer wegen Einleitung einer Hilfe für die Frauen und Kinder der eingezogenen Männer. Am Donnerstag, den 13., wird ein Ausschuss gebildet und endgültig festgestellt, was geschehen soll.

Die Leute sind vom Willen zu siegen durchdrungen. Dieser Wille eilt stets den Tatsachen voraus. So geht seit gestern schon das Gerücht, dass Belfort und Nancy von den Deutschen erobert seien, was kaum anzunehmen ist, da am Sonntag die Zeitungen erst von einem Zurückgehen der französischen ins Elsass eingedrungenen Truppen melden. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens, und jeder Freienohler ist geeignet, im großen Generalstab zu sitzen, da alle genau wissen, was geschehen muss.

Die Gerüchte entflohen. Gestern Nachmittag war ich auf dem Wege nach Oeventrop. Unterwegs traf ich den Arbeiter Kaspar Kaulmann mit seiner Frau, die vom Felde kamen. Ich stand ein Weilchen bei den Leuten und fragte nach dem Sohn Josef, der beim Militär bei Saarburg steht. Am Abend war folgendes zusammen fantasiert: „Kaulmann’s Kaspar sein Sau is` fallen; de Pasteuer hätt en Telegramm krieggen; hai is nom Felln gohen und hiätt et diän Luien fagt; ick hammen seihen, dat fai iämman dat Telegramm gaffte.“ Der Vater gab mir einen Brief von seinem Sohn zu lesen, den ich ihm wieder gab. So wird’s gemacht! Hoffentlich ist’s mit Rocholl und Kaulmann gleich bestellt, nämlich sind beide noch am Leben.

Unfug und Aberglaube! Neben dem vertrauensvollen Beten der Leute zeigt sich auch  vereinzelt ein hässlicher Aberglaube. Abergläubische Zettel mit gleichen Gebeten, sog. Himmels- oder Schutzbriefe, haben vereinzelt Frauen ihren Söhnen geschickt. Wer sie bei sich trägt, kann selbstverständlich nicht fallen. Mich hat die Sache zunächst sehr in Harnisch gebracht. Schließlich habe ich den Leuten abends vor der Andacht ruhig und ernst das Lächerliche eines derartigen sündhaften Aberglaubens vorgehalten.

Heute Nachmittag habe ich wieder eine Reihe von Familien besucht, deren Angehörige ins Feld gezogen sind (14). Ich fand allenthalben ruhige Ergebenheit, wenn auch vereinzelt und für kurze Zeit Tränen flossen. Frau Karneil bedauert, nicht zehn Söhne zu haben, die dem Vaterlande dienen können. Sie hat nur zwei, von denen der älteste im Krieg ist.

12. August 1914

Gestern berichteten die Zeitungen, dass mit der Überführung von 3 – 4000 Gefangenen (Einnahme von Lüttich) begonnen werde. Abends nach der Andacht behaupteten die Leute vor der Kirche, es sei bereits ein Zug durch gekommen und Wilhelm Borbeck sagte, einer habe ihm die Zunge rausgestreckt; er habe nahe an der Bahn gestanden. Er wusste aber nicht bestimmt, ob es eine deutsche oder französische gewesen sei. Nach den Berichten der Blätter haben die Bewohner Belgiens sich sowohl gegen die Truppen, besonders die Verwundeten, als auch gegen die zum Auswandern aus Belgien  gezwungenen Deutschen sehr grausam bewiesen. Das Gleiche haben gegen die Deutschen in Frankreich sich die Franzosen zu Schulden kommen lassen. Man hat auf das Rote Kreuz, auf Verwundete aus Häusern, Gebüschen, auch auf den Straßen geschossen, auch Frauen hätten das getan. Eine scharfe Bekanntmachung des Korpskommandeurs hat die Bewohner auf das Gefährliche dieser Banditenhandlungen aufmerksam gemacht. Die Transporte der belgischen Gefangenen sind tatsächlich in 4 Extrazügen erfolgt und Borbeck kann auf die Begrüßung stolz sein. Die amtliche Depesche über die Eroberung einer französischen Fahne, 4 Maschinengewehren, 2 Batterien, 700 Gefangenen, 1 General gefallen, rief große Freude hervor. Von unseren Freienohler Soldaten sind bis jetzt Tote oder Verwundete nicht gemeldet.

13. August 1914

Heute fand eine Versammlung des vaterländischen Frauenvereins und der verschiedenen Vereine betreffs Besprechung einer Hilfe für Verwundete und für die zurück bleibenden Familien der Krieger statt. Endgültige Beschlüsse wurden nicht gefasst, jedoch dafür gesorgt, dass ein Notstand in den Familien nicht eintreten wird. Die Frauen erhalten bis zum  1. November 9 und von da 12 Mark; für jedes Kind unter 14 Jahren 6 Mark für den Monat. Zu dieser Unterstützung durch den Staat kommt dann noch die von der Gemeinde  bewilligte Hilfe.

14. August 1914

Heute traf ich doch manche weinenden Frauen, da die Angehörigen Nachricht erhalten haben, dass die Truppen an der Grenze stehen bereit zum Losschlagen. Jedenfalls sind in den nächsten Tagen schwere Zusammenstöße zu erwarten. Es wird mit großer Inbrunst gebetet,

24. August 1914

Am 16. des Monats wurden die Angehörigen des Landsturmes aufgeboten. Dieselben zogen gegen 40 Mann stark nach Meschede, kehrten aber abends zum größten Teil in ziemlich animierter Stimmung wieder zu den Ihrigen zurück. Die Eingestellten haben meist am Ort Bahn- und Tunnelschutzdienst zu leisten: 1. Heinrich Weber, geb. 21. Nov. 1875, 5 Kinder. 2. Arnold Altenwerth, geb. 2.9.1883, 1 Kind. 3. Anton Peters (Daten nicht eingetragen), 3 Kinder, ist frei geworden. 4. Otto Lehmenkühler, geb. 24.6.1872, 6 Kinder.

5. Christof Leimbach, geb. 8.6.1873, 5 Kinder. 6. Kaspar Trumpetter (Daten nicht eingetragen), 4 Kinder. 7. Ferdinand Pöttgen (Daten nicht eingetragen), 5 Kinder.

8. Josef Figge, (Daten nicht eingetragen),  6 Kinder.

Die Nachrichten von Siegen bei Lagarde, Metz am 15.-17. August von der Ostgrenze bei Gumbinnen, die Einnahme Brüssels usw. erregten große Freude. Bis heute ist noch keine Nachricht hierher gelangt, dass einer gefallen ist. Gott gebe, dass es auch weiter so bleibt.

Von den Freiwilligen ist eine Reihe wegen Überfüllung zurückgeschickt: drei Brüder Heinemann, Fritz Kossmann, Lehrer Birkenfeld. Gestern sah ich in der Kirche Fritz Schwefer, der einen Hitzschlag auf dem Marsch erlitten und vorläufig heimgeschickt ist. Ludwig Siepe (Nr. 51) ist endgültig entlassen.

Von verschiedenen Soldaten erhielt ich Karten, die meisten sind wohlauf, sagen, dass sie die Gelegenheit zum Empfang der Sakramente benutzen und bitten um Gebet.

2. September 1914

Die Truppen Deutschlands haben inzwischen große Schlachten geschlagen und große Siege errungen. Belgien ist mit Ausnahme von Antwerpen unter deutscher Herrschaft, an der ganzen Westgrenze ist der Feind im Rückzuge, so dass in nicht zu ferner Zeit die Deutschen vor Paris stehen werden, vor der Hauptstadt, die bisher von der infamen Freimaurer Regierung Frankreichs durch erlogene Siegesnachrichten beruhigt ist. Aber auch da sind Nachrichten über die für die Franzosen schreckliche Wirklichkeit durchgesickert und man steht dort wie 1870 vor einer Revolution.

Auch im Osten, wo die Russen weit in Ostpreußen eingedrungen waren, hat man eine große Schlacht geliefert. Gestern traf die Nachricht von dem Sieg ein, der 60.000

Gefangene brachte. Heute ergibt sich die Tatsache, dass es 70.000 sind, darunter 3 kommandierende Generale und viele Offiziere. Die Siege sind mit Glockengeläut bekannt gemacht und gefeiert.

Mit Spannung sieht das Volk trotz des Krieges der Papstwahl entgegen, die heute noch oder morgen beendet sein dürfte. Das Welt bewegende Ereignis vom Tod des so hoch verehrten Pius X.  am 20. August ist wegen der kriegerischen Ereignisse  etwas zurück getreten.

Von unseren heimischen Soldaten ist bis heute eine Nachricht, dass einer gefallen sei, nicht eingetroffen. Verwundet sind drei. Hugo Düring bei Mecheln, Franz Mester und Friedrich Nolte. Den Aufenthaltsort geben die Soldaten nicht an; es ist überhaupt sehr strenges Stillschweigen über das ganze Vorgehen des Heeres beobachtet, so dass der Feind oder die Feinde von der Stellung nichts erfahren. In Belgien sind große Grausamkeiten von Seiten der Bevölkerung gegen die deutschen Soldaten vorgekommen. Löwen, das sich besonders hervorgetan hat, ist zusammengeschossen. Die Zeitungen bringen eingehende Berichte über die schreckliche und beklagenswerte Verwüstung der Stadt und den Untergang so vieler Menschen und Werken der Kunst und wissenschaftlichen Bibliothek von 220.000 Bänden Kath. Universität.

Gleichzeitig setzt in den nicht katholischen Zeitungen wieder eine infame konfessionelle Hetze ein. In Löwen hätten Klosterbrüder 50 deutsche Soldaten ermordet und im Keller verborgen. An der französischen Grenze sind in nicht katholischen Zeitungen zahlreiche katholische Geistliche der Spionage für Frankreich beschuldigt, selbst der Bischof von Glatz. Das sind die Folgen der in Deutschland seit langem getriebenen konfessionellen Hetze.  Sie scheinen heute schon bange zu sein, die Jesuiten kämen wieder! Dieselben sind aus der Verbannung zahlreich auf die Schlachtfelder geeilt, um zu helfen. 1870 bekamen sie mit dem eisernen Kreuz das Verbannungsdekret!

7. September 1914

Die Papstwahl ist am Donnerstag, dem 3. September, vormittags beendet. Kardinal della Chiesa besteigt als Benedikt XV.  den päpstlichen Stuhl. Mit Glockengeläut wurde der Gemeinde das Friedensereignis mitten im Kriegslärm verkündet.

Inzwischen haben schwere Kämpfe stattgefunden. Auch unsere Gemeinde ist leider stark mitgenommen. Heute war das Seelenamt für den am 22. August 1914 gefallenen Franz Mester (Hamfranz  Fränzken). Adam Heckmann, Kaspar Becker und Hermann Pütz werden vermisst. Ob sie gefangen genommen sind oder sonst umgekommen, ist nicht bekannt. Die Familien  sind ganz kraftlos.  Alle sind verheiratet. Heute traf auch die Nachricht ein, dass Adolf Düring (Schmitten) vermisst sei. Franz Latzer ist verwundet und liegt in Vallendar im Lazarett. Er schrieb mir von dort aus.

12. September 1914

Zu den Trauerbotschaften, die hierher gelangt sind, kamen gestern neue. Der Wehrmann Anton Lörwald, der leicht verwundet ist und in Arnsberg Lazarett-Pflege hat, war auf einem halben Tag in Urlaub. Er sagte mir, es seien gefallen: Hermann Pütz, Heinrich Althaus und Bernard Folle. Wir  stehen noch nicht am Ende des Krieges. Gott schütze unsere armen Leute! Die Gefallenen haben alle am 22. August bei Petit-Noir (nach der Verlustliste) den Heldentod erlitten R.I.P. (Requiescant in pace : Sie mögen ruhen im Frieden!)

15. Oktober 1914

In der Zeit vom heutigen Tage bis rückwärts, den 12. September, habe ich keine Eintragungen gemacht. Es sind allerdings eine Reihe unserer Leute verwundet worden, die ich heute aufzeichne. Vorerst aber will ich die Nachricht vom Tode des August Wrede (Spannier) niederschreiben. Derselbe ist schwer verwundet und in St. Quentin am 10. Oktober seinen Verletzungen erlegen. R.I.P.   

Nach der Verlustliste soll auch Adam Heckmann gefallen sein. Ich habe an das Regiment geschrieben, aber noch keine Nachricht.

Die Mutter von Anton Folle kam am 30. September freudestrahlend und sagte, ihr Sohn sei nicht gefallen, sondern verwundet.  Hellmann von hier, Feldgendarm habe ihn in einem Lazarett gefunden.  Seine Frau habe es ihr vorgelesen. Ich schrieb infolgedessen einige Zeilen an die Zeitungen mit dieser Nachricht. Es stellt sich aber jetzt heraus, dass H. ihn persönlich nicht gefunden, sondern nur davon gehört hat. Das Übrige haben die Leute in ihrer Freude sich zusammengedacht. Da bis heute keine Nachricht eingegangen ist, so wird es wohl leider bei der Todesnachricht bleiben.

(Randnotiz vom 25. Oktober): Folle ist sicher tot, ich habe heute, den 25. Oktober, mit Latzer gesprochen, der ihn am Tage nach der Schlacht tot auf dem Schlachtfeld gefunden und seine Taschen untersucht hat. 25. Oktober.

Verwundet sind bis jetzt außer den bereitsfrüher genannten: Wilhelm Göckeler, Schulter- und Rippenschuss. Fritz Nolte, Schulter und Wade. Josef Kerstholt, Fuß. Ernst Feldmann.

Theodor Zacharias. Julius Heckmann, Kopf und Rücken. Egon Düring.

Diese werden wohl mit dem Leben davon kommen. Sie waren teilweise hier.

Düring, Kerstholt, Nolte sind schon fast vollständig wieder hergestellt.

Reinhardt Bräutigam hat Lungenentzündung bekommen und ist entlassen.

Von den Ersatzreservisten sind Hugo Becker, Josef Kaiser entlassen. Norbert Lichte, Nr. 126,  ist nicht eingezogen, weil er von der Eisenbahnwerkstätte reklamiert ist.

Die Soldaten haben oft geschrieben, meist Karten, auch verschiedene Briefe. Alle bitten stets um Gebet und berichten Gutes von der religiösen Haltung der Soldaten im Allgemeinen. Bei dem Res. Reg.81  lagen 22 von hier zusammen. Lörwald und auch Nolte sagten mir, dass sie meistens, wenn sie abends zusammen gewesen seien, auch gemeinsam gebetet hätten. Sie haben ferner, wenn sie Gelegenheit hatten, auch die hl. Sakramente empfangen. Das nahm ich auch von den anderen, wenigstens von dem weitaus größten Teil, an.

Nachtragen will ich hier ferner, dass von der Gemeinde eine Suppenküche seit dem halben August eingerichtet ist. Diese an sich gute Sache ist aber viel zu früh eingeführt. Die Frauen haben zu viel freie Zeit zum Schwätzen und Lügen (ganz toll), zudem lassen sie die Gemüse  jetzt vielfach in den Gärten zu Grunde gehen und sie hatten, wie mir alle gesagt haben, bis Ende Oktober gut zu leben. Der derzeitige Vorsteher Schwefer, ein guter Kerl, der sich aber gern etwas aufspielt, hatte keine Ruhe, bis die Sache im Gange war.  Heute wird über die Kosten mächtig geschimpft. Die Suppe wird aber sehr gelobt. An 140 Portionen werden geholt, auch von solchen, die es nicht nötig haben. Die Leute sind hier oft sehr von sich eingenommen, aber es scheint, das rechte Ehrgefühl fehlt doch teilweise  sehr stark. An kirchlichen Aufwendungen sind bisher für die Malteser gemacht 325 Mark, teils durch kirchliche, teils durch Haussammlung aufgebracht. 34 Mark dazu für  hiesige Arme. Durch den vaterländischen Frauenverein sind Strümpfe, Leibbinden, Knie- und Ohrenwärmer in großer Zahl gemacht. Außerdem werden noch Familien mit monatlichen Unterstützungen von 3 – 6 Mark bedacht. Kriegsrente bekommen die Frauen 12 Mark und für jedes Kind 6 Mark den Monat. Ein eigentlicher Wohlstand liegt also in keiner Familie vor. Der Kriegerverein gibt den Familien seiner im Felde stehenden Mitglieder wöchentlich ein großes Brot. Von den durch die Sammlungen einkommenden Gaben habe ich einen Teil für verschämte Arme, besonders einzelne Frauen nebenbei unterstützt.

16. Oktober 1914

Heute trifft die Nachricht vom Tode des Ersatz.-Res. Bernard Weber (Frohnhoffs) ein. Derselbe ist durch einen Bauchschuss schwer verwundet am 29. September und am 3. Oktober im Kriegslazarett zu Colligis an den Wunden gestorben. Er ist versehen (mit dem Sakrament der Krankensalbung) und ruht auf dem Kirchhof daselbst. R.I.P.

25. Oktober 1914

Heute vor dem Hochamt kam Friedrich Düring sen. (Schmitten), und teilte mir den Tod seines Sohnes Rudolf mit. Derselbe sei am 25. August gefallen. Zwar ist die Nachricht  nur von privater Seite gekommen, aber nicht zu bezweifeln. Wo er gefallen ist, weiß der Vater nicht. Er war ein sehr braver Junge. R.I.P.

Nachtragen will ich hier die für die Soldaten veranstalteten Sammlungen. Leider haben wir erst seit dem 1. Sonntag des Oktober in der Gemeinde gesammelt und zwar in erster Linie für die Malteser-Genossenschaft. Außerdem ist für die Hinterbliebenen der ins Feld gezogenen Männer mancherlei geschehen. Der vaterländische Frauenverein hat für die Soldaten gestrickt, für die Verwundeten Wäsche etc. dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Der Krieger-Verein gab den Familien seiner verheirateten Mitglieder wöchentlich 1 oder 2 Brote, je nach der Zahl der Kinder.

Die Sammlungen sind von Mitgliedern der Jungfrauenkongregation vorgenommen. Besonders fleißig waren: Maria Albers, Maria Schwefer, Theresia Trumpetter (Arzes), Helene Helnerus.  Außerdem haben gesammelt  Antonia Feldmann, Rümckerweg, Mathilde Feldmann (Adolfes), Wilhelmina Kaulmann (Polizeis), Maria Schwefer I, Franziska Klute, Maria Flinkerbusch Mittelstraße. Verzeichnen will ich auch das Ergebnis der beiden Kirchenkollekten, die auf Anordnung des hochwürdigsten Herrn Bischofs gehalten wurden.

Die Ergebnisse sind folgende. Bischöfliche Anordnung: 100 Mark 00 Pfennig. Bischöfliche Anordnung: 75 Mark 00 Pfennig. Für die Malteser 117 Mark 50 Pfennig. Für die Malteser  64, 60 Mark. Für die Malteser  51,00 Mark. Für die Malteser: 40,10 Mark Insgesamt: 448, 20 Mark. Davon sind abgeschickt an den hochwürdigsten Herrn: 175,00 Mark.

An die Malteser: 200,00 Mark. Außer diesen Gaben konnte ich noch 35,30 Mark und 37,90 Mark für bedürftige Familien verwenden, sodass bis heute, den 26. Oktober, im Ganzen 521 Mark gesammelt sind. Für unsere aus Arbeitern bestehende Gemeinde ein recht befriedigendes Resultat.

 Eben bringt mir Johanna Feldmann das ihrem Bruder Ernst übersandte Eiserne Kreuz zur Ansicht mit einem Brief seines Hauptmanns. Ernst Feldmann ist zur Zeit im Lazarett zu Arnsberg.

15. Januar 1915

seit dem 26. Oktober 1914 habe ich keine Eintragungen gemacht, teils weil besonders wichtige Ereignisse nicht eingetreten sind, teils weil ich durch intensives Arbeiten in der Seelsorge, sowie durch sehr lebhaften Briefwechsel mit den im Felde stehenden Pfarrkindern in Anspruch genommen wurde. Es sollen hier nachgetragen werden die nachträglich eingelaufenen Meldungen über den Tod des Reservemanns AdamHeckmann, der als vermisst angegeben war, tatsächlich aber am 22. August mit den andern Freienohlern gefallen ist.

Die amtliche Nachricht erhielt die Familie am 27. Dezember (1914).

Ebenso traf am 5 Januar die Nachricht ein, dass  Kaspar Becker, der ebenfalls am 22. August bei Neufchateau (Petit-Noir)  im Gefecht und als vermisst angegeben war, tot ist. Er ist am 23. August (1914) seinen Wunden, wahrscheinlich im Feldlazarett in Bertrix, welches in der Gegend des Schlachtfeldes liegt, erlegen. Er soll einen Schuss durch den Oberschenkel erhalten haben und ist wahrscheinlich infolge Verblutung gestorben.

Von dem hiesigen Landsturm sind noch eine Reihe von Leuten in Russland. 1. Wilhelm Gebhardt. 2. Bernhard Kintrop, hier zugezogen. 3. Franz Vernholz. 4. Rudolf Köster.

5. Theodor Kordel und Kaspar Düring-Feldschütter.

Im Dezember (1914) sind noch eingezogen die Ersatzreservisten: 1. Paul Schröer. 2. Heinrich Neise (Bergstraße, Butterbelken). 3. Fritz Kossmann. 4. Josef Düring (Schmitten).

5. Heinrich Becker (nachträgliche Notiz:) gefallen am 24. März 1915. 6. Julius Pöttgen. 7. Heinrich Neise. 8. Lorenz Karneil. 9. Ferdinand Becker. 10. Josef Kossman (Peets Wies)  11. Wilhelm Krick. 12. Fritz Geisler, Bäcker. 13. Heinrich Bruder. 14. Fritz Lense.15. Theodor Mester. - Am 14. Januar sind eingetreten die Ersatzleute: 16. Josef Funke, ist vorläufig zurück. 17. Josef Assmann. 18. Franz Molitor

so dass bis heute 162  Mann aus der hiesigen Gemeinde (einschließlich der aktiven Soldaten in den Waffen stehen. (Mit den Gefallenen).

Gestern erhielt Franz Heckmann-Hahne die Nachricht, dass sein Sohn Johannes, der in Tsingtau bei der Marine diente, sich in japanischer Kriegsgefangenschaft in Fukuoka (Insel Kinsiu) sich befinde. Man glaubte ihn allgemein tot, da seit Juni 1914 keine Nachricht von ihm vorlag.

Im November sah sich der Pfarrer veranlasst, eine Eingabe wegen der frühzeitigen Schließung der Wirtschaften an das General-Kommando des 18. Armeekorps in Frankfurt einzureichen. Die Wirtschaften waren bis 12 Uhr nachts und länger geöffnet. Vorstellungen beim Amte halfen nichts; es sei nichts zu machen. Da kam eine scharfe Verfügung, die Wirtschaften um 10 Uhr zu schließen. Wenn man bedenkt, dass fast halb Freienohl sich das Essen aus der Volksküche holen lässt, muss man sich wundern, dass für langes Wirtshaussitzen noch Geld da ist. Es hat sich seit Dezember entschieden gebessert. Im Übrigen war das Leben ernster; das religiöse Leben war gut. Der Zugang zu den hl. Sakramenten lobenswert. Es wurden im Jahr 1914:  41466 hl. Kommunionen ausgeteilt, davon 9867 an Männer bei 700 kommunionpflichtigenmännlichen Personen eine erfreuliche Zahl. Es gehen vielleicht 25 Männer im Jahr 2 – 3-mal, einer gar nicht, die übrigen meist monatlich, andere alle 2 Monate. Gegen 1902, wo im ganzen 3500 hl. Kommunionen ausgeteilt wurden, ein erheblicher Fortschritt. Ich schreibe diesen erfreulichen Aufschwung, abgesehen von der Kriegszeit, der fleißigen Übung der Herz-Jesu-Andacht und dem damit verbundenen Männerapostolatzu.

Die Weihe an das heiligste Herz Jesu am 10. Januar mit den vorbereitenden Tagen waren wie überall so auch hier wahre Gnadentage. Es  wurden vom 6. – 11. Januar 2690 hl. Kommunionen ausgeteilt; auch die Männerwelt war fast vollzählig vertreten, obwohl die größte Zahl derselben, an Weihnachten für die Soldaten die hl. Kommunion aufzuopfern, schon gefolgt war.

Sehr erfreulich ist die rege Verbindung, die die im Felde stehenden Pfarrkinder mit dem Pfarrer unterhalten.  Die weitaus größte Zahl derselben schreibt wiederholt, so dass fast kein Tag vorüber geht, an dem nicht Briefe oder Karten eintreffen. Alle bitten um das Gedenken im Gebet und freuen sich, stets berichten zu können, dass sie die Hl. Messe gehört oder die hl. Sakramente empfangen haben. Alle gingen auch in der Heimat fleißig zu den hl. Sakramenten. Soweit eben möglich wurden Briefe und Karten auch beantwortet.

25. Januar 1915

Inzwischen sind zum Militär eingetreten: Anton Winterhoff. Caspar Trumpetter. Josef Spieler. Josef Geisler-Kückenhoff. Ludwig Storm. Karl Winterhoff.

Von Landsturmleuten sind eingezogen Josef Feldmann, damit ist bis heute die Zahl, abgesehen von den Bahnschutzleuten auf 169 gestiegen.

28. Januar 1915

Wilhelm Rocholl-Hasse angetreten.

19. März 1915

Heute traf die Nachricht ein, dass der Musketier Franz Weber, Postbote, am 16. Februar in Russland gefallen ist, so dass wir bis heute 10 Tote im Krieg zu beklagen haben.

Von den Landsturmleuten sind inzwischen seit dem 25. Januar eingezogen:

Anton Korte, Vohshane. Josef Korte, Zimmermeister. Paul Schindler, Schreiner. Hugo Altenwerth, Schreiner (ist zurückgekommen). Wilhelm Siepe, Wirt. Josef Trumpetter Peters, Maurer. Anton Krick, Fabrikarbeiter. Ewald Kossmann, Fabrikarbeiter.

Ersatzmannschaften: Paul Düring-Adämer. Ludwig Trumpetter-Zimmermann. Josef Storm.

Hubert Raulf. Kuno Humpert. Emil Zacharias. Anton Schirp. Josef Schirp. Adalbert Lessmann. August Mündelein. Adolf Assmann. Karl Heckmann.

28. April 1915

Im Ganzen stehen etwa 205 Personen unter Waffen. Nicht alle sind im Felde, einzelne tun Dienst im Gefangenenlager zu Meschede, z.B. Josef Geisler, Josef Cordel, Lemenkühler usw. Viele sind verwundet, teilweise schon zum zweiten Mal. Die Zahl der Gefallenen beträgt jetzt 12. Über den Briefträger Franz Weber ist bis heute nähere Nachricht noch nicht eingetroffen. Gestorben im Lazarett zu Voceziers  ist am 25. März 1915 Josef Müller aus Brumlingsen, der am 19. März im Gefecht bei Le Mesnil schwer verwundet wurde. Heute traf die Nachricht vom Tod auf dem Schlachtfeld des Pioniers Friedrich Beckmann ein. Derselbe stand anfangs in Frankreich, hat vom 22. August 1914 ab  12 Gefechte dort mitgemacht und fiel am 18. April in den Karpathen bei dem Sturmangriff auf den  Sclowatka.

Als vermisst sind gemeldet der Kriegsfreiwillige Johannes Rocholl, der zuerst in Frankreich am Iserkanal kämpfte, dann nach Russland kam und anscheinend dort in der Gegend von Suwalki in russische Gefangenschaft geraten ist.

Als verwundet wurde Heinrich Becker, Ersatz, gemeldet. Da die Angehörigen seit 9 Wochen nichts von ihm gehört haben, so ist anzunehmen, dass er auch den Wunden erlegen ist.

Im Übrigen ist eine gewisse Ruhe in der Bevölkerung eingetreten. Die nervöse Unruhe ist  einer, hier und da unangemessen berührenden Gleichgültigkeit gewichen. Man ist den Krieg schon gewöhnt geworden, zumal von Not nichts zu spüren ist. Es ist allerdings alles teurer geworden, allein die Arbeiter haben guten Verdienst. Die verminderte Brotration zwingt die Frauen zu regelmäßigem Kochen zu Mittag. Infolgedessen können sie nicht so viel zusammenstehen und klatschen.  Früher wurde vielfach mittags Butterbrot gegessen und nur abends, wenn der Mann heimkam, warm gegessen. Das ist glücklicherweise anders geworden. Freilich bleibt abzuwarten, ob das nach dem Kriege anhält, besonders, wenn wieder genug Brot vorhanden ist.

Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet sind bis jetzt folgende: Dr. Dehen, Ernst Feldmann, Josef Spindeldreher, Wilhelm Hömberg.

7. Mai 1915

Heute traf die Nachricht ein, dass der Musketier, Heinrich Becker, geb. am 17. Mai 1894 in einem Sturmangriff in den Karpathen bei  (Textlücke)  am 19. März verwundet (Schulterschuss) und am 24. März im k. k. Feldspital (österreichisch) zu Oporzec (Galizien) seinen Wunden erlegen ist. Er ist am 26. März durch den Lazarett-Geistlichen daselbst begraben.

Zum Militär sind eingetreten seit dem 1. Mai: Karl Hachmann, Franz Storm (Pottschulte), Heinrich Höhmann (Winkelmann, Nachbar von der Pastorat), Johann Hömberg. (Pastorat)

Inzwischen sind eingetreten: Franz Höhmann (Landsturm) zur Ausbildung nach Wiesbaden. Josef Albers ebenfalls nach Wiesbaden. Zu stellen hatte sich ebenfalls Fritz Heckmann. Höhmann und Heckmann, Nachbarn von der  Pastorat.

Am 11. Mai wurde durch eine Schleudermine im Schützengraben schwer verwundet der Unteroffizier Josef Göckeler (Trinen im Alten Wege) vom Reserve Regt. 81. 2 Comp. (derselbe hat in der Zeit seines Dienstes fleißig geschrieben). Er war zunächst im Lazarett in Charlerange, wurde dann am 16. Mai nach Mannheim gebracht. Dort ist er am Mittwoche, dem 26. Mai, abends 11 Uhr, versehen mit den hl. Sakramenten in Gegenwart seiner Frau und seines Bruders gestorben. Er hinterlässt Frau und 2 Kinder. Die Beerdigung fand auf dem hiesigen Kirchhof statt unter sehr großer Beteiligung der Gemeinde.

Gestern, am 3. Juni erhielt Frau Witwe  Franz Kossmann (Peetz Wies), Alter Weg, die Nachricht, dass ihr Sohn Josef durch einen Kopfschuss schwer verwundet in das Lazarett II. der 8. Ersatz-Division eingeliefert sei. Seine Verwundung sei schwer. 

Heute sind es 13 Jahre geworden, dass ich als Pastor nach Freienohl gekommen bin.

27. August 1915

Seit dem 4. Juni habe ich keine weiteren Eintragungen gemacht, da ich durch Seelsorgsarbeiten sehr in Anspruch genommen war und infolgedessen vielfach keine Zeit und auch keine Lust hatte. Die Zahl unserer Gefallenen hat sich in dieser Zeit von 14 auf 16 erhöht. Am 13. Juli fiel in Frankreich der Musketier Karl Klauke (von Hahn), der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet war und am 16. Juli Franz Molitor auf Wache durch einen Kopfschuss getötet bei Fresnes. Er liegt begraben auf dem Kirchhof von Villerval. Viele sind inzwischen verwundet worden, teilweise schon das zweite und dritte Mal, gelegentlich will ich eine vollständige Liste derselben eintragen.

Inzwischen ist schon über ein Jahr verflossen, seit der schreckliche Krieg begann. Der Jahrestag wurde durch Predigt im Hochamt den Gläubigen ins Gedächtnis gerufen. Der Aufforderung, durch den Empfang der hl. Sakramente auch besonders den gefallenen Kriegern zu helfen, kam fast die ganze Gemeinde nach. 1035 hl. Kommunionen wurden an diesem Tage ausgeteilt. Der 22. August war 1914 für die Gemeinde ein Trauertag.  Die 6 ersten Opfer des Krieges aus unserer Gemeinde fielen. Dieser Tag soll der Nachwelt als ernster Tag überliefert werden. An demselben soll ein Seelenamt stattfinden (wenn die Rubriken (die in rot, - lat.: rubor = rot -,  geschriebenen Bestimmungen der Gebete der hl. Messe) es gestatten), und die Namen aller Gefallenen sollen bei demselben verlesen werden.  Außerdem soll eine Erinnerungstafel mit den Namen der Gefallenen in der Kirche angebracht werden. Die Sammlung, die der Pfarrer, auf dessen Anregung die Angelegenheit beschlossen wurde, ergab in einer Woche 750 Mark. Küster Kaulmann hat dieselbe abgehalten. Das ist für unsere Arbeitergemeinde ein erfreuliches Ergebnis.

28. August 1915

Mit dem Eisernen Kreuz wurden seither folgende Krieger ausgezeichnet: 1. Dr. med. Dehen. 2. Ernst Feldmann. 3. Josef Spindeldreher. 4. Hubert Köster. 5. Wilhelm Hömberg.

6. Karl Klauke (gefallen). 7. Hubert Helnerus. 8. Heinrich Kaulmann, zur Zeit (Dez. 1915) in Kriegsgefangenschaft in Moskau. 9. Josef Kossmann (Peetz Wies). 10. Johann Lemmer, am 27. Juni 1915 bei Kalvaria (Luwalki), wo er dreimal im vollen  Feuer Meldungen zur Kompanie brachte. 11. Josef Pieper. 12. Josef Helnerus. 13. Theodor Mester. 14. Theodor Zacharias. 15. Josef Humpert. 16. Fritz Lenze, bei Smorgon  Überbringung von Befehlen durch die Feuerlinie (8. Nov. 1915) 17. Hermann Storm, zum Unteroffizier befördert.

November 1915

Am 11. oder 12. November 1915 fiel, durch Granatsplitter am Hals tödlich getroffen, Ferdinand Borbeck geb. am 5.4.1893; begraben ist er in Vane-les-Mourons in den Ardennen.

25. Dezember 1915

Am 25. starb im Lazarett zu Olizy der Musketier Josef Hohmann. Derselbe ist kein geborener Freienohler (filius illegit. (nicht ehelicher) der Witwe Gaudens Trumpetter).  Er hat sich als Junge hier schlecht aufgeführt. Einmal hat er an der Pastorat Fenster eingeworfen. Später wurde er wegen Körperverletzung mit Todeserfolg (in Hohenlimburg, wenn ich mich recht entsinne) zu 2 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Dort hat er sich gründlich gebessert. Beim Militär hat er sich gut aufgeführt auch in religiöser Hinsicht. Am 15. Dezember ist ihm der linke Fuß abgeschossen. Nach einem Brief des Feldgeistlichen Otto Müller, einem früheren Schüler von mir aus Dortmund, ist er eines sehr erbaulichen Todes gestorben. Der Herr gebe ihm den Himmel!

1916, 4. Januar

Heute morgen kam wieder eine Todesnachricht. In der Nacht vom 1. zum 2 Januar fiel der Kanonier Josef Pöttgen (Ranten). Er ist bei der heftigen Kanonarde in der Nacht in den Keller eines Hauses geflüchtet.  Ein Volltreffer hat ein geschlagen und ihm den Kopf abgerissen. Ein Knecht von Röther hat die Nachricht geschickt, die schon am 4. Januar früh hier war.

Heute, 13. Februar 1916

 Erhielt die Familie Caspar Kaulmann Nachricht, dass der jüngste Sohn Bernard, ausgerückt ins Feld im August 1915, am 6. Februar auf Wargaßen durch einen Kopfschuss gefallen ist. Der älteste Sohn ist seit September vorigen Jahres in russischer Gefangenschaft, wohin er, an beiden Füßen verwundet, geriet. Er war anfangs im Lazarett in Moskau. Ein Gefangener aus Rostock, der au(s)getauscht war, schrieb an die Eltern, dass seine Wunden geheilt seien. Die Behandlung sei anständig gewesen. Er ist dann nach Saratow gebracht, von wo er heute seinen Eltern geschrieben hat. Lazarett 99.

Nachtragen muss ich hier noch, dass am  (fehlendes Datum) Ferdinand Borbeck von der Alten Wiesehier in Frankreich gefallen ist.

Mit Bernard Kaulmann sind jetzt 22 Soldaten von hier gefallen.

In Kriegsgefangenschaft befinden sich heute: 1. Heinrich Kaulmann in Saratow – Russland. 2. Johannes Heckmann, anfangs in Fukuoka,  jetzt in Yokohama in Japan. 3.(Ohne Vorname)  Winterhof, anfangs in Orleans, jetzt in (Lücke) in Südfrankreich. n4. Wilhelm Köster vom Bahnhof, in Marokko. Von Johannes Rocholl, der nach der zweiten großen Masurenschlacht (Februar 1915)  in russische Hände fiel, ist bis heute keine Nachricht gekommen. Nach unverbürgten Gerüchten soll er in Sibirien seinen Wunden erlegen sein. Er war ein sehr braver und frommer, sittenreiner Junge, der unschuldig wie ein Kind war. Gott gebe ihm den Himmel! Nach menschlichem Urteil ist  er hineingekommen.

12. März 1916

Am 10. März traf die Nachricht ein, dass in den Kämpfen bei Verdun der Infanterist Franz Gördes, geb. am 14. August 1886, ausgerückt am 5. August 1914, am 27. Februar gefallen und in Louvermont begraben ist. In diesen Kämpfen sind verwundet: Lorenz Siepe, zur Zeit im Lazarett in Rastatt; Josef Trumpetter, Hinter den Höfen, noch im Feldlazarett, und die Brüder Wilhelm und Hugo Klasmeyer.  Viele von unseren Soldaten sind wiederholt verwundet. Ich hatte vor, bei allen nachzufragen, bin aber infolge vieler Arbeit nicht dazu gekommen.

Zum Militär eingezogen sind vorige Woche am 9. März Josef Blessenohl, Ernst Stirnberg (Gepeln), Herbert Assmann, Lehrer.

Heute, Sonntag, den 12. März, fand eine Haussammlung  für die „Kriegsspende deutscher Frauendank“ durch Mitglieder der Jungfrauenkongregation statt. Es sammelten Frieda Schwefer und Antonia Weber, Gertrud Borbeck und Amalie Bruder, Frieda Storm und Maria Gerasch, Theresia Kossmann und Anna Heckmann, Helene Korte, Gertrud Dolle.

Die Kollekte ergab den Betrag von 136 Mark, der an die Zentralstelle der Jungfrauenkongregation in Bochum eingesandt wurde.

Eine neue Trauerbotschaft traf am 14. März 1916 ein. Der Pionier (Wehrmann) Arnold Altenwerth, dessen älterer Bruder Caspar am 24. Februar hier starb, starb am 14. März an den Folgen der sehr langen Ruhrkrankheit in Kovono, Russland. Dort liegt er auf dem Ehrenfriedhof begraben. Arnold war ein braver Mann, seine alte Mutter, seine Frau und Kinder, sowie die Geschwister betrauern ihn.

28. März 1916

Am 28. März bekam ich ein Telegramm aus dem Theaterlazarett in Montmedy, dass der Ersatz-Reservist Josef Trompetter, Hinter den Höfen, nach einer sehr schweren Verwundung am Morgen des Tages gestorben sei. Trompetter war das Becken rechtsseitig vollständig zerschmettert. Nach einer Karte der pflegenden Ordensfrau ist er äußerst geduldig gewesen. Er sei der geduldigste Kranke gewesen, den sie seit Kriegsbeginn gepflegt habe. Trompetter war ein sehr religiöser Mann. Ich will hier eine Äußerung von ihm hersetzen, die seine tiefe religiöse Auffassung zeigt. Sein zweites Kind wurde an einem Wochentag getauft. Die Männer gehen meist zur Arbeit. Trompetter erklärte: der Tag, an dem mir ein Kind getauft wird, ist mir zum Arbeiten zu heilig.  Er liegt auf dem Soldatenfriedhof in Montmedy im Massengrab II. in der Mitte begraben.

(Anfangs März erhielt Schreiber dieser Zeilen seine Anstellung als Pfarrer an der Gaukirche in Paderborn.)

12. April 1916

Heute hörte ich bei Krankenbesuchen von dem Gerücht, dass Josef Zacharias, Sohn des Josef Caspar Zacharias, auf der Krummen Straße, gefallen sei. Bei einem sofortigen Besuche der Familie bestätigte diese die Nachricht. Ein Leutnant hatte geschrieben, dass er am 6. April zusammen mit mehreren Kameraden durch einen Granatschuss getötet sei. Wo er begraben liegt, konnte ich bis jetzt nicht erfahren.

12. Mai 1916

Am Sonntag kam die Nachricht, dass der hier geborene, aber nicht von hier, sondern von Müschede ausgerückte Ewald Nolte vor Verdun gefallen sei, ebenso Johann Geihsler, der seit 1914, Mai, in Hagen, Kreis Arnsberg verheiratet war. Beide waren brave Menschen und aufrichtig religiös. R.I.P.

Am Donnerstag, dem 4. Mai 1916, abends 9 Uhr, ist auf Posten stehend der Landsturmmann Anton Mündelein durch einen Schuss durch den Hals gefallen. Die Nachricht erhielt ich am Dienstag, dem 9. Mai, mit der Aufgabe, es seiner Frau und den Kindern mitzuteilen. Mündelein ist 1873 geboren. Er liegt auf dem Soldatenfriedhof bei Vaux-les-Mourons, wo auch der am 12. November 1915 gefallene Ferdinand Borbeck beerdigt ist, begraben. An seinem Grab stand der Divisionspfarrer Müller aus Olpe.

Zum Pfarrer in Freienohl ist ernannt der Herr Pfarrer Ferdinand Gerwinn aus Bitterfeld, geb. zu Werl. Von dort stammte auch Pfarrer Hülsberg, der vor ca. 150 Jahren hier wirkte.

23. Mai 1916

In den ersten Tagen des April wurden als Vermisste gemeldet Karl Kordel, Sohn des Josef Kordel (Hinter den Höfen) und Josef Winterhoff, Sohn der verstorbenen Eheleute Anton Winterhoff. Beide starben vor Verdun.

In Kriegsgefangenschaft sind:   Johannes Heckmann (von der Alten Wiese) in Japan (Kurome).    Karl Winterhoff (Sohn von verstorbenen Eheleuten Carl Winterhoff) in Südfrankreich. Heinrich Kaulmann in Astrachan am Kaspischen Meer. Wilhelm Köster vom Bahnhof (gehört eigentlich zur Gemeinde Wennemen) in Marokko.

In Kriegsgefangenschaft soll gestorben sein Johannes Rocholl, vermisst seit der 2. Masurenschlacht Februar 1915.

1. Juni 1916 (Asc. Domini)  (Ascensio = Himmelfahrt des Herrn)

Anfangs Mai wurden in der Schlacht vor Verdun die beiden Musketiere Karl Kordel und Josef Winterhoff als vermisst gemeldet. In den letzten Tagen haben beide aus der französischen Kriegsgefangenschaft geschrieben, von wo aus sie hoffentlich in die Heimat zurückkehren werden.

Heute, der 21. Juli 1916

teilt mir Frau Schuhmachermeister Franz Molitor sen. mit, dass ihr Sohn erster Ehe, Edmund Weber, von hier wohnend in Arnsberg, am Sonntag, dem 16. Juli, in Frankreich gefallen ist.

Ernst Bracht von hier ist seit mehr als 4 Wochen vermisst und wahrscheinlich gefallen.

Am Samstag, dem 29. Juli 1916, verlasse ich Freienohl nach einem Aufenthalt von 14 Jahren und 2 Monaten, 4. Juni 1902 – 1. August 1916.  Ich bin stets gern hier gewesen und habe mehr Freude als Verdruss  und Ärger gehabt. Möge Gott, der Herr, meinem lieben Nachfolger eine lange und gesegnete Wirksamkeit geben. Gott segne ihn und seine Herde!

Freienohl, den 28. Juli 1916, Steimann, Pfarrer,

ernannter Propst an der Gaukirche in Paderborn.

 

Wörtliche Textfassung von Pfarrer Ferdinand Gerwinn

Ausgewählt sind nur die Abschnitte, die sich auf den Krieg beziehen, also nicht die Daten, die sich auf das Pfarrei-Leben beziehen.

Cum Deo!   (lat.: Mit Gott!)

Am Donnerstag, dem 3. August 1916 fand die Einführung des neu ernannten Pfarrers Ferdinand Gerwinn in der vorgeschriebenen Form durch den Herrn Dechant Dr. Meckel in Hüsten statt. Derselbe ist geboren zu Werl am 17. Juli 1872 und war von seiner Priesterweihe am19. März 1896 ununterbrochen 20 Jahre lang als Seelsorger in der sächsischen Diaspora tätig und zwar von Ostern 1886 bis Ostern 1898 als Kaplan in Oschersleben; sodann 2 Jahre als Missionsvikar in Annaberg, Pfarrei Torgau, an der äußersten Ostgrenze der Diözese Paderborn und von August 1900 bis Ende Juli 1916 zuerst als Pfarrvikar und die letzten 8 Jahre als Pfarrer der neu errichteten Pfarrei Bitterfeld. Auf seine Bitte hatte ihm der Hochwürdigste Herr Bischof Karl Joseph (Schulte) am 20. April 1916 die Pfarrei Freienohl übertragen.

Im Jahr 1916: Den Heldentod für das Vaterland erlitten im Jahr 1916  14 Krieger. Da ich mit den persönlichen Verhältnissen noch zu wenig vertraut bin, begnüge ich mich damit, die Namen derselben hier folgen zu lassen: Joseph Pöttgen, gefallen am 1.1.1916.

Bernhard Kaulmann, gefallen am 6.2.1916. Franz Gördes, gefallen am 27.2.1916. Arnold Altenwerth, gefallen am 14.3.1916. Joseph Trompetter, gefallen am 28.3.1916. Joseph Zacharias, gefallen am 6.4.1916. Anton Mündelein, gefallen am 4.5.1916. Ernst Bracht, gefallen am 1.7.1916. Anton Becker, gefallen am 9.8.1916. Franz Göckeler, gefallen am 1.8.1916. Paul Schindler, gefallen am 17.9.1916. Heinrich Feische, gefallen am 20.9.1916. Heinrich Helnerus, gefallen am 8.10.1916. Joseph Klute, gefallen am 16.10.1916. 

1917: Der grausame Krieg, der schon so manches schmerzliche Opfer gefordert, verlangte nunmehr auch von der ganzen Gemeinde ein überaus schweres Opfer: unsere Glocken. Mit aufrichtiger Betrübnis vernahmen die Gemeindemitglieder die Nachricht, dass die Glocken, die mit ihrem Geläut die frohen und traurigen Ereignisse in ihrem Leben begleitet hatten, nunmehr abgeliefert werden mussten. Am Sonntag, dem 24. Juni 1917 nachmittags von 6 – 7 Uhr erklangen sie noch einmal im festlichen Geläut und haben sicherlich manchem Auge Tränen der Wehmut entlockt. Am folgenden Tage wurde mit dem Ausbau begonnen, den Zimmermeister Schröder vornahm. Es wurden insgesamt 4 Glocken abgeliefert. 3 aus dem Turm und 1 aus dem Dachreiter über dem Chor. Die erste Glocke, circa 450 kg schwer mit einem unteren Durchmesser von 0,90 m, trug die Inschrift: Fondue par J. B. Dubois 1843. Die zweite Glocke hatte ein Gewicht von circa 310 kg, einen unteren Durchmesser von 0,80 m und die Inschrift: Gegossen von J. B. Dubois im Jahre 1843. Die dritte Glocke mit einem Gewicht von circa 210 kg und einem unteren Durchmesser von 0,70 m, war gezeichnet:: J. B. Dubois me fecit Anno  1843. (…hat mich hergestellt im Jahr…)  Die Glocke aus dem Dachreiter war nach der Inschrift, welche lautete:  Soli Deo Gloria Anno 1696, die älteste in unserer Kirche (Allein Gott die Ehre…). Die uns verbliebene Glocke hat ein Gewicht von circa 150 kg und die Inschrift: Die Lebendigenrufe ich, die Gewitter brech ich, die Tote beweine ich 1778.  Als Notbehelf haben wir in den Dachreiter über dem Chor das Glöcklein aus der Küppelkapelle gehängt. Persönlich bedauere ich die Abgabe der Glocken nicht sehr, da ich die Begeisterung der Leute, nach deren Meinung Freienohl das schönste Geläut im ganzen Sauerlande besaß, nicht teilen konnte; meines Erachtens waren die Glocken mit alleiniger Ausnahme der schwersten zu spitz und dünn und zu hell tönend. Hoffentlich bekommen wir ein besseres voll tönendes Geläut zurück.

Im Jahre 1917: Den Heldentod für das Vaterland starben 8 Krieger:

Lorenz Karneil, gefallen am 14.2.1917. Franz Storm, gefallen am 1.4.1917. Theodor Zacharias, gefallen am 30.4.1917. August Geißler, gefallen am 22.7.1917. Joseph Humpert, gestorben am 27.8.1917. Heinrich Neise, gestorben am 30.8.1917. Joseph He(c)kmann, gefallen am 3.9.1917. Heinrich Neise, Bergstraße, gefallen am 1.10.1917.

Außerdem  traf bei den Eltern von zwei schon früher gefallenen Kriegern eine sichere Todesnachricht ein und zwar von: Johannes Rocholl, gefallen am 1.3.1915. Heinrich Pöttgen, gefallen am 24.10.1916.

Am 7. Mai 1918 wurde hierselbst ein französischer Kriegsgefangener Emil Laidet begraben. Derselbe stand bei dem Landwirt Noeke im Dienst, war von einem Pferde, das er misshandelte hatte, vor dem Bauch getreten worden und starb an d en erhaltenen inneren Verletzungen. In den letzten Zügen konnte ich ihm noch die hl. Ölung erteilen. Ein fleißiger Kirchengänger war er ebenso wenig gewesen, wie die übrigen hier untergebrachten Kriegsgefangenen.

Im Jahre 1918: Den Heldentod für das Vaterland starben folgende 20 Krieger: Joseph Assmann, gefallen am 21.3.1918. Gisbert Raulf, gefallen am 12. 4. 1918. Heinrich Siepe, gefallen am 13.4.1918. Fritz Rocholl, gefallen am 30.4.1918. Johannes Dirkes, gefallen am 22.5.1918. Hugo Klauke, gefallen am 4.6.1918 Julius Assmann, gefallen am 15.6.1918. Franz Vernholz, gefallen am 22.7.1918. Fritz Storm, gefallen am 11.8.1918.

Hermann Rocholl, gefallen am 25.8.1918. Heinrich Siepe, Krumme Straße, gefallen am 8.9.1918. Kaspar Storm, gefallen am 14.9.1918. Wilhelm Braukmann, gestorben am 20.9.1918. Heinrich Becker, gefallen am 3.10.1918. Adolf Haus, gefallen am  (Datum fehlt). Joseph Blessenohl, gefallen am 20.10.1918. Hugo Klassmeier, gefallen am 17.10.1918. Johannes Lemmer, gefallen am 11.11.1918. Fritz Heckmann starb auf dem Rückzuge am 12.12.1918 an Lungenentzündung im Lazarett zu Bochum und wurde auf dem hiesigen Friedhof am 15.12.1918 zur letzten Ruhe gebettet. - Die Angehörigen des bereits am 18. Mai 1915 in Galicien gefallenen Kriegers Joseph Assmann vom Bahnhof erhielten in diesem Jahr  die Todesnachricht. Die Gesamtzahl der aus unserer Gemeinde gefallenen Krieger beträgt 65, 3 Krieger gelten noch als vermisst. Die Familie Rocholl von der Hauptstraße hat 3 Söhne, die Familien Storm, Mittelstraße, Assmann, Siepe, Krumme Straße, und Becker, Hauptstraße, haben je 2 Söhne verloren. Auf dem hiesigen Friedhof haben ihre letzte Ruhestätte gefunden die Krieger Joseph Göckeler, Joseph Humpert, Heinrich Neise und Fritz Heckmann.  Viele unserer Krieger haben das Eiserne Kreuz II. Klasse erhalten. Mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse wurden ausgezeichnet: Dr. med.  Dehen, Landwehrmann Schmitte, Gefreiter Anton Lemmer und der älteste Sohn der Familie Spindeldreher in Brumlingsen. Nach Abschluss des Waffenstillstandes, der die Beendigung dieses furchtbarsten aller Kriege, von denen die Weltgeschichte zu berichten weiß, einleitete, kehrten allmählich auch unsere Krieger in die Heimat zurück. Während des Rückzuges unserer Truppen hatten wir hier wiederholt starke Einquartierung. Trotz all der unerhörten in dem mehr als vierjährigen heldenmütigen Ringen gebrachten Opfer ist unser Vaterland der feindlichen Übermacht unterlegen. Zu dem Unglück des verlorenen Krieges kommt nun noch der Schrecken der Revolution. Gott schütze unser armes Vaterland!

Ende der Textfassungen von Pfarrer Steimann und Pfarrer Gerwinn.

4.2.10.  Nach dem Ersten Weltkrieg: Daten, die zur Friedhofs-Visite gehören

Am 18. September 1921 bitten die Vereine: Schützenbruderschaft, Krieger-Verein, Gesangverein Cäcilia, Gesangverein Liedertafel, Turnverein Pfarrer Gerwinn, die Vormittagsbeerdigungen auf den Nachmittag um 4 Uhr zu verlegen, weil „bei den Beteiligten großer Verlust an Arbeitszeit und Verdienst eintritt“. Allerdings: „Bei Frauen kann die bestehende Ordnung aufrecht erhalten bleiben.“ Ergänzungen: Die Eisenbahnzüge kamen erst um oder eben nach ½ 4 Uhr in Freienohl an. Und die Männer mussten sich noch waschen, rasieren, umziehen... Die Beerdigungen fanden dann auch erst gegen 5 Uhr (17) statt, vielfach auch samstags Nachmittag und Sonntag.

 

Eigentlich kein Ersatz-Friedhof, auch wenn Sprache und Denkführung für Heutzutage etwas seltsam anmutet: Pfarrer Gerwinn: „Am Allerheiligen-Nachmittag, am 1. November 1923,fand die Einweihung des zum Krieger-Gedächtnis-Altar umgestalteten Josephs-Altar (im rechten Seitenschiff der Kirche) statt. Derselbe ist auf den Vorschlag des Professors der Kunstgeschichte an der Akademie zu Paderborn Dr. Alois Fuchs und der Werkstatt des Bildhauers Drolshagen in Paderborn hervorgegangen und stellt den Hl. Joseph als Patron der Krieger dar. Zur Linken des mächtigen Schutzpatrons kniet ein jugendlicher, feldmarschmäßig ausgerüsteter Krieger und empfiehlt sich vertrauensvoll seinem Schutz, während zur Rechten ein gefangener Krieger mit abgezehrten Zügen die gefesselten Hände zu ihm emporhebt. Auf zwei von den Seitenwänden der Altarnische aufgehängten Tafeln sind die Namen von 70 gefallenen Kriegern der hiesigen Gemeinde eingegraben. Die Feier, bei der der Pfarrer die Weihe-Rede hielt und an der sämtliche Vereine mit ihren Fahnen teilnahmen, wurde verschönert durch Gesangsvorträge der beiden hiesigen Gesangsvereine.“ (PfA  PC)

November, Dezember 1925: Von einem französischen Arbeitskommando werden die vom Ersten Weltkrieg hier bestatteten französischen Soldaten und Kriegsgefangenen in ihre Heimat überführt.

Im März 1926: Zum Friedhofsgärtner wird angestellt Hubert Düring; jährliches Gehalt: 450 Mark. Wenn er aus Krankheitsgründen nicht kann, übernimmt sein Vater Caspar Düring den Dienst. (PfA  A5)

1927: Freienohler Bürger beschweren sich in aller Öffentlichkeit: Manche Nummern-Schilder an den Gräbern verschwinden; sie werden bei Kindern gesehen. Pietätlosigkeit. Unsere Verstorbenen sind mehr als Knochen und Asche;

Danach, am 27. September 1927: Der Amtmann wendet sich an Pfarrer Gerwinn. Auf den Gräbern fehlen wieder viele Nummern-Schilder. Der Totengräber sagt, diese werden hauptsächlich von Kindern verschleppt, die spielen vielfach auf dem Friedhof. (PfA  A5)

Am 16. Oktober 1929: Schreinermeister Clemens Feldmann fertigt ein neues Friedhofstor an, aus Eichenholz, 354 Reichsmark. (PfA  A5)

Am 25. Juli 1935: Der Freienohler Bürgermeister wendet sich an Pfarrer Gerwinn: „Die Sauberkeit der meisten Grabstätten lässt viel zu wünschen übrig. Viele Gräber sind überhaupt nicht gepflegt. Auch einzelne Wege sind im verwahrlosten Zustand. Im Interesse des Fremdenverkehrs soll der Übelstand alsbald beseitigt werden.“ - Freienohl war damals Luftkurort. (PfA  A5)

Eigenartig ist Folgendes: Am 11. Juni 1937 geht es in Freienohl darum, Verkehrsschilder an zu bringen an der Adolf-Hitler-Straße, so hieß in jener Zeit die heutige Hauptstraße, auf der Höhe der – damals Neuen Schule (jetziges Feuerwehrhaus, 2009) – und dem damaligen Kindergarten und der Nähschule im alten Schwesternhaus (jetzt Clive Wattison / Antik Lohmann). Hier hatten sich diese Verkehrsunfälle ereignet: 1. Das Kind Lehmenkühler war – vor mehreren Jahren – auf dem Weg zum Kindergarten überfahren worden, tödlich verunglückt. 2. Die Nähschülerin Tönne aus Olpe ist vor der Nähschule überfahren worden, tödlich verunglückt. 3. Das Kind der Witwe Flechtner ist tödlich verunglückt. 4. Das Kind der Witwe Humpert ist  - gerade – aus dem Kindergarten kommend, vom Kraftfahrzeug erfaßt, eine Strecke mitgeschleift, schwer verletzt worden, stirbt wohl. - Vornamen der Kinder und noch genauere Daten stehen in dieser Akte nicht. - Nun das Eigenartige: In der Sterbeliste jenes Jahres, jener Jahre stehen diese Kinder nicht. Dabei hätten sie  auf dem  - jetzt – Alten Friedhof bestattet sein müssen. Gewiß. Das Kind aus Olpe wird in Olpe bestatte sein. Das Kind der Witwe Humpert kann am Leben geblieben sein.. Aber die beiden anderen Kinder: das Kind Lehmenkühler und das Kind der Witwe Flechtner? Für behördliche Sterbelisten gab, gibt es keine anonymen Bestattungen. Wenn auch nicht aktenkundig, sie Kinder werden auf dem Alten Friedhoff beerdigt worden sein. 

Am 4. Oktober 1947, die sogenannte Nachkriegszeit, nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945): Der Freienohler Amtsdirektor Hahne genehmigt die Wiederinstandsetzung der Friedhofskapelle, „damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle benutzt werden kann“. 

(PfA  A 5)

Am 28. Mai 1948: Martin Pautsch, der Freienohler Maler und Graphiker fertigt für die Friedhofskapelle 2 Glasmalereien an: „Grablegung“ und „Auferstehung“. Seine Rechnung an die kath. Gemeinde für die Entwürfe, Herstellung, Ausführung: 1100,- RM. (PfA  A5) (www.freienohler.de)

Am 4. Februar 1950 in der Zeitung „Westfalenpost“: Eine Friedhofserweiterung ist geplant.  Kurz darauf: die Erweiterung des Friedhofs ist unmöglich. Eine Neu-Anlage eines Friedhofs auf dem Hohlknochen ist geplant.

Sommer 1950: Ein altes Gräberfeld auf dem Friedhof an der Nordost-Ecke wird eingeebnet. (PfA PC)

Am 15. August 1950: Amtsdirektor Hahne genehmigt Pfarrer Dolle die Renovierung der Friedhofskapelle. (PfA  A5)

Am 7. Juni 1953 fand die 200-Jahrfeier unserer St. Nikolaus-Kirche statt, am 2. Sonntag nach Ostern. Das feierliche Levitenamtzelebrierte der Ortspfarrer Dolle . Es assistierten Pfarrer Georg Korte aus Dortmund St. Anna, der auch die Festpredigt hielt (gebürtiger Freienohler; 1899-1992), sowie Vikar Wilhelm Reckhenrich (Freienohl: 1947-1951), Pfarrer Josef Noeke aus Berge (gebürtiger Freienohler: 1876-1968); nachmittags kam noch Pfarrer Alois Becker aus Drolshagen (gebürtiger Freienohler: 1903-1976). Sofort nach dem Hochamt war die Gefallenen-Ehrung am Ehrenmal... Daran beteiligten sich auch die Vereine mit Fahnen. (PfA  PC)

Im Juli 1956 wurden die Gräber auf dem unteren Feld rechts eingeebnet und dieses Feld neu aufgeteilt für weitere Beerdigungen. (PfA PC)

Am 16. April 1959 wird Pfarrer Dolle von Adolf Humpert vom Amt Freienohl gebeten, auch von der Kanzel bekannt zu geben für die Einarbeitung in das Soldaten-Ehrenmal: die Daten über die Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg (1. September 1939 bis 9. Mai 1945), auch über die inzwischen ortsansässigen Ostvertriebenen; bis zum 24. April 1959; später eingehende Mitteilungen können eventuell nicht mehr berücksichtigt werden. (PfA  A29)

Aus der Sterbeliste der Kirchenbücher, hier die letzten 6 Beerdigungen auf unserem  Alten Friedhof. Die Beerdigungen fanden statt 3 bis 5 Tage nach dem Tod.

Maria Rocholl geborene Gördes: geboren 27.07.1892, gestorben 11.04.1980.

Olga Schwefer geborene Altenwerth: geboren 29.03.1892, gestorben. 19.06.1985.

Karl Geissler: geboren 19.12.1903, gestorben 18.04.1986.

Agnes Berta Jürgens geborene Kohle; geboren 27.02.1897, gestorben 26.03.1988.

Clementine Klauke geborene Kaulmann, geboren 25.07.111898, gestorben 31.01.1989.

Elisabeth Blessenohl geborene Eickelmann; geboren 26.03.1905, gestorben 19.05.1990.

Wie unser Leben mit unseren Verstorbenen auf unserem Alten Friedhof weitergeht

Im Laufe der Jahre nach der letzten Beerdigung und nach der üblichen Stilllegung, Einebnung der Gräber wurde überlegt, wie denn jetzige und zukünftige Freienohler diesen Platz unzählbarer Erinnerungen würdevoll behalten kann.

Die zwei anderen Toten-Gedenkstätten in Freienohl, die eine am „Amt“ zum Gedenken an die Gefallenen im Krieg 1870/1871, und die andere zwischen Schützenhalle und St. Nikolaus-Schule zum Gedenken an die Gefallen im Ersten und Zweiten Weltkrieg (1914-1918, 1939-1945) auf unseren Alten Friedhof umzusetzen, wurde nicht für sinnvoll gehalten; jeder lange Jahre eingehaltene besondere Platz in unserem Dorf hat auch seinen besonderen Wert, seine besondere Würde. Einer anderen Idee gelang es nicht, bekannt genug zu werden: den Friedhof zu einem Friedhofs-Dorfgarten werden zu lassen: für die Freienohler Vereine aufgeteilt in unterschiedliche von ihnen gestaltete und gepflegte Garten-Teile, mit Wegen in Form eines Labyrinths mit der Rümker Kapelle als Ziel. Denn sie ist ein heiliger Ort und Raum, in dem unsere Vorfahren zur Eucharistiefeier, zur Hl. Messe  zusammengekommen waren, in der wir Heutigen zwischen den Bildern der „Grablegung“ und „Auferstehung Jesu“ christliche Religion glaubwürdig wahrnehmen können.

Fast 10 Jahre später, im Jahr 2009, am 1. November, am Fest Allerheiligen wurde nach dem Hochamt in der Pfarrkirche ein ganz neues, ein ganz anderes Denkmal von Pfarrer Hammerschmidt eingeweiht: ein Zusammensein, eine Einheit einer Säule inmitten einer Spirale, gebildet mit einzelnen Grabsteinen. Die Idee dazu wurde entwickelt vom Freienohler Kirchenvorstand. Er und Gemeindemitglieder spendeten die Kosten, den Lohn für den jungen Steinmetzmeister Markus Kramer aus dem benachbarten Olpe, der jetzt in Aahaus lebt. Die Bedeutung dieses Denkmals lässt sich leicht und schnell mit Hilfe seiner vorrangigen Bausteine: Spirale und Säule und ihrem Einssein im Internet mit zahlreichen kurzen und ausführlichen Texten entdecken, selbstverständlich auch mit der Fachliteratur zur Mythologie-Geschichte, zur Symbolik in der Tiefenpsychologie (etwa von Carl Gustav Jung). Hier ganz knapp: In vorchristlichen und außerchristlichen Mythen, Religionen und in mystischen Lebensformen der Gegenwart gehören Spirale (manchmal auch Schnecke) und Säule zum Geheimnis-vollen und Geheimnis-offenen Lauf von Sonne, Mond und Sternen, zum Urleben vom weiblichen Schoß und männlichem Phallus. Wenn die Spirale sich im Uhrzeigersinn dreht, soll dies den Beginn, das Offensein für das Leben bedeuten; wenn die Spirale sich gegen den Uhrzeigersinn dreht, bedeuten sie das Ende, die Rückkehr zum Ursprung. -  Das hier dargestellte Einssein von Säule und Spirale kann auch als Walten und Wehen heiligen Geistes  zum Beginn des neuen Lebens wahrgenommen werden. Die Grundidee für dieses Denkmal soll dies freilich auch nicht gewesen sein. - Gleich-gültiger Relativismus oder glaub-würdige Religion. Mit Schmunzeln sagt die Hl. Hildegard von Bingen: „Engel fliegen in Spiralen, der Teufel nur geradeaus.“

Zum Glück ist auch unübersehbar und wohl auch unübergehbar auf unserem Alten Friedhof unsere Rümker Kapelle. Mit ihrer Pflege zeigt unsere St. Nikolaus-Schützenbruderschaft, wo´s lang geht mit: Glaube – Heimat – Sitte.

4.3.  Der Waldfriedhof, der Neue Friedhof.

 

Mit dem 1. März 1963 wird nach fast einjähriger Vorarbeit und vielen Erdbewegungen der erste Teil des neuen Friedhofs, gelegen „Auf'm Hahn“, seiner Bestimmung übergeben.

Die erste Beerdigung erfolgte im März 1963 mit der bei einem Autounfall tödlich verunglückten Frau Görgens, Giesmecke.

Der neue Friedhof ist im Besitz der politischen Gemeinde und obliegt ihrer Sorge. (PfA PC, Pf. Hagemeyer, S. 53-55) – Ebenso der Alte Friedhof.

Hiermit endet das Kapitel vom Alten Friedhof und von der Friedhofs-Visite

5.  Mit unserer Ruhr zusammenleben

 

Etwa von 1800 bis 1914, im Sommer mit einer kleinen Kahnfahrt im Jahr 1928. Eine wunderschöne Wirklichkeit, wunderschöne Fotos!

200 Jahre früher eine ganz andere Wirklichkeit: Das „Erste Kirchenbuch“, - auch „Lagerbuch“ genannt -, der Pfarrei Freienohl“ von Pfarrer Johannes Bartholdus Pöttgen skizziert äußerst knapp: „Am 9. Februar 1716 hat das gewaltige Eis eine Brücke zerstört. Dabei sind acht Leute ins Wasser geworfen worden, jedoch alle gerettet worden. Solche Eismengen haben selbst die ältesten Leute nicht gesehen.“ Die gemeinte Brücke ist nicht genannt; wegen der „acht Leute“ wohl die Ruhrbrücke: Breiter Weg / Bahnhofstraße („Pflasterbrücke“).  -  „Mitte Januar 1743 ist das gewaltige dicke Eis auf der Ruhr losgebrochen und mit solche force (Macht) auf die Brücke losgegangen, dass die Pflasterbrücke in großer Gefahr gestanden ist, die Langelbrücke halb weg geflossen ist.“ (Pfarrarchiv A 29 und B 1)

Ein besonderes Kapitel bieten die Archivalien im Stadtarchiv Freienohl AA 511 an. Manches Mal zum Schmunzeln über das sehr persönliche Verhältnis der Freienohler zu ihrer Ruhr, über ihr sehr persönlich klingendes Verhalten (die Ruhr ist sozusagen wirklich weiblichen Geschlechts!) - einerseits, und andererseits – vielleicht gerade deswegen – die oft auch anstrengende Fürsorge um ihre Ruhe.

Akten typisch ist der Anlass für die Sammlung von AA 511 und 1665: Streitereien zwischen Gemeinde-Besitz und Privat-Besitz am Ruhr-Ufer, mit dem Ruhr.Ufer, mit dem „Strom-Bett“ - so wird die Ruhr auch schon mal genannt. Eine korrekte Akten-Sammlung gehört auch schon zum Frieden-Schaffen. - Hier geht es nicht um das Kennenlernen der Streitereien, sondern  um das Kennenlernen  der lebendigen Ruhr und um das Zusammenleben mit ihr. Dazu gehören die Gemeinde-Hude für Schweine (Hude ist eine spezielle Wiese zum Hüten von Vieh), hier von Hude-Berechtigten, deren Schweine vom „Gemeinheits-Hirten“ gehütet wurde, und z.B. um die Wiesen von Ferdinand Becker gnt. Kaiser und von Caspar Vohs , dann später Johann Vohs. („Gemeinheit“ ist ein älteres Wort für: Gemeinde; „gnt“ ist übliche Abkürzung für „genannt“, damit ist ein Beiname gemeint, der einen öfters vorkommenden Nachnamen auf eine ganz bestimmte Person festlegt.) Also, wichtig sind in diesem Text nicht die Streitereien mit ihren damit verbundenen Namen. Die Namen sind nur insofern wichtig, weil sie unsere Vorfahren sind, unser Zusammenleben früher geprägt haben.

Am zumeist vorläufigen Schluss eines solchen Abschnitts steht zur Klarstellung, zur Klärung eine Gerichtsverhandlung, wegen der Gemeinde-Grundstücke in Arnsberg, beim Landrat mit seiner Behörde; so am 18. Juni 1845; vorher eine am 17. Mai 1842. Die Zeugen seien festgehalten. Im Protokoll steht auch das Lebensalter. Das Zurückrechnen und das Zurückblicken in die früheren Jahre und die Anzahl 16 können das Zusammenleben noch nachvollziehbarer und deutlicher machen: Georg Funke 76, Kaulmann 66, Beilieger Kaspar Köster 60, Beilieger Franz Köster 60, Sloby (?) 64, Adam Schröer gnt. Hollmann 45, Caspar Eickelmann 68, Caspar Lenze (o.J.),  Heinrich Weber 49, Adam Mester 56, Beilieger Lardon 62, Beilieger Hirnstein 55, Fritz Kehsler 88 (ausdrücklich: der Älteste), Evers (o.J.), Heinrich Wrede 56.

Nun folgen – auch manchmal zum Schmunzeln – auszugsweise und aneinander gereiht wörtliche Zitate dieser Senioren, die ihr Verhältnis zu ihrem „Strom“ (so sagen sie auch) deutlich machen – aus den Akten AA 511 und 1665:

„Die Ruhr hat nämlich in den letzten 50 Jahren nach den Zeugen-Aussagen mehrmals ihr Bett gewechselt.“ - „Um 1800 hatte die Ruhr oberhalb Freienohl zwei Arme... Im Jahr 1808 mochte ungefähr ein Jahr lang die Ruhr den bezeichneten Lauf gehabt haben. Als wir preußisch geworden, war der linke Nebenarm der Ruhr verschwunden.“ - „In den Weidebüschen hütete der Gemeinheitshirte die Schweine. Damals war nur der eine Strom der Ruhr vorhanden. Später warf sich der Hauptstrom der Ruhr mehr rechts. In dem mit Weiden bewachsenen Grundstück zur linken Seite der Ruhr – in dem früheren Ruhrbette -  blieb der Nebenarm der Ruhr. Noch später trat wieder eine Veränderung ein. Durch eine Überschwemmung wurden die Weidenbüsche weggenommen, jedoch nicht ganz. Nach der Seite, wo die Ruhrbrücke ist, blieb etwas zurück, tiefer unten aber wurden sie ganz weggenommen, sodass der Nebenarm der Ruhr von da an die Wiese (des Becker gnt. Kaiser) bespülte. Demnächst wurde auch jener Rest der Weidebüsche durch Überschwemmung weggenommen. Gleichzeitig aber verlor sich jetzt der linke Nebenarm der Ruhr, so dass jetzt der ganze Strom auf rechts ging.“ - „Das Hude-Grundstück wurde übrigens bei einer Überschwemmung der Ruhr weggespült und von dem Wasser eingenommen, so lange die Überschwemmung dauerte. Als diese aufhörte, wich die Ruhr in ihr gewöhnliches Bett zurück. Auf dem fraglichen Hude-Grundstück lagen Steine, Fluss-Geschiebe, Ruhr-Geschiebe.“ - „Durch die Veränderung des Ruhr-Ufers haben sich Zuwächse gebildet  (1810).“ -...einen Graben werfen lassen, um die Ruhr in das alte Bett zurück zu leiten, was jedoch durch die nächste Flut vereitelt worden sei...“ - Der Besitzer „hat zum Schutz der Wiese das Ufer (1819, 1820, 1821) geschlächtet“ (= befestigt mit Steinen oder / und mit  Faschinen, das sind handgefertigte Weiden-Geflechte mit in den Boden eingestampfte Pfähle). - „...die herfließende Ruhr hat einen zweiten Arm gebildet...“ - ...da ist ein Graben aufgeworfen worden, um dem Strom eine bessere Richtung zu geben...“ - „...das Gras hat sich der Besitzer durch Abmähen oder Behuden mit seinem Vieh (Beweiden) zu eigen gemacht...“ - „...die Ruhr hat sich den ganzen Platz zu ihrem Bett gewählt...“ - „...hat sich ein zweiter Nebenarm der Ruhr gebildet und das Bett für mehrere Jahre beibehalten...“ - „...das Flussbett, das vom Strom wieder verlassen wird und sich wieder ein anderes sucht...“ - „Wenn die Ruhr ein solches Bett einige Jahre behält, so ist das offenbar nicht als eine bloße Überschwemmung anzusehen...“ - „...Die Wiese wurde vor ein paar Jahren ganz von der Ruhr verschlungen und in deren Strombett verwandelt...“ - „...und der ganze Strom hat sich nach rechts gewendet...“ - „Die Weiden schienen den Zweck zu haben, das Land gegen die Ruhr zu schützen.“ - „Der Nebenarm der Ruhr hat sich übrigens in jener Zeit verloren und die Weiden sind verschwunden.“ - „Ich habe selbst in den Ufern der Ruhr an jener Wiese gekrebst“ (Krebse gesammelt). - „Da hatte die Ruhr ihr eigentliches Bett gehabt.“ - „Er war von ihr zur Anlegung eines Krippenwerks genötigt“ (Ufer-Schutz: Faschinen)..

Nun folgen aus dem Archiv-Material AA 511 noch zwei Inhalte, die das Zusammenleben und Zusammenarbeiten Freienohler mit ihrer Ruhr deutlich machen.

Am 18. August 1818: Das „der Gemeinde Freienohl zugehörige Brückenhaus“ soll meistbietend verkauft werden. „Das Haus und der Garten werden so verkauft, wie sie sich befinden. Letzterer jedoch ohne die darin sich befindenden Gartenfrüchte und solches kann 14 Tage nach Michaelis (= 29. September, also ab 15. Oktober) dieses Jahr bezogen werden... Der Ankäufer erhält das Recht, zwei Stück Hornvieh und ein Schwein dem gemeinschaftlichen Hirten (= Gemeinde-Hirt) vorzutreiben, wem er dann auch den Hirtenlohn und Kost entrichten muss nebst der Stellung eines Beihirten... Kein Holz darf der Ankäufer im Kommunalwald abstammen...“ Die Anbieter werden aufgelistet und ihr  ansteigendes Angebot: Henrich Spennschröer 100 (die Währung wird hier ausgelassen), Gaudenz Kerstholt 250, Caspar Stierenberg 280, Gaudenz Kerstholt 300, Caspar Tönne 310, Franz Kaulmann 312, Caspar Stierenberg 320, Theodor Neise 321, Joannes Lenze 350 als Letztbietender und Käufer.

5.1.  Die Ruhr-Tour von Annette von Droste-Hülsjoff mit ihrem Bruder Werner Constantin

Nichts vom Arbeitsleben an und mit der Ruhr haben 1824 wohl die Beiden gemerkt.

Die 27-jährige  Annette von Droste-Hülshoff unternahm mit ihrem 1 Jahr jüngeren Bruder Werner Constantin eine vielleicht zweite Sauerland-Reise entlang der Ruhr, von der Ruhr-Quelle nach Hause zu Burg Hülshoff bei Münster oder auch wieder zurück nach Schloss Gevelinghausen, wo ihr Bruder gerade lebte. Auf dieser Fahrt mit der Kutsche auf der Chaussee über Meschede, Schloss Laer, sind die Beiden auch durch Freienohl gekommen, dann weiter über Wildshausen, Glösingen, Dinschede nach Arnsberg. In Freienohl war ja seit gut 10 Jahren die neue Chaussee fertig: über den Plastenberg, an der Plastenberg-Kapelle vorbei, hinunter zur noch alten Ruhrbrücke, dann wieder bergauf bis zur Kirche und wieder hinunter zur Rümmecke. Wo die Beiden vielleicht Halt gemacht haben, das steht nicht im Reisebericht „Das malerische und romantische Westphalen“ aus dem Jahr 1840, mit der Mitarbeit der Droste geschrieben von ihren Freunden Ferdinand Freiligrath und Levin Schücking. Aus diesem Text von 1840, der also 15, 16 Jahre nach jener Sauerland-Reise veröffentlicht worden ist und vom Stil her kein historisch genaues Tagebuch ist, seien ein paar Stellen zitiert, die zu unserer Ruhr passen: „Das Land der Ruhr ist der Stolz, die Krone unseres Vaterlandes; die frischen rauschenden Berg-Gewässer des Stromes sind das silberne Stirnband dieser Krone (geschrieben in der Zeit des Königtums Preußen!)...Wo unter den hohen Buchen und Eichenwipfeln nur der Köhler seine Meiler schürt... Wo die Adler und die Uhus horsten... Das Land der Klüfte, der von allen Höhen nieder kollernden und spritzenden Bergwässer...Hier auf dem höchsten Gipfel haben wir auch die Grenze der Poesie erreicht (ob unser Küppel gemeint ist?) ...Die Gebirge der Ruhr sind zum Teil aus den ältesten neptunischen Gebilden zusammen gesetzt... Und sehen die Ruhr einen mächtigen Bogen krümmen, um jetzt ganz nach Westen zu strömen... Die Chaussee führt nach dem Städtchen Meschede, einem der schönsten Punkte des Süderlandes, aber sich fast aller Beschreibung durch den Mangel des charakteristisch Hervorstechenden entziehend... Die Ruhr macht einen allerliebst coquetten Bogen... Zieht von hier die Chaussee über unzählige Brücken (?) sich durch das immer malerische Tal, über frische Auen, an bekränzten Höhen vorbei...“ - Bei der Durchreise durch Freienohl standen vielleicht die Schulkinder an der Chaussee oder der damalige Schultheiß Franz Feldmann schaute gerade aus dem Fenster des Rathauses mit der Schule, damals zwischen der jetzigen Volksbank und der nach 1852 gebauten Schule, da wo jetzt Frau Frieseurmeisterin Brigitte Bornemann ihr Geschäft hat. Oder die Beiden haben beim Schmied Franz Vogt, dem jetzigen Figgen-Haus, die Hufe ihrer Pferde kontrollieren lassen. - Doch Freienohl wird nicht genannt, erst wieder Rumbeck.

Angemerkt seien diese Daten der Drei, von denen die Droste wohl die „Große Freundin“ ist: Annette von Droste-Hülshoff: geb. 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster, gest. 1848 in Meersburg / Bodensee; Ferdinand Freiligrath:  geb. 11810 in Detmold, gest. 1876 in Cannstatt; Levin Schücking: geb. 1814 in Meppen, gest. 1883 in Bad Pyrmont.

   

5.2.  Die Wirklichkeit: „Die Rückverlegung der Ruhr ins alte Bett“

Um „die Zurückverlegung des Flusses in sein altes Bett und um die ganze künftige Unterhaltung“ geht es im langwierigen Prozess zwischen den Ruhrwiesen-Besitzern, der Gemeinde Freienohl und dem klärenden Gericht beim Landrat in Arnsberg mit dem Wegebaumeister Friedrich Boese, dem Sekretär Schulte, dem Regierungs-Sekretär-Assistenten Gronarz am 5. und 8. Mai und am 22. und 23. September 1834. Oben in der Einleitung dieses Ruhr-Kapitels stehen viele wörtliche Zitate aus diesem Prozess; wichtig ist das Zusammen-Leben mit der Ruhr und nicht das Streiten der Freienohler.  (AA 1665)

Vom 31. Januar 1825 liegt ein ziemlich ausführlicher Zustandsbericht vor vom Ruhrverlauf, genauer: vom links- und rechtsseitigen Ruhrufer unterhalb und oberhalb der (alten) Ruhrbrücke (auch Plasterbrücke genannt). Bei der Besichtigung und anschließenden Berichterstattung waren anwesend (= Präsentes): Regierungsrat Clemen, Landrat Thysing (Thüsing) von Arnsberg und Bau-Inspektor Retler. Auszüge aus dem Protokoll (im Original sind zwei Skizzen eingefügt): „Gleich unterhalb der Freienohler Brücke (daneben gab es auch eine Furt) findet eine Verwilderung des Stromes statt, von welcher die gezeichnete Skizze ein ungefähres Bild gibt“ (die Skizze in der Akte 511 muss umgedreht, genordet werden). Es handelt sich um die ehemalige Brücke, knapp 100 Meter von der jetzigen Ruhr-Brücke Richtung Bahnhof entfernt. Dann folgen konkrete Vorschläge, die „Grundstücke im Fluss weg zu nehmen“  (aufgrund der Skizze sind an dieser Stelle mit den „Grundstücken“ wohl Sandbänke gemeint). „Es ist auf die Ausführung dieser Vorschläge um so mehr zu achten, da eines Teils viele nahe gelegene und schöne Grundstücke durch den seitherigen Flusslauf verwüstet sind, bei deren Menge sich aber beim Grundbesitzer die Schwierigkeiten häufen werden... Die Grundbank oberhalb der Freienohler Kapelle am rechten Ufer muss gehörig bepflanzt werden (die ausdrücklich „ehemalige“ Küppel-Kapelle ist gemeint! ein historischer Beleg für diese noch ältere Kapelle als die von 1902)...Gleich unterhalb dieser Stelle müssen die hochstämmigen Bäume auf dem rechten Ufer abgehauen werden (der ehemalige untere Küppelweg führte wesentlich tiefer als der jetzige an der Ruhr entlang!)... reicht es hin, wenn der Fluss an einigen Stellen von den alten Stämmen und größeren Sträuchern gereinigt wird.“ Am Schluss merkt der Landrat Thysing in einer Extra-Notiz vom 11. März an, dass der Freienohler Schultheiß Feldmann dieses Protokoll erhalten soll, um die Arbeiten in Auftrag zu geben – für das Zusammen-Arbeiten der Freienohler.

5.3.  Das Zusammen-Leben und Zusammen-Arbeiten mit der Ruhr hört nicht auf

Für den nun folgenden Text wurden noch keine „Vorläufer“ gefunden, keine Informationen, die diesen Brief einleiten können. So mutet er wie ein Spektakel klerikalen Machtgehabens an. Pfarrer Sporkmann schreibt am 18. Mai 1841 in seinem Brief an den Freienohler Bürgermeister  Alberts: Hauptanliegen ist die Schlächtung der Pfarr-Wiese und Ruhr-Wiese im Ohl, in der Lanfer. Damit ist aus heutiger Sicht – 2009 – gemeint das Ruhrufer-Gelände, wozu der Schützenplatz der 3. Kompanie, der Regenbogen-Kindergarten und die Konrad-Adenauer-Hauptschule gehört. „Schlächtung“ ist das Bauen eines vom  Flussufer aus ins Wasser „geschlagenen“ Dammes, bestehend aus Buschwerk, Rasen, Steinen und Stämmen, Pfählen. Solche Dämme, es sind zumeist mehrere in kurzen Abständen, werden auch eine „Schlenge“ genannt. Ein einziges „Bollwerk“ auch „Schlacht“. In seinem Brief geht es Pfarrer Sporkmann darum: „die von der (politischen) Gemeinde in dieser Angelegenheit gewählten und von der landrätlichen Behörde bestätigten Repräsentanten: Adam Kehsler, Gaudenz Kerstholt und Heinrich Sahse gerichtlich zu belangen und zur Erfüllung der unzweifelhaften Verbindlichkeit verklagen zu lassen. Da jedoch diese Repräsentanten wiederholt erklärt haben, dass sie zu einem gütlichen Verdingament (Ausführung, Erledigung) mit dem Pfarrvorstand geneigt seien, und zwar weil die Verbindlichkeit der Kirchengemeinde zur Schlächtung der Uferwiese jedenfalls bestehen und ein gerichtliches Verfahren außerordentlich große und demnach unnütze Kosten verursache, so habe der Pfarrvorstand ein gütliches Verdingament schon vor längerer Zeit in Vorschlag gebracht“... (in diesem Stil noch über eine ¾ Seite Text) „Diese Aufgabe muss noch in den nächsten 14 Tagen angefangen werden.“ - In der Antwort des Bürgermeisters kommt es nun darauf an: „dass dieser Gegenstand nur im gütlichen Weg befriedigt werden darf, wenn nicht Erbitterung und Unmenschlichkeiten in der hiesigen Gemeinde hervorgerufen werden sollen. Es ist bekannt, dass diese Angelegenheit von Ihrem Amtsvorgänger (Johann Nicolaus Hense, Pfarrer in Freienohl 1833-1837) gerade in seiner Zeit in Erregung gebracht worden ist, als zwischen ihm und der Gemeinde einige Disharmonie bestand und es herrscht eine (unterstrichen) Stimme darüber, dass dazu die Sache selbst nicht die geringste Veranlassung gegeben...“ Aus Pfarr-Archiv-Akten geht nur hervor, dass Pfarrer Hense „versetzt“ worden ist nach Kamen und Pfarrer Sporkmann (36 jährig) von Kamen. - Die Arbeiten an der Ruhr wurden erledigt, regelmäßig, wie auch regelmäsig wieder Überschwemmungen stattfanden.

5.4.  Zehn Jahre weiter.

Am 29. Juni 1851 erklärt Heinrich Cohsmann auf dem Amt: „Die Gemeinde Freienohl beabsichtigt, an ihrem Grundstück Wiese in der sogen. Langfer (Lanfer) mehrere Kripp-Anlagen vorzunehmen und ich bin mit der Veranschlagung dieser Arbeiten beauftragt. Diese Arbeiten müssen, um gut und dauerhaft abgelegt werden zu können, größtenteils in Tagelohn ausgeführt werden und es kann daran nur die Anfertigung der nötigen Faschinen  wenigstbietend verdungen werden (ausgeschrieben) werden. Von diesen Faschinen müssen vorläufig 20 Schock angefertigt werden (alte Zählung: 1 Schock =  20 Stück, neue Zählung: 1 Schock = 60 Stück; welche Zählung hier gemeint ist, steht nicht fest). Dieselben (Faschinen) müssen 1 Fuß dick und zur ganzen Länge des Holzes angefertigt und mit 2 Weiden an den beiden Enden umbunden werden. Die Anfertigung derartiger Faschinen kostet in der Regel pro Schock 10 Silbergroschen.“   (AA 1665)

Am 28. August 1851 wird vom Amtmann Devivere durch den Polizeidiener Kaulmann öffentlich bekannt gegeben dieses „Verding“, das ist die Ausschreibung für einen genau bestimmten Arbeitsauftrag: „Die Anfertigung und Anfuhr von 20 Schock Faschinen und 10 Schock Pfähle behufs mehrerer Schlachtanlagen...“ 

Zum Verstehen schlägt man in Online-Wörterbüchern aus jener Zeit nach, hier im Brockhaus: Faschinen sind walzenförmige 2.5 – 5 Meter lange Strauch-Bündel von etwa 30 Zentimeter Stärke, die durch Draht oder Weidenruten fest zusammengehalten werden und beim Flussufer-Bau zum Bekleiden von Böschungen benutzt werden. - „Schock“ ist ein früheres Zahlmaß – eigentlich – aus Norddeutschland: 1 Schock = 10 Stück. - Wie so eine Schlachtanlage, eine Ufer-Schlächtung, eine Kripp-Arbeit bewerkstelligt wird mit den Krippen-Setzern und dem Krippen-Meister, steht ausführlich in der Ökonomischen Enzyklopädie von Krünitz, erschienen 1773 – 1858): www.kruenitz1-uni-trier.de.

Der Polizeidiener fügt noch hinzu: „Bei der Anfertigung und Anfuhr ist dem Krippen-Meister Heinrich Cohsmann gnt. Cordel Folge zu leisten. Bei den Vorarbeiten im Wald sind die Anweisungen des Waldwärters Kerstholt zu beachten!“

Aus einem Akten-Protokoll vom 20. Mai 1852 geht auch noch dieses hervor: „Bei der Wege-Anlage der Chaussee von Freienohl nach Meschede 1810 und den folgenden Jahren den aus dem alten Bette abgeleiteten Ruhrfluss wieder in das alte Bett zurück zu bringen und durch hinreichende Einfriedigung die angrenzenden Grundbesitzer für alle Zukunft vor Schaden sicher zu stellen, - dabei geht es um die große Pöttgens Wiese, durch die im Jahre 1813 und in den folgenden Jahren bewirkte Verlegung des Ruhrbettes... durch die Trennung der Wiese in zwei Teile, durch die Entziehung der früheren natürlichen Bewässerung durch die stellenweise Versandung der gebliebenen Wiesenfläche...“ Im Grund geht es dabei um Geld, wer wofür zu zahlen hat; das wird hier ausgelassen, weil der angegebene Geldwert wohl nicht gerecht bewertet werden kann. Hier geht es um die Wahrnehmung der Zusammenarbeit, der sich daraus ergebenden Verpflichtungen für die Zukunft mit der Ruhr, den Wiesen, dem Leben in Freienohl.

Diese 1851 ausgechriebene Arbeit ist aufgrund der Gemeindeprotokolle wohl Ende 1852 abgeschlossen. In der Liste der Auszahlungen, Bezahlungen stehen diese Namen, manche mit, manche ohne Vornamen: Franz Pöttgen gnt. Rante für die Anfertigung der 22 Schock Faschinen (220 Stück), Kaspar Vogt für das Anfahren der Faschinen, Franz Humpert für das Anfertigen der 10 Schock Pfähle (100 Stück), Georg Schwefer  für die Anfuhr der Pfähle, Gahse, Anton Kaulmann, Miehse, Lenze, Höhmann, Ferdinand Funke, Ferdinand Wrede, Franz Leineweber, Joseph Altenwerth, Adam Pöttgen, Franz Becker, mit Pferden gefahren Heinrich Cohsmann gnt. Vohshane, Franz Kerstholt, Fritz Cohsmann. 18 Freienohler. (AA 1665)

5.5.  Zum „Kontrakt über gehörige Einbettung des Ruhrflusses in der Feldmark Alte Ruhr

Am 20. Mai 1852 beantragen bei der Regierung in Arnsberg die Freienohler Kaspar Lenze, J.F(?). Trompetter, Franz Christian Christoph Hirnstein, Kaspar Schröer, Johann und Joseph Trompetter: „In den Jahren 1833 oder 1834 (siehe oben!) wurde zwischen der Regierung in Arnsberg und den Erben Pöttgen hier ein Kontrakt abgeschlossen, in dem die letzteren die Verpflichtung übernommen haben, bei der Wege-Anlage der Chaussee von Freienohl nach Meschede im Jahr 1810 und folgenden Jahren von dem alten Bett abgeleiteten Ruhrfluss wieder in das alte Bett zurückzubringen und durch hinreichend Einfriedigung die angrenzenden Grundbesitzer für alle Zukunft vor Schaden sicher zu stellen. Das ist nicht hinreichend geleistet worden.. Für die unterzeichneten Bittsteller ist außer Zweifel, dass bei den nächsten Austritten (!) der Ruhr für sie ein großer Nachteil entsteht und gänzliche Weg-Schwemmung ihrer Grundstücke, wenn nicht schleunigste Verkehrung (Reparatur) getroffen wird. Die Regierung möge die Erben Pöttgen zur Erfüllung ihrer übernommen Pflicht anhalten.“  

Wieder sei daran erinnert: hier geht es nicht um den Streit untereinander, sondern um die glaubwürdige Sorge um den bei Unwetter keinen Schaden anrichtenden Ruhr-Verlauf.

Am 26. Juli 1852 antwortet der Landrat in Arnsberg: „Die Erben Pöttgen sind ihrer 1834 übernommenen Pflicht in genügender Weise nachgekommen.  Sie werden aufgefordert zur gehörigen (handwerklich gründlichen) Eindeckung der Ruhrufer oberhalb Freienohl in der Feldmark Alte Ruhr, den Ruhrfluss wieder in das alte Bett zurückzubringen und durch hinreichende Einfriedigung die angrenzenden Grundstücke für alle Zukunft vor Schaden sicher zu gestalten.“   (AA  1665)

5.6.  Ruhr-Ufer-Schlächtung

Schon wieder muss eine Ruhr-Ufer-Schlächtung geplant werden in der Gemeinde-Versammlung, am 22. November 1852 für das nächste Frühjahr, bei den Gemeinde-Wiesen im Ohl. Unter der Leitung des Gemeinderats Sahse wird als Krippen-Meister beauftragt Franz Stahl von Olpe; er soll den Kostenplan vorlegen. - Im Gemeinde-Versammlungsprotokoll am 11. Juli 1853 heißt es freilich, dass erst im nächsten Frühjahr „die Abdossierung der Gemeindewiese im Ohl längs der Ruhr gearbeitet“ werden soll. Mit „Abdossierung“ ist eine flache Böschung zur Ruhr hin gemeint, damit die Überflutungen im Winter und Frühjahr möglichst wenig Schaden an dem Wiesen-Ufer anrichten. Franz Trompetter gnt. Schröer erhält den Arbeitsauftrag. Am 14. April 1854 drängt Caspar Cohsmann gnt. Cordel die Gemeinde-Versammlung, die Uferdossierung endlich zum Abschluss zu bringen, „damit nicht das Wachstum des Grases gestört wird“. (AA 1665)

 

5.7.  Instandsetzung der Ruhr mit 810 Faschinen zwischen Knäppchen und Lanfer

Am 7. April 1855 hat Maurermeister Franz Göckeler der Gemeinde-Versammlung, dem Gemeinde-Rat eine vier Seiten lange, inhaltlich gründliche „Kosten-Berechnung“ vorgelegt; hier auf ein Drittel gekürzt: „Über die Instandsetzung der auf der Lanfer liegenden durch die diesjährige Überflutung beschädigten Wiese“. (Lanfer manchmal auch Langfer geschrieben; gemeint sind die Ruhrwiesen oberhalb der Ruhrbrücke, beim Schützenplatz der 3. Kompanie, beim Regenbogen-Kindergarten und der Konrad-Adenauer-Hauptschule.) „Diese Wiese ist dermaßen ausgekalkt, dass eine Instandsetzung dieses Teils durchaus notwendig erscheint, wenn man nicht befürchten will, dass bei nächster Flut ein größerer Teil dieser Wiese forgerissen werden soll. Es muss daher ein Teil dieser Stelle mit Strauchwerk, Faschinen, Uferschlächtung, mit grobem Kies ausgefüllt, mit den durch die 9 Fuß breite schräg auslaufende Abtragung des hohen Ufers an der beschädigten Stelle gewonnenen Erde, mindestens 1 Fuß hoch, überschüttet, planiert und mit Klee und Heusamen eingesät werden. Der andere weniger gelittene Teil muss mit der durch die 4 Fuß breite Abtragung des neben liegenden Rückens geebnet und wie neu besät werden. Das erforderliche Strauchwerk ist aus dem sogenannten Knäppchen zu entnehmen, veranschlagt (gemeint ist – damals – das Waldstück oberhalb des Küppelwegs, der Kapellenstraße). Der Kies wird auf der vor der Wiese sich befindlichen Grandbank (= grober Kiessand) gewonnen. Der Rasen muss vorher in einer Stärke von 3 Zoll (1 Zoll = 3,7 cm) auf der zur Abtragung kommenden Stelle abgedeckt, zur Seite gelegt und den fertigen Teil, soweit dieselbigen reichen, wieder damit belegt werden.“ - Wer sich diese Arbeit ohne Maschinen (1854!) vorstellen kann, der kann sich auch vorstellen, wie viele Freienohler bei Wind und Wetter, bei gutem und schlechtem Wetter, und mit viel Wasser – ohne Gummistiefel – hier zusammen gearbeitet haben! Damals waren dabei „Krippenmeister“ Heinrich Cohsman; in einer Liste stehen nur mit Nachnamen: Gahse, Kaulmann, Schramm, Vogt, Pöttgen, Miehse, Lenze, Höhmann, (nochmal:) Cohsmann; „mit den Pferden gefahren“ sind Heinrich Cohsmann und Gaudenz Kerstholt.

5.8.  Ein ganz neuartiges Zusammenleben mit der Ruhr

Protokoll-Text der Gemeinde-Versammlung vom 26. Oktober 1866, TOP 1168: Kaufmann Julius Lex zu Meschede und der Kaufmann F. C. Mues zu Arnsberg setzen die Vorarbeiten (hier: Pläne, Gespräche, Verhandlungen) wieder fort, die durch die kriegerischen Ereignisse dieses Jahres unterbrochen waren. Es handelt sich um die Ausführung ihres Vorhabens in Betreff der Anlegung eines größeren Eisen- bzw. Blech-Walzwerkes in der Nähe hiesiger Gemeinde. Dabei geht es um die Abtretung (um den Verkauf) des dazu benötigten Grund und Bodens an der Alten Ruhr. Mit Rücksicht auf den Mangel größerer industrieller  Werke in und bei Freienohl und bei der fühlbaren  Arbeitslosigkeit des unverhältnismäßig stark vertretenen Arbeiterstandes in hiesiger Gemeinde ist das Zustandekommen des fraglichen (positiv gewichtet: in Frage kommenden) Unternehmens im allgemeinen Interesse hierorts nur sehr erwünscht... Dieserhalb werde es zweckmäßig erscheinen, demselben möglichst alle mit den diesseitigen Rücksichten irgend vereinbarliche Vergünstigungen zu gewähren, wobei es weniger auf die Erlangung eines hohen Kaufpreises für die Gemeindekasse ankommt, als auf Herbeiführung einer Gelegenheit zur baldigen und dauernden Beschäftigung von Arbeitern abzusehen sei... Es geht um die Ausnutzung der Wasserkraft für den gedachten Zweck an den Wiesen-Parzellen Flur I Nr. 16 und 10 an der Alten Ruhr... Dann folgen einige hier gekürzte Bedingungen: Im Mai des kommenden Jahres ist mit dem Bau des Etablissements (des Werkes) nach Maßgabe des eingereichten Bauplanes zu beginnen und das Werk bis zum 1. November 1868 in Betrieb zu setzen... Die erforderlichen Brücken einschließlich des vorschriftsmäßigen Geländers sind nach Anweisung des Gemeinde-Vorstandes auf Kosten der Werksbesitzer zu bauen und jederzeit zu unterhalten (in Ordnung zu halten). Die Brücken müssen von so dauerhaftem Zustand sein, dass dieselben mit Fracht-Fuhrwerken zu passieren sind (zu befahren sind). Die Graben-Dossierungen (Graben-Böschungen) sind gegen das Eingreifen des Wassers zu schützen und zwar durch Anbringung der erforderlichen Krippenwerke usw. Jederlei Beschädigungen von nicht angekauften Grundstücken sind nach Taxe zu ersetzen (mit dem offiziellen Preis). Die vom Gerichts-Taxator Göckeler aus Arnsberg vorgeschlagene öffentliche Ausschreibung der geplanten Grundfläche wird abgelehnt, um den Grundstücks-Preis nicht so hoch zu treiben, dass die Herren Lex und Mues ihr Vorhaben hier in Freienohl nicht verwirklichen. - Die Freienohler Gemeinde-Versammlung denkt an zahlreiche Arbeitsplätze.

5.9  Ruhr-Schau

Zum 5. September 1872 für 10 ½ Uhr vormittags meldet sich der Landrat von Arnsberg mit der Ruhr-Schau-Kommission beim Amtmann Ley in Freienohl an zur Ruhr-Schau. Da sollen auch die Ufer-Besitzer anwesend sein. Sie sollen die Kommission informieren, „was zur Beschaffung von Vorflut, Räumung des Flussbetts oder Befestigung des Ufers gewünscht wird. Die Uferbesitzer können dann nicht zur Arbeit.“ - Ähnliche Meldungen gibt es zum 16. Juni  1995, 1888, „1891 nachmittags um ½ 2 Uhr“.  (AA  1665)

Am 18. April 1903 schreibt der Landrat aus Arnsberg: „Die Ruhr-Schau wird wegen des hohen Wasserstandes in der Ruhr hierdurch aufgehoben.“ Der Freienohler Amtmann notiert am 20. April 1903 am Rand: „Zu den Acten. Zu knapp bemessen für die Uferbesitzer.“ Die Ruhr-Schau wird verschoben auf den 14. und 15. Mai 1903.

Die Uferbesitzer hatten „dafür zu sorgen, dass am Tag der Schau die Wiesen-Wässerung bis nach vollendeter Schau auf allen am Flussufer befindlichen Wiesen unterbleibt und die Stachel-Zäune, Hecken usw. so eingerichtet sind, dass die Commission am Ufer entlang gehen kann.“ Dafür, für dieses Gehen  sind die Vorbereitungen nur durch Zusammenarbeit möglich. Die anwesenden Uferbesitzer sind „bei der Besichtigung selbst zum Vortrag zu bringen oder vorher bei der Schau-Commission einzureichen.“

Im Bericht des Landrats über die Ruhr-Schau am 15. Mai 1903 heißt es am 3. August 1903: „Die am linken Ufer belegene Wiese von Becker gnt. Kaiser (Kaiserwiese, Langelbrücke)  Ist durch das AbfallwasserdesWehrs (herab fallenes, herab fließendes Wasser, kein Schmutz-Wasser)  in Folge der Wehr-Anlage stark gefährdet. Wo jetzt die Wiese ist, war früher teilweise ein Loch... Abhilfe ist möglich durch Anhöhung der zum Wehr gehörigen Fachbau-Verlängerung auf der linken Fluss-Seite...“ („Loch“ sprachgeschichtlich auch ein anderes Wort für Sumpf; damit kann auch klar sein, woher das Wort „Katersiepen“ seinen Namen hat; rheinisch: katsch = Schmutzwasser.)

5.10.  Auch schon 1887 Sorge und Arbeit „Für eine saubere Ruhr!“

Die Firmenleitung der Cellulose-Fabrik Wildshausen, die Herren von der Becke, Klagges und Beuther beantworten dem Freienohler Amtmann Enser am 5. November 1887 dessen Anfragen: „Auf die mündliche Aufforderung vom 1.November teilen wir Ihnen mit, dass wir monatlich circa 650 bis 700 Cubikmeter wirkliche Kochlauge erhalten, welche durch ein Pumpwerk in die neu angelegten Klärteiche gebracht wird.  Wir bemerken indessen, dass diese Lauge mit einer Temperatur bis zu 80 Grad Celsius in die Teiche gelangt und dass ein Teil derselben in Folge dieser hohen Temperatur und auch der großen Oberfläche in den 3 Teichen verdunstet. - Was nun die Benutzung der alten Klärteiche anbetrifft, so können wir dieselben nicht entbehren. In diese Teiche fließt das bei der Fabrikation benutzte Waschwasser und klärt sich in derselben. Lauge kommt nicht in diese Teiche, sondern wird, wie bereits oben angeführt, vermittelst eines Pumpwerks in die oberen neuen Klärteiche gepumpt. Im Übrigen beziehen wir uns auf den Königlichen Gewerberat Herrn Ostheus, welcher am 31. Oktober dieses Jahres hier war und die ganze Fabrik nebst Klärteich-Anlagen einer genauen Prüfung und Besichtigung unterworfen hat. - Bei dieser Gelegenheit wollen wir es nicht unterlassen, dass von unserer Seite schon zum Öfteren beobachtet ist, dass das Wasser der Ruhr, bzw. in unserem Obergraben, also oberhalb unserer Fabrikanlagen getrübt und verunreinigt war. So war zuletzt am 2. des Monats vormittags gegen 10 Uhr die Oberfläche unseres Obergrabens mit einer bläulich braunen  fettartigen Haut bedeckt, welche sich beim Fließen des Wassers unter Schaumbildung wolkenartig ausdehnte und zusammenzog. Diese letzte Verunreinigung ist außer von unserem Betriebsführer Herrn W. Schenck noch von Johann Cohsmann, Glösingen, Hermann Beckmann dort, Heinrich Blume dort und Johann Weber aus Freienohl längere Zeit beobachtet worden und geben wir anheim, diese darüber vernehmen zu wollen. Hochachtungsvoll ...“

Daraufhin beauftragt der Landrat den Amtmann Enser, der soll den Polizeidiener mit der Controlle der Ruhr bei den anderen Firmen beauftragen“; am 12.11.1887. (AA 1667)

5.11  Hochwasser und Billigkeits-Rücksichten

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 20. April 1888, TOP 18:  Da die Anpächter der Gemeindewiese in der Alten Ruhr durch das Hochwasser am 9. März d.J. bedeutenden Schaden erlitten haben, so soll denselben in Folge ihres Gesuches, nachdem der angerichtete Schaden nachgesehen war, aus Billigkeits-Rücksichten folgende Beträge an der diesjährigen Pacht nachgelassen werden bei Fritz Göckeler Jun. 32 Mark, Caspar Göckeler Sen. 12 Mark, Witwe Hahne nichts.

Zur Anweisung eines sogen. Kies-Ablagerungsplatzes kann die Gemeinde sich jedoch nicht verstehen. Vielmehr ist es Sache der Anpächter, sich Kies-Ablagerungsplätze zu erwirken.

5.12.  Ruhr-Reaktionen

Aus einem Bericht vom 1. August 1909: „Dem hiesigen Polizei-Amt mache ich hiermit Anzeige, dass die Gemeinde Freienohl beim  Ausbau des Elektrizitätswerks oberhalb des Untergrabens an diesem entlang bis an die Ruhr einen circa 140 Meter langen Damm anzulegen im Begriff ist, der an einigen Stellen aber einen Meter hoch wird. Die Arbeit wird mit zehn Erdarbeitern betrieben (leider stehen keine Namen dabei) und sind am oberen Ende schon circa 20 Meter fertig gestellt. Der Leitungsbeamte Meyer zu Freienohl. Durch diese Damm-Anlage wird bei Hochwasser die Ruhr eingeengt und auf ihr Fluss-Bett beschränkt, was nach dem Gesetz nicht erlaubt ist. Die Polizei ist deshalb verpflichtet, hier Einhalt zu gebieten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass mein über diesem Damm liegender Weidekamp bei Hochwasser in einen Teich verwandelt und in dem sich alles ablagert, was die Ruhr mit sich bringt...“  (AA  1673)

5.13.  Zwanzig Jahre später sieht alles anders aus – auch für das Zusammenleben

Der Erlaubnisschein des Landrats vom 20. September 1928: „Dem  Maurer Franz Rocholl in Freienohl erteile ich hiermit gemäß § 21 des Wassergesetzes vom 7. April 1913 mit Zustimmung des Herrn Regierungspräsidenten in Arnsberg die Genehmigung, auf der Ruhr in Freienohl zwischen der Provinzialstraßenbrücke und der Eisenbahnbrücke den Betrieb des Kahnfahrens einzurichten unter der Voraussetzung, dass an den Grundstücken des Kreiselektrizitätswerkes Arnsberg und der Gemeinde Freienohl nicht gelandet wird und keine Störungen oder Belästigungen auftreten.“     (AA 1673)

6.  Alte Hofnamen + Eigentümer 1827 + Parzellen

 

Parzellen Eigentümer im Jahr 1827

Alter Hofname,

urkundlich im Jahr

672, 678, 679 Voß, Johannes Voß  1759
680, 681, 682,516 Voß, Kaspar Voßes  1781
686, 687, 953, 316 Flinkerbusch, Kaspar Flinkerbusch  1685
688 Flinkerbusch, Franz

Krick gt. Gronhage  1633

Wittib Gronhage  1685

689 Flinkerbusch, Georg  
690 Tönne, Kaspar

Schrinder  1633

Dirigh Schneider  1685

691, 684, 736 Kaulmann, Heinrich Caulman  1533, 1685
692 Schulte gt. Koßmann, Fritz Cosman  1633, 1685

631, 683,  693

694, 729, 731

Trompeter gt. Peters Josef

Peters  1685

Peter Schnides  1633

650, 665, 668

695, 698

Düring gt. Adames Kaspar Adams  1781
677, 696, 697 Neise, Johannes Wilm Neise  1685
699 Trompeter, Josef Schellmann  1633

700, 701, 703, 728

624, 642, 798

Spieler, Heinrich

Drt  1633, Spillgart  1685,

Spillert  1781

734, 702, 704 Lichte, Anton

Schillingsgut  1633

Henr. Schilling  1685

705, 706, 707 Becker gt. Kaiser Ferdinand

Keyser, Keiser   1537

Kayser  1633, 1759/81

Bittenländer gt. Kaiser  1685

709, 629, 757, 929 Tilmann  Ferdinand

Telman  1462, Tylman 1633

Tilman  1685

710, 926 Leineweber  Kaspar Linneweber  1759/81

708, 711, 762

824, 674

Lenze  Heinrich

(alt) Vogelsang oder

Lentze  1685, 1781

Johan Frohne  1633

712, 507, 814 Koßmann gt. Klaren Kaspar Klaren  1781
713 Kirchhof  
714 Kirche  
715 Schule  
716 Gemeinde  

717, 634, 755,

823, 267

Kaulmann gt.Schneider Heinrich Herman Schneider  1685
718, 576 Schmidt  Franz  

719, 519, 520, 574

599, 602, 763

Trompeter Johannes

Trompeter  1685

Trumpetter  1759/81

720, 438,527,

547,616,790

Schwert Heinrich

Schwert  1685

Schwhert 1781

721, 676, 933 Raulf Arnold Duchansgut  1633
722, 315, 733 Erlmann gt. Kleinschmidt Franz

Kleinschmidt  1633, 1685,

1781

723, 724,741,760 Funke Georg Garcke  1633, 1685
725 Bracht Oberförster in Neuhaus

Schroder  1633

Schröer  1685

726, 654, 667, 727, 738 Feldmann Franz Schultheiß Feltman 1633, Veltman 1685, Feldman 1781
739, 456, 671 Mester Franz Haverstroh  1633
748 Hirnstein  Caspar Clemes od. Kleinsorge 633
749, 750, 751, 753, 761, 768, 647 Pastorat  
769,770, 771, 617, 744, 758,810 Behrens gt. Winkelmann Anton Witwe

Hanß in dem Wynkele  1474

Wynkelmann  1542

Winckelman 1633, 1685, 1759, 1781

779,740,784

Heinemann  Michel

Schwefer  Ferdinand

Kunen 1633

Heine  1685, 1759

Stuben 1633

782 Schröder  Caspar

Schroder 1537, Schroer

1685, Schröder 1781

772, 794 Geißler Christine  
785,661,673, 777 Küchenhof  Ferdinand

Claaß Froene  1537

Stoffel Fron  1685

778, 786,804, 805, 940 Geißler  Georg Geytzeler,  Geysler, Geisler 1537, Geißler 1633, 1685
787,788,789,752, 765, 792 Vogt gt. Knickenberg Heinrich

Knickenberg  1759

Caspar Jagner 1685

773, 793, 795, Geißler  Franz  
791, 796, 806, 615, Vogt  Franz

Smed  1474,

Smidt, Smyt  1537

Schmidt vor der Pforten 1633,  Schmidt 1685

800, 801 Kaulmann  Franz  
802, 662, 764 Mester  Fritz  
812 Stierenberg  Heinrich Stierenberg  1759
813, 815,856 a Kessler  Johannes  
819 Vogt  Christoph  
822 Düring Georg  
823    
824 Lenze  Heinrich (s.o)  
825, 826 Vogt  Johannes  
827 Hirnstein gt. Rante Christoph  (s.u.)  
828,859, 926 Schwefer  Michel

Schumecher  1633

Gordeß  1685

829, 811 Hömberg  Franz Bergeb  1633, 1685
830, 831, 766 Gersthold gt. Sellmann

Solmeß  1537

Sollmann  1633, 1685

Kestholt  1759, 1781

832,  732, 827 Hirnstein gt. Rante Christoph

Geißler  1685

Ranthe  1759, 1781

833, 834, 817, 822, 584, 588, 939, 956 b Düring  Caspar

Duryk  1537, Durings  1633,

Düring 1685, Diering  1759

835, 836, 820 Humpert gt. Rochold Franz

Kemler  1633

Rocholl  1685

837, 819, 821, 562, Albers  Heinrich

Speden  1633

Olbers  1781

838 Trompeter  Franz  
839, 840, 962 Koßmann gt, Kordel Heinrich

Cordelen  1633,

Cordel 1685

841 a, 842, 339 Winkelmeier  Johannes  
841 b, 844, 604 Kessler  Fritz  
843, 845, 946,, 633, 644 Zacharias  Heinrich

Daemesgut  1633

Sagarias  1685

Sacharias  1759, 1781

846, 847, 848, 932,

849

Kessler Adam

Kettelboyter

Kettaler, Kesseler  1537

Kessler 1633, 1685, 1759, 1781

850,875, 670, Küsterei  
851 wie 896  
852 Korte Margaretha  
853 wie 866  
854 Köster  Franz Caspar  
855, 743 Funke  Theodor  
856 wie 888  
857 Köster  Michel Caspar  
858 wie 906  
859 wie 828  
860, 861,954 Miese  Mathias Mysse 1759,  Miese  1633, 1781,  Meise 1685
862, 608 Schäfer  Gaudenz

Sch(a)eper  1537,

Schefer  1685,

Schäfers  1781

863 Kessler  Caspar  
864, 943, 944 Klute gt. Lammers Caspar

Jobst Tigges  1633

Lammert   1781

865, 866, 443, 632, 797

853

Schwinne  Nicolaus

Schweine  1685

Schwinne  1759

867,868, 639 Korte gt. Fehring  Heinrich

Ferinck  1537

Vering  1685

Fehrings  1633, 1759, 1781

869, 870, 818 Necker  Joseph

Necker  1759, 1781

Kesthold  1633

871 Heckmann  Bernhard Herman Hercke  1633
872 Neise gt. Müller Caspar  
873, 874 Neise gt. Jürgens Theodor

Jorgen Schmidten 1633

Jürgen Hovels  1537

Jürgens  1759, 1781

875 wie 850 : Küsterei  
876, 735, 759 Becker  Barnhard Thyß Becker  1537, 1633,, 1759, 1781
877, 646, 669, 950 Pöttgen, Ferdinand,  Erben Wilkens  1633
878, 879, 737, 745 Schwarzferber  Joseph Friedrich Kettelboit  1633
880, 881, 635, 640, 666, 675 Fasane gt. Schwefer Fritz

Voshane 1759, 1781

Voß-Hane 1633

882,638, 924, 934, 959 Gasse  Ferdindnd Gassen 1759, 1781
883, 648 Weber,  Franz

Ridesell  1633

Reidesell  1685

884, 885, 925 Pöttgen gt. Göbel Adam.

Gobel  1685

Gobbel 1759

Göbelen  1781

886, 887, 607 Engel,  Jodocus  
888, 889, 856 Köster, Heinrich Caspar

Kosters  1633

Koster  1685

890, 891 Sasse, Heinrich, später Neise Anton

Hane  1633, 1685

Sassen  1759, 1781

892, 893, 947 Korte,  Ferdinand  
894,  895, 944, 948, 951 Lenze, Anton

Lenze 1633

Lentze  1685, 1781

896, 897, 851 Krick gt. Michels, Witwe

Michelen  1533

Michel  1685

Krick  1633,  1685

898, 899, 900, 901, 917, 921, 928, 605, 689 Flinkerbusch, Georg Flinkerbusch  1633,  1685
902, 903, 904, 513, 560,  653 Stierenberg,  Caspar

Tönnis Bax  1685

Stierenberg 1759

905, 906, 823, 651, 655, 650,858 Humpert gt. Konrad Fritz

Humpert  1633, 1685

Conrads  1781

907, 908, 938 Schwinne, Konrad

Schweine  1685

Schwinne  1759

909, 910, 918, 623 Pöttgen, Fritz

Arsten  1633

Jürgen Pöttgen  1750

911, 912 Leineweber, Ferdinand

Linneweber  1759,  1781

Lugeß  1685

913 Neise A., später Schnapp, Ferd.  
914, 915 Sasse, Heinrich

Berendt Garcke  1685

Jost Sassen  1759, 1781

916, 920, 960, 625 Schroer, Adam

Spennschrader  1633

Spenschrors  1685

Spentschroer  1781

106 b, 107, 108, 109 Winterhof in der Freienohler Mühle  

7.   Zehnten-Liste im Jahr 1813 

„Zehnt“: Erklärung aus: Oeconomische Enzyclopädie von J.G. Krünitz, 1773-1858: Eine Natural-Abgabe, die von dem auf einem verpflichteten Grundstück wirklich erzeugten Früchten nach einem gewissen (bestimmten) Verhältnis, gewöhnlich in dem zehnten Teil der Früchte als dingliche (gegenständliche) Last entrichtet werden muss.“ – Siehe Krünitz-Online.

Die vielen Zahlen bedeuten mehr als nur Zahlen: Ein Vergleich dieser Namen mit den dazugehörigen Parzellen mit den Flurkarten, wo diese Freienohler gearbeitet und wovon sie auch gelebt haben.

 

Vorbemerkungen: Quelle: AA113. In ihr stehen 2 Fassungen: A und B.

Hier die Fassung A: Namen (162) wie in AA 113 in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet mit Flur + Parzellen. - Fassung B: in AA 113 an anderer Stelle nicht in alphabetischer Reihenfolge, lediglich die Namen (95) aufgelistet mit Grundstückangaben. - In Liste A – hier - : Nicht-Freienohler in der Liste sind nicht aufgenommen (z.B. Oeventrop), ausgenommen: Olpe, Wildshausen, Stesse. Also die 162 Namen nicht als Einwohnerzahl von Freienohl annehmen. - Die hinter einer römischen Zahl stehenden arabischen Zahlen beziehen sich zurück auf die römische Zahl bis hin zur nächsten römischen Zahl. - “gnt.” = genannt = Beiname. - Sich nicht stoßen an dem in dieser Liste praktizierten Abschreiben.

7.1...Fassung A:

Albers, Heinrich: I 562, 819, 821, III 83.

Babilon, Adam gnt. Wolf: II 10.

Babilon, Friedrich: I 437, 203, 204, 453, 755, III 62, IV 111, 118, 158, 165.

Bauerdick, Adam, zu Wildshausen: II 98.

Bauerdick, Ferdinand: IV 12,23,42,44, 45,,17.

Becker, Bernhard: I 112, 306,366,367, 759,755, 272, 372, 528a,627a, 736a,220a, 515,  II 28,121, 73,  IV 107, 140, 153.

Becker, Franz gnt. Kaiser: I 895a.

Becker, Ferdinand gnt.Kaiser: I 132,282, 299, 419, 420, 536, 538, 539, 662, 705, 707, III 42.

Becker, Wilhelm: I 583a

Behrens, Anton: I 115,129,530,532, 617, 769, 771, 810, 27, IV  79, 211.

Bracht, (Vorname fehlt), Oberförster: IV 156, I 446, 652, 433.

Düring, Franz Caspar: I 827, 832.

Düring, Christian: I 290a

Düring, Engelhard: IV  125.

Düring, Georg: I 491, 581, 582, 817, 822, II 67, I 290, 583, 832, II 122, III 107, IV 52,  III 58, IV 161, I 229, 230, IV 47.

Düring, Kaspar: I 588, IV 162, II 18, I 129. 230, IV 47.

Düring, Kaspar, gnt. Adam: I 401, 418, 650, 665, II  701, III 113. IV 69, 83, 1(?)43, I 649a, 501, 575.

Engel, Jodocus: I 607.

Erlmann, Franz gnt.Kleinschmidt: I 141, 142, 315, 381,382, 432, 733, IV 38

Fasane, Fritz gnt. Schwefer (bei anderen Nennungen auch umgekehrt: Schwefer...): I 170, 225, 362, 363, 385, 386, 635, 640, 666, 675, 880, II 24, 42, 81a, III 91, IV 12.

Feldmann (Vorname nicht genannt, weil den jeder kennt: Franz), Schultheiß: I 146, 147, 171, 175, 205, 206, 328, 329, 431, 441, 462, 463, 494, 551, 654, 667, 727, 738, III 33, 114, IV 37, 39, 43, 51, 103, 110, 137.

Flinkerbusch, Georg: I 211, 605, 689, 898, 899, 901, 917, 921, 928, II 53, 59, 70, 71, 72, 76, 81, 97, 129, 46, 47, I 925.

Flinkerbusch, Kaspar: I 162, 266, 310, 317, 332, 479, 595, 687, 953, IV 136.

Flinkerbusch, Margaretha: I 235, 236, 237.

Funke, Anna gnt. Schilling: I 505, 506.

Funke, Georg: I 155,209, 314, 482, 518, 563, 564, 724, 741, 760, II 118, IV  38, 106, 149.

Funke, Nicolaus: I 207, 312, 482, 593, 502, 712..

Funke, Theodor: I 208, 313, 483, 743, 855, IV 150.

Gahse, Ferdinand: I 328, 593, 639, 924, 934, 959.

Geihsler, Christiana: I 181, 182, 183, 308, 392, 772, 792, II 110, IV  26.

Geihsler, Ferdinand: I 186, 189, 190, 301, 309, 774.

Geihsler, Franz: I 125, 196, 197, 323, 773, 795, IV  18, 20, I 940, IV 26.

Geihsler, Georg: I 119, 123, 167, 192, 193, 231, 231, 303, 321, 531, 776, 804, 805, IV  19, 96b, 102, 51, 26.

Geihsler, Kaspar: I 120, 192, 195, 322, 775.

Geihsler, Kaspar + Geihsler, Ferdinand: IV 73 

Gerstholte gnt. Sollmann; I 164, 391, 392, 400, 766, 830, III 92, IV 132.

Göckerler, Franz: I 579 (diese Zeile war durchgestrichen)

Goeckeler, Georg: I 816

Graas, Johannes, zu Wildshausen: IV 9,11,10,15a,21.

Haane, Röttger, zu Olpe: II 9, 16, 19.

Heckmann, Bernhard: I 250, 252, 298, 500, IV  142(?).

Heinemann, Michel: I 132, 135, 740, 784.

Hirnstein, Chr., gt. Sante: I 430b,550b,730b, IV 56b, 84, 133b, 700(?).

Hirnstein, Kaspar: I 955, II 115, III 112.

Höhmann, Gebrüder: I 279, 326, 497, 744, 758, II 56, 120, IV 122, 130, I 517.

Hüllmann, Theodor, zu Olpe: II 22

Humpert, Agathe: I 655, 858a.

Humpert, Erben, gnt. Rochold (-cholt): I 657.

Humpert, Franz, gnt. Rochold: I 238, 239, 220, 820, II 41, III 37, I 835, IV 160a.

Humpert, Fritz, gnt. Konrad: I 592, 603, 659, 905, II 100.

Humpert, Kaspar: I 619, 651a.

Hütter, Ferdinand, zu Olpe: II 17, 37.

Kaulmann, Franz: I 172, 174, 233, 234, 293, 439, 451, 508, 636, 800.

Kaulmann, Heinrich: I 336, 645, 682, 371, 242, II 44, 45, 58, I 528, 627, 736, 220, 221.

Kaulmann, Heinrich, gnt. Schneider: I 486, 767.

Kehsler, Adam: I 569, 847, 828, 932, II 33, 113, III 58, IV 35.

Kehsler, Fritz: I 462, 465, 466, 571, 604, 844.

Kehsler, Georg: I 173, 213, II 27, 29, 78.

Kehsler, Johannes: I 478, 512, 333,600,815, 956a, II 116, III 47, IV 32, 99.

Kehsler, Kaspar: I 214, 567, 587, III 48, I 176a.

Kehsler, Anton: I 352, 353, 935, 944.

Klote, Bernhard: I 660.

Klute, Kaspar: I 663.

Klute, Kaspar gt. Lammers: I 350, 351, 943, II 114.

Knickenberg, Friederika: III 82.

Knickenberg, Gertrud:  III 81.

Korte, Ferdinand: I 892, 947, III 61, II 128.

Korte, Heinrich gnt. Fehring: I 561, 620, 639, 868, II 6, 117, 94.

Korte, Joseph: I 660a.

Korte, Margaretha: I 852.

Kohsmann, Heinrich gnt, Kordel: I 839, 962, II 99, III 68.

Kohsmann, Heinrich: I 426, 579.

Kohsmann, Heinrich gnt. Vosane (Voshane): II 25.

Kohsmann, Johannes: I 426a.

Kohsmann, Kaspar gnt. Klaren: I 397, 398, 480, 507, 812, II 119.

Köster, Franz gnt. Kaspar:  I 854.

Köster, Heinrich: I 468, 856, 888.

Köster, Michel gnt. Kaspar: I 857.

Krick, Georg: I 601, 141, III 105.

Krick, Kaspar gnt. Michels: I 532, 533.

Krick, Witwe, gnt. Michels: I 447, 544. 554, 555, 591, 594, 897, II 30, 80, 90, IV 65, 101.

Küchenhoff, Ferdinand: I 121, 157, 210, 272, 325, 435, 455, 459, 495, 661, 673, 777,

II 103, 130, IV  159, 40.

Larton, Brigitta: I 318, 331, 922.

Leineweber, Ferdinand: I 511, 912, 927.

Leineweber, Kaspar: I 643, 926.

Lenze, Anton: I 440, 442, 444, 489, 609, 895, 941, 948, 949, 951, II 65, 112, III 39, 116,

IV 119, 2, 147, 167.

Lenze, Heinrich: I 117, 202, 225, 243, 277, 360, 361, 458, 470, 502, 546, 559, 578, 585, 597, 610, 674, 708, 762, 824, II 132, 137, III 66, IV 114, 116.

Lenze, Kaspar: I 423, 430, 550, 730, IV  56a, 84a, 133a.

Lichte, Anton: I 702, 734, II 86.

Mester, Franz: I 456, 671, III 65, IV 117.

Mester, Fritz: I 126, 140, 177, 276, 358, 359, 535, 662, 764, IV 64, 151, I 302.

Miese, Mathias: I 263, 285, 286, 377, 378, 471, 472, 498, 529, 521, 569, 612, 566, 861, 954, II 43, 82, 93, 104, III 41, IV 57.

Necker, Joseph: I 405, 406, 596, 818, 869, II  40, 131, 135, 136, III 38, IV 30, 95.

Neise, Anton: I 891, 923

Neise, Johannes: I 152, 168, 258, 572, 586, 677, II 89, III 108, IV 33, 70, 152, I 939, 956, 176.

Neise, Kaspar gnt. Müller: I 872, II 127.

Neise, Theodor gnt. Jürgens: I 394, 395, 396, 873, III 35.

Petz, Kaspar: I 811.

Pöttgen, Adam gnt. Gockel: I 882.

Pöttgen, Erben: I 152, 153, 221, 222, 259, 264, 510, 512, 556, 646, 669, 950, II 125, III 75,  IV 22, 28, 113.

Pöttgen, Franz: I 656.

Pöttgen, Fritz: I 590, 623,910, 918, II 14, 26, 85.

Raulf, Arnold: I 676, II 69, III 29, IV 63, I 658.

Raulf, Ursula: IV 67.

Rüter, Georg: IV  78.

Rüter, Witwe: III 80.

Sahse, Heinrich: I 169, 756, 611, 914, 919, II 48, 111, III 32, IV 132, 126, I 402.

Schwefer, Gaudenz: I 218, 570, 606, II 54, 68.

Schmidt, Franz: I 407, 402, 576, II 38, III 110, IV 61.

Schnapp, Ferdinand: I 937, 942, 845.

Schröer, Adam: I 488, 625, 920, 960.

Schulte, Fritz, gnt.  Kohsmann: I 163, 165, 294, 342, 343, 410, 411, 558, 628, 630, 637,

II 50, 61, 75, 368.

Stirnberg jun. Kaspar (?): I 902, II 91

Stirnberg, Johannes: I 344a, 345a, IV 5.

Schwarze, Anton: I 952, 579.

Schwarzferber, Joseph: I 289, 737, 745, 878, II 31, 32, 141,  III 115.

Schwefer, Ferdinand: I 160, 161, 166, 246, 291, 641, 780, II 23, 81b, III 36, 52, IV 13.

Schwefer, Michel: I 262, 278, 316, 402, 428, 528, 747, 859, 936, II 49, 139, III 64, IV 59, 66, 104, 127.

Schwert, Heinrich: I 158, 159, 200, 338, 346, 327, 364, 365, 438, 452, 494,527(?), 547, 616, 790, II 5, 52, 132, 138, IV 7, 91, 120, 145, 163, I 476.

Schwine, Klaus: I 201, 443, 632, 787, 853, 865, II 57, 124.

Schwine, Konrad, Erben: I 908, 938, II 96, 105, III 50, IV 121

Spieler, Anton: I 305.

Simon, Franz: III 72, IV 76, 77, 80, 93.

Spielers, Heinrich: I 256, 257, 379, 380, 403, 460, 461, 496, 618, 622, 642, 701, 703, 728, 798, II 133, IV 49, 124, 128, 129.

Spies, Fritz Ernst: I 557, 577, II 88, III 79, 111, 117, IV 48,131, I 572.

Spindreher, Anton: IV 50.

Spindreher Arnold: IV 8, 15, 26.

Spindreher, Johann: IV 29, 25.

Stirnberg, Kaspar: I 319, 330, 393, 399, 477, 513, 560, 653, 904, III 31, IV 160, I 344, 345.

Strüwe, Friedrich: III 85, 121, IV  82.

Terstehse, Friedrich, aus Stesse: I 136, 149, 219, 223, 251, 261, 268, 337, 823, IV 53.

Tillmann, Ferdinand: I 215, 216, 427, 467, 493, 568, 629, 757, 929, II 62, 64, 63, 95, III 56, 57, 106, IV 31.

Tönne, Ferdinand, zu Olpe: I 539, 573, 598

Tönne, Franz: I 668.

Tönne, Kaspar: I 244, 329, 383, 384, 685, II 51, 87, I 649.

Trompeter, Elisabeth: I 449, 626, IV 141a.

Trompeter, Georg: I 550a, 730a, IV 56, 84b, 133, I 430a.

Trompeter, Johannes: I 143, 144,156, 217, 218, 252, 334, 354, 355, 369, 370, 389, 390, 520, 599, 602, 763, II 92, IV 1, 100, 141b, I 373, 374, 110, 111, IV 24, II 66, I 519.

Trompeter, Joseph: I 133.

Trompeter, Joseph gnt. Peters: I 267, 429, 436, 542, 631, 683, 729, 731, II 8, IV 41, 55, 148.

Vogt, Christoph: I 260, 473, 474, 475, 849, II 126, III 45, 44.

Vogt, Franz: I 137, 178, 187, 188, 191, 300, 615, 796, 806, III 32, 153, 96a, IV 26.

Vogt, Heinrich gnt. Knickenberg: I 124, 128, 138, 179, 199, 269, 387, 388, 752, 765, 787, 789, 792, III 30, 43, 49, 84, IV 105.

Vogt, Johannes: I 127, 148, 180, 275, 408, 409, 809, 826, II 7, IV 154.

Vogt, Marianna: I 130, 139, 145, 808.

Vohs, Heinrich: I 412, 413,509.

Vohs, Johannes: I 672, 678, 651, 655a, 858.

Vohs, Kaspar: I 288, 311, 417, 516, 680, III 40, IV 72, 135.

Weber, Bernhard: IV  71.

Weber, Franz: I 249, 253, 375, 376, 648, II 83, 98, IV  146, 157, II 102, I  476.

Weber, Heinrich: I 131.

Winkelmeier, Johannes: I 339, 842.

Winterhoff, Witwe: I 107, 108, 109.

Wisterhöfer, Kaspar: IV 75

Zacharias, Heinrich: I 608, 633, 644, 843, 946, II  39, 79, IV 97.

Nachträge:

 

Molitor, Franz:  I 732, 827.

Schwefer, Georg: I 296b, 356, 357.

Trompeter, Kaspar: I  198, 212.

Trompeter, Franz: I 574,

Trompeter, Marianna: I 576.

Trompeter, Philipp: I 574.

 

7.2.  Zehnten-Liste 1813  Fassung B

Das Besondere dieser Zehnten-Liste: sie zeigt die wohl „ganz alten Haus-Nummern“, die vor den sogenannten „alten Haus-Nummern“ üblich waren und bei den älteren Freienohlern noch bekannt sind.

Weitere Vorbemerkungen:

Fassung A: alphabetische Reihenfolge der Namen mit Flur – Parzellen; insgesamt 161 Namen.

Fassung B: Namen nicht in alphabetischer Reihenfolge; im Originaltext stehen unter dem Namen aufgelistet: Lfd. Nummer, Distrikt, Nummer, dann aufgeteilt: Ackerland, Gartenland, Wiesen + Grasflächen, Holzboden (=Wald), Haus- und Hofraum. Bei „Haus- und Hofraum“ stehen 2 Zahlen-Spalten; die erste Zahlen-Spalte mit der Überschrift „Distrikt“ ist immer 56, wohl die innere Dorf-Grenze, die zweite Zahlen-Spalte mit der Überschrift „Nummer“ meint wohl die ganz alte Hausnummer (im Vergleich zur alten und dann jetzigen Hausnummer. Die Zahlen-Spalten mit „Flur“ und „Parzelle“ stehen nicht in dieser Fassung B. Insgesamt 95 Namen.

Fassung A und B stehen in AA 113 hintereinander. Zeichen hier: ? = nicht genau lesbar; --- = kein Eintrag.

Die hier eingetragenen Ganz Alten Hausnummern sind nicht gleichzusetzen mit den Alten Hausnummern von den Jahren 1846 und 1849; s.u.

Name

Ganz alte

Haus-Nr.

  Name

Ganz

alte

Haus-Nr.

Schneidersmann, Heinrich 13   Neise, Caspar 36
Düring, Jürgen 122(192)   Becker, Johs (Johannes) 95
Miesen, Matthias 72   Willike, Wittip 109
Zacharias, --- 107   Michelmann, Theodor ---
Schwefer gt. Göers, Michael 126   Spieler, Ferdinand, 32
Klaren, Gaudenz 99   Vosh, Caspar 38
Schraer, Barthold 29   Busenbürger, Caspar 15
Feiering, Heinrich 87   Cordel, Heinrich ---
Asten, Ferdinand 82+96   Frohnemann, Fritz, Cönners 7
Reitesel, Fritz 60   Kaulmann, Philipp 44
Necker, Joseph 89   Grünhage, Franz 62
Lenze, Caspar 76   Göbel, Franz 53
Winkelmann, Franz 19   Rocholl, Franz 118
Tillmann, Ferdinand 48   Tönne, Caspar 46
Humpert, Caspar 65   Dettmar, Caspar ---
Schwert, Heinrich 17   Cremer, Ferdinand ---
Petersmann, Heinrich 40   Weber gnt. Frohne, Franz 50
Vogt, Franz 128+132   Voshane, Caspar 85 (?)
Kehsler, Adam 105   Borch, Fritz 1
Krick, Caspar 8   Klute, Gaudenz ---
Feldmann, Franz 30   Voshane, Heinrich 112
Schilling, Jürgen 27   Lämbeber, Georg 52
Kleinschmidt, Franz 23   Triene, Anton 64
Trompeter, --- 16   Lardon, Engelhard ---
Schäfers, Gaudenz 111   Feinring (?), Margretha ---
Kehsler, Fritz ---   Viogt, Christoph ---
Conrads, Jürgen 58   Jürgens, Johannes 103
Müller, Adam 101   Trompetter, Franz 120
Gahse, Franz 83   Röttger Haane, Johannes ---
Lammert, Bernard 114   Hüllmann, Johannes Dietrich ---
Kaulmann, Franz 2   Rante, Franz 124
Schwinne, Klaus 74   Meister, Erben ---
Cohsmann, Fritz 42   Schröer, Diedrich ---
Hömberg, Franz 97   Kösters, Caspar 80
Sahse, Anton 78   Neise. Theodor ---
Aufermann, Michael 93   Solmann, Gaudenz 130
Rante, Caspar ---   Schwefer, Fritz+Ferdinand, Gebr. ---
Schwinne, Conrad 56   Berens, Wilhelm ---
Knickenberg, Caspar 10   Tünne (olpe), Ferdinand ---
Kaiser, Caspar 33   Necker, Margaretha ---
Wechter, Didrich 4   Oberkellnerei Arnsberg ---
Cremer, Cappilan 25   Wulff zu Olpe, Hermann ---
Kersthold, Wittip (=Witwe) 55   Hütter zu Olpe, Ferdinand ---
Michelmann, Heinrich 70   Bauerdick zu Wildshausen ---
Albers, Fritz 116   Geisler, Adam 8
Flinkerbusch, Caspar 67   Pastorat zu Freienohl 21
Schumacher, Bernard 91   Küster zu Freienohl 100
Adams, Jürgen 35   Kirche zu Freienohl 133+134

7.3.  Zahlen + Listen + Statistik zeigen Zusammenleben

Am 9. Oktober 1833 gibt es in Freienohl 123 Wohngebäude.

Zum Vergleichen: in Dinschede + Glösingen + Oeventrop = 101 Wohngebäude, in Uentrop + Breitenbruch = 33, in Rumbeck = 28. (AA 2049)

Am 9. Oltober 1833:

Jahr: 1837 1851
Anzahl: ländliche Besitzungen, zu deren Bewirtschaftung ein landübliches eigenes Gespann gehalten werden muss: 182 185
Dazu größter Flächeninhalt EINER Besitzung (ohne Maßeinheit) 999 999
Dazu kleinster Flächeninhalt EINER Besitzung (ohne Maßeinheit) 20 22
Anzahl: ländliche Stellen, zu deren Bewirtschaftung KEIN landübliches eigenes Gespann gehalten zu werden braucht: 315 242
Dazu; größter Flächeninhalt EINER Besitzung (ohne Maßeinheit) 29 27
Dazu: kleinster Flächeninhalt EINER Besitzung (ohne Maßeinheit) 4 6

                                                                                                                                (AA 2049)

7.4.  Bäuerliche Nahrung: Am 24. August 1860

Vorbemerkung: hier kommt ein wohl unbekannter Begriff vor: bäuerliche Nahrung. Das Ökonomische Lexikon von Krünitz: Damit ist hier der Nährstand gemeint, derjenige Stand unter den Menschen, der sich zunächst mit der Erwerbung seiner Nahrung, mit dem Erwerb seines Unterhalts beschäftigt; hier die bäuerliche Nahrung. Zum Unterschied dazu gibt es den Lehrstand (lehren) und den Wehrstand (das Militär); und es gibt den Zehrstand, dazu gehören die Menschen, die geschäftslos von ihrem Einkommen oder auf Kosten anderer leben.

Ende 1859 in Freienohl vorhandene bäuerliche Nahrungen, zu deren Bewirtschaftung ein landübliches eigenes Gespann gehalten werden muss: Gottfried Becker gnt. Kaiser (gnt. = genannt, Beiname, im Unterschied zu einem anderen namens Becker oder auch durch Einheirat), Gaudenz Kerstholt, Theodor Bracht, Heinrich Düring gnt. Adams, Ferdinand Erlmann gnt. Kleinschmidt, Franz und Friedrich Kohsmann gnt. Vohshane, Joseph Funke gnt. Schilling, Arnold Geihsler, Georg Geihsler, Adam Heckmann, Wilhelm Hirschberger, Bernhard Ahsmann gnt. Kehsler, Witwe Johannes Kehsler, Johannes Wegener gnt. Kordel, Johannes Kückenhoff, Anton Lenze, Siepe gnt. Necker, Pastorat, Franz Pöttgen, Heinrich Sahse, Johannes Altenwerth, Johannes Trompeter, Fritz Ernst Kerstholt. Insgesamt: 23.  (AA 2049)

Im Jahr 1816: ein Verzeichnis der vorhanden gewesenen bäuerlichen Nahrungen, zu deren Bewirtschaftung ein landübliches eigenes Gespann gehalten werden musste, welches aber am Ende des Jahres 1859 entweder gar nicht mehr oder doch nicht mehr als spannfähige Nahrung existierten: Bernhard Becker, Georg Düring, Franz Feldmann, Georg Kaspar Flinkerbusch, Friedrich Kaulmann, Heinrich Kaulmann gnt. Schneider, Ferdinand und Johannes Korte, Johannes Franz Christian Kückenhoff, Heinrich Lenze gnt. Penschröer, Heinrich Lenze gnt. Lichte, Friedrich Miese (Miehse), Ludwig Neise, Erben Pöttgen, Adam Schröer, Fritz Schulte gnt. Kohsmann, Witwe Michel Schwefer, Heinrich Schwerte, Kaspar Stirnberg, Ferdinand Tillmann, Philipp Weber. - Manchmal ist auch angemerkt: zersplittert, verkauft an andere neue Besitzer oder Verwandte.        (AA 2049)

Zugvieh: Ochse, Pferd

Vom 19. November 1840 ein Verzeichnis der Zugvieh haltenden Eingesessenen. Abkürzungen: P = Pferd, O = Ochse, ZK = Zug-Kuh. Manchmal sind die Namen nicht korrekt zu lesen; doch es kommt auch auf die Menge und die Verschiedenartigkeit des Zugviehs an.

Arnold Raulf: 3 P Franz Erlmann: 1 P
Joseph Funke: 2 P Bernard Heckmann: 1 O, 1 ZK
Heinrich Lenze gnt. Lichte: 3 P Bernard Becker: 1 P
Kaspar Lenze von der Brücke: 1 O Kaspar Lenze gnt. Spenschröer: 3 P
Franz Tönne: 2 ZK Fritz Schwefer, Schenkwirt: 2 P
Joseph Trompetter gnt. ...mann: 1 P Adam Kehsler: 1 P
Heinrich Düring gnt. Adams: 1 P Heinrich Zacharias: 1 O
Johannes Neise: 1 P (oder: Miese?) Kasp. Nöcke(?) gnt. Salges(Schepes?): 1 O
Kaspar Vohs: 1 P Kaspar Kohsmann gnt. Kordel: 1 O, 1 ZK
Joseph Trompetter gnt. Petersmann (?) 2 P Franz Humpert gnt. Wachold (?): 1 O, 1 ZK
Anton Spieler: 2 ZK Franz Düring: 1 ZK
Ferdinand Becker gnt. Kaiser: 2 P Franz Georg Schwefer: 2 P
Ferdinand Kerstholt gnt. Sahsmann (?): 1 P Franz Kerstholt gnt. Solmann: 1 P
Heinrich Kaulmann: 1 P Johannes Vogt: 2 P
Georg Trompetter gnt. Tielmann: 1 O Kaspar Düring: 1 ZK
Philipp Weber: 1 O, 1 ZK Franz Feldmann: 1 P
Kaspar Leineweber: 1 ZK Kaspar Krick gnt. Micheln: 1 ZK
Bernard Tönne: 2 ZK Kaspar Humpert: 1 P
Ferdinand Geihsler gnt. Göbel: 1 O Franz Vogt: 1 ZK
Franz G. Pöttgen gnt. Riedesel: 1 P Heinrich Vogt gnt. Knickenberg: 1 P
Johannes Altenwerth gnt. Schwinne: 2 ZK Franz Geihsler: 1 O, 1 ZK
Kaspar Kehsler: 1 ZK Georg Geihsler: 1 P
Ferdinand Stirnberg: 1 O Ferdinand Küchenhoff:3 P
Heinrich Sahse: 1 O Ferdinand Schwefer: 1 O, 1 ZK
Witwe Georg Flinkerbusch: 1 O, 1 ZK Fritz Mester: 1 P
Witwe Krick gnt. Micheln: 2 ZK Heinrich Weber: 1 ZK
Anton Lenze: 2 O Franz Schmitz: 1 O
Matthias Miese: 1 P Johannes Trumpetter: 2 P
Heinrich Kohsmann gnt. Vohshane: 1 P Heinrich Flinkerbusch gnt. Schwert: 2 P
G. Siepe gnt. Necker: 1 P Gaudenz Kerstholt gnt. Winkelmann: 1 P
Joseph Schwarzfärber: 1 O Heinrich Schnapp, Mühle: 2 P

                                                                                                                              (AA  2050)

Vom 23. September 1840: (Zwischenbemerkung: Das Wort „Pastorat“ ist weiblchen Geschlechts, also „die Pastorat“; gemeint ist das Pfarrhaus, nicht die Pfarrei.)

Verzeichnis aller an die Pastorat zu Freienohl jährlich zu entrichtenden festen Natural-Abgaben. Das Schreiben ist gerichtet an den Bürgermeister Alberts, geschrieben vom Pfarrer Sporkmann. Dabei ist dieser Text nicht ganz vollständig abgeschrieben; er ist nicht immer genau lesbar. Gemeint ist jeder Freienohler Hufenbesitzer:4 Lot Flachs (1 Lot = 16 2/3 gr an Christen-Tag; = Weihnachten?). Jeder Kötter zu Freienohl: 2 Lot Flachs an die Pastorat. Jeder Hufenbesitzer: 4 Eier von Hühnern an Grüner Donnerstag (Gründonnerstag = 3 Tage vor Ostern). Jeder Kötter: 2 Eier von Hühnern an die Patsorat. Jeder Bürger von Freienohl muss mit den Pferden, die er hat, liefern: 1 Last (?) Buchenholz an circa St. Martin (11. November) oder 11. Oktober. - Dann folgen Abgaben an die Pastorat mit Namen: Georg Trumpetter gnt. Tillmann: 3 Pfund Unschlitt (Talg für Kerzen-Herstellung; 1840: es gab noch kein elektrisches Licht!) an Cathedra Petri (Heiligenfest: St. Petri Stuhlfeier = Petrus als Papst = 22. Februar). Joseph Funke gnt. Schilling: ^Pfund Butter an die Pastorat an Cathedra Petri. Adam Kehsler: 1 Mähen-Tag in der Ernte-Zeit, der Mäher erhält Tagelöhner-Kost, muss aber auf Bestellung...(?)... erscheinen und hat jede in der Ernte vorkommende Mühe und Arbeit den Tag hindurch zu verrichten. (AA 2050)

8.  Gastronomie: Zu viel gastronomisches Zusammenleben?

Ein Zusammenleben mehr als Gastronomie

 

„Die Errichtung einer Schenkwirtschaft ist solchen Personen zu versagen, die dieselbe nur als Nebengewerbe betreiben wollen!“ Diese Order erhielt der Freienohler Schultheiß Franz Feldmann am 5. November 1823 vom Arnsberger Landrat Thüsing.

„Die häufig einkommenden Beschwerden“ veranlassen den Landrat zu einem Circular, zu einem Rundbrief, dass „nur neue Schenkwirtschaften als Nebengewerbe gemeint waren“; am 7. August 1826. Eine Ergänzung vom 9. Oktober 1826: „Anliegen ist das Betreiben ohne Nachteil für die Sicherheits- und Ordnungspolizei.“

„Verzeichnis über die in der Bürgermeisterei Freienohl konzessionierten Schenkwirtschaften“ vom 17. Mai 1838: Arnold Raulf, Heinrich Lenze gnt. Lichte, Johann Vogt, Johann Trompetter, Franz Feldmann, Kaspar Lenze gnt. Penschröer, Theodor Bracht, Kaspar Humpert, Fritz Schwefer. Zusammen: 9. Verweigert wird die Konzession Kaspar Neise, „weil die Schenke weder notwendig noch nützlich ist“. So der Landrat am 27. April 1839. Maßgeblich ist die Anzahl, nicht der Name.

Am 1. Januar 1841: eine Übersicht der in der Bürgermeisterei Freienohl vorhadenen „Schenkanlagen“: Seelenzahl: 971; dazu gehören auch die Kinder, Jugendlichen und Frauen; nicht unwichtig, wenn angenommen werden kann, dass diese 3 Gruppen die Schenkwirtschaften nicht besuchen. - Anzahl der konzessionierten Schenkstätten: 9. Schenkstääten, in denen hauptsächlich Branntwein „geschenkt“ wird: 4. Kaffee- und Weinhäuser: keine. Schenkstätten, in denen hauptsächlich Bier „geschenkt“ wird: 2. Gasthöfe: 3 (in denen auch gegessen werden kann). Bemerkung: „Liegen an der Chaussee“.

Am 30. Juli 1847: 4 Gastwirtschaften, 6 Schenkwirtschaften in Freienohl.

Übersicht für Freienohl jeweils am 1. Januar:

Jeweils am 1. Januar 1855 1857 1859 1861 1862 1868 1871 1876 1880
Seelenzahl 1072 1105 1084 1084 1069 1079 1079 1159 1159
Gastwirtschaften 8 8 8 7 6 6 7 5 6
Schenken, vorzugsweise Branntwein 3 3 2 2 2 2 2 1 1
Insgesamt 11 11 10 9 8 8 9 6 7

                                                                                                               (bis oben: AA  1895)

Verzeichnis von Wirtschaften. mit Konzession: +;  ohne Konzession: - ; kein Eintrag: o

Name 1851 1853 1854 1855 1856 1857 1858
Bernard Becker + + o + + + +
Kaspar Vogt + + - o o o o
Kaspar Humpert + - o 0 o o o
Postexpedient Franz Tönne + + o + + + +
Johannes Trompetter + + + + + + +
August Lichte + + + + + + +
Johann Lichte + o + + + + +
Kaspar Neise + + + o o o o
Erhard Hirschberger; Wilhelm Hirschberger + + + + + + +
Heinrich Lenze gnt. Lichte + + + + + + +
Fritz Ernst Kerstholt + + + + + + +
Theodor Bracht + + + + + + +
Fritz / Friedrich Schwefer o + + + + + +

Heinrich Cohsmann gnt. Claren                      o         o        +        +        +         +        +

                                                                                                                               (AA  1896)

Am 11. Januar 1838 verlängert der Landrat von Lilien in Arnsberg den „Erlaubnisschein zur Führung einer Schenkwirtschaft auf das Jahr 1838 für Herrn Theodor Bracht“.

Johann Schürmann „aufm Lattenberge“ wird die Errichtung einer Schenkwirtschaft nicht gestattet; am 6. Juni 1838 vom Landrat von Lilien. Das teilt der Freienohler Bürgermeister Koffler am 12. Juni 1838 dem Johann Schürmann mit, ohne Begründung, aber noch mit der Bemerkung, dass „er Geldstrafen erhalten muss, wenn er sich nicht danach richtet“.

Den Erlaubnisschein zur Errichtung einer Gast- und Schenkwirtschaft erhält Erhard Hirschberger am 29. Oktober 1839 (s.u. 1842).

Am 2. Februar 1840 bittet Johann Schürmann „zu Lattenberg“ erneut um die Erlaubnis zur Errichtung einer Schenkwirtschaft. Er begründet das „als Holzmacher auch mit der möglichen Zeit dafür und wegen der günstigen Lage an der Chaussee (gemeint ist der Plackweg) von Arnsberg nach Meschede, auch in Richtung Dinschede und Hirschberg“. Am 7. Februar 1840 erhält er die Konzession vom Freienohler Bürgermeister Alberts.

Am 4. Juni 1840 erhält die Konzession Heinrich Vieth „zu Lattenberg“.

Am 27. Juli 1842 bittet Caspar Neise bei seinem Wohnhausbau um die Erlaubnis eines Gasthauses, einer Gastwirtschaft bei seiner Bäckerei und „Krämerei an der Chaussee Nr. 130“ (= alte Haus-Nr.). Er erklärt, dass er dafür geeignet ist: „Vor einigen Wochen habe ich nun geheiratet, und zwar eine Person (!?), die Tochter des Gastwirts Böhmers zu Eslohe, welche von Jugend auf in der Gastwirtschaft gewesen und hierzu ganz geeignet ist.“ Dann ergänzt er: „ Schenken sind in Freienohl genug, aber an gut ausgerichteten Gasthäusern fehlt es. Dazu kommt noch in Betracht, dass der Gastwirt Raulf, dessen Haus behufs der Vermögensregulierung mit seinen Stiefkindern in wenigen Monaten zum Verkauf kommen wird, nach Oeventrop verzieht. Die Gastwirtschaft in dem Raulfschen Haus hört dann auf. Und die Fremden, namentlich Kaufleute, würden dann, da für solche Fremde außer in Raulfs keine Gastwirtschaft besteht, hier gar kein Unterkommen mehr finden... Indem ich noch bemerke, dass ich eine Gastwirtschaft nur für ganz anständige Personen zu errichten beabsichtige, bitte ich um die polizeiliche Erlaubnis dazu.“ - Am 7. Oktober 1842 informiert Caspar Neise den Bürgermeister, dass er das Raulfsche Haus von dem Ackerbürger Bernard Becker angekauft habe. Die Genehmigung ist damit geklärt. Raulf ist nach Oeventrop gezogen. Arnold Raulf hat seit 1816 die Gastwirtschaft betrieben. (AA 1896) – Im Trauungsregister der St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl ist am 2. Juni 1842 diese Trauung eingetragen: Caspar Neise mit Carolina Böhmer aus Eslohe, Trauzeugen: Adolph Feldmann und Ehefrau Adolph Feldmann.

Erhard Hirschberger (s.o. 1839) (67 Jahre) vererbt am 14. August 1842 sein Haus: Gastwirtschaft und Krämerei an seinen Sohn Wilhelm (27 Jahre), der beide Berufsfelder gelernt hat. Alte Haus-Nr. 4, Parzelle 726 /  im Jahr 2013 etwa Sparkasse).

Januar 1845: Es kommt auch vor, dass ein Gastwirt mit Geldstrafen bestraft wird „wegen übermäßigen Alkohol-Genusses und wegen Dulden von Gästen nach der Polizeistunde: Johann Vogt, Johann Trompetter, Caspar Lenze gnt. Penschröer, Friedrich Schwefer“.

Für 1845 bis 1850; Friedrich Schwefer gilt nur bis 1846: „Verzeichnis aller Wirte und Krämer“ in Freienohl: Theodor Bracht (alte Haus-Nr. 3, Parzelle 725, 2009: Hotel Bracht), Caspar Lenze gnt. Penschröer (alte Haus-Nr. 35, Parzelle 711, 2009: Domschenke / St. Nikolaus-Straße), Johann Trompetter (alte Haus-Nr. 64, Parzelle 719), Wilhelm Hirschberger (alte Haus-Nr. 4a, Parzelle 726), Caspar Neise (alte Haus-Nr. 130, Parzelle 677), Caspar Humpert (alte Haus-Nr.127, Parzelle 796), Friedrich Schwefer (alte Haus-Nr. 114), Johann Vogt (alte Haus-Nr. 68, Parzelle 825, 2009: Hömberg / Brunnenstraße-Hauptstraße), Heinrich Lenze gnt. Lichte (alte Haus-Nr. 1, Parzelle 702; 2009: Hirsch-Apotheke), Bernard Becker (alte Haus-Nr. 83, Parzelle 876, St. Nikolaus-Straße). Insgesamt: 10.  (AA 1896, ergänzt Daten in Klammern)

Am 14. März 1845 erhält der Postexpediteur Raulf keine Erlaubnis zur Errichtung einer Gastwirtschaft, „da dazu kein Bedürfnis vorliegt: Die Posten (die mit der Postkutsche fahrenden Reisenden) halten sich in Freienohl gar nicht auf, mithin haben die Postreisenden keine Zeit, sich Erfrischungen geben zu lassen. Möchte jedoch der Fall eintreten, dass ein Postgast etwas fordert, so sind ganz in der Nähe des Posthauses in Freienohl mehrere Wirtshäuser vorhanden...“ schreibt die Behörde in Arnsberg. (AA  1896)

Auf dem Erlaubnisschein vom 5. Januar 1846 für Heinrich Lenze gnt. Lichte, Gast- und Schenkwirtschaft, Haus-Nr.1 stehen – auch rückseitig- eine Anmerkungen: „seit undenklichen Jahren als Wirtschaft bestanden“, „neu erbautes Wohnhaus außerhalb des Ortes“, Johann Lichte ist Stiefsohn von Heinrich Lichte. Für den Wirt diese „Bedingung, dass er – erstens – neben dem Branntwein ein gutes trinkbares Bier vorrätig hält und – zweitens – sich denjenigen Maßregeln unterwirft, welche ein sich etwa bildender Mäßigkeitsverein für notwendig erachten möchte.“ - Der Freienohler Amtmann Devivere  (AA 1896) 

Vom 4. Dezember 1846 liegt ein genau geführtes Einwohnerverzeichnis vor: 1069 Einwohner; davon 263 Männer ab 21 Jahre bis ins hohe Alter; Grund damals durften junge Männer ab 21 Schenkwirtschaften allein besuchen.                                            (AA  2170)

Der Landrat von Lilien in Arnsberg schreibt dem Freienohler Amtmann von Devivere am 11. Dezember 1848 für Franz Kerstholt, der die erbetene Erlaubnis für eine Gast-  und Schenkwirtschaft nicht erhält, „da bei dem Bestehen schon so vieler Gast- und Schenkwirtschaften in Freienohl nach Ihrer eigenen Angabe dem Bedürfnis hinreichend  entsprochen ist“. Franz Kerstholt: alte Haus-Nr. 14, Parzelle 692, 2009: Ecke Bergstraße – Auf dem Mühlenberg. (AA 1896)

Am 19. Oktober 1846 wurde Friedrich Schwefer die Erlaubnis der Führung der Gast- und Schenkwirtschaft entzogen „wegen mehrerer wiederholter Vergehen“. - Ein Antrag zur neuen Konzession wird abgelehnt am 2. April 1847. - Am 1. November 1847 bittet Friedrich Schwefer erneut um die „Wiederverleihung der ihm entzogenen Schenkconcession ... leide an einer Augenkrankheit, die zum Erblinden führt und die Heilversuche haben meine Vermögens-Verhältnisse zerrüttet“. Amtmann Devivere gewährt am 20. November 1847 keine Wiederverleihung.  (AA 1896) 

Am 28. Januar 1850 erhält Kaspar Vogt, nachdem sein Vater Johann Vogt verstorben ist (s.o. 1845) und er auch Hausbesitzer geworden ist, die Konzession für die Gast- und Schenkwirtschaft.  (AA1896)

Am 2. März 1850 bittet der Postexpediteur Franz Tönne um die Erteilung der Conzession zur Schenkwirtschaft. (Zwischenbemerkung: Bei manchen Fachwörtern wird die Schreibweise jener Jahre beibehalten und auch die Wörter selbst werden nicht in die Gegenwart übersetzt; so ist ein Postexpediteur „mehr“ als ein Postbote...) Aus der Begründung von Franz Tönne: „Seitdem ich das Amt eines hiesigen Postexpediteurs bekleide, werde ich so häufig von Post-Passagieren als auch von anderen Fremden, welche sich über das Ankommen von Briefen für sich erkundigen oder auch nach dem Abgang und der Ankunft von Posten (=Post-Kutschern, Postwagen, Postkutsche) befragen (= erkundigen), besucht,die dann bei der Gelegenheit eine kleine Erfrischung, etwa ein Gläschen Bier oder Branntwein, verabreicht zu erhalten wünschen. Auch kommt es häufig vor, dass Post-Reisende bei nächtlicher Zeit hier mit den Posten ankommen und abfahren, zumal da hier jede Nacht zwei Posten und wöchentlich zweimal drei Posten vorbei coursieren und bei dieser Zeit kein anderes Unterkommen finden können, weil noch dazu in der Nähe des Posthauses keine Gast- oder Schenkwirtschaft sich befinden, wo solche Personen ihre Erquickung und Unterkommen finden können...“ Soweit Franz Tönne. Amtmann Devivere fügt für den Landrat von Lilien in Arnsberg noch hinzu: „... wie sich für den hiesigen Ort allerdings kein Bedürfnis zur Etablierung (Niederlassung) einer neuen Schenkwirtschaft vorfindet, wohl aber dieses Bedürfnis für die Postreisenden vorhanden ist. Es ereignet sich nicht selten, dass Fremde hier auf der Post einsteigen und zu dem Ende auf der beim Postexpediteur vorhandenen Passagierstube die Ankunft der Post abwarten. Im Winter müssen sie oft mehrere Stunden auf die Post lauern und können, wenn sie die nächtlich durch kommenden Posten benutzen wollen, nirgendwo eine Erfrischung finden, wenn nicht der Postexpediteur diese zu verabreichen befugt sein soll, denn die Wirtshäuser sind dann geschlossen. Diese Fremden führen dann auch oft Bekannte mit sich, die sie zur Post begleiten, und bleiben gern bei ihnen bis zur Ankunft des Postwagens. Diese müssen dann aber ebenso wieder, welcher die Reise anzutreten beabsichtigt, ohne Erfrischung bleiben. Auch ist es den hiesigen Eingesessenen erwünscht, dass sie sich in der hiesigen Passagierstube zum Lesen der Zeitungen aufhalten und während dieses Aufenthaltes eine Erfrischung erhalten können. Der Postexpediteur Tönne ist zudem ein sehr ordnungsliebender Mann...“ - Amtmann Devivere ist also für die Erlaubnis der Konzession.

Der Landrat von Lilien in Arnsberg antwortet am 17. März 1850 nahezu etwas haarspalterisch, spitzfindig oder – wenn man so will – sehr einfühlsam: „... dass die Erlaubnis nicht erteilt werden kann, da die in Freienohl bei einer Bevölkerung von 1087 Seelen bereits vorhandenen Schenk- und Gastwirtschaften für das Bedürfnis vollkommen hinreichend sind. Bei der Errichtung einer Schenke kommt es aber gesetzlich lediglich darauf an, ob dafür ein Bedürfnis vorhanden ist. Was dagegen den Ausschank von Erfrischungen an Postreisende betrifft, so bedürfen sie dazu einer besonderen polizeilichen Erlaubnis nicht. Sie (Tönne) sind indessen verpflichtet, in Ihrer Passagierstube eine von der vorgesetzten Postbehörde visierte Taxe (genehmigte Bekanntmachung) auszuhängen.“  Anschließend wird der Amtmann Devivere aufgefordert: „...denselben (Tönne) nach der Abschrift des Briefes an Franz Tönne streng kontrollieren zu lassen, da er bereits seit längerer Zeit tatsächlich die Schenke ausüben soll.“ (AA1896)

Am 26. Februar 1851 bittet Heinrich Cohsmann gnt. Claren um die Erlaubnis der Konzession einer Schenkwirtschaft. Er sei seit Jahren kränklich, kann seinen Glashandel für die Glasfabrik Giesmecke nicht mehr leisten, hat aber keinen Verdienst mehr, die Feldzüge (Kriege) 1843 bis Ende 1845 gegen Frankreich hat er mitgemacht. - Amtmann Devivere kann die Erlaubnis nicht geben, weil für Freienohl kein Bedürfnis vorliegt. (AA1896)

August Lichte erhält die Konzession zur Schenkwirtschaft, weil das „nur die Übertragung an die Stelle des Lenze gnt. Penschröer“ ist. 18. März 1851.  (AA  1896)

Weitere Konzessionen für eine Gast- und Schenkwirtschaft werden beantragt und vom Landrat in Arnsberg, der dafür zuständig ist, abgewiesen, weil wegen der zahlreichen Wirtschaften in Freienohl kein Bedürfnis nach mehr besteht: So 30. August 1851: Holzhändler Fritz Ernst Kerstholt. - 12. Mai 1851: noch einmal Heinrich Cohsmann gnt. Claren, alte Haus-Nr. 95.  (AA 1896)

 

Postexpediteur Franz Tönne beantragt erneute die Erlaubnis zur Konzession einer Schenkwirtschaft.  Dazu schildert er auf vier Seiten sein berufliches Leben tagsüber und nachts. Auszüge: „Jeden Tag: der Wagen von Arnsberg nach (Stadt) Olpe um 12 Uhr nachts; der Wagen von (Stadt) Olpe nach Arnsberg nachts um 12 Uhr; aber die kommen nicht gleichzeitig an) der Wagen von Cassel nach Arnsberg nachts um 3 Uhr. Zweimal wöchentlich der Wagen von Giessen nach Arnsberg nachts um 2 ½ Uhr. Auch sind Passagiere, die hier die Strecken wechseln (umsteigen), hier logieren, auf die Gastwirtschaftangewiesen. - Der Landrat erlaubt daraufhin die Konzession. Die „erlischt allerdings, wenn er den Postberuf aufgibt“. Am 18. November 1851.                   (AA 1896)

Dezember 1851:  Die Gast- und Schenkwirtschaft des Kaspar Humpert „ist eingegangen“, hat – angeblich – keine Konzession mehr gehabt. Die Ehefrau des Glashändlers Heinrich Cohsmann gnt. Claren hat sie erworben. Sie will mit ihrem Sohn die Wirtschaft weiter führen und hat schon einiges Umbauen des Hauses bewerkstelligt. Das war nicht zulässig, stellt der Landrat fest. Und: die Konzession hatte schon Fritz Ernst Kerstholt erhalten. Das Schlussdatum des Landrats: 22. Januar 1852.

Ohne Datum im Jahr 1852: Eine Notiz des Freienohler Bürgermeisters Koffler beim schriftlichen Hin und Her: „Freienohl hat auch noch einen Überfluss an Schenkwirtschaften.“                                                                                             (AA 1896)

Caspar Vogt hat Konzession seit 1842; bis 1849 im Haus Nr. 68, Parzelle 825 (2009: Hömberg: Brunnenstraße / Hauptstraße); sein Vater Johann Vogt ist 1849 gestorben, hat die Schenkwirtschaft gehabt. Caspar Vogt hat im September 1854 dieses Haus verlassen, wohnt jetzt  - 12. Oktober 1854 – im Haus der Witwe Johann Lenze, hat es gekauft, betreibt noch etwas Ackerwirtschaft und etwas Bäckerei, beantragt für sein jetziges Haus die Konzession der Schenkwirtschaft; am 12.10.1854. Weil in Freienohl kein Bedürfnis nach mehr Schenkwirtschaften ist, wird der Antrag vom Landrat in Arnsberg abgelehnt am 23.10.1854.  Fortsetzung: 30. Dezember 1854!                                                   (AA 1896)                                                                                                                    

Am 26. Oktober 1854: Caspar Neise will seine Schenkwirtschaft aufgeben. Heinrich Cohsmann gnt. Claren möchte die Konzession und Schenkwirtschaft übernehmen, er selbst ist kränklich, aber seine Frau und sein 27jähriger Sohn Johann können den Betrieb schaffen. Am 7. November 1854: Caspar Neise will nur aufgeben, wenn Cohsmann die Konzession übernehmen darf, sonst will er die Konzession behalten. Am 8. November 1854 lehnt der Bürgermeister den Antrag ab, weil in Freienohl kein Bedürfnis nach mehr Schenkwirtschaften besteht. Aber Arnsberg, der Kreissekretär Koffler (später Bürgermeister in Freienohl), trifft am 4. Dezember 1854 die wohl juristisch korrekte Unterscheidung gegenüber dem Freienohler Bürgermeister Thüsing (der früher in Arnsberg Landrat war): „Weil es sich hier nicht um eine Vermehrung, sondern um eine Übertragung handelt,“ erhält Caspar Neise keine Konzession, dafür aber Heinrich Cohsmann gnt. Claren. Abgeschlossen am 13. Dezember 1854.                         (AA 1896)

Am 30. Dezember 1854 stellt Caspar Vogt einen neuen Antrag auf Erlaubnis der Konzession einer Schenkwirtschaft. Die Gründe vom 12. Oktober 1854 werden wiederholt.  Hinzugefügt wird: „Sein Großvater und sein Vater haben bereits eine Schenkwirtschaft betrieben, er selbst ja auch. Wegen seiner wirtschaftlichen Bedürftigkeit stellt er seinen Antrag. Und sie haben sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.“ Landrat von Lilien bittet am 3. Januar 1855  den Bürgermeister „um seinen Bericht“. Bürgermeister Thüsing antwortet am 7. Januar 1855: „Nach dem Bedürfnis zur Konzession besteht kein Grund zur Erlaubnis, aber wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse des Caspar Vogt ist die Erlaubnis wünschenswert.“                                                                                    (AA 1896)

Am 12. und 17. März 1859: Anträge auf Verlängerung der Schank-Erlaubnis (hier mit „a“ geschrieben): August Lichte erhält die Erlaubnis nicht. Doch Johann Lichte und Witwe Hirschberger nach dem Tod ihres Mannes erhalten die Erlaubnis auch bis zum 15. September 1860. Caspar Göckeler hat die Witwe Hirschberger geheiratet; alte Haus-Nr. 4, Parzelle 726.

Freienohl im Jahr 1859: 1084 Seelen und 7 Schenkstätten. (Seelen = kleine und große Kinder, Frauen und Männer!)                                                                                 (AA 1900)

Zur Gast- und Schenkwirtschaft von Diedrich Kampschulte (2009: Hirsch-Apotheke) liegt ein für damalige Verhältnisse ausführlicher Briefwechsel vor. Die Daten: 9.3.1862;  3.4.1862; 9.4.1862; 19.4.1862; 11.5.1862; 23.5.1862; 23.6.1863; 11.11.1863; 12.12.1863; 14.12.1863; 18.1.1865. Die Personen: Diedrich Kampschulte; Landrat von Lilien, Arnsberg; Amtmann Ulrich (?) von Elfsen – Bussloh; Amtmann Boese in Freienohl. - Diedrich Kampschulte lebt zur Zeit des ersten Antrags in Soest, verheiratet, und betreibt dort eine Gast- und Schenkwirtschaft. Er kauft für 2500 Taler das Haus von Johann Lichte, alte Haus-Nr.1, Parzelle 702/704 (2009= Hirsch-Apotheke).  „Dies ist ein Haus mit 12 Wohnräumen und Stallungen für 14 Pferde. Und es ist schon – mitten im Ort – eine Gast- und Schenkwirtschaft. Die möchte er mit seiner Frau weiter betreiben... Hier im Ort sind meines Wissens nur 3 Gasthäuser vorhanden, welche aber in ihrer Einrichtung viel zu wünschen übrig lassen.“ (Zu unterscheiden ist: in einem Gasthaus kann man auch essen, speisen; in einer Schenkwirtschaft nur trinken.) Diedrich Kampschulte stammt aus einer wohlhabenden  und angesehenen Familie mit Landwirtschaft (er bezeichnet sich als Ackerer) und Gast- und Schenkwirtschaft aus Bussloh / Elfsen. Und er ist berufserfahren. Er möchte auch eine Bierbrauerei gründen. Doch letzterer Antrag wird abgelehnt: in Freienohl gibt es die Handlos´sche Bierwirtschaft und 8 Wirtschaften. Die Verlängerung der Konzession „des Lenze´schen Erlaubnisscheins bleibt bestehen“. (s.u. 16.8.1864)

Am 15. Juli und 1. August 1864: Wirt Fritz Ernst Kerstholt hat das Becker´sche Haus (alte) Haus-Nr. 83, (Parzelle 876?) auch Gast- und Schenkwirtschaft angekauft und bittet um die Erlaubnis der Konzession der Gast- und Schenkwirtschaft. Die erhält er mit der Bemerkung, „dass es sich nicht um Etablierung einer neuen Schenke, sondern nur um Verlegung der früher bestandenen in ein anderes Lokal handelt“.                        (AA 1900)

Am 18. Juli 1864: Gesuch des Johann Handlos an den Freienohler Amtmann Boese um Erteilung der Gastwirtschaft: „Der Gastwirt Heinrich Lenze gnt. Lichte von hier hat seine Besitzungen  mit allem: als Wohnhaus, Stallung und Ländereien dem Johann Siepe von hier am 16. Juli d.J. Übertragen, dadurch ist die Concession resp. (bzw.) die Gastwirtschaft von demselben aufgegeben. Euer Wohlgeboren (Ihnen) ist es bekannt, dass bei dem Verkehr mit Fuhrwerk auf dem Platze, wo ich wohne, ein Bedürfnis ist, einesteils weil es vor dem Ort und andernteils, weil ein Fuhrwerk, das in etwa beladen ist, ohne Vorspann  nicht fortkommen kann und es mithin für die Fuhrleute unbequem und nachteilig ist, sich erst Vorspann aus dem Ort holen zu lassen und während dieser Zeit die Pferde dem Wind und dem Wetter preiszugeben und ihre Ladung unbewacht stehen zu lassen. (Necker/Siepe bei der Ruhrbrücke; entweder den Breiten Weg oder den Plastenberg-Hohlweg hinauf) Ich besitze Stallung für 10 Pferde, ferner 5 Fremdenzimmer und sonstige Räumlichkeiten, die ein Fuhrmanns-Logies erfordert. Überhaupt bin ich in den Stand gesetzt, allen Anforderungen, welche eine solche Wirtschaft erfordert, nachkommen zu können. Da ich bereits in dem Besitze der Conzession zum Verschenken von Bier in Gläser bin, diese Wirtschaft mir aber nach örtlichen Verhältnissen meinen Unterhalt für mich und meine eigene zahlreiche Familie nicht das bietet, sondern wenn meine Lage nicht verbessert wird, bei allem meinem Fleiße und (meiner) Sparsamkeit ich mit der Zeit verarme, da hingegen, wenn mir die Erlaubnis zur Gastwirtschaft erteilt wird, ich mit der größten Sicherheit auf den fortdauernden Wohlstand meiner Familie rechnen kann. Da es der Wunsch und Wille unserer gerechtigkeitsliebenden, das Wohl der Untertanen stets im Auge habenden Behörde, dass diese auf ehrliche Art und Weise ihr Brot für ihre Familie verdienen sollen, so hege auch ich die feste Zuversicht zu Euer Wohlgeboren (Ihnen gegenüber), da Sie die Lage und Verhältnisse meiner Familie kennen und die Richtigkeit meines Anliegens einsehen, mir die Conzession zu erwirken. Johann Handlos, Bierbrauer“

Am 27. Juni 1865 erhält Johann Siepe gnt. Necker, alte Haus-Nr. 155, den Erlaubnisschein; Heinrich Lenze war verstorben.                                               (AA 1900)

Am 16. August 1864 beantragt Diedrich Kampschulte wieder die Konzession. Seit 3 Jahren lebt und arbeitet er- auch als Gast- und Schenkwirt – im ehemaligen Lenze´schen Haus, „das sich vorzüglich zum Betrieb der Gastwirtschaft eignet“.                   (AA 1900)

Am 17. März 1866 erhält Heinrich Cohsmann den „neu angefertigten Erlaubnisschein zum Betrieb der Gast- und Schenkwirtschaft“.                                                          (AA  1900)

Ihre Schankerlaubnis von 1866 bis 1869 besitzen: Theodor Bracht, Caspar Göckeler,  Postexpediteur Franz Tönne,  Friedrich Schwefer,  Johann Siepe gnt. Necker, Johann Handlos,  Fritz Ernst Kerstholt,  Heinrich Cohsmann. Insgesamt 8.                  (AA  1900)

Diedrich Kampschulte stellt am 24. März 1868 erneut seinen Antrag auf den Erlaubnisschein. Weil sich die Verhältnisse, gemeint sind die „Bedürfnisse“, von 1865 nicht geändert haben, wird der Antrag abgelehnt.                                                     (AA  1900)

Am 1. Dezember 1868 stellt der Bergmann Anton Köster aus Bergheim, Kreis Höxter, zur Zeit wohnhaft in Arnsberg, den Antrag auf einen Hausbau mit „Restauration, Beköstigung und Übernachtung der Arbeiter am Tunnelbau zur Eisenbahn am Ausgang des Krähenbergs“. (Rümmecke!)  Er belegt mit einem Schreiben aus Aplerbeck, dass er die Erfahrung für die Arbeit über drei Jahre hat. Der Antrag wird abgelehnt.

Am 1. Juni 1869 wiederholt Anton Köster seinen Antrag. Er wohnt mit seiner Frau und vier Kindern in Freienohl. „Ich besitze hier nichts, was ich mit meinen Fingern verdiene.“ Der Antrag wird wieder abgelehnt.                                                                            (AA  1900)

Der Wirt Friedrich Schwefer ist gestorben. Das Wirtshausschild ist abgenommen und der Betrieb ist eingestellt worden; am 26. Juli 1869.                                                (AA  1900)

Am 2. November 1869 erhält Diedrich Kampschulte – endlich – den Erlaubnisschein zum Betrieb der Gastwirtschaft.                                                                                (AA  1900)

Am 6. Dezember 1869 bittet Johann Schwefer um den Erlaubnisschein und erhält ihn. Er will im Haus der Witwe Trompetter eine Bierwirtschaft betreiben                     (AA  1900)

Nach seinem Antrag erhält Joseph Kerstholt den Erlaubnisschein zum Betrieb der Gastwirtschaft mit Ausschluss des Ausschanks von Branntwein. Am 25.1.1870. (AA 1900)

Am 24. Oktober 1876 erhält Franz Trumpetter die Konzession zur Gastwirtschaft; alte Haus-Nr. 17, Parzelle 885, Ecke Bergstraße – Kerstholtsgasse.                        (AA  1900)

Postexpediteur Franz Tönne wohnt seit 1862 im (alte) Haus-Nr. 85, Parzelle 813 (früher: „Hölle“), vorher (alte) Haus-Nr. 106, Parzelle 668. „Es ist bisher übersehen worden, hierzu die polizeiliche Konzession nachzusuchen, das möge er jetzt nachträglich tun.“ Wird erledigt. Am 27. November 1876.                                                                        (AA  1900)

„Gastronomisches“ zum Titel: Trunkenbold; Einschub aus AA  1898

Ab 1836 erscheinen von Seiten der Königlichen Regierungen aus der Provinz-Hauptstadt Münster und Arnsberg – hier von 1817 bis 1835: Landrat Franz-Anton Thüsing, von 1835 bis 1883: Landrat Felix Joseph Michael Freiherr von Lilien – Bekanntmachungen und Erlasse an die Gemeinden gegen den Missbrauch von Branntwein, z.B. diese im Arnsberger „Volksblatt“ (Name und Ort sind hier ausgelassen): „Dem Tagelöhner und Fabrikarbeiter NN in X, welcher dem Trunke ergeben,  ist bereits früher aufgegeben worden, ein nüchternes und arbeitsames Leben zu führen. Es sind ihm die Folgen der Trunksucht bekannt gemacht, und da dies fruchtlos geblieben, ist er am 9. August 1856 für einen Trunkenbold erklärt und den Wirten auf die Dauer von 6 Monaten die Verabreichung von Branntwein an ihn verboten worden. Der NN hat aber nichtsdestoweniger seit längerer Zeit sich wieder dem Trunke ergeben, weshalb nichts übrig blieb, als ihn von neuem für einen Trunkenbold zu erklären...“

Seit 1838 – seit da wohl erst aktenkundig – werden die Schwierigkeiten geschildert: „manche Trunksüchtige und Trunkenbolde nach Beringhausen in die Heilanstalt zu transportieren mit Postwagen, in denen kein andere Postpassagier mitfahren wollte.“                  

                                                                                                                               (AA 1898)

Am 28. November 1876 werden vom Freienohler Amtmann Keiser alle Freienohler Wirte aufgefordert – und sie haben unterschreiben müssen -, dass sie dem NN keinen Branntwein ausschenken dürfen.

Am 1. Juni 1887 erscheint die Ehefrau des NN auf dem Freienohler Amt und „zeigt an: Mein Mann ist seit fast 14 Tagen ständig betrunken und tobt dann im Ort umher, mißhandelt mich und meine Kinder und macht Schulden über Schulden. Damit meinem Mann die Gelegenheit, seinem Trunke zu fröhnen, teilweise entzogen wird, bitte ich, denselben als Trunkenbold zu erklären und den Wirten die Verabfolgung von Getränken und die Duldung in Schenklokalen zu verbieten.“

Dieselbe Ehefrau macht am 3. April 1889 die „folgende Anzeige: Mein Mann hat fast ununterbrochen 4 Wochen nicht mehr gearbeitet, sondern ist stets dem Trunk nachgegangen; was derselbe verdient, hat er stets in  geistigen Getränken durchgebracht. Am Sonntag und Montag hat er sich in Olpe herumgetrieben und gesoffen. Auch verursacht derselbe des Nachts im Hause einen solchen Lärm, dass die Nachbarn dadurch im Schlaf gestört werden. Ich bitte, meinen Mann als Trunkenbold zu erklären, damit demselben in den Wirtshäusern keine geistigen Getränke verabfolgt werden.“

Eine inhaltlich dieselbe Anzeige erfolgt von dieser Ehefrau am 2. November 1889. Der Inhalt wird bestätigt von der Ehefrau des Vermieters (Name und Wohnung werden hier ausgelassen. S.u. 4.3.1892, 25.1.1893, 24.8.1895.)                                         

Am 3. November 1890 berichtet Pfarrer Falter von einem anderen Mann und ähnlichen Familienverhältnissen (Name hier ausgelassen.) Der Mann soll im Amt erscheinen zur Verwarnung. Pfarrer Falter bittet darum, zu diesem Termin eingeladen zu werden.

Zwei weitere Freienohler werden 1890 zu Trunkenbolden erklärt; Namen sind hier ausgelassen.                                                                                                        

Am 4. März 1892 erscheint auf dem Amt der Tagelöhner NN, der Sohn des NN vom 3. April 1889, und bittet, seinen Vater als Trunkenbold zu erklären.                        (AA 1898)

Wohl von allem etwas: Seelsorge, Fürsorge, Inschutznahme, politische, behördliche Korrektur, Machtspektakel. Am 15. März 1892 schreibt Landrat Freusberg in Arnsberg an Pfarrer Falter in Freienohl: „Auf Ihre Eingabe vom 3. Februar betreffend die in der Siepe´schen Wirtschaft Freienohl bestehende geschlossene Gesellschaft erwidere ich Euer Hochwürden ergebenst, dass ich mich nicht in der Lage befinde, die Aufhebung derselben herbeizuführen. Diese Gesellschaft verfolgt nach ihren Statuten erlaubte, nämlich lediglich gesellige Zwecke und ist bis jetzt darüber, dass bei den Tagungen des Vereins Handlungen vorgekommen sind, welche gegen das Strafgesetz verstoßen, nicht festgestellt worden. Insbesondere steht bislang nichts darüber fest, ob die in der Nacht vom 2. zum 3. Februar dem Winterhoff zugefügte schwere Körperverletzung mit der in Rede stehenden geschlossenen Gesellschaft irgendwie im Zusammenhang steht. Der bloße Verdacht, dass diese geschlossene Gesellschaft die Veranlassung zu strafbaren Handlungen biete, genügt natürlich nicht, die Aufhebung derselben herbeizuführen. Übrigens darf der Verein, welcher von dem Wirt Siepe dem Amtmann Enser gegenüber gemachten Angabe nur noch bis abends 10 Uhr das Gesellschaftslokal bewirten, sodass die Polizeibehörde von dieser Zeit an das Revisionsrecht hat. Auch sollen nach der weiteren Mitteilung des Siepe Fremde im Gesellschaftszimmer keinen Zutritt mehr haben und das bestehende Mietsverhältnis beim Vorkommen von Zänkereien und Streitigkeiten im Gesellschaftszimmer aufgehoben werden. Was nun die Siepe´sche Wirtschaft überhaupt betrifft, so ist bis jetzt noch kein Grund festgestellt worden, woraufhin das Conzessionsentziehungsverfahren gegen den Wirt Siepe hätte eingeleitet werden können. Es steht aber nichts entgegen und wird diesseits veranlasst werden, dass die Siepe´sche Wirtschaft unter genauerer polizeilicher Überwachung gestellt wird. Ihre weitere Beschwerde, dass in Freienohl kein Nachtwächterdienst stattfinde, ist inzwischen durch die seit dem 1. März erfolgte Anstellung eines Nachtwächters gegenstandslos geworden. Zur Einführung einer Straßenbeleuchtung in Freienohl ist seitens der Gemeindevertretung dort ein Bedürfnis nicht anerkannt, da der Ort, sowie er geschlossen bebaut sei, durch die Wirts- und  Ladenlokale genügend erleuchtet sei. Ich habe unter den obwaltenden Verhältnissen bislang keine Veranlassung, aus polizeilichen Gründen auf die Einführung einer Straßenbeleuchtung zu dringen.“                                                                  (PfA 11)

Typisch Geschichte: sie sieht nahezu alles mit den Augen ihrer Gegenwart. So schleicht sich an dieser Stelle ein Zitat von Papst Benedikt XVI. während seiner Reise nach Polen im Jahr 2006 ein: „Vom Priester wird nicht verlangt, dass er ein Experte in Wirtschaft, Architektur oder Politik ist. Von ihm erwartet man, dass er ein Experte im spirituellen Leben ist. Spezialist für die Begegnung des Menschen mit Gott.“ - Und im Erzbischöflichen Archiv in Paderborn wurde nicht danach gesucht, warum der Priester Falter von der Stadt Hagen auf das Dorf Freienohl versetzt wurde.

Am 25. Januar 1893 zeigt der Vermieter Tagelöhner NN (s.o. 2. November 1889) den Mieter NN als Trunkenbold an. Zeugen der Anklage sind die Söhne des Mieters und Vermieters.                                                                                                           (AA  1898)

Am 22. Dezember 1892 beschwert sich der Schneider Franz Korte über den NN (Beruf und Name hier ausgelassen), der viel betrunken ist „und gestern Abend gegen 5 Uhr im total betrunkenen Zustand die Stubentür meiner Wohnung mit einem Eisenstab zerworfen und geschimpft hat bis tief in die Nacht hinein... Ich, meine Frau und Kinder sind unseres Lebens nicht sicher und sind in der Nacht nicht im Bett gewesen... Ich bitte, denselben zur Besserung in einer Anstalt unter zu bringen.“                                                       (AA 1898)

Am 24. August 1895 wird der NN (Beruf und Name ausgelassen; s.o. 1.6.1887) wieder für 1 Jahr zum Trunkenbold erklärt.                                                                          (AA  1898)

Im Jahr 1898 erhalten diese Freienohler Gastwirte vom Amtmann Köckeritz Informationen über Verlängerungen über ihre Öffnungszeiten: Alex Hötte (18. November), Caspar Humpert (15. November), Johann Siepe (6. Mai), Johann Kerstholt (4. Mai), Caspar Göckeler (6. Mai).                                                              (Ende des Einschubs: AA  1898)

Am 27. November 1876 beantragt Joseph Figge die Erlaubnis zum Betrieb des Kleinhandels mit geistigen Getränken. (2009: Hauptstraße 34) Am 29. November wird der Antrag abgelehnt; doch innerhalb von 3 Wochen kann er neue beantragen. Ein Grund für die Ablehnung und für diese Zeitangabe war in der Akte nicht zu finden. Jedenfalls: am 23. Dezember erhält Joseph Figge vom Landrat einen abschlägigen Bescheid. Tags darauf schreibt Joseph Figge einen neuen Antrag. Darin schreibt er – in Auszügen:“Ich wohne ganz unten in Freienohl, wo keine Wirtshäuser bestehen, die nächst liegt etwa 5 Minuten entfernt, und ich betreibe ein Spezereien-Waren-Geschäft verbunden mit Mehl-Handel. Meine Geschäftskunden sind fast ausschließlich die Bewohner von den Orten Wildshausen, Lattenberg und Giesmecke. Diese kaufen bei mir ihre sämtlichen Haushaltungsbedürfnisse, und es kommt dann oft vor, dass dieselben Branntwein in Maßen verlangen,. Da ich aber keinen vorrätig habe und keinen verkaufen darf, bin ich gezwungen, um meine Kunden zu erhalten, das Gewünschte aus der nächsten Wirtschaft holen zu lassen. Wenn meiner dringenden Bitte nicht Gehör gegeben werden sollte, so sehe ich dem Ruin  meines Standes entgegen, da würden meine Käufer sämtlich verloren gehen und bei anderen Händlern kaufen... Eine Wirtschaft werde ich nicht daraus machen, vielmehr streng den gesetzlichen Bestimmungen  folgen...“ - Der Landrat gibt wieder einen abschägigen Bescheid, „da derselbe die ihm gestellte Rekursfrist nicht eingehalten hat“. So am 8. Januar 1877. „Die Rekursfrist wurde ihm am 29. November mit 3 Wochen mitgeteilt.“ - Vielleicht gilt auch hier: Die gesagten Gründe sind nicht immer die wahren Gründe. -  Erneutes Hin und Her , um den Erlaubnisschein fürden Kleinhandel mit Branntwein un Spirituosen  zwischen Joseph Figge, jetzt gemeinsam mit Franz Korte zum Landrat in Arnsberg  am 1. Februar 1878. Der endgültige Bescheid für beide am 18. April 1878. Grund: wegen der gesetzlichen Regelung besteht kein Bedürfnis; hinzugefügt ist: „Freienohl hat mit  nur 1228 Einwohnern bereits 7 Schankwirtschaften mit Branntwein-Verkaufsstellen.“                                                                                                  (AA  1900)

Das Bittgesuch des Maurers Franz Hesse zu Freienohl am 4. Februar 1879 an den Landrat Freiherrn von Lilien in Arnsberg:

„Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir mit nachstehendem Bittgesuch gehorsamst nahe zu treten. Nachdem ich im Jahre 1848 auf dem Lattenberg beim Bau der von Oeventrop nach Hirschberg führenden Chaussee durch Zerbrechen des rechten Fußes und durch einen dabei erhaltenen doppelten Leistenbruch fast arbeitsunfähig geworden und ich trotz aller Bemühungen auf Entschädigung damals von Königlicher Regierung abschlägig beschieden wurde, habe ich seitdem bis heute meinen und der Meinigen Lebensunterhalt sauer und kümmerlich zu gewinnen gesucht. Vor 12 Jahren errichtete ich auf Betreiben des damaligen hiesigen Amtmannes Ley in meinem Hause eine Herberge zur Aufnahme und Übernachtung durchreisender mittelloser Handwerker und sonstiger Personen. Da ich seit längeren Jahren beständig kränklich bin, so hatte ich auf diese Weise den notdürftigen Lebensunterhalt bis heute. Dieser Erwerbszweig soll mir jedoch genommen werden, da mir die hiesige Polizeibehörde aufgegeben hat, die Herberge einzustellen, trotzdem mir nicht nachgewiesen werden kann, solange ich die Herberge habe, irgendwelcher Unfug oder sonstige Ungehörigkeiten zu Tage getreten sind. Gegenwärtig bin ich 61 ½ Jahre alt, habe zwei Kinder, Knaben, von welchen der älteste 12 Jahre alt, von mir unterhalten, während der andere 6 Jahre alt auf Kosten der Gemeinde Freienohl von einer hiesigen Familie erzogen wird. - Durch die Anordnungen der hiesigen Polizeibehörde die Aufhebung der von mir unterhaltenen Herberge werde ich jeder Existenzmittel beraubt,  allerdings hat mir der hiesige Herr Amtmann für mich und meinen ältesten Sohn eine monatliche Unterstützung von 6 (?) geboten, davon können wir uns nicht ernähren, da ich fortwährend kränklich und ganz arbeitsunfähig bin, was mir jeder beliebige Arzt bezeugen kann und muss ich alle häuslichen Arbeiten von einer Frau gegen Bezahlung verrichten lasse. - Seit 38 Jahren wohne ich in Freienohl, habe ohne Unterbrechung alle Staats- und  Communalsteuern redlich bezahlt und kann gegen meine Führung nichts Nachteiliges erhoben werden, meine Krankheit ist derart, dass ich fast immer teils ans Licht, teils an den Sesselstuhl gebunden bin. - Da ich aber nun doch auch Lebensunterhalt und Krankenpflege haben muss, so bitte Euer Hochwohlgeboren ich gehorsamst darauf hin wirken zu wollen, dass mir auch fernerhin die Unterhaltung der Herberge in ihrem seitherigen Umfange von hiesiger Polizeibehörde gestattet werde oder dass dafür gesorgt werde, dass ich aus Gemeindemitteln hinreichenden Lebensunterhalt und Pflege während meiner Krankheit erhalte oder ich in einem Krankenhaus untergebracht werde.  gez.  Franz Hesse“

Der Landrat bittet am 8. Februar 1879 den Amtmann von Keiser in Freienohl „zur Äußerung Frist 8 Tage“

Am 18. Februar 1879 folgt die Antwort vom Amtmann von Keiser an den Landrat von Lilien in Arnsberg: „...Bericht..., daß allerdings Antragsteller bei meinem Dienstantritt eine Herberge für durchreisende Handwerksburschen jedoch ohne Conzession geführt hat.Es sammelte sich damals alles mögliche Gesinde bei ihm und machte dies die hiesige Gegend im höchsten Grade unsicher. Ich untersagte ihm deshalb den Weiterbetrieb der Herberge, nahm jedoch damals wegen der anerkannten Mittellosigkeit von weiterer Verfolgung der Sache Abstand. - Dass der  Amtmann Ley den Betrieb der Herberge genehmigt, darüber geht aus den diesseitigen Akten nichts hervor; ich möchte solches aber auch sehr bezweifeln, da meines Dafürhaltens die Conzession zum Betriebe von Herbergen gleich wie die der Gastwirtschaften nur von Euer Hochwohlgeboren erteilt werden kann. Ich kann mich aber auch jetzt nur gegen eine solche aussprechen, da der g. (= genannte) Hesse sich keines besonderen Rufes erfreut und die Vermutung nahe liegt, dass er das Gewerbe zur Förderung der Hehlerei missbrauchen werde. Zudem genügt auch des zum Betriebe des Gewerbes bestimmte Lokal wegen seiner Beschaffenheit den polizeilichen Anforderungen keineswegs.  Er hat nämlich in seinem kleinen Häuschen kaum genügende Unterkunft für sich und seine Familie, besitzt keine Fremdenbetten und würden gleich wie früher die bei ihm Einkehrenden sich auf der Tenne oder im Stall mit einem Strohlager begnügen müssen. - Übrigens hat sich auch bis jetzt noch kein Bedürfnis zur Errichtung einer Herberge am hiesigen Orte herausgestellt. Kann Hesse mit  der ihm bewilligten Armenunterstützung nicht auskommen, so mag er bei mir auf Erhöhung derselben antragen.  Seine Mittellosigkeit ist aber meines Dafürhaltens kein Grund, ihm die Conzession zur Herberge zu erteilen. - Der Amtmann – gez. von Keiser“

Aufgrund dieses Berichts gibt der Landrat am 22. Februar 1879 dem Amtmann von Keiser zur Weitergabe an Franz Hesse diesen Bescheid:

„Auf Ihr Gesuch einer Erteilung der Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft (Herberge) vom 4. des Monats eröffne ich Ihnen, dass demselben nicht stattgegeben werden kann, da Ihr Haus die zur Führung einer Gastwirtschaft, insbesondere zur Aufnahme von Reisenden erforderlichen Raum nicht besitzt. - Ihre Behauptung, dass Ihnen der verstorbene Amtmann Ley vor 12 Jahren die Konzession zur Führung einer Herberge erteilt habe, ist übrigens nach den Akten grundlos. Außerdem war derselbe auch nicht befugt, Ihnen eine solche Konzession zu erteilen. - Gegen diesen meinen Bescheid steht Ihnen innerhalb 14 Tagen nach Empfang desselben der Rekurs an Königl. Regierung offen. - Der Landrat, gez. Fhr. v. Lilien.“

Amtmann von Keiser notiert am 1. März 1879 seinerseits die Weitergabe.         (AA  1900)

Ergänzung: Familien-Daten zu Franz Hesse aus dem Trauungsregister und den Sterbelisten des St. Nikolaus-Pfarrarchivs und des Stadtarchivs Freienohl-Meschede, Altes Amtshaus:

Franz Hesse, Maurer, geboren etwa 1810; gestorben: 19.11.1879.

Erste Ehe mit Maria-Elisabeth Cohsmann, geb. 22.11.1810; gest. 14.7.1863, bei diesem Datum steht: „hinterlässt 1 Sohn“, ohne Namen- und ohne Altersangabe.

Zweite Ehe am 5.4.1864 mit Anna-Maria Kayser gnt. Püttmann aus Oberberge, Trauzeugen: Christian Köster (s.u. Haus-Nr. 151 b) und Elisabeth Japes geb. Reuter aus Hellefeld.  Aus der Einwohner-Liste in Freienohl vom 4.2.1846: Wohnung im Jahr 1846: alte Haus-Nr. 151 a; verheiratet  mit Elisabeth Cohsmann, LA 36; 1 Sohn Caspar, 4 Jahre (also etwa 1842, aus erster Ehe).

Aus der Akte 1900: Betreff „Herberge“ vom Februar 1879:

2 Söhne; einer 12 Jahre (geb. um 1867, aus der 2. Ehe) und einer 6 Jahre (geb. um 1873, auch aus der 2. Ehe). Vom Sohn aus der 1. Ehe: keine Angaben.

Zur Ergänzung: die Einwohner: alte Haus-Nr. 151 b: Adam Köster, Holzhauer, LA 35; Ehefrau Gertrud Köster geb. Neise, LA 35; 2 Töchter: Elisabeth Köster, LA 3, Friederice Köster, LA 2.

Eine Meinungsbildung und ein Meinungsaustausch zwischen dem Stichwort und Briefwechsel „Herberge“ mit den „Familiendaten“ kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Fortsetzung beim Daten-Ablauf: Gastronomisches.

Polizeidiener Schwer meldet im Amt am 20. Oktober 1879, dass in der Gastwirtschaft Franz Trompetter gegen 9 Uhr (abends) eine laute, lärmende Gesellschaft war von „15 Mann“, die mit der Frau des Trompetter, der nicht anwesend war (zu Besuch in Neheim) und den Mägden tanzte. „Zeit und Lärm waren nicht erlaubt.“ (Alte Haus-Nr. 62  Parz. 717)                                                          (AA  1900)

Polizeidiener Schwer beschwert sich und meldet beim Amt am 12. April 1880, dass in der Gastwirtschaft Louis Bracht gegen halb zwölf, „über der Polizeistunde hinaus“, 9 Gäste waren (namentlich aufgelistet, aber hier ausgelassen), die er „aus dem Local verwiesen  habe“.                                                                                                                  (AA  1900)

Am 13. Februar 1884 wurde vorgenommen die Umschreibung, Übertragung des Gewerbescheins der Gast- und Schenkwirtschaft von Franz Tönne auf Kaspar Tönne.

                                                                                                                            (AA  1902)

Bauzeichnungen des Wohn- und Gasthauses von Louis Bracht vom 16. November 1888 liegen in den Akten Nr. 1902.

Joseph Kerstholt erhält am 11. März 1889 weiterhin die Erlaubnis zur Gast- und Schenkwirtschaft. Amtmann Enser fügt seinem Schreiben hinzu: „Die Gemeinde zählt zur Zeit etwa 1400 Seelen, der Fremdenverkehr ist ziemlich hoch, sodass die Gastwirtschaften oft sämtlich besetzt sind... und noch mehr frequentiert werden.“ Am 9. April 1889 Übertragung auf  Johann Kerstholt.  (Alte Haus-Nr. 83, Parz. 721, Ecke: Twiete / Hauptstraße) (AA   1902)

Am 5. Februar 1890 erhält Wirt Joseph Kerstholt (alte Haus-Nr. 114, 2009 = Domschänke) wieder die Konzession zur Gast- und Schenkwirtschaft mit dem Ausschank von Branntwein. Am 8. März liegt eine Strafsache vor gegen den Wirt Joseph Kerstholt, 58 J., wegen Übertretung: eine Geldstrafe von 15 Mark oder 3 Tage Haft.                (AA  1902)

Johann Kohsmann gnt. Klaren (alte Haus-Nr. 95) erhält keine Erlaubnis für eine Gast- und Schenkwirtschaft; es gibt schon 6 Wirtschaften und aufgrund der entsprechenden Einwohnerzahlen liegt kein Bedürfnis vor; am 27. März 1890. Genau so am selben Tag zu Joseph Kerstholt. Der beantragt am 12. April 1890 erneut die Konzession zur Gast- und Schenkwirtschaft für das Haus, alte Haus-Nr. 114 (2009, Domschänke): „Dieser Ablehnungsgrund mag richtig sein, berührt aber meinen Antrag nicht, denn dieser war nicht mit der Bedürfnisfrage begründet. Ich besitze die Konzession seit 20 Jahren. Seit dem 25. Januar 1870. Jedoch ohne die Erlaubnis zum Branntwein-Aisschank; die Konzession wurde mir ¼ Jahr später mündlich zugesagt und zwar in Gegenwart des Schuhmachermeisters Franz Pöttgen und der Maria Schäfer zu Freienohl. Auch der Gendarm Klasmeyer  von Allendorf weiß zum die volle Konzession. Ich habe nur keine schriftliche Konzession vorliegen und nur die erbitte ich. Die schriftliche unbeschränkte Konzession ist für mich eine Lebensfrage. Ich bin ein Mann von 60 Jahren und infolge

eine s Augenübels arbeitsunfähig. Ich habe eine Frau und fünf Kinder, wovon noch zwei schulpflichtig sind... Schließlich bemerke ich noch, dass in meinem Hause schon seit mehr als 50 Jahren unbeschränkte Gastwirtschaft vorhanden ist.“ Am 14. April 1890 wird Joseph Kerstholt zum 29. April 1890 ins Landratsamt in den Kreisausschuß eingeladen. Dabei erhält Joseph Kerstholt  die Konzession zum Branntwein-Ausschank nicht. Er legt Berufung ein am 9. Juni 1890. Sein Rechtsanwalt Lübke hält noch fest: Joseph Kerstholt habe die 20 Jahre über Steuern bezahlt für seinen Branntwein-Ausschank; was die Bedürfnis-Lage angeht: er gehöre seit 20 Jahren zu diesen 6 Gastwirtschaften in Freienohl, und weil „die klägerische Wirtschaft unmittelbar in der Nähe der Kirche liegt, verlangen die auswärtigen Kirchenbesucher entweder im Winter bei Sturm und Wetter oder des Sommers, erhitzt bei der Kirche angelangt, einen Cognac oder einen ´Kleinen Alten´“.

Am 2. Juni 1890 schreiben der Amtsmann Enser und der Gemeindevorsteher Kückenhoff u.a.: „Die Bedürfnislage zur Errichtung einer siebten Branntweinschenke für den 1382 Seelen zählenden Ort Freienohl müssen wir verneinend auf die Ausführungen des Klägers beantworten und in unmittelbarer Nähe der Kirche liegen die unbeschränkten Gast- und Schenkwirtschaften des Franz Trumpetter, Johann Kerstholt, Diedrich Kampschulte und Louis Bracht. Und außerdem die beschränkte Gastwirtschaft des Klägers.“ - Auf der erneuten mündlichen Verhandlung am 3. September 1890 beim Bezirksausschuß in Arnsberg wurde die Klage des Joseph Kerstholt wieder abgewiesen. Er muss für alle Unkosten aufkommen                                                                                           (AA  1902)

Am 26. März 1892 beantragt Johann Kerstholt die Genehmigung zum Gastwirtschaftsbetrieb  in einem neu zu erbauenden Haus Flur 1 Parzelle 1636/25 an der dort vorgesehenen Haltestelle der Eisenbahn. Er begründet das mit den Passagieren der Eisenbahn, die so eine Restauration auch zum Logieren gebrauchen. Die Wirtschaft Siepe ist 1 Kilometer entfernt. Zum Ort vom zukünftigen Bahnhof aus bis direkt rechts vor der Ruhrbrücke.                                                                                                          (AA  1902)

Am 24. März 1896 erhält Joseph Kerstholt, Haus-Nr. 114, die Erlaubnis zum Betrieb der Gast- und Schenkwirtschaft an der Mittelstraße (St. Nikolaus-Straße). Früher Friedrich Schwefer.                                                                                                               (AA 1902)

Am 22. Juni 1896: Bäcker Franz Trumpetter erhält keine Erlaubnis zur Gast- und Schenkwirtschaft; die angegebene Räumlichkeit ist dafür nicht geeignet und es gibt in Freienohl schon 8 Gastwirtschaften.                                                                      (AA 1902)

Der Maschinenschlosser Caspar Humpert beantragt und erhält  die Weiterführung der von ihm angekauften (Franz)  Trumpetterschen Wirtschaft. Rechtlich handelt es sich nur um die Übertragung der seit 20 Jahren geführten Gastwirtschaft. Dazu gehört eine Kegelbahn.

S.o. 20. Oktober 1879.                                                                                          (AA  1902)

Der Vorstand des Konsumvereins erhält am 14. April 1897 die Erlaubnis zum Betrieb des Kleinhandels mit Branntwein. Vertreten wirdder Konsumverein durch Anton Höhmann, Heinrich Weber und Joseph Korte.                                                                       (AA  1902)

Pfarrer Falter erhält am 11. Mai 1897 die Erlaubnis zur Gast- und Schenkwirtschaft mit der Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein für das „Vereinshaus“.- „Haus Hellmann“, rechts von Dr. Breuckmann, Breiter Weg.                                                                        (AA 1902)

Pfarrer Falter bittet am 7. August 1897 den Freienohler Amtmann von Köckritz für die Konferenz des Kirchenvorstands im Vereinshaus um die Verlängerung der „Polizeistunde“ von 10 Uhr auf 11 ½ Uhr abends. Diese Konferenz beginnt auch immer erst um 8 ½ Uhr abends und schafft den Konferenzschluss um 10 Uhr abends nicht. Genannt werden die Namen des Kirchenvorstands: Pfarrer Falter, Schneidermeister Kaspar Albers, Fabrikarbeiter Kaspar Altenwerth, Schustermeister Gustav Helnerus, Landwirt Adam Pöttgen, Schneidermeister Arnold Schröder und Ackerwirt Johann Kückenhoff. Die Bitte wird gewährt, weil es sich um eine „geschlossene Gesellschaft“ handelt.. - Ähnlich verhält es sich mit diesen Gruppen, die Pfarrer Falter mit den Statuten und Mitgliederlisten dieser Verein vorlegt: Posaunenchor mit 18 Mitgliedern, Gesangsverein Cäcilia mit 57 Mitgliedern, Volks- und Turnverein mit 70 Mitgliedern.                                          (AA 1902)

Anmerkung: Ein Vergleichen der Namen zeigt oft die Doppel- und Mehrfach-Mitgliedschaft einzelner. Hinzu käme der Befund mit noch anderen Freienohler Gemeinscnaften, z.B. Schützenbrüderschaft. Mit diesem Befund zeigt sich ein durchaus intensives  Zusammenleben – und das nicht nur im „Vereinshaus“.                   

Verzeichnis der Wirtschaften: 1889 in Freienohl: Louis Bracht, Diedrich Kampschulte, Franz Ernst Kerstholt (betrieben vom vom Sohn Johann Joseph Kerstholt), Johann Siepe-Necker, Caspar Tönne, Franz Trumpetter. Insgesamt 6.                                     (AA  1903)

Auch so etwas kommt vor. Am 17. Oktober 1899: Der Fußgendarm Wolf beschwert sich auf dem Amt bei seinem Vorgesetzten, dass der NN (Name hier ausgelassen) beim Händler Anton Neise an ihn Schnaps verkauft hat. Der NN: „Wenn ich bei Neise in Tagelohn landwirtschaftliche Arbeiten verrichte, habe ich bei ihm, wie es hier gang und gebe ist, meinen Schnaps erhalten!“                                                                    (AA  1903)

9.  Liederlichkeiten und Traurigkeiten, Signale aus Armut,

Verbrechen und Gefängnis

Ein Auszug aus dem Gemeinde-Protokoll-Buch vom 22. November 1839: „Das im neuen Schulgebäude angebrachte Arrestlokal soll mittels Anbringung eines Ofens heizbar gemacht und demnächst zu dem Betrag von 7 Talern, welche bisher bei F. Georg Schwefer dafür bezahlt worden ist, der Kommunalgemeinde Freienohl vermietet werden; vorgelesen, genehmigt und unterschrieben: Devivere.“                                       (AA1474)

Am 16. November 1842 wurde der 13-jährige Sohn des Heinrich Hahne aus Breitenbruch wegen eines“kleinen gemeinen Diebstahls mit einer Züchtigung von 5 Ruthenschlägen belegt“. Die Untersuchungskosten wurden ihm zwar zur Last „gesetzt, solche aber wegen dessen Armut niedergeschlagen“ (= nicht verlangt).                                            (AA 1424)

Im Jahr 1846 werden zwei 14-jährige Jungen wegen Diebstahl bestraft. Bei dem einen „stehen die Eltern nicht im besten Vernehmen“ (= die Eltern haben keinen guten Ruf). Bei dem anderen ist die Mutter „seit Jahren tot, und der Vater ist vor einem ¾ Jahr gestorben“.                   

                                                                                                                              (AA 1424)

Über die Wartung und Verpflegung der Polizei-Arrestaten (= der von der Polizei in Gewahrsam, in Arrest genommenen, = Gefangener): ein Vertrag wurde verhandelt,  abgeschlossen am 18. Januar 1858 mit dem Schenkwirt Friedrich Schwefer. (Vollständige Abschrift, in Klammern: „Übersetzungen“, Ergänzungen von wohl ausgelassenen Wörtern)

„1. Der g. (= genannte) Schwefer übernimmt von heute ab die Wartung und Verpflegung der Polzei-Arrestaten und Transportkosten. 2. Sobald ein derartiger Arrestat hier eintrifft und zum Arrestlokal gebracht werden soll, wird davon der Gefangenenwärter sofort in Kenntnis gesetzt und das  Lokal angegeben, in welchem jener inhaftiert bleiben soll. 3. Der Gefangenenwärter hat den Polizeidiener bei der Untersuchung des Arrestanten zu unterstützen, die vorgefundenen Effecten (Gegenstände) werden zum Polizeidiener abgeliefert. 4  Der Gefangenenwärter hat dafür zu sorgen, dass der Arrestat sofort ein gehöriges  (= ordentliches) Lager bekommt und falls derselbe Vormittag eintrifft, zu Mittag, sonst aber eine Stunde nach seiner Ankunft sein in folgenden Paragraphen näher bestimmtes Essen und Trinken bekommt. 5. Der Gefängniswärter verpflegt die Arrestaten täglich pro Mann mit einem Preußischen Maße gut gefetteten warmen Gemüse und 1 ½ Pfund gut ausgebackenes Schwarzbrot der Art, dass dem Arrestaten davon 2/3 Maß Gemüse  und 1 Pfund Brot zu Mittag, 1/3 Maß Gemüse und ½ Pfund Brot nebst dem erforderlichen Wasser zu Abend gereicht wird.  6. Der Gefängniswärter liefert das in den Arrestlokalen nötige Stroh und sorgt für die Reinlichkeit der Lokale, zu welchem Ende er von Zeit zu Zeit und so oft solches nötig erscheint, die vorhandenen Strohsäcke mit frischem Stroh zu füllen hat und dafür sorgen muss, dass (der) Arrestant bei der Entlassung den Unratskübel gehörig leert und 7. Auch für die Reinigung der Decken sowohl wie der Strohsäcke hat der Gefängniswärter so oft solches nötig erscheint und für Kosten und ohne besondere Vergütung zu sorgen. Ebenso hat derselbe die Lokalien von Zeit zu Zeit zu schruppen (!: pp)  und die Fenster zu putzen. 8. Besorgt derselbe die Reinigung der Leibwäsche eines Arrestanten, so wird dieses besonders vergütet. 9. Derselbe hat dafür zu sorgen, dass dem Gefangenen jede Gelegenheit zu fliehen, mit anderen zu sprechen und durch andere (Personen) Lebensmittel zur erhalten, genommen werde. 10. Desgleichen ferner dafür, dass nichts von den Arrest-Utensilien fortkömmt (!: ö) oder an den Lokalien selbst etwas verdorben wird. 11. Derselbe hat ferner die Heizung heizbarer Lokalien zu besorgen. Als Regel wird angenommen, dass vom 1. November bis zum 1. April die Lokalien der Arrestaten geheizt werden müssen. 12. Muss ein Arrestat den Arrest bei Wasser und Brot absitzen, so hat der Gefängniswärter demselben pro Tag 2 Pfund gut ausgebackenes Schwarzbrot und so viel Wasser als verlangt wird, zu reichen.  13. Die Aufnahme, die Entlassung, wie auch die Verabreichung der Post an die Arrestaten geschieht in Gegenwart des die Aufsicht führenden Polizeidieners, , welcher die Schlüssel zu den Arrestlokalen in Händen hat. Die Reinigung ist dann vorzunehmen, wenn die Lokalien nicht besetzt sind und hat sich hierzu der Gefangenenwärter die Schlüssel zu erbitten.  14. Nichtbeachtung der vorstehenden Bestimmungen zieht eine Conventionalstrafe von 10 Silbergroschen (Sgr) bis 2 Pfennig (pf) Nach Bewandnis der Umstände nach sich.  15. Als Vergütung erhält der Gefängniswärter pro Mann und Tag

  1. für einen Arrestaten mit warmer Verpflegung: 1. für Verpflegung: 5 Sgr, 2. Lagerstroh: 10 pf, 3. Putzgebühren: 10 pf; Summe: 6 Sgr. 8 pf.
  2. Für einen Arrestaten bei Wasser und Brot: 1. für 2 Pfund Brot, je Pfund 1 Sgr bis 2 Sgr, 2. für Lagerstroh: 6 pf , 3. für Sitzgebühren : 6 pf.
  3. Für die Heizung wird in den Fällen I. Und II. Vergütet pro Tag und Lokal: 2 Sgr 6 pf. Wird an den Arrestaten keine warme Kost und kein Brot gereicht, oder verpflegt sich derselbe selbst, so kann selbstredend hierfür nichts liquidiert werden.

16. Der Gefängniswärter hat seine Liquidation jedesmal baldigst nach der

Entlassung der inhaftiert gewesenen Personen für jeden einzelnen Fall auf einen besonderen halben Bogen ausgestellt dem hiesigen Amt zur weiteren Veranlassung einzureichen. In diese Liquidation muss Name, Vorname, Stand und Wohnort sowie Datum und Stunde der Inhaftierung und Entlassung des Arrestaten sowie dasjenige eingetragen (werden), was demselben gereicht worden.  17. Beiden Teilen steht frei, nach voraufgegangener zweimonatlicher Kündigung von diesem Vertrag zurück zu treten. Sollte sich (der) Gefängniswärter eine Vernachlässigung zu Schulden kommen lassen, so kann die Polizeibehörde ihn seines Dienstes sofort entlassen.“ Unterschrieben von Friedrich Schwefer.                                                                                                          (AA    1474)

                                                                                                                                      

In der Akte „Gefängnis“: am 3. September 1863: Gefangene wegen Trunkenheit NN1: 3 Tage Haft, NN2: 15 Stunden Haft; Gefängniswärter ist Wirt Friedrich Schwefer.

Am 3. Mai 1869: zu einer dreitägigen „Mittel-Arrest-Strafe“ im hiesigen Gefängnis sind verurteilt die Reservisten NN3 und NN4, weil sie wegen des Frühjahrsappels vom 29. April bis zum 2. Mai gefehlt haben.  (AA 1674)

Eine Liste gerichtlich belangter Personen aus dem Jahr 1885, alphabetisch geordnet: zumeist junge Leute, männlich, (keine weiblich!) 18 – 25 Kahre; Gründe: Ruhe störender Lärm  (zeitüblich mit Skandalieren bezeichnet), Körperverletzung, Beleidigung, „grober Unfug“ (ohne ein Beispiel zu nennen); Strafe z.B.: 40 Mark oder 8 Tage Haft. Häufig auch: Holzdiebstahl, Hausfriedensbruch.   (AA 1463)

Ab 1886: Bußgelder müssen die Eltern zahlen, deren Kind in der Unterrichtszeit an Schultagen und auch stundenweise gefehlt haben.

Am 11. März 1889: es gibt Strafen für „Flur-Frevel“; u.a.: Witwe Kloke klagt auf dem Amt, sie kann nicht die 5 Mark Strafe zahlen „wegen unbefugten Weidens meiner Ziege im Forstort Mühlenberg“. Die Strafe wird auf 1 Mark ermäßigt.     (AA 1462)

„Am 23. Juni 1889: nachmittags um ½ 6 Uhr wieder gegen das Forstfrwevel-Gesetz vom 1. April 1880 am Mühlenberg durch Weiden einer Ziege, verstoßen von Franz Kloke, Sohn der Witwe Kloke.“ Die bittet wieder um Niederschlagung der 4 Mark Strafe; die Strafe wird herabgesetzt auf 1 Mark.  (AA 1462)

Am 19. November 1886: Reservist 3. Klasse NN5 leistet 1 Tag Haft an Stelle der Geldstrafe von 5 H. (Die Namen sind hier absichtlich ausgelassen,  sie können  in der  Akte 1474  im Archiv eingesehen werden.)       (AA  1474)

Spektakel der Macht? Am 1. Juli 1898 hat der Raseur („rasieren“, Friseur) Heinrich Neise trotz wiederholter Warnung durch den Feldhüter (Polizist, der auf das korrekte Weiden zu achten hat) 8 Stück Hühner im Garten des Pfarramts – Pfarrer Falter -  in unbefugter Weise weiden lassen. „Ich beantrage die Bestrafung des Heinrich Neise. Falter, Pfarrer“ Zeugen sind Förster Ganczarsky und Schlossermeister Adam Pöttgen, - 5 Mark Strafe. - Verhandlung am 13. August 1889. Förster Hugo Ganczarsky: „Ich kann nicht unter Eid aussagen, dass die betreffenden Hühner, welche im Garten des Pfarrers Falter gewesen waren und die ich gesehen habe, dem Barbier Heinrich Neise gehört haben.“ - Amtmann Köckeritz fordert am 17. August Pfarrer Falter auf, mehrere Zeugen zu benennen, die beweisen können, dass es sich um die Hühner von Barbier Neise gehandelt hat. Wenn das nicht gelingt, sieht er – Köckeritz -  sich „in die Lage versetzt, die gegen Neise gerichtete  Strafverfolgung zurück zu ziehen.“- Am 23. August 1898 schreibt Pfarrer Falter einen ¾ Seite langen Brief an den Amtmann: „In eigener Erwiderung auf die Geschichte habe ich Ihnen mitzuteilen, wie meine Haushälterin Fräulein Anna Fuchs bezeugt, dass sie die Küchlein (jetzt sind es schon keine Hühner mehr) der Neise in diesem Sommer täglich mehrere Male aus unseren Garten gejagt habe und die Zugehörigkeit des Neise aus dem Umstand folgere, dass die Tiere regelmäßig durch die Seitentür in die Neise`sche Behausung, einmal sogar in Gegenwart der in der genannten Tür stehenden Ehefrau Neise, Franziska geb. Hirnstein, geflohen seien. Falls diese Angabe nicht genügt, bitte ich von Weiterungen (!?) abzusehen. Im nächsten Jahr werde ich mein Eigentum durch Gewalt maßregeln, zu schützen wissen, da ich dem Neise gegenüber, welcher nicht 1 Meter bei seiner Wohnung sein eigen nennt, und er dennoch verschiedener …?... hält, nicht wieder den Nachgiebigen spiele, während ich selbst über ein beträchtliches Areal verfüge und dennoch, um meine Beeren zu retten, meine Küchlein in der Giesmecke ausbrüten lasse. Der Pfarrer: Falter“

Randnotiz des Amtmanns: „Strafverfügung gegen Neise ist zurückzuziehen, da ein Beweis nicht erbracht oder auch nicht angeboten ist.“     (AA 1466)

Am 22. August 1898 ein Anzeige des Polizeidieners Schweer, Freienohl, gegen den Brot-Fahrer Joseph Zacharias: „Der hat abends gegen 8 ½ Uhr die Chaussee von Freienohl nach Oeventrop im Gemeindebezirk Freienohl befahren, ohne sein Fuhrwerk mit einer hell brennenden Laterne versehen zu haben.“ - Am 15. September 1898 sagt Schweer aus: „Ich habe mich mit der Anzeige geirrt und bitte, dieselbe zurückziehen zu wollen.“ Das geschieht.  (AA 1466)

Ein 19-jähriger junger Mann, Maurer, war in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1900 in Freienohl in der Nähe des Vereinshauses („Hellmann“) mit 2 Bekannten unterwegs, auch noch andere;  vom Polizeidiener Schweer wurden alle um Ruhe gebeten. Der 19-Jährige bewarf den Polizisten mit Steinen. Seine Bestrafung: 30 Mark oder 3 Tage Haft.  (AA 1466)

Am 9. April 1901 erstattet Lehrer Eickelmann Strafanzeige wegen Schulversäumnis am 2. und 3. April gegen die 9-jährige Tochter Johanna des Holzarbeiters Hahne. Der Vater soll 1,50 Mark Strafe zahlen oder 1 Tag Gefängnis. -  Am 17. April bescheinigt der Schularzt Dr. med. Gruhs dem Amtmann, dass das Kind krank ist und nicht in die Schule kann. - Am 8. Mai steht auf der Akten-Bescheinigung: „Das Kind ist inzwischen verstorben. Die Strafverfügung wird zurückgezogen.“ Im Kirchhofsregister: am 27. April 1901. (AA 1466)

10.  Vom Schmieshäuschen und Scheibenstand, - 1834 und so weiter

„Schmieshäuschen“: beim Aussprechen trennen zwischen „i“ und „e“ und anstatt des „e“ ein „ä“ sprechen, dann hört sich das schon Freienohlersch an und nach diesem „ä“ streichen das „s“ und sprechen dafür ein „d“, dann wird fast alles klar: gemeint ist das kleine Haus eines Schmieds. So etwas gehört zum Steinbruch. Da befinden wir uns mit diesem Kapitel. Wenn man von Meschede aus über die Ruhrbrücke kommt, - damals hieß sie: Plastenberg-Brücke oder Blastenberg-Brücke (langes „a“) -, dann schauen nach links. Man entdeckt etwas Steinbruch-Ähnliches. Und da war auch der Scheibenstand, der Schießstand. Nicht für Schützen oder Soldaten zum Übungsschießen. Sondern ein Schutzstand, ein Schutzhäuschen für die Arbeiter im Steinbruch beim Sprengen von Gestein.

Und jetzt am 23. September 1834 der Landrat in Arnsberg zum Bürgermeister in Freienohl: „Die Anlegung eines Scheibenstandes zu Schmieshäuschen wird für Ihren Ort nicht gestattet, deshalb weil der Scheibenstand zu nahe an der Chaussee gelegen ist (so hieß damals die neue Straße durch Freienohl von Arnsberg nach Meschede) und daher diejenigen, welche an dem Scheibenstand vorbeifahren (mit ihrem Fuhrwerk), zu leicht dadurch, dass die Pferde scheu werden, gefährdet werden können.“                (AA  1485)

Am 29. August 1854 erbittet August Lichte vom Freienohler Bürgermeister Thüsing die Erlaubnis, „an dem sogenannten Knäppchen einen Scheibenstand zu errichten“. Eine Genehmigung ist nicht zu finden. Am Brief-Rand ist nur notiert: „ad acta“ - zu den Akten.

                                                                                                                             (AA  1485)

Am 16. April 1860 lässt handwerkliche Unachtsamkeit Streit aufkommen. NN hatte „zum Neubau der Brücke zur Steingewinnung den hiesigen fiskalischen (der Gemeinde gehörenden) Steinbruch übernommen“. Heinrich Lenze gnt. Lichte: „ Am 12. April  morgens gegen 7 Uhr legte NN wieder zwei Schüsse zum Sprengen an. Bei der Entladung flog ein Stein bis auf mein Hausdach, zertrümmerte dort eine Portion Schieferplatten und zerschlug die Bretterbekleidung unter dem zertrümmerten Schiefer, dass hierdurch die Öffnung in meinem Dach entstand.“ Der Streit veranlasste manche Neuregelungen für das Zusammenleben. Hier im Text wird freilich das Hin und Her zwischen den Arnsberger und Freienohler Behörden und dem behördlichen Bau- und Sprengmeister Berring nicht referiert.                                                                                                                (AA  1485)

Bau- und Sprengmeister Berring schreibt am 22. Mai 1860 an den Bürgermeister: „Da gestern Abend bei den letzten um 6 ½  Uhr abgefeuerten Sprengschüssen wieder mehrere und größere Steinstücke unmittelbar bis an das Haus des Lenze gnt. Lichte geschleudert und auf Aussagen des Franz Korte und Louis Bracht hierselbst dicht neben einem vor dem Hause spielenden kleinen Kind eingeschlagen sei, so fordere ich das Königliche Polizeiliche Amt hiermit ergebendst auf, gegen den NN als auch im Allgemeinen die für das Abfeuern der Schüsse bestimmte Zeit zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Ebenso wird es dann nötig sein, dass diese Zeit selbst bis auf Minuten – etwa von einer viertel zu einer viertel Stunde – bestimmt und dass der diesseitige Wachtposten bis an das Haus des August Lichte vorgeschoben wird.“ (August Lichte = Bruder des Johann Lichte, Alte Haus-Nr.1, Parz. 702/704)                                                                                  (AA  1485)

Am 2. April 1872 wird der Polizeidiener Kaspar Kaulmann beauftragt, die Steinbrücke auf ihre behördlich richtige Anlegung hin zu untersuchen. (Ruhrbrücke) Er berichtet, dass die Steinbrücke „sämtlich nicht eingefriedigt sei“ (durch keinen Zaun geschützt), auch „nicht der Steinbruch der Gemeinde Freienohl von Wilhelm Hahse am Mühlenberg, der des Franz Spielmann am Sunderwege und am Hahn“.                                             (AA  1485)

Am, 6. Februar 1877 beschwert sich Johann Schramm beim Freienohler Amtmann Ley: „Heute Nachmittag gegen 5 Uhr, als ich bei dem Wirt Siepe war, flogen plötzlich mehrere Steine von dem Steinbruch auf und vor dessen Haus, wodurch sehr leicht Kinder stark beschädigt werden konnten.“ Am 7. Februar 1877 erschien – aufgefordert – der Holzhändler Hahse auf dem Amt. Er wird ermahnt und soll „die Vorschriften genau beachten, widrigenfalls werde mit aller Strenge gegen den vorgegangen. Hahse bat, für diesmal von einer Strafe Abstand zu nehmen.“                                                  (AA  1485)

Am 6. April 1878 berichtet der Polizeidiener Schwer: „Die Steinbrüche und Gruben in meinem Bezirk sind sämtliche einbefriedigt.“ (umzäunt)  Am 20. Oktober 1882 berichtet er: „Es ist gegen die Bestimmungen nichts vorgefunden.“ Dieser Bericht folgt regelmäßig.                                                                                                                                                                                                                          

                                                                                                                           (AA  1485)

Auch dies gehört zum Zusammenleben: am 19. Mai 1884 beantragt der Wirt Johann Siepe: „Ich wollte auf der Gemeindehude am Knäppchen einen Scheibenstand errichten. Der Schützenstand soll auf meinem Grund und Boden bleiben, während auf der Gemeindehude nur die Scheibe aufgestellt werden soll. Ich bitte um Genehmigung.“ An den Amtmann Enser. Die erste Antwort ist vom 23. Mai 1884: „Vor einer Genehmigung wollen sich einige Gemeinde-Verordnete den Ort des Scheibenstandes noch ansehen. In den nächsten 14 Tagen erhalten Sie Antwort.“ - Die ist in dieser Akte nicht zu finden. Noch angemerkt: hier handelt es sich nicht mehr um die Schutzmaßnahmen bei Steinbrucharbeiten, sondern um das Brauchtum der Schützenbruderschaft.    (AA  1485)

11.  Gratifikation, Prämie für Lebensrettungen und Hebammen,

Medizinalwesen, Seuchen und Ärzte        

(AA  399, 1736, 1734, 1736, 1737, 1744, 1794)

 

11.1.  Gratifikation, Prämie

Gratifikation für Ludwig Neise dank einer Rettung aus Lebensgefahr! Am 5. Oktober 1847 informiert der Freienohler Amtmann von Devivere den Landrat von Lilien in Arnsberg: „Der 18-jährige Ludwig Neise, Sohn der Witwe Johann Neise, hat den Schusterlehrling Carl Becker aus Grevenstein am 22. August  bei der Gelegenheit, als derselbe in der Ruhr gebadet, mit eigener Lebensgefahr vor dem Wassertod gerettet.“ Der Landrat von Lilien bewilligt dem Ludwig Neise aus der Regierungs-Hauptkasse eine Belohnung von 10 Talern als Dank. (AA  1736) Aus der Einwohner-Liste vom 4. Dezember 1846 (AA  2170): alte Haus-Nr. 6: 1 Johann Neise, Ackersmann, LA 53; 2 Dorothea Neise geb. Kessler, Ehefrau zu 1., LA 51; 3 Kaspar Neise, Sohn zu 1., Ackerknecht, LA 26; 4 Marianne Neise, Tochter zu 1., Magd, LA 20; 5 Ludwig Neise, Sohn zu 1, LA 17; 6  Theresia Neise, Tochter zu 1, LA 13; 7 Ferdinand Neise, Sohn zu 1, LA 11; 8 Heinrich Neise, Sohn zu 1, LA 7.

 

Eine Prämie von 10 Talern für den Maurer Franz Hirnstein zum 14. Juni 1848: der 5-jährige Sohn des Philipp Trompetter war in den mit Wasser gefüllten Brunnen gefallen und von Franz Hirnstein gerettet worden. „Der erhält die Geld-Prämie, wenngleich davon Abstand genommen werden sollte, weil Franz Hirnstein dem Trunk sehr ergeben sei und deswegen die Geld-Prämie unnötig aufgebracht sei.  (AA 1736) 

Aus der Einwohner-Liste vom 4. Dezember 1846 (AA  2170): alte Haus-Nr. 4b, Parzelle 726 (4a = Erhard Hirschberger, Gastwirt, Krämer) 1 Philipp Trompetter, Sägeschneider, LA 37; 2 Florentine Trompetter geb. Feldmann, Ehefrau zu 1, LA 33; 3: Trompetter, Sohn zu 1, LA 13; 4: Ludwig Trompetter, Sohn zu 1, LA 10; 5: Kaspar Trompetter, Sohn zu 1, LA 8; 6: Franz Trompetter, Sohn zu 1, LA 4; 7: Lisette Trompetter, Tochter zu 1, LA 1. - Alte Haus.-Nr. 80a: 1: Franz Hirnstein, Maurer, LA 41; 2: Bernhardine Hirnstein geb. Kenter, Ehefrau zu 1, LA 47; 3: Franz Hirnstein, Sohn zu 1, Maurerlehrling, LA 14;  4: J. Hirnstein, Sohn zu 1, LA 10; 5: Ferdinand Hirnstein, Sohn zu 1, LA 5; 6: Gertrud Hirnstein, Tochter zu 1, LA 2.

 

Eine Prämie von 5 Taler erhält die Ehefrau des Georg Flinkerbusch, weil sie den in die Ruhr gestürzten 5-jährigen Sohn des August Lichte am 1. August 1856 gerettet hat. (AA 1736) Damals – 1856 – war für die Akten der Vorname der Ehefrau wohl unwichtig. Aber aus der Einwohner-Liste von 1846 (AA  2170): Alte Haus-Nr. 34b (Anton Stirnberg: 34a = Parzelle 877) Georg Flinkerbusch, Köhler, LA 1856: 46 J., Ehefrau Katharina Flinkerbusch geb. Quinkert, LA 1856: 41 J. - Unfallstelle vielleicht an der Ruhr: auf der Lanfert bei der Wäsche-Bleiche, weil da bei der „Wäscherei“ das Kind von August Lichte vielleicht am Spielen war.                                                                                                        (AA  1736)

 

11.2.  Hebammen

Die Hebamme erhält – ganz allgemein - im Jahr 1858 für jede Geburt 23 Sgr = Silbergroschen. Ferner hat die Hebamme von der Gemeinde  1 Morgen Ackerland zur Benutzung erhalten. - Ausgebildet wurden Freienohler Hebammen im „Geburts-Institut“ in Paderborn; hier erhielten sie auch ihre Approbation.

Um 1834 gab es Hebammen-Lehrinstitute in Meschede, Münster, Minden, Bielefeld und Paderborn. Zum 1. Januar 1834 wurde Meschede geschlossen, Für die beiden Regierungsbezirke Minden und Arnsberg eine Entbindungs-Anstalt und ein Hebammen-Lehr-Institut in Paderborn eröffnet. Damit – am 1. Januar 1834 - ging die alte Paderborner Anstalt in die neue auf. Die Ausbildungsdauer betrug vier Monate. Am Ende des Kurses stand die Prüfung, die von einem Beamten protokolliert werden musste. Darauf konnte die Approbation erfolgen. Der Approbationsschein besaß 5 Jahre Gültigkeit. Führte sie ihr Amt gut aus, wurde der Schein auf weitere 5 Jahre erneuert. Jede approbierte Hebamme, auch ihr Ehemann, war von allen Gemeinde- und Staatslasten frei. Für Beistand bei der Geburt und Pflege von Wöchnerin und Kind bis zu 3 Wochen nach der Geburt standen ihr von Vermögenden  1 Reichstaler zu, von Armen 30 Stüber aus dem Armen-Fonds der Gemeinde. Mit Zustimmung der Hebamme konnte auch in Naturalien bezahlt werden. (Ursula Hennecke in SWA 2007, S. 203 ff.; siehe auch unten)

Am 30. Dezember 1876 steht dies in der Verfügung der Königl. Regierung Arnsberg und im Gemeindebeschluss Freienohl: Die Hebamme erhält jährlich 45 Mark aus der Gemeindekasse. Damit ist sie verpflichtet, „die Entbindung zahlungsunfähiger sowie die erforderliche Pflege derselben und ihrer neugeborenen Kinder unentgeltlich zu besorgen“. Dazu bemerkte die Versammlung, dass sie einer solchen Mehrausgabe nicht nachkommen könne... bei den jährlich vorkommenden etwa 50 Entbindungen...der Vergütungssatz unverhältnismäßig hoch... Ferner hat die Hebamme ein Ackergrundstück zur unentgeltlichen Benutzung überwiesen bekommen, dasselbe habe eine Größe von etwa 1 Morgen und einen jährlichen Nutzungswert von 18 Mark für unentgeltliche Behandlung der Wöchnerinnen.“  (AA  402)

Im Jahr 1846 ist Hebamme Elisabeth Tönne geb. Albers, geb. 1799;  Ehefrau des Leinewebers Franz Tönne, alte Haus-Nr. 106: Heirat am 17. November 1824 (Trauzeugen:  Franz Weber und Clara Schnapp); 1846 hat die Familie 5 Kinder.  Ab 5.10.1831 Hebamme, sie arbeitet auch als Lehrerin (aktenkundig ist  dabei nicht, in welcher Klasse; siehe Netzwerk Schule); mit dem Lehrerin-Titel macht sie bei der Gemeinde eine Eingabe am 8. Februar 1849; sie bittet um die Anschaffung einer Klistier-Spritze; die darf sie sich auf Kosten der Gemeinde anschaffen. (AA 399) -    Im Jahr 1861: Hebamme Tönne „befindet sich wegen Kränklichkeit im Geburts-Institut in Paderborn“. Frau Tönne ist als Hebamme im Amtsverzeichnis eingetragen in den Jahren 1858 bis 1875; vorher und hinterher ist nicht aktenkundig. Sie leistet auch in umliegenden Dörfern Geburtshilfe, vielleicht dort auch als Lehrerin. Leider und auch selbstverständlich steht in den Amtsakten nichts vom „Zusammenleben“ der Hebamme mit dem neuen Baby, mit der Familie oder auch Noch-nicht-Familie und auch nichts über eine Totgeburt.                                             (AA 1734)

Hebamme Elisabeth Kerstholt geb. Trompetter, Ehefrau des Franz Wilhelm Kerstholt; geb. 1830, Heirat am 29. Januar 1850 (Trauzeugen: Kaspar Petz und Dora Trompetter); sie hat am 19. Februar 1862 im Geburts-Institut in Paderborn ihre Approbation als Hebamme erhalten und am 23. September 1862 ihre Anstellung in Freienohl, in der Approbation bis 1891. - Zur Jahreszahl 1891 siehe unten 22. August 1893, TOP 2.

Aus dem Gemeinde-Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 25. November 1865,

TOP 1091: Der Ehefrau Franz W. Kerstholt wurde auf ihren Antrag hin mit Rücksicht auf ihr spärliches Diensteinkommen und des in ihrem Hause herrschenden Notstandes eine einmalige Gratifikation, Renumeration von 3 Talern bewilligt.

Gemeinde-Versammlung am 6. März 1867, TOP 1188: Die Hebamme Ehefrau Kerstholt erhielt eine Gratifikation von 3 Talern.

Gemeinde-Versammlung am 26. Mai 1882, TOP 1:  Einstimmig von der Gemeinde-Versammlung wurde beschlossen,  die Kosten für Beschaffung eines Hebammen-Lehrbuches und eines Thermometers für die Hebamme Kerstholt aus der hiesigen Gemeindekasse vorschussweise  zahlen zu lassen und demnächst im Wege der gerichtlichen Klage von der Hebamme Kerstholt wieder einzuziehen. - Gründe für dieses aus heutiger Sicht eigenartige Verhalten sind nicht aktenkundig.

Gemeinde-Versammlung am 5. September 1882, TOP 8:  Der Antrag der hiesigen Hebamme Kerstholt um Übernahme der Kosten für ein Hebammen-Buch und ein Thermometer auf die Gemeindekasse wurde abgelehnt. (AA 404)

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 5. November 1887, TOP 6:  In Folge des Gesuchs des Försters Ganczarsky um pachtweise Überlassung des sogen. Hebammenlandes wurde, weil die Hebamme Kerstholt als Bezirkshebamme jährlich nur 45 Mark Gehalt bar bezieht, der Kerstholt das Land zu Martini 1888 gekündigt.  Über die Verwendung des Landes soll später Beschluss gefasst werden. - Nicht ganz einsichtig scheinen die Zusammenhänge zu sein.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 29. November 1887, TOP 3:  Der Antrag der Hebamme Kerstholt um fernerweite (weitere) Überlassung des sogen. Hebammenlandes wurde abgelehnt und es soll bei dem Beschluss vom 5. d. M. lediglich sein Bewenden haben.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 21. Januar 1888, TOP 3:  Der Antrag der Hebamme Kerstholt auf Niederschlagung des Hirtenlohns von 5,69 Mark wurde abgelehnt, da deren Sohn, der Maurer Franz Kerstholt, Besitzer der vorgetriebenen Kuh ist und wir diesen Hirtenlohn-Freiheit nicht zugestehen können.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 20. April 1888, TOP 17:  Der Hebamme Kerstholtsoll das sogen. Hebammenland in Rücksicht auf die vorgenommene Düngung desselben noch auf weitere 3 Jahre gegen Zahlung einer jährlichen Pacht von 10 Mark belassen werden.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung vom 16. September 1890, TOP 9:   Der mündliche Antrag der Hebamme Witwe Kerstholt, ihr das von der Gemeinde gepachtete Grundstück bei dem Forsthaus bis zur Beendigung der Separation für den bisherigen Pachtbetrag  zu belassen, wurde genehmigt. - Eigenartig: hier steht bei Hebamme: Witwe; im Sterberegister ist kein Eintrag von Franz Wilhelm Kerstholt zu finden. Möglicherweise ist er krank in einem Krankenhaus gestorben, in Arnsberg, Neheim, und darum nicht im Freienohler Sterberegister steht. Weitere Forschungen wurden nicht gemacht.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 22. August 1893, TOP 2:  Das Gesuch um Ausbildung der Ehefrau (Franz) Kerstholt (geb. Schlüter) als Hebamme auf Kosten der Gemeinde wurde abgelehnt, da die seitherige Bezirks-Hebamme  ihr Amt bisher noch nicht gekündigt hat. - Gemeint ist die Ehefrau des Maurers Franz Kerstholt, des Sohns von Franz Wilhelm Kerstholt, dessen Mutter Hebamme ist; Heirat Franz Kerstholt mit Elisabeth Schlüter aus Scharfenberg Zeugen: Heinrich Peetz, Theresia Linneborn) am 24.11.1888.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 7. September 1893, TOP 3:  Es soll eine Hebammen-Lehrtochter gewählt und ausgebildet werden, jedoch soll die gewählte Person die Pflegekosten zu 180 Mark der Gemeindekasse erstatten. - Gemeint sind wohl die Ausbildungskosten.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 3. Oktober 1893, TOP 2: Das Gesuch der Hebamme Kerstholt um pachtweise Überlassung des sogen. Hebammenlandes wurde abgelehnt, da die angegebenen Teilungen desselben vorher abgeführt werden sollen.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 20. November 1893,  TOP 11:  Von dem Resultat der Hebammen-Lehrtochter-Wahl wurde Kenntnis genommen und (es) soll die Näherin Josefine Schröer als Hebamme ausgebildet werden. - Siehe oben 7. September 1893, TOP 3. Siehe unten: Kapitel Hebamme Josefine Schröer.

TOP 12:  Das Gesuch des Maurers Franz Kerstholt um Ausbildung seiner Ehefrau als Hebamme zu einem ermäßigten Preis wurde vorgetragen, jedoch kann demselben (Gesuch)  keine Folge gegeben werden, da die Frau Kerstholt als Hebammen-Lehrtochter von der Gemeinde nicht präsentiert werden kann und mithin ein Ermäßigung der Pflegekosten zu 300 Mark nicht statthaft ist.  - Ein Grund des Nicht-Könnens ist nicht aktenkundig.

Die Hebamme Elisabeth Kerstholt stirbt am 24. November 1893, LA 62 J.

Das Heiratsdatum dieser beiden Frauen wurde absichtlich hier eingetragen: zeigt das doch nicht nur die Arbeitsfähigkeit von Frauen, die besaßen – man kann sagen: alle – anderen Frauen und zugleich Mütter dieser Zeit auch, sondern auch die Berufsfähigkeit von Frauen. Und Hebammen leben nicht nur im heimatlichen Dorf.

Mehr über Hebammen in Freienohl bis ins 20. Jahrhundert: Groß-Kapitel: Frau, Frauen in Freienohl.

11.3. Typhus – Seuche – Angst und Schrecken

Am 28. Februar 1882 informiert der Freienohler Amtmenn Enser den Arnsberger Arzt Freiherrn Dr. von Schleinitz, dass der Gymnasiast Kerstholt, der Sohn des Wirts Joseph Kerstholt vor ein paar Tagen an Typhus erkrankt ist. - Mehr steht dazu nicht in der Akte AA 1794.

Erst ein paar Monate später – und das ist für Heutzutage auffällig:

Protokoll-Text der Gemeinde-Versammlung am 5. September 1882, TOP 15:  In jüngster Zeit zeigen sich im hiesigen Ort Krankheitserscheinungen, welche auf einen Ausbruch von Typhus hinweisen. Zum dringenden Schutz wird eine Sanitäts-Commission gebildet. Stellvertretender Gemeinde-Vorsteher Düring als Vorsitzender, Gemeinde-Verordnete Carl Feldmann und Heinrich Albers, in Arnsberg Armen-Arzt Dr. Carl Schleinitz. Diese Sanitäts-Commission soll in ihren Anordnungen unbeschränkt sein. Und damit sie für die Gemeinde Ersprießliches (!) wirken kann, wird ihr aus Gemeinde-Mitteln vorläufig ein Bendit (Guthaben) bis zur Höhe von 200 Mark bewilligt. Sollte nach Verbrauch dieser Summe die Krankheit eventuell noch nicht erloschen sein, dann werden wir auf Antrag der Sanitäts-Commission weitere Mittel zur Verfügung stellen. (AA 404)

Tatsächlich: Typhus. Am 10, September 1882 wird „die Sanitäts-Commission: Gemeinde-Vorsteher Düring, Gemeinde-Verordnete Feldmann und Albers gebildet und arbeitet“.

Denn am 11. September 1882 werden vom Polizeidiener Schwer als krank gemeldet: 1. Franz Schwefer 16 Jahre; 2. Theresia Eickelmann 6 Jahre; 3. Adolf Lichte 11 Jahre; 4. August Mester 19 Jahre;  Nicolaus Schmitz 9 Jahre.

Ebenfalls am 11. September 1882: Die  Sanitäts-Commission soll heute im Ort besichtigen: Düngergruben, Abtrittsanlagen (= Toiletten), Brunnen, Abzugsverhältnisse (Rauch, Qualm, Lüftung...).

In der „Typhus-Akte“ sind die namentlich aufgeführten Einwohner Freienohls, die im Besitz einer Düngergrube oder einer Abtrittsanlage sind und wo der Einzelne, die einzelne Familie ihr Trinken her bezieht; aufgeführt sind 171 Namen; datiert: 19. September 1882. Amtmann Enser gibt den Auftrag aus für die nächsten 14 Tage: Die Düngergruben müssen gereinigt, desinfiziert, wasserdicht hergestellt werden und mit einer wenigstens  1 Fuß hohen Mauer (35 cm), die muss wetterdicht sein und eingefriedigt werden. Die Chausseegräben innerhalb der Ortschaft müssen gereinigt werden. Die öffentlichen Primarbrunnen müssen auf ihre Wasserführung untersucht und „bearbeitet“ werden.

In der Akte folgt dann die Liste „der Einwohner der Entnahme des Trink- und Kochwassers“. 174 Namen; aufgeteilt nach Brunnen-Selbstbesitz (80), Brunnen-Gemeindebesitz (24) und Nachbar-Entnahme (70).

Für das Zusammenleben wird hier deutlich, wer allein klarkommt und wer mit dem, mit den Nachbarn zusammen kommt (die Frauen werden beim Wasserholen bestimmt mit einander sprechen, „schwatern“).

Am 28. September 1882 folgt eine Liste mit den ersten 5 schon bekannten und dann den neuen Typhus-Erkrankten: Schließlich sind alle wieder genesen; dank ihrer Widerstandsfähigkeit aufgrund ihrer nicht leichten Lebensverhältnisse – und natürlich der medizinalen Fürsorge..

Name des Erkrankten

Lebens-

alter

Lebensverhältnis

Wohnung

Straße

Franz Schwefer 16 Vater Tagelöhner, zahlreiche Familie, dürftige Verhältnisse Krumme Str.
Theresia Eickelmann 6 Vater Fabrikarbeiter, chemische Fabrik Oeventrop, mittelmäßige Verhältnisse Mittlere Str.
Adolf Lichte 11 Vater Küfer,  sehr dürftige Verhältnisse Krumme Str.
Augusta Mester 19 Vater Tagelöhner, mittelmäßige Verhältn. Mittlere Str.
Nicolaus Schmitz 9 Vater Maurer, sehr ärmliche Verhältnisse Krumme Str.
Bernard Heckmann 19 Vater tot, Stiefvater Ackerer, ziemlich gute Verhältnisse Mittlere Str.
Joseph Köster,Ehefr. 26 Ehemann Fabrikarbeiter, durchaus dürftige Verhältnisse Mittlere Str.
Theodor Nolte 12 Vater Tagelöhner, mittelmäßige Verhältnisse Krumme Str.
Elisabeth Helnerus 3 Vater Tagelöhner, ärmliche Verhältnisse Mittlere Str.
Joseph Siepe 16 Vater tot, Mutter Tagelöhnerin, sehr ärmlichste Verhältnisse Vordere Str.

Anmerkung: 1882: Mittlere Str., darauf: Mittelstraße; ab 1972: St. Nikolaus-Straße; 1882: Vordere Str., auch: Erste Str., Östliche Straße; dann: Bergstraße.                                              

Die zahlreichen Abschluss-Listen der „Typhus-Akte“ bestehen aus den Rechnungen der Ärzte und Apotheken (in Arnsberg).                                                                    (AA 1794)

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 19. April 1883, TOP 1:  Aufgrund einer Regierungs-Verfügung beschloss die Versammlung die von dem Kirchen-Vorstand im Pastorats-Gebäude für Typhus-Kranke zur Verfügung gestellten Zimmer im Bedarfsfall mit den erforderlichen Krankenpflege-Utensilien auszustatten. - Das Pfarrhaus steht zur Zeit leer.  Pfarrer Adams war 1881 gestorben. Pfarrer Falter kam erst 1884. Die Pfarrei wurde betreut von Pfarrer Berens aus Rumbeck.

Um die Kinder im und außerhalb des Pfarrhauses sorgte sich die Barmherzige Schwester Maria Isidora. Am 16. Oktober 1882 erhält sie aus der Gemeinde-Kasse 15 Mark Reisekosten. Leider ist ihr Abfahrtsort, ihre Route nicht aktenkundig. Sie könnte aus Arnsberg gekommen sein. Politisch hingen Arnsberg und Freienohl eng zusammen. Von den Clemensschwestern im Marien-Hospital in Arnsberg könnte Sr. M. Isidora stammen.

Aus der Ordens-Zentrale in Münster haben die Clemensschwestern keinen Befund aus der Zeit 1882/1883 mitteilen können. Im Volksmund waren die Ordensschwestern alle Barmherzige Schwestern. So ist die genaue Herkunft von Sr. Isidora offen.  (Sr. = latein.

Soror, Schwester; der erste Ordensname Maria war zumeist vor dem zweiten Ordensvornamen.)

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 7. Oktober 1884, TOP 4:  Um dem Grund der Typhus-Krankheit Herr zu werden, soll eine Krankenschwester auf Kosten der Gemeinde die Pflege der Kranken übernehmen.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 22. Februar 1885, TOP 5:  Die Rechnung des Cremer in Arnsberg über 6 Mark für geliefertes Gummituch für die Typhus kranke Familie Trompetter soll angewiesen werden.

Protokoll  der Gemeinde-Versammlung am 10. März 1885, TOP 8:  Der Armenarzt soll angewiesen werden, neue wirkliche Medikamente (gemeint sind wohl: wirksame) für Ortsarme bei den Apotheken in Arnsberg in Bestellung zu geben, dagegen sollen die übrigen Krankenbedürfnisse durch den Gemeinde-Vorsteher beschafft werden.

Aufgrund von Erfahrungen: sorgfältige Voraussicht!

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am23. November 1885, TOP 5: Bei Ausbruch einer Cholera-Krankheit soll für den hiesigen Ort eine Baracke gebaut werden und die Ausführung des Baus ist dem Schreinermeister Carl Feldmann hier übertragen. Als Cholera-Krankenpflegerin wurde die Witwe Erlmann designiert. 5 Liter 100 % Karbol-Säure sollen beschafft und beim Gemeinde-Vorsteher hingestellt werden.

Bei so einer noch glimpflich ausgegangenen Epidemie haben die Freienohler nicht das heutige Wissen besessen.  Vielleicht hat sich etwas von dem herum gesprochen, was in dem damals gewichtigsten Lexikon stand: „Oekonomische Enzyklopädie von Johann Georg Krünitz, 1773 – 1858“. Aus dem Online-Text: www.kruenitz1.uni-trier.de  folgen hier ganz wenige Auszüge aus dem sehr ausführlichen und spannend zu lesenden Text über das damalige Wissen über Typhus:

„Gute Vorbeugungsmittel gegen Typhus und allen ansteckenden Krankheiten beim Soldaten im Felde, auf Märschen, im Lager und Bivouak etc  (Diese Auszüge wurden gewählt, weil einige Erfahrungen und Erzählungen vorhanden gewesen waren aus der eigenen Soldatenzeit der Männer, Väter – 1870/71 – und Urgroßeltern Anfang des 19. Jahrhunderts; siehe auch oben über die Soldaten-Durchzüge, Einquartierungen in Freienohl...)   Wie sehr der Winter auf den Soldaten einwirkt und seine Gesundheit zerstört, besonders, wenn er sich von allem entblößt sieht und dabei von Feinden umringt ist und verfolgt wird, hat der Rückzug Napoleons von Moskau bis Deutschland bewiesen; denn die Franzosen brachten den Typhus mit in ihrem Gefolge, der entsetzlich unter ihnen wütete, und, wo sie durchzogen und einquartiert wurden, den Bürger und Landmann damit ansteckten, ganze Spitäler damit infizierten etc. … Ein aufgeheitertes Gemüt (das Scherzen. Lachen und Singen) erhält den Körper frisch und kräftig und schützt mehr die Gesundheit als alles andere; daher ist das Trommelschlagen, das  Blasen auf Blech-Instrumenten, wonach marschiert wird, auch der Gesang eines Sängerchores, ein Aufheiterungsmittel der Krieger... Denn eine trübe, dumpfe Stimmung, eine immer währende Sehnsucht nach der Heimat, nach den dort Gelassenen,... Auch das Durchziehen durch Dörfer, Städte, fremde Länder beschäftigt die Aufmerksamkeit und hält dadurch den Körper rege, dass Traurigkeit und Niedergeschlagenheit davon fernbleiben...“

vom Typhus.

 

11.4. Geburtshelfer, Ärzte in Freienohl

 

Dr. Petrasch  1838...

Zum vielleicht ersten in Freienohl regelmäßig praktizierenden Arzt in Freienohl: Am 8. November 1838 gibt Bürgermeister Koffler bekannt: „Der Herr Doktor Petrasch aus Meschede wird von jetzt ab jeden Montag in der hiesigen Freiheit anwesend sein, um Kranke zu besuchen oder um sonst denselben in seiner Absteige und im Quartier bei Herrn Raulf zu ordinieren.“ Als Arzt zu helfen. (AA  1737) 

Leider fehlt der Vorname, bei Petrasch und Raulf; vielleicht Arnold Raulf, Parzelle 721, Ecke Hauptstraße / Twiete (gilt für 1827) oder Josef Raulf, Poststation, Krämer, Bäcker, alte Haus-Nr. 90 Parzelle 699 (gilt für 1846) Ecke Hauptstraße / Bergstraße (2009: Schuhhaus Klemm). Ergänzung: Ein Dr. med. August Petrasch praktizierte 1834 In Werl.

Bürgermeister Koffler ergänzt seine Bekanntmachung vom 8. November 1838 damit, dass auch noch für eine Apotheke im hiesigen Ort gesorgt werden kann.               (AA 1737)

Wilhelm Müller  1845; 3 Monate

Zum 4. Juli 1845 hat sich in Freienohl der Wundarzt Erster Klasse Wilhelm Müller nieder- gelassen, früher wohnhaft im Kreis Erkelenz im Regierungsbezirk Aachen. Zunächst schien es „für Arnsberg“ so zu sein, als könne er seine Qualifikation nicht nachweisen. Dann hat doch alles Nötige vorgelegen: sein Vorlesungs-Attest vom Chirurgischen Friedrich-Wilhelm-Institut in Berlin vom 28. August 1838, seine Approbation und sein Militär-Führung-Attest von Berlin vom 30. September 1840 und die Verordnungs-Aufforderung der Königlichen Regierung zu Cöln am 23. November 1840. Schließlich alles unterzeichnet vom Freienohler Amtmann von Devivere. - Seine weiteren Daten: geb. 18. Juni 1812; Militärdienst beim 28. Infanterie-Regiment vom 1.November 1838 bis zum 30. September 1840; Studienbeginn in Münster; dann im Spital in Bonn; nach seiner Approbation in Hennef. - Am 23. Oktober 1845 informiert der Wundarzt Müller den Amtmann Devivere, dass er nach Oestinghausen im Kreis Soest gegangen ist. (AA 1737)

Heinrich Stephan Rudolph  1852;  3 Monate

Die Daten vom Wundarzt Erster Klasse und Geburtshelfer Heinrich Stephan Rudolphvom 20. März 1852: er hat sich in Freienohl niedergelassen; geb.  am 6. August 1811; kath. Compagnie-Chirurg bei der 7. Battaillons-Brigade von 1834 bis 1846 (12 Jahre!), dann in Privat-Praxis niedergelassen; medizinische Studien 2 Jahre in Göttingen und 2 Jahre in Berlin; Approbation zum Wundarzt Erster Klasse am 16. Januar 1847; dann in Warburg am 12. Oktober 1848; Approbation zum Geburtshelfer in Berlin am 27. Mai 1850; dann im Enniger Kreis Beckum Graf Schmiesing (-Krankenhaus) am 13. Juli 1850. Am 7. Juni 1852 nach Hellefeld gezogen. Keine 3 Monate in Freienohl. (AA  1737)                                                          

 

Dr. Carl August Marten  1883-1891

Als Geburtshelfer, eingetragen in einer Liste am 17. Oktober 1888,  war seit seinem Amtsantritt in Freienohl am 30. Mai 1883 der Arzt Dr. Carl August Marten, geb. 29.4.1855, ev.  Er zieht um am 19. August 1891 nach Laage in Mecklenburg. Wenn es sich um „ganz normale“ Gründe handelt, stehen die nicht in den Amts-Akten, auch hier nicht. (AA 1734)

Dr. August Beckmann  1891-1893

Neuzugang – auch am 19. August 1891 – aus Leipzig: Dr. August Beckmann, Prakt. Arzt und Geburtshelfer; geb. 12.  Juli 1861, kath.  Approbation am 26. Juli 1890 (Erlaubnis zum Arzt-Titel) in Darmstadt, Promotion (Doktor-Titel erhalten) am 3. Juli 1891, Abgang (zeitüblicher Ausdruck für Wegzug, nicht negativ gewichtet) am 4. August 1893. (AA 1734)

Dr. Heinrich Bödefeld  1893-1895

Aus Fürstenberg Zugang am in Freienohl 4. 8. (9.) 1893 als Prakt.  Arzt und Geburtshelfer: Dr. Heinrich Bödefeld, geb. 12. Juli 1861 in Beringhausen, kath. led.  Approbation am 13. Februar 1891 in Berlin, Promotion am 26. Februar 1891 in Greifswald, Abgang (gemeint ist: umgezogen) am 12. Juni 1895 nach Altena.

Dr. med. Wilhelm Gruhs  1895 (auch Gauhs geschrieben)

Am 5.11.1895 erfolgte sein Amtsantritt.  Geb. 24.3.1856 in Brilon; kath. Approbation in Berlin am 20. Januar 1885, Promotion  in Marburg am 23.1.1886. - Seine Familie: Ehefrau Maria geb. Eckhardt, geb. 1.8.1861 in Warburg; Sohn Wilhelm, geb. 6.6.1886 und Sohn Eugen, geb. 6.7.1890 in Eringsen, Tochter Anna Maria Klara, geb. 17.11.1894 in Altena. Er ist mit seiner ganzen Familie von Altena nach Freienohl gezogen schon am 2.10.1894. In der Einwohnerliste von Dezember 1905 nur diese Zahlen: 4 männlich, 4 weiblich. - Freienohl, Provinzialstraße / Hauptstraße; Alte Haus-Nr. 222. Gestorben am 13.7.1904 in Oeventrop, bestatt auf dem Freienohler Alten Friedhof, LA 48. (Außerdem in dieser Haus-Nr.: Becker, Buchbinder, 5 männlich, 3 weiblich.) - Rechnungen von Dr. Gruhs liegen vor: 1.1.1897; 14.8.1900; 14.10.1903; 29.12.1903 in AA 1065 und 1070.

 

Dr. med. Heinrich Steimann  1904  - 1908

Geb. am 9.7.1874 (77) in Bettinghausen, Kreis Soest, kath.; verheiratet mit Ehefrau geb. Müller. Er war der jüngere Bruder des Freienohler Pfarrers: Carl Steimann, geb. 16.6.1864; in Bettinghausen. Der Pfarrer kam von Dortmund nach Freienohl am 10.6.1902; zusammen mit seiner jüngeren Schwester Bertha Steimann, ledig, geb. 5.11.1865. als seine Haushälterin.  Angemeldet ist Dr. Steimann in Freienohl am 5.3.1904, vom Landsturm-Aufgebot aus Greifswald. Allerdings ist ledig eingetragen. Ein Attest liegt vor von Dr. Steimann, Freienohl vom 25.4.1904 (AA 1070).  Am 7.10.1908 (auch: 5.3.1909) steht die Abmeldung von Dr. Steimann nach Epe in der Abmelde-Liste.

Dr. med. René Ransoné  1908-1913

Nach Freienohl kommt er aus Allendorf bei Sundern am 15.10.1908. Die Wohnhaus-Bauerlaubnis erhält, kauft er 1910 für Flur IV, Parzelle 1800/18, Alte Haus-Nr. 186  / Hauptstr. 52. Ab 1913: Dr. Dehen: Danach gekauft von Konstantin Bracht: „Haus Daheim“.

Arztpraxis-Beginn in Freienohl 21.12.1908. - Die Familie: Dr. Ransoné: geb. 4.2.1873 in Brühl, kath.; Militär-Verhältnis: Oberarzt der Landwehr; verheiratet mit Maria geb. Rick, geb. 20.1.1872; Tochter Maria, geb. 29.1.1903; Sohn Hans, geb. 23.9.1905; Tochter Theresia, geb. 18.3.1908. - Abmeldung aus Freienohl am 20.6.1913 nach Sein / Trier.

Dr. med.  Nikolaus Dehen   1913-1945

(Auch Peter Wilhelm) Geb. 1.3.1884 (1.9.1889 ?) in Euden Kr. Cochem, kath.; verheir. Ehefrau Anna geb. Feldewert, geb. 6.12.1891 in Dortmund. Aus Diedenhofen in Freienohl Praxis-Beginn: 28.10.1913. Gestorben in Freienohl am 18.4.1945.

 

Kein Arzt. Apotheker

Böhm, Walter, Pharmazeut, geb. 30.10.1887 in Berlin; ev., led.; von Berlin nach Freienohl am 4.10.1907; von Freienohl nach Hagen am 30.3.1908.  (AA   An-, Abmelde-Register)

Duesberg, Otto, Apotheker, geb. 31.7.1860 in Duisburg, kath., led. Aus Freden a.d. Leine in Freienohl am 8.10.1913.

Die Gesamt-Textfassung endet mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914. Darum hier keine Fortsetzung: Ärzte, Apotheker...

11.5.  Hebamme Josephine Schröer und ein Abstecher zu ihrer Küppel-Kapelle

Eine neue Hebamme in Freienohl:  am 4. August 1893: Josephine Schröer, geb. 17. März 1868, Approbation am 28. Juni 1894  am Geburts-Institut Paderborn.                (AA  1734)

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 13. Oktober 1894, TOP 1:  Die von der Gemeinde zur Ausbildung der Hebamme Schröer vorgelegten Ausgaben zu 180 Mark sollen von derselben ratenweise zurückerstattet werden, sobald sie als Bezirks-Hebamme fungiert. 

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 6. August 1898, TOP 5:  Es wurde vorgenommen, auf die Selbst-Versicherung der Bezirks-Hebamme einzuwirken.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 10. August 1900 TOP 6:  Der vom Vorsitzenden vorgelegte Entwurf eines Vertrags zwischen der Gemeinde Freienohl einerseits und der Josephine Schröer als Bezirkshebamme, wurde genehmigt.

Von Hebamme Josephine Schröer ist dieser Brief überliefert   Sein Stil entspricht ganz der Frömmigkeit, Religiösität, Spiritualität im Grunde ganz schlichter Leute jener Zeit. Für heutige Leser: dieser Stil ist ganz ernst gemeint:

„Meine lieben Wohltäter! Alle, die Ihr Euch wünscht, im letzten Stündlein Eures Lebens einen besonderen Fürsprecher beim lieben Jesuskindlein zu haben, der für uns streiten tut, dass wir den Sieg, worauf wir das ganze Leben gekämpft haben, auch glücklich erlangen, wollet uns beispringen mit einem kleinen Almosen, vielleicht 50 Pfennig oder 1 Mark oder auch mehr zur Erbauung einer Kapelle zu Ehren des heiligen Josef als den ganz besonderen Schutzpatron der Sterbenden. Diese Kapelle soll nur aus milden Gaben aufgebracht werden und zwar aus dem Grunde, weil ja auch der hl. Josef arm gewesen ist. Ihr wollet Euch deshalb nicht abhalten lassen, dieses Unternehmen zu unterstützen, da es ja nicht allein für Freienohl, sondern für alle diese Josefs-Kapelle erbaut wird, namentlich für die Wohltäter, die uns helfen, dieses schöne und erhabene Unternehmen zu unterstützen durch freiwillig milde Gaben. Es wird also nur aus dieser Veranlassung diese Kapelle erbaut, damit der hl. Josef, dieser mächtige Helfer, von dem die hl. Theresia sagt: Ich erinnere mich nicht, um irgendetwas den hl. Josef gebeten zu haben, ohne dass er es mir erlangt hätte, uns in allen Nöten Hülfe (damals so richtig geschrieben), besonders aber eine glückliche Sterbestunde erflehen möge, bitte deshalb recht innigst; helft uns. Der hl. Josef hilft, wenn wir ihn nur recht demütig und bescheiden anrufen, und dieses kann nie besser geschehen und seine Fürbitte nie kräftiger herabziehen, als wenn wir ihm zu Ehren eine Kapelle erbauen. Und damit wir den Tod des hl. Josef immer vor Augen haben, so soll auch diese Gruppe in die Kapelle befördert werden, welche am Küppel zu stehen kommt. Zu diesem Zwecke werden zwei Statuen als Prämien: Knabe Jesus und der hl. Josef verlost, jedes Los kostet 50 Pfennig. Im Namen Josefs bitte ich nochmals, helft uns.  Grüßt freundlichst! Gez. Josephine Schröer, Hebamme in Freienohl.“

Diesen Text hat Pfarrer Dolle am 4. Juli 1952 abgeschrieben. Er schreibt weiter: „Dann folgen die Wohltäter mit Angabe der gespendeten Summe.“ - Der Originaltext von Josephie Schröer liegt nicht mehr vor, auch die Namen und Spenden-Summe. (PfA  A5)

Auf dem Blatt der Abschrift von Pfarrer Dolle stehen noch diese beiden Texte:

Ein Brief an Fräulein Josephine Schröer – hier (nicht verheiratete Frauen wurden Fräulein genannt) Der Gemeindevorsteher Kehsler schreibt: „Freienohl, den 1. März 1902. - Auf Ihren Antrag vom 26. Februar, betr. Überlassung eines Bauplatzes für die am Küppel zu erbauende Kapelle, teil ich Ihnen mit, dass die Gemeindevertretung bereit ist, den Bauplatz unentgeltlich herzugeben, vorausgesetzt, dass die neue Kapelle ungefähr auf die Stelle der jetzigen zu stehen kommt, dass der Bau eine Zierde des Prozessionsweges und in jeder Hinsicht (ein) würdiger wird. Ein Beitrag kann ebensowenig in bar als in Abgabe von Holz geleistet werden. - Der Gemeindevorsteher  gez. Kehsler.

Protokoll der Gemeinde-vertretung am 21. März 1902 TOP 2:  Die Gemeinde hat nichts dagegen zu erinnern (einzuwenden), dass im Küppel ein Neubau der Kapelle vorgenommen wird.

Angemerkt ist: Die Genehmigung des Herrn Oberförsters ist selbstverständlich nachzusuchen. - Genehmigt gez. Preuß. 22. März 1902.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 20. Mai 1902  TOP 4:  Auf ihren Antrag sollen der Hebamme die Kosten der Nachprüfung als Bezirks-Hebamme ersetzt werden; außerdem soll dieselbe anstatt der Gemeinde zu erstattenden  180 Mark nur 135 Mark, mithin jetzt noch 45 Mark zahlen und zwar in Anbetracht der Unterstützung, welcher sie Mutter und Schwester angedeihen lässt.  -  Einzelheiten sind nicht aktenkundig.

Folgendes nennt nicht ausdrücklich Hebamme Schröer, sondern zeigt  allgemein das Freienohler Engagemant für die  Hebamme: Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 18. Dezember 1902 TOP 1:  In Erwägung, dass die Gemeinde Freienohl einen eng zusammen liegenden Hebammen-Bezirk bildet, in welchem 80 bis 90 Geburten pro Jahr vorkommen, von denen  pro Geburt 6 Mark an die Hebamme entrichtet werden; in weiterer Erwägung, dass die Gemeinde seit Jahr und Tag der Bezirks-Hebamme 45 Mark pro Jahr aus der Gemeindekasse zahlt, zu den Anschaffungskosten der Instrumente sich einen Beitrag von 45 Mark geleistet hat und die Kosten der Nachprüfung vor dem Kreisarzt in Arnsberg mit 6 Mark aus der Gemeindekasse ersetzt werden;  dass endlich seit Jahren die Gemeinde den vollen (unterstrichen!) Beitrag zur Alters- und Invaliden-Kasse zahlt, wurde es abgelehnt, eine weitere Aufbesserung des Hebammen-Einkommens für den hiesigen Bezirk vorzunehmen.

Wieder zu Pfarrer Dolle: er schreibt weiter: Soweit die Abschrift. Die Kapelle ist dann durch milde Gaben erbaut worden. Leider ist der Grund und Boden noch heute nicht – ebenso die Kapelle der Kirchengemeinde – nicht grundbuchlich und katastermäßig umgeschrieben worden. Der Pastor hat keinen Schlüssel. Dieser wurde von dem verstorbenen Hrch. Becker (Heinrich) , dem Vater des heutigen Amtsbürgermeisters, aufbewahrt, der auch für die Kapelle sorgte. Dieser hat den Schlüssel dem Borbeck-Alte Wiese zur Verwahrung übergeben, der sich aber wenig um die Kapelle kümmert. -  Soweit die Auszüge. -                      (PfA  A5) 

 

Zwischeninformation: Nach einer Bestimmung der Preußischen Regierung von 1825 wurde das „ärztliche und wundärztliche Personal“ in 3 Klassen eingeteilt:

  1. Promovierte Ärzte (Doktor-Titel): a) Ärzte für die Behandlung innerer und äußerer Krankheiten = Medico-Chirurgen, b) Ärzte für innere Krankheiten.
  2. Wundärzte Erster Klasse: nicht-promovierte Medico-Chirurgen
  3. Wundärzte Zweiter Klasse: Chirurgen, die wegen nicht hinreichender heilwissenschaftlicher Kenntnisse nur die „kleine Chirurgie“, nämlich chirurgische Hilfsleistungen ausüben durften.

Wer sich für dieses Thema ausführlicher interessiert: Ursula Hennecke im Süd Westfalen Archiv: 6. Jg. 2006: „Von Krankheiten, Aerzten und Arzneyen.“ Ein Beitrag zur Entwicklung des Gesundheitswesens im Herzogtum Westfalen, S. 28 – 103;  7. Jg. 2007: „:::daß Unsere Ertzstiftlische Landen mit tüchtigen Hebammen versehenseyen...“ Hebammen und Geburtshelfer im Herzogtum Westfalen, S. 203 – 235; 8. Jg. 2008: Heilkundige im ehemaligen Herzogtum Westfalen vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, S. 88 – 153;

Überflüssige Daten für das Zusammenleben Freienohler? Nicht, wenn man weiß, dass das, was hinter solchen Lebensdaten steckt, vom konkreten Menschen, - hier von den Ärzten in Freienohl -, unbewusst und bewusst das Zusammenleben Freienohler beeinflusst. Auch wenn es zu Hause nur so heißt: „Der Herr Doktor hat es doch gesagt!“

11.6. Eine schreckliche Ruhr-Epidemie beherrscht Freienohl im August 1857. 

Der Amtsverweser Boese als stellvertretender Amtmann beauftragte den Krankenpfleger Schirp mit der Betreung armer hilfsbedürftiger Kranker. Ihnen fehlte es an Pflege und Lebensmitteln. Amtsverweser Boese richtete in seinem Haus für die Armen eine „Suppenanstalt“ ein. Auf Gemeinde-Kosten gab es Fleisch, Hafergrütze, Grießmehl, Reis, Weißbrot, Zwieback, Tee, Kaffee, Zucker usw. 

Am 12. September 1857 wird im Arnsberger Kreisblatt eine ziemlichausführliche – 2 ½ Seiten – Bekanntmachung des Landrats von Lilien veröffentlicht. Ihr Anfang: „Nachdem von der Ruhr-Epidemie nunmehr außer der Kreisstadt Arnsberg und den Ämtern Freienohl und Hüsten auch die Ämter Warstein und Allendorf befallen sind und dieselbe sich hiernach voraussichtlich über d en ganzen Kreis  ausdehnen wird, so sehe ich mich … veranlasst, für jeden Ort … eine besondere Gesundheits-Commission, bestehend aus dem Amtmann, den Geistlichen des Kirchspiels, dem Gemeinde-Vertreter und Lehrer zu bilden... - Jetzt folgt, was der Amtsverweser Boese schon geleistet hat. Dann: … Was denGeschäftsgang bei den Gesundheits-Commissionen  betrifft, so führen in  ihren Versammlungen der Pfarrer und der Amtmann gemeinschaftlich den Vorsitz, dagegen ist zum sofortigen Handeln jedes Mitglied der Commission für sich allein ermächtigt, da ein förmlichen Zusammenwirken sämtlicher Commissions-Mitglieder den Zweck der ganzen  Einrichtung völlig vereiteln würde.. So ist namentlich jedes Commissions-Mitglied in allen Fällen, wo es sich um die ärztliche Behandlung oder Verpflegung eines hilfsbedürftigen Ruhrkranken handelt, ermächtigt, nach eigenem Ermessen und ohne erst die Zustimmung der übrigen Commissions-Mitglieder einzuholen, den Arzt herbei zu schaffen, Arznei holen zu lassen, dem Kranken die erforderliche Krankenkost zu verabreichen, denselben mit  einer wollenenen Decke zu versehen, überhaupt alles anzuordnen, was für den Augenblick Not tut... Ortspolizei-Verordnungen genau befolgt werden:... das Verharzen der Särge für Ruhrleichen, das Unterbleiben von Leichengefolgen bei Beerdigung derselben und das möglichst zeitige Beerdigen der Ruhrleichen, sobald der Arzt nämlich solches gestattet...“                                                                                                         (AA  1789)

Stichwörter aus dem Lexikon zur Ruhr-Krankheit: Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Bauchschmerzen, Koliken, häufig blutig schleimiger Durchfall, großer Flüssigkeitsverlust, Nierenversagen, Kreislaufkollaps, Krämpfe, Koma...

Die Liste der  Erkrankten und  Verstorbenen lässt das Leid erahnen. Zunächst: Freienohl:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

Lfd.

Nr.

Name

Lebens-

alter:

Jahre

Stand.

Gewerbe

Tag der

Erkrank.

Genesung

= 0;

Sterbetag

1 Fritz Korte, Sohn von Heinr. Korte 5 Schulkind 09.08.57 18.8.57
2 Christina Klute, Tochter v. Heinr. K. 4 1/2 Kind 09.08.57 15.8.57
3 Christina Korte, Tochter v. Johann K. 3 Kind 10.08.57 0
4 Christina Korte, Ehefrau v. Johann K. 39 Ehefrau 07.08.57 0
5 Anton Lichte, Sohn v. Johann Lichte 12 Schulkind 09.08.57 12.8.,16 U.
6 Heinrich Lichte, Sohn v. Johann Lichte 7 Schulkind 09.08.57 0: 15.8.
7 Ferdinand Stirnberg, Sohn v. Joh. St. 16 --- 10.08.57 19.8.,21 U.
8 Johann Lenze / Oels, Sohn v. Kasp.L. 24 --- 19.08.57 0
9 Franziska Spieler, Tochter v. Anton Sp. 8 Schulkind 13.08.57 0
10 Johann Jürgens 37 Leineweb. 14.08.57 0
11 Friederica Bracht, Tochter d. Th. Br. 7 Schulkind 14.08.57 27.08.10
12 Franz Feldmann 46 Schreiner 9.8.57 0
13 NN Feldmann, Tochter d. F. Feldm. 2 (?) Kind 8.8.57 14.8.57
14 Anton Espenlöer, Sohn d. Kaspar E. 7 Kind 13.8.57 23.8.57
15 Joseph Spindeldreher 36 Drechsler 15.8.57 0
16 Arnold Espenlöer, Sohn d. Kasp. E. 13 Schulkind 17.8.57 23.8.57
17 Ferdinand Hirnstein 51 Schuhma. 18.8.57 0
18 Fritz Göckeler, Sohn d. Franz G. 9 Schulkind 18.8.57 0
19 Arnold Stirnberg, Bruder d. + Ferd.St. 16 Schreinerl. 14.8.57 0
20 Ludwig Feldmann, Sohn d. Ludw. F. 15 Schulkind 28.7.57 1.8.57
21 NN Feldmann, Sohn d. Ludw. F. ? ? 7.8.57 12.8.57
22 Franz Stirnberg, Sohn d. Johann St. 11 Schulkind 18.8.57 0
23 Lisetta Stirnberg, Tochter d. Joh. St. 5 Kind 18.8.57 25.8.57
24 Johann Lichte, Sohn d. Joh. Lichte 16 --- 13.8.57 19.8.57
25 Franz Trompetter 18 --- 13.8.57 19.8.57
26 Franz Feldmann, Sohn d. Adolf F. 12 --- 15.8.57 0
27 Franz Weber, Sohn d. Franz Weber 9 --- 19.8.57 0
28 Marianne Rocholl, … Joh. Rocholl 23 --- 6.8.57 0
29 Franziska Köster, Tochter d. Ferd. K. 8 --- 19.8.57 0
30 Christina Köster, Tochter d. Ferd. K. 2 --- 19.8.57 0
31 Gertrud Mester, Tochter d. Franz M. 15 --- 19.8.57 0
32 Elisabeth Mester. Tochter d. Franz M. 12 --- 26.8.57 0
33 Anton Kessler, Sohn d. Wwe.Anton K. 13 --- 26.8.57 0
34 Dorothea Klute, Tochter d. H. Klute 7 --- 7.8.57 23.8.57
35 Johann Göckeler, Sohn d. Franz G. 7 --- 7.8.57 0
36 Franz Toenne 54 --- 19.8.57 0
37 Dorothea Toenne, Tochter d. Franz T. 14 --- 19.8.57 0
38 Amalia Hirschberger, T.d. J.W. Hirsch. 4 --- 20.8.57 0
39 Franz Helnerus, Sohn d. Joseph H. 8 --- 19.8.57 0
40 Lisetta Helnerus, Tochter d. Jos. H. 2 --- 19.8.57 27.8.57
41 Franz Köster, Sohn d. Kaspar K. 2 1/2 --- 19.8.57 27.8.57
42 Heinrich Rocholl, Sohn d. Johann R. 11 --- 19.8.57 0
43 Mathilde Weber, Tochter d. Heinr. W. 14 -- 19.8.57 0
44 Christina Grewe, Ehefrau d. Heinr. G. 26 --- 20.8.57 0
45 Friederika Funke, Tochter d. Joseph F. 15 --- 19.8.57 0
46 Helena Funke, Tochter d. Joseph F. 1/2 --- 19.8.57 0
47 Kaspar Neise 52 Ackersm. 21.8.57 0
48 Katharina Lichte, Tochter d. Joh. L. 9 --- 21.8.57 0
49 N. Korte, Sohn d. Heinrich Korte 4 --- 12.8.57 22.8.57
50 Ehefrau Witwe Korte --- --- 21.8.57 0
51 Wilhelm Lichte, Sohn d. August Lichte 6 --- 15.8.57 0
52 Janne Lichte, Tochter d. Aug. L. 4 1/2 --- 15.8.57 0
53 Carl Lichte, Sohn d. Aug. L. 3 --- 15.8.57 0
54 Johannes Humpert 31 --- 20.8.57 0
55 Keine Nummer, keine Angaben --- --- --- ---
56 Heinrich Hömberg 65 --- 20.8.57 0
57 Franz Schwarzfärber, So. d. Franz S. 14 --- 21.8.57 0
58 Kaspar Schwer 36 Linneweb. 23.8.57 0
59 Ehefrau d. Franz Trompetter 32 --- 23.8.57 0
60 Adolphine Albers (keine Eintr., s.u.) 14 --- 23.8.57 0
61 Franz Kohsmann 8 --- 23.8.57 0
62 Lisetta Heinemann 8 1/2 --- 23.8.57 0
63 Fritz Schirb 10 --- 24.8.57 0
64 Maria Schröder 7 --- 22.8.57 0
65 Fritz Kohsmann 21 --- 18.8.57 0
66 Johann Albers 18 --- 24.8.57 0
67 Franz Feldmann 5 --- 24.8.57 0
68 N. Spieler,  Sohn d. Engelbert S. 7 --- 20.8.57 25.8.57
69 Franz Hehse 47 --- 23.8.57 0
70 Lisetta Herbst 8 --- 20.8.57 0
71 Johannes Pöttgen 10 --- 23.8.57 0
72 Anton Hömberg 20 --- 23.8.57 0
73 Franz Hömberg 18 --- 23.8.57 1.9.57
74 Katharina Mester, Ehefrau 55 --- 25.8.57 0
75 Anton Jürgens 6 --- 22.8.57 0
76 Marianne Kihsler 17 --- 23.8.57 0
77 Heinrich Flinkerbusch 24 --- 24.8.57 0
78 Kaspar Düring --- --- --- 27.8.57
79 Maria Becker 5 --- 25.8.57 0
80 Gertrud Becker 6 --- 25.8.57 0
81 Bernard Schwefer 6 --- 25.8.57 0
82 Kaspar Leineweber 12 --- 27.8.57 0
83 Franz Leineweber 34 --- 27.8.57 0
84 Ehefrau Nöcke 70 --- 25.8.57 0
85 Katharina Nöcke 18 --- 25.8.57 0
86 Gertrud Trompetter 10 --- 25.8.57 0
87 Franz Molitor 4 --- 26.8.57 0
88 Ludwig Feldmann 7 --- 26.8.57 29.8.57
89 Ehefrau A. Korte 54 --- 26.8.57 0
90 Wtw. F. Stirnberg 55 --- 21.8.57 0
91 Christ. Hirnstein 11 --- 21.8.57 0
92 F.W. Kerstholt 38 --- 21.8.57 0
93 Heinrich Peetz --- --- 26.8.57 0
94 Ehefrau Kaspar Schwefer --- --- 28.8.57 0
95 Franz Stirnberg 26 --- 29.8.57 0
96 Anton Becker 1/2 --- 27.8.57 2.9.57
97 Gertrud Helnerus 11 --- 29.8.57 0
98 F.C. Kerstholt --- --- 29.8.57 0
99 Antonetta Bause --- --- 29.8.57 0
100 Ehefrau Adam Köster 47 --- 27.8.57 0
101 Christina Köster 3/4 --- 26.8.57 0
102 Franz Köster 5 --- 26.8.57 0
103 Kaspar Köster 8 --- 26.8.57 0
104 Friederika Köster 14 --- 26.8.57 0
105 Fritz Schwefer 20 --- 29.8.57 0
106 Maria Schwefer 5 --- 29.8.57 0
107 Elisabeth Düring 28 --- 29.8.57 0
108 Ferdinand Funke 50 --- 29.8.57 0
109 Kind Köster des F. Köstetr 4 --- 23.8.57 0
110 Elisabeth Linnhoff 18 --- 31.8.57 0
111 Johannes Schnapp 31 --- 1.9.57 0
112 Johannes schnapp 19 --- --- 29.8.57
113 Franziska Schnapp 9 --- 1.9.57 0
114 Lorenz Kaulmann 15 --- 29.8.57 0
115 Ehefrau Franz Kaulmann 57 --- 29.8.57 0
116 Wtw. Ferdinand Heinemann 52 --- 1.9.57 0
117 Benedix Ransenberg 50 --- 2.9.57 0
118 Elisabeth Schwefer 4 --- 2.9.57 0
119 Karl Kordel 15 --- 1.9.57 0
120 Ehefrau Kohsmann 34 --- 1.9.57 0
121 Luise (?) Korte 2 --- 1.9.57 0
122 N. Hahne 4 --- 1.9.57 0
123 N. Beckmann 8 --- 1.9.57 0
124 N. Kerstholt 1/2 --- 1.9.57 0
125 Heinrich Flinkerbusch 24 -- 30.8.57 0
126 Alwine (?) Lenze 13 --- 3.9.57 0

Anmerkungen: N. und NN = kein Name angegeben;  ?  = nicht genau zu lesen.  - Eigenartig: Die Ehefrauen haben meistens keinen Vornamen.

 

Eine Aktennotiz vom 7. September 1857 für das Amt Freienohl (= Freienohl, Altenhellefeld, Breitenbruch, Dinschede, Grevenstein, Hellefeld, Herblinghausen, Frenkhausen, Linnepe,  Meinkenbracht, Rumbeck, Uentrop, Visbeck, Westenfeld): Ruhr-Erkrankte: 905, Genesene 300, verstorbene Erwachsene: 33, verstorbene Kinder: 111; noch Erkrankte: 461.

Aufgrund der oben stehenden Liste: In Freienohl  Ruhr-Verstorbene: 27, davon 16 Kinder bis einschließlich 14 Jahre: 16, Ruhr erkrankte Kinder bis 14 Jahre: 74.

 

Zu dieser Ruhr-Epidemie folgen die Protokoll-Tagesordnungspunkte (TOP + Nummer) aus den Protokollbüchern der Freienohler Gemeindeversammlungen    (AA 402)

Den TOP sind kursiv angemerkt Verdeutlichungen.

Am 14. August 1857, TOP 545:   Wurde auf den Antrag des Ludwig Feldmann von hier beschlossen, demselben den ..(1 Wort nicht korrekt lesbar) für den  in diesem Winter  erhaltenen Busch-Klafter ad 25 Silbergroschen mit Rücksicht auf die Unglücksfälle, wovon er in der letzten Zeit betroffen, zu erlassen. -  Aus dem Sterberegister: gest. 3. August 1857 Tochter Kind Gertrud Feldmann, 1 J.: gest. 1. August 1857 Sohn Louis Feldmann, 14 J. - Schreiner Ludwig Feldmann, 1857 LA 51 J., Ehefrau Elisabeth geb. Neise, LA 44 J.; Alte Haus-Nr. 138 a, Chaussee / Breiter Weg 19.

Zwischenbemerkung aus dem Sterberegister: Ruhr-Epidemie! Siehe Kapitel: „Zeitungsberichte“ des Amtmanns nach Arnsberg für diese Jahre!

Im Jahr 1855 starben 27 Personen, davon 17 Kinder; Juni bis Oktober: 9 Kinder.

Im Jahr 1856: starben 19 Personen, davon 9 Kinder.

Im Jahr 1857 starben 77 Personen, davon 50 Kinder.

Am 16. Januar 1858, TOP 578:  Wurde beschlossen, dem Amtsverweser Boese seine Auslagen für die Unterstützung der Ruhr-Kranken auch die in seiner Wohnung hergerichtete ...(1. Wortteil nicht korrekt lesbar)... anstalt, welche inclus. Des Lohns für den Krankenwärter Schirp ad 14 RT  23 Sgr nach der vorgelegten Spezifikation 66 Rt 17 Sgr 9 Pf  betragen, aus der Gemeindekasse erstatten und ferner dem Jacob Meyer (Jacob = Nachname, Meyer = Vorname) hier für angeliefertes Fleisch 7 RT 6 Sgr, und dem Kaufmann Cosack für Hafer-Grütze  den Betrag von 3 RT 20 Sgr zahlen zu lassen, dagegen von der Gemeinde Dinschede für 26 (?) an diese abgegebene Hafergrütze den Betrag 1 RT 22 Sgr, und von der Gemeinde Meinkenbrach (korrekt abgeschrieben?) für 8 (?) desgleichen den Betrag von 16 Sgr wieder einzufordern. -  Ruhr-Epidemie siehe oben TOP 562, 28. September 1857.

Am 23. Januar 1858, TOP 585:   Wurde die Rechnung des Apothekers Wrede in Meschede für die an Ruhrkranke verbrauchten Arzneien vorgelegt und beschlossen, dieselben nach Absetzung der Kosten für Heinrich Cohsmann Senior und Matthias Schramm mit  ...RT … Sgr  (keine Beträge aktenkundig) durch die Gemeindekasse bezahlen zu lassen. - S.o. TOP 545.

TOP 586:  Wurde auf das Schreiben des Kreis-Physikers Dr. Gieffleos von Meschede vom 19. d.M. beschlossen, demselben für die während der Ruhr-Epidemie hierher gemachten Reisen, die für im Ort gemachten Besuche auch die Behandlung der armen Kranken unter der Verzichtleistung auf alle und jede weiteren Ansprüche an die hiesige Gemeinde  und Krankenkasse  und unter der Verpflichtung die noch nicht bezahlten Kosten mit Ausnahme des Müllers Winterhoff bei allen übrigen Eingesessenen nur mit 5 Sgr zu liquidieren,  bis spätestens zum 1. Juni d.J.  den geforderten Betrag von 140 RT zu zahlen und des an den eingegangenen freiwilligen Beiträgen bis zu diesem Betrag Fehlende aus der Gemeindekasse zuzuschießen.

Am 26. Februar 1858, TOP 587:   Wurde auf das Schreiben des Kreis-Physikus Dr. Liese zu Arnsberg vom 7. d.M.  beschlossen, demselben für die zur Behandlung der Ruhr-Kranken hierher gemachten 12 Reisen den Betrag von 24 RT aus der Gemeindekasse zahlen  und demselben für die Behandlung der in dem mittels Schreiben vom 18. d.M. mitgeteilten Verzeichnisse aufgeführten armen und zahlungsunfähigen Eingesessenen ein für alle Mal und unter Verzichtleistung auf alle weiteren Anforderungen an die hiesige Gemeinde resp. Armenkasse und die Zeit der Ruhr-Epidemie den Betrag von 40 RT zu offerieren.

TOP  588:   Wurden die Rechnungen des Apothekers Müller und Hanterior (?) zu Arnsberg über an arme resp. zahlungsunfähige Ruhr-Kranke vorgelegt und beschlossen, dieselben mit 23 RT 5 Sgr 2 Pf  resp. 1 RT 2 Sgr  1Pf  durch die Gemeindekasse zahlen zu lassen.

TOP 589:  Wurde beschlossen, dem Polizeidiener Kaulmann eine Renumeration von 5 RT  aus der Gemeindekasse zahlen zu lassen. -  Ein Grund ist nicht aktenkundig; vielleicht für nicht geplante Mehrarbeit wegen der Ruhr-Epidemie.

 

Vorbeugung, oder schon mehr?

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 27. Juli 1892, TOP 3:  Die Maria Altenwerth soll zwar von Dr. Beckmann hier ärztlich untersucht werden und falls derselbe sein mündliches Gutachten dahin abgeben sollte, dass dieselbe in einem Krankenhaus zwecks Heilung ihres Leidens aufzunehmen sei, soll die Aufnahme im Krankenhaus zu Neheim erfolgen und zwar unter Behandlung des Dr. Hilsmann. Der Dienstherr der Maria Altenwerth soll ermittelt werden und derselbe soll vor der Aufnahme im Krankenhaus amtlich aufgefordert werden, ob er die Ausgaben der Heilkosten für die ersten 6 Wochen übernehmen wolle.  Verneinendenfalls (ungewohntes Wort) soll über die Weiterbetreibung der Kosten von dem Dienstherrn näherer Beschluss gefasst werden. -  Mehr Einzelheiten über Maria Altenwerth, über ihren Dienstherrn, über die Krankheit ist zu diesem Zeitpunkt in diesem Protokoll TOP 3 nicht aktenkundig. Jedenfalls erscheint die Gemeinde-Versammlung sehr engagiert zu sein.

Protokoll der Gemeinde-Versammlung am 16. August 1892,  TOP 1: Vorbemerkung: Aha! Zu Maria Altenwerth? -  Im Fall, dass die Cholera in hiesiger Gemeinde zum Ausbruch kommen sollte, soll das hiesige freiliegende Schützen-Zelt zur Aufnahme der Cholera-Kranken verwendet werden, vorausgesetzt, dass die Schützen-Gesellschaft ihre Einwilligung dazu erteilt. Verneinendenfalls (s.o.) verpflichten wir uns, ebentuell auf dem freien Platz neben dem Schützen-Zelt binnen 24 Stunden eine Cholera-Baracke auf Gemeindekosten zu errichten. Hundertprozentige Karbol-Säure ist noch in genügender Menge vorhanden.

TOP 2:  Aus Anlass der drohenden Cholera-Gefahr soll aus sanitäts-polizeilichen Rücksichten von Seiten der Orts-Polizeibehörde und Sanitäts-Kommission folgendes durch Ausruf und Aushang bestimmt werden: a)  Die Straßen, Plätze, Rinnsteine und Hofräume sind jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag  gründlich zu fegen, die Einleitung unreiner Flüssigkeiten aus Haushaltungen in Rinnsteine wird untersagt. b) Die Düngerstätten und Abtrittsgruben sind von Zeit durch geeignete Mittel zu desinfizieren.  c) Jauche darf aus den Düngerstätten und Stallungen nach den Straßen nicht abgeleitet werden.  d) Die Abtrittsgruben, alte Gräben und Kanäle sind häufig zu reinigen. e)  Die Wohnungen sind reinlich zu halten und Abfälle ordnungsmäßig zu beseitigen. - Weitere Informationen sind nicht aktenkundig, auch nicht an den folgenden Gemeinde-Versammlungen. - Zum Glück doch keine Seuche.

 

Wohl ab 1899 bemühen sich der katholische Caritas-Verband und das Deutsche Rote Kreuz um die Ausbildung junger Mädchen und Frauen für die ländliche Krankenpflege. Diese Mängel sollen durch freiwillige unbezahlte Hilfspflegerinnen etwas behoben werden. Pfarrer Falter informiert am 16. Mai 1901 das Amt Freienohl, dass er „keine Personen zu diesem Ende namhaft zu machen wisse“.                                                           (AA  1744)

Am 14. Januar 1902 wirbt der Regierungspräsident in Arnsberg die Gemeinden um ihren Beitritt mit einem Finanz-Beitrag für die Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit im Namen des Deutschen Central-Commitees unter dem Protektorat ihrer Majestät der Kaiserin und Königin.  Auch Freienohl lehnt den Beitritt ab; - wahrscheinlich aus Geldmangel in der Gemeindekasse. (AA  1744)

Die vorgeschriebene, regelmäßige „Revision des Gewerbebetriebs in den Friseur-, Barbier- und Haarschneidestuben“ ist auch ein Beitrag für das Zusammenleben. Hier die Beantwortung des Fragebogens vom 30. April 1903 durch Friseurmeister Heinrich Neise (2009: Friseur-Meisterin Brigitte Bornemann), überreicht durch den Gendarmen im Auftrag des Amtmanns:

Sind die in diesem Gewerbebetrieb beschäftigten Personen frei von absondernden Entzündungen der Finger, eiternden Geschwüren des Gesichts, Haarkrankheiten oder anderen ansteckenden Krankheiten? Ja.

Sind dieselben sauber gekleidet und haben sie reine Hände, insbesondere auch reine  Fingernägel? Ja.

Ist eine ausreichende Waschgelegenheit in dem Geschäftslokale selbst vorhanden? Welche?  Wasserleitung.

Ist anzunehmen, dass Personen, die an übertragbaren Krankheiten leiden oder mit Ungeziefer behaftet sind, in den Geschäftsräumen bedient worden? Nein.

Werden die Geschäftsräume stets sauber, insbesondere der Fußboden frei von Haaren gehalten? Ja.

Halten sich Familienmitglieder des Gewerbetreibenden, sowie andere Personen, die an übertragbaren Krankheiten leiden, in den Geschäftsräumen auf? Nein.

Werden daselbst Hunde oder Katzen geduldet? Nein.

Ist in jedem Geschäftsraum mindestens ein Spucknapf aufgestellt und wird dieser täglich mindestens einmal mit reinem Wasser neu gefüllt? Ja.

Werden die Kämme, Messer und Scheren vor jedesmaligem Gebrauche mit einem mit Seifenspiritus oder absolutem Alkohol getränkten, nach einmaliger Benutzung zu erneuernden Wattebausch gründlich abgerieben? Antiseptisch gereinigt!

Welche dem Geschäftsumfange entsprechende Menge reiner entfetteter Watte und des Seifenspiritus (aus 6 Teilen Olivenöl, 7 Teilen Kalilauge, 30 Teilen Weingeist und 17 Teilen Wasser bestehend) oder des absoluten Alkohols wird stets vorrätig gehalten? 2 Liter bezogen vom  ...wirth Elberfeld.

Werden die Bürsten von jedesmaligem Gebrauche mit einem reinen Tuch oder reinem Papier sorgfältig abgewischt, außerdem aber mindestens zweimal wöchentlich mittels warmer Sodalösung gründlich gereinigt? Ja.

Werden Kopfwalzen benutzt? Findet eine gemeinsame Benutzung von Bartbinden, Schwämmen oder Puderquasten statt? Nein.

Werden die Rasierpinsel vor jedesmaligem Gebrauche in Seifenspiritus und darauf in reinem Wasser ausgewaschen?  Nicht vorhanden.

Findet die Entnahme der Pomaden, Salben, Cremes aus Tuben oder mittels Spatels, Löffels oder bei Stangenpomaden auch mittels des Kammes wie vorgeschrieben statt? Ja. Oder geschieht die Entnahme wie verboten mit dem Finger? Nein.

Sind diese Mittel vor Staub mittels Pulverbläsers oder mittels eines Bausches reiner entfetteter, nur einmal zu benutzender und nur einmal in das Pudergefäß getauchter Watte aufgetragen? Pulverbläser.

Sind die vorhandenen Tücher, Frisiermäntel, Unterlagen, Schutzstoffe pp. (usw.) sauber und trocken, mindestens ohne sichtbare Schmutzflecken? Ja.

Werden die Kopfhalter der Stühle bei jedesmaligem Gebrauche  mit reinem nur einmal zu benutzenden Papier überdeckt? Ja.

Werden die Papierservietten mehrmals benutzt? Nein.

Wird die abrasierte Seife auf ein Blatt reines Papiers gestrichen und das Blatt nachdem sofort beseitigt? Ja.

Wird das Gesicht nach dem Rasieren nur mit reinem Wasser oder mit vorher gereinigter Hand oder mit einem nur einmal benutzten Wattebausch abgewaschen?  Mit der Hand.

Werden die Gefäße, in denen Seife geschäumt wird, nach jedesmaligem Gebrauche gereinigt und sind dieselben während des Nichtgebrauchs vor Verunreinigung geschützt? Ja. - Sind eventuell zum Frisieren oder Rasieren von Leichen besondere Geräte vorhanden? Wird nicht gemacht.

Ist ein vorschriftsmäßiger Abdruck der Polizeiverordnung und der Belehrung des Regierungspräsidenten zu Arnsberg vom 1. März 1902 in dem Geschäftslokale an einer in die Augen fallenden Stelle (au!) ausgehängt? Ja.                                               (AA  1744)

Inhaltlich ähnlich geartete Verordnungen aus den Amtsakten werden nicht übernommen; diese nur wegen des handschriftlichen Ausfüllens und der Unterschrift von Heinrich Neise.

 

Am 30. August 1907 erfolgt ein Aufruf, ähnlich wie der vom 16. Mai 1901 (s.o.): „Die Gemeinden (gemeint sind die politischen) sollen sich bemühen, Frauen zur Ausbildung von Wochenbett-Pflegerinnen zu finden, zu melden.“ Amtmann Koffler bedauert, dass er „keine geeignete Person ausfindig machen konnte“.  (Wochenbett: die Pflege der Mutter mit ihrem neugeborenen Kind)                                                                         (AA  1744)

Ärzte in Freienohl: Dr. Ransoné: 1909 – 1913.  Dr. Dehen ab 24.2.1914.       (AA  1744)

12. Mit der Kataster-Karte von 1827 ein Gang durch die „Hauptstraße“ Freienohl

Ausgangspunkt und Mittelpunkt sei die St. Nikolaus-Kirche und das Alte Rathaus mit der – im selben Gebäude – Ganz Alten Schule.

Dieses Gebäude, Rathaus + Schule, ist nicht mehr vorhanden. Zwischen diesem Gebäude und der Kirche befindet sich das Gebäude, das nachfolgend Schule und Rathaus(-Zimmer) war, in dem jetzt – 2009 – nur noch das Friseur-Geschäft von Friseurmeisterin Brigitte Bornemann ist; vorher ihr Friseurmeister Neise (nach Arnsberg verzogen) und davor Raseur Neise, - eine ehrenwerte Berufsbezeichnung, die soll nur nicht verloren gehen, darum steht sie hier.

Bei den Straßen-Namen werden die jetzigen (2009) Namen benutzt. Sie werden ergänzt mit den ursprünglichen und nachfolgenden Namen (deren Jahreszahlen können ungenau sein).

Maßgeblich sind dann die Parzellen.Nummern der Kataster-Karte von 1827. Diese Parzellen-Nummern werden ergänzt mit den später entstandenen „Alten Haus-Nummern“ und den gegenwärtigen Haus-Nummern, ferner mit den alten „Hof-Namen“ mit deren urkundlich belegten Jahreszahlen.

Es kann sein, dass nicht von allen angegebenen Parzellen mit ihren Einwohnern, „Eingesessen“, ausführlichere Angaben vorhanden sind. Ergänzungen in Richtung Gegenwart können teilweise aus den auch vorliegenden Listen entnommen werden.

Hauptstraße. Vor diesem Straßenbau, 1805 – 1810, in der Ortsmitte befand sich hier die Kirchhof, siehe oben.

Ältere Namen: Casseler Chaussee, Arnsberg-Beverunger-Straße, Arnsberg-Casseler-Straße (aus der „Hessen-Zeit“); für „Straße“ wird auch „Chaussee“ gebraucht, die freilich anfangs durch ganz Freienohl so benannt wird, aus Richtung Arnsberg bis in Richtung Meschede und umgekehrt. Eines Tage ist sie auch die „B 7“, die Bundesstraße 7, aus dem Westen in den Osten und umgekehrt (die Kürzel A und E, mit anderen Zahlen, galten und gelten ja für Autobahn und Europastraße) .

Die Hauptstraße hieß in der Hitler-Zeit, ab 1934 bis 1945, also bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs: Adolf-Hitler-Straße.

Danach Von-Steuben-Straße. So benannt  – auch zeitbedingt – zu Ehren des deutsch-amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben (1730-1794); weitere Einzelheiten zu ihm finden sich im Lexikon: Steuben-Gesellschaft, Steuben-Parade New York...

Die anderen Namen für die Hauptstraße ab Mittelpunkt in Richtung Meschede:

„Breiter Weg“; breit wohl deswegen, damit Pferde Fuhrwerke gleichzeitig in beide Richtungen fahren konnten; Breiter Weg bis zur Ruhrbrücke. Die Ruhrbrücke hieß früher auch Plastenberg-Brücke / Blastenberg-Brücke, weil sie zum Plastenberg hinaufführte, durch, auf dem Hohlweg / Hohler Weg nach Bockum.  Die Bahnhofstraße gab es als „ordentlichen Weg“ anfangs noch nicht; das „Ruhr-Gebiet“ war viel zu feucht und nass und manchmal auch überschwemmt. Auch Häuser gab es da noch nicht.. Erst mit der Eisenbahn und vor allem mit dem Bahnhof zwischen 1871 und 1894 wurde dieser Weg zur Bahnhofstraße (siehe: Wolf. Freiheit Freienohl, S. 140 f.).

Auf der Hauptstraße entlang Richtung Arnsberg, rechts und links im Seiten-Wechsel mit den Parzellen und den Namen von 1827:

Parzelle 720: Heinrich Schwert / Flinkerbusch

Parzelle 719: Johannes Trompetter

Parzelle 718: Franz Schmidt / Schmitz, Nachtwächter

Parzelle 717: Heinrich Kaulmann gnt. Schneider; Johann Klasmeyer, Schmied

Parzelle 716:

Parzelle 831: Gersthold gnt. Sellmann / Ferdinand Kersthold /  Franz Düring / Franz      Höhmann /  Gaudenz Kersthold gnt. Sylran

Parzelle 788: Heinrich Vogt gnt. Knickenberg / Franz Vogt, Jagers

Parzelle 787: Heinrich Vogt gnt. Knickenberg

Parzelle 830: Gersthold gnt. Sellmann

Parzelle789: Heinrich Vogt gnt. Knickenberg

Parzelle 825 / 826: Johannes Vogt

Parzelle790:

Parzelle 824: Heinrich Lenze (Franz+Elsa Feldmann)

Parzelle 791: Franz Vogt

Parzelle 823: 

 

13.  Vom Wohnen, mit der gestreckten Windeldecke, dem Lehmschlag, Flachsschefen, Kaff, zuerst ohne, dann mit Russischen Kaminen

 

Zum Zusammenleben gehört auch das Wohnen. Wie die meisten Wohnungen und die meisten Häuser im 19. Jahrhundert ausgesehen haben, wissen wir nicht. In den Akten des Freienohler Archivs  (für Alt und Jung einsehbar im Alten Amtshaus in Freienohl) gibt es von den schöneren und wohlhabenderen Häusern gut erhaltene Bauzeichnungen. Und zum Glück hat der hoch verehrte Lehrer Franz Kroh im Fach Heimatkunde Zeichnungen  von diesen Häusern anfertigen lassen. Selbstverständlich von den Schülerinnen, so eben vor und um 1930. Die Jungen interessierten sich nicht so für diese Schularbeit: auf Leitern kletterten die 9 – 11-jährigen Mädchen zu den Haus-Inschriften und entzifferten die, anzuschauen  und zu lesen in seiner handgeschriebenen „Chronik Freienohl“.

Die für uns Heutige wohl anschaulichste und stimmige Information bietet die schon benutzte Arbeit von Ursula Hennecke: „Zur Entwicklung des Gesundheitswesens im Herzogtum Westfalen“ im Süd Westfalen Archiv, 6. Jg., 2006, S. 28 – 103. (Hier S. 57- 59 alles kursiv gehalten, auszugsweise, ohne die damalige Rechtschreibung und ohne die Anmerkungen)

Über die Bauernhäuser, 1804,... dass ein solches Haus aus zwei Hauptteilen besteht, dem Einen für die äußere Ökonomie, nämlich Stall und Fruchtbehälter, und dem Anderen für Wohnung, und die innere Wirtschaft;... kein Bauernhaus ohne eine Wohnstube, ohne eine Kammer zum Schlafen für den Herrn und die Frau und Kinder, und ohne eigene Schlafgemächer für Mägde und Knechte.“ Massiv gebaute Häuser aus Bruchsteinen gab es im Sauerland selten, die Grundmauern im Wohnteilwaren allerdings meist gemauert. Die Verwendung von feuergefährlichen Materialien beim Bau der Häuser, wie Holt, Holzschindeln und Fachwerk führte nicht selten zu verheerenden Bränden... 1837: Auf dem Land waren die Wohnungen oft zu eng, niedrig, dumpfig, feucht, zugig, rauchig und unsauber. Die Menschen wohnten, kochten, schliefen in dem Raum, in dem auch die Wäsche zum Trocknen hing. Zudem ließen sich die Fenster nicht zum Lüften öffnen. Weil es an geeigneten Nebenräumen mangelte, mussten die Bettkästen als Vorratsbehälter für die spärlich geernteten Kartoffeln und das Gemüse dienen...Aus einer Bestimmung für das Herzogtum Westfalen vom 14. Mai 1808 geht hervor, dass Gebäude ohne Schornstein, sowie Häuser ohne eine gemauerte Trennwand zwischen dem Wohntrakt und dem wirtschaftlich genutzten Teil als mangelhaft galten. Fehlerhafte Konstruktionen der Haus- und Scheunenböden stellten eine Unfallgefahr dar... Die Bodenbretter sollten dicht aneinander gefügt und fest aufgenagelt sein, dass kein Mensch durchfallen oder durchbrechen könne. Am Küchenfenster auf der Tenne sollte der Bodenbelag mit starken Brettern oder einem Estrich von Lehm so angelegt sein, dass der Ausbruch eines Feuers unmöglich gemacht werde.

Vom 19.Februar 1827 von der Abteilung des Innern der Königlich Preußischen Regierung in Arnsberg eine „Beschreibung der sogenannetn gestreckten Windeldecke“, hier in Auszügen: „Die gestreckten Windeldecken oder Winderböden, welche ihrer vorzüglichen Anwendbarkeit halber, vorzüglich bei landwirtschaftlichen Gebäuden und den Wohnungen unbemittelter Leute besonders empfohlen zu werden verdienen, unterscheiden sich auf den ersten Anblick hauptsächlich dadurch von den gewöhnlichen Windelböden, dass sie ihr Lager auf den Balken und nicht zwischen denselben haben...Man kann dazu allerhand, sonst zu nichts als zum Verbrennen taugliches, nur nicht ganz krummes und verfaultes Holt nehmen; am besten werden sie von 3 – 4 Zoll (1 Zoll = 3,7 cm, also etwa 14 cm)  starken ellernen, birknen, fichtenen, buchenen, eichenen etc. Stangen (Erle, Birke, Fichte, Buche, Eiche usw.) , die jedoch so lang sein müssen, dass sie wenigstens über 3 Balken weggehen, gefertigt. In Ermangelung dergleichen Stangen ist auch gespaltenes Holz,jedoch in vorgenannter Stärke und Länge zu nehmen. - Die Stangen oder Hölzer werden mit Strohlehm (d.h. mit durch nassen Lehm gezogenes langes Stroh) umwunden, und eine an die andere auf die Balken jedoch so gelegt, dass die Stöße auf die Balken sich verwechseln, und an den Enden mit hölzernen Nägeln auf die Balken genagelt. - Nächstdem wird über diese Lage noch ein 3 – 4 Zoll dicker Lehmschlag (Estrich) mit feinem Flachsschefen oder Kaff (Getreide-Spreu) gemischt, aufgebracht, gehörig geschlagen und geglättet, und die Decke unterwärts mit kurzem Stroh gemischten Lehm, angetragen und abgeglichen. Will man die obere Decke außerdem außerdem noch mit Ochenblut und Hammerschlag versehen, so erlangt sie dadurch noch eine besondere Härte und Festigkeit....Kann die beschriebene Art Decke jeder Landmann, ja der unbeholfenste Mensch sie machen, weshalb sie denn auch sehr wenig kostet und unter allen Deckenarten die wohl feilste ist...Es leistet eine gestreckte Windeldecke jedem Gebäude bei Feuergefahr die besten Dienste. Gerät so ein Gebäude von außen her in Flammen, so kann es gerettet werden, denn die Lehmstrichlage bildet eine feuersichere Scheidewand zwischen dem Dachraum (dem „Balken“) und den Etagen (den – 2 – Wohnstockwerken), und verhindert, dass die Balken  nicht gleich vom Feuer ergriffen werden können...Tritt bei den gewöhnlichen Windeldecken häufig der Fall ein, dass die Wellerlatten  vermodern, oder wenn die Wellerhölzer bloß in einer Falz des Balkens liegen, beim Schwinden der Balken und Wellerhölzer die letzteren zu kurz werden, und in beiden Fällen das ganze Deckengefach herabstürzt, was jedoch bei gestreckten Windelböden nie zu besorgen ist (nie Sorgen macht).“  (Die Beschreibung wurde um 1/3 gekürzt. Nachschlagen im „Krünitz“ lohnt sich für Bau-Interessierte.)     (AA  1577)                                        

Am 7. Januar 1846 informiert auftragsgemäß der Freienohler Amtmann Devivere den Landrat von Lilien in Arnsberg, dass er denjenigen mit einer Geldstrafe bestraft hat, der beim neuerbauten Haus keinen Schornstein eingebaut hat und dass er verboten habe, in so einem neu erbauten Haus, Feuer zu machen (zum Kochen und Heizen).     (AA  1577)

Für unser Freienohler Zusammenleben ist auch diese Polizei-Verordnung von der Königlichen Regierung in Arnsberg vom 21. August 1873 wichtig; die reicht zurück in das Jahr 1850 (Auszug):  In...den...Orten dürfen menschliche Auswurfstoffe, tierische   Abfälle, sowie außerhalb der Ställe Dünger und Jauche von Haustieren künftig nur in  Sohle und Wand wasserdicht gemauerten Gruben oder in wasserdichten Behältern (Tonnen, Kisten usw.) aufbewahrt und gesammelt werden... Die Gruben müssen so eingerichtet sein, dass sie außerhalb der Wohngebäude entleert und gereinigt werden können. … Gruben, welche zur Aufnahme menschlicher Auswurfstoffe bestimmt sind,, müssen abgesehen von der Einfallsöffnung mit einer dichten Überdeckung versehen sein, ebenso müssen Gruben, in welchen sich Dünger von Schweinen oder tierische Abfälle befinden, bedeckt gehalten werden....                                                            (AA  1577)

Aus Berlin stammt vom 28. November 1880 diese Anordnung (Auszug): Schornsteine: Jede Feuerstätte muss mit einem Schornstein von den bautechnischen Regeln Liste der entsprechender lichter Weitein Verbindung stehen. Schornsteine und Rauchrohre sind von unverbrennbarem Material in fester und sicherer Weise herzustellen und von Holzwerk und anderen brennbaren Stoffen ausreichend zu isolieren. Gemauerte Schornsteine müssen auf eigenem massiven, vom Erdboden aufgemauerten Fundament oder auf massiven Mauern ruhen. Sie dürfen nicht auf Balkenlagen gesetzt werden. Sie sind so einzurichten, dass sie ordnungsmäßig gereinigt, nachgesehen und ausgebessert werden können... Schornsteine müssen so weit über das Dach hervorragen, dass die  Nachbarn oder das Publikum durch den Rauch nicht belästigt werden.     (AA 1577)

14. Bau-Erlaubnisse:

14.1. Berichte, Listen ab 1825           (AA  1593, 1579, 1600, 1606)

Aus den älteren Akten-Teilen wird die Textform, manchmal etwas gestrafft, übernommen:

Am 26. September 1825: Heinrich Kordel darf in der Giesmecke bei seiner Hütte am Mühlenteich einen Anbau errichten, aber „es darf derselbe keine Beschädigung im Communalwald begehen.“

Am 28. November 1829: Heinrich Kohsmann gnt. Klaren darf bauen. (Zur Erinnerung: der Beiname „Klaren“ / „Claren“ hat nichts mit Alkohol, nichts mit Schnaps zu tun; die Familie Gaudenz Claren war Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorben, ein Familienmitglied Kohsmann, noch später auch ein Familienmitglied Pöttgen, hatte eingeheiratet.)

Mai 1839: Faktor Hirschberger darf das von ihm gekaufte Haus des Schultheiß Franz Feldmann (Haus-Nr. 141) abbrechen und darauf ein neues Wohnhaus mit Schieferdach errichten.

Am 28. April 1840: Schreinermeister Adolf Feldmann  darf auf dem von Caspar Lenze gnt. Penschröer gekauften Grundstück ein neues Wohnhaus mit Schornstein und mit Schiefer gedeckt bauen. „Er ist Bürgersohn und hat sich hier seit mehreren Jahren als Schreinermeister etabliert. Durch anhaltenden Fleiß und durch Sparsamkeit hat er sich ausgewiesen und kann den Bau ausführen. Rechts neben der Chaussee von Arnsberg auf Meschede. Zwischen seinem Haus und dem Nachbarhaus des Georg Cohsmann bleibt ein Abstand.“

Am 31. Juli 1840 bittet Johannes Herbart „um eine kleine Stelle in der Gemeinheit (= Gemeinde) für einen Hausbau. Der Gemeinderat lehnt ab, sie hat dafür kein Grundstück mehr abzustoßen.“ (Eine andere Begründung steht nicht in der Akte.)

Am 14. August 1840 erhält Schreinermeister Ludwig Feldmann die Erlaubnis zum Neubau eines Wohnhauses (Haus-Nr. 138), links neben der Chaussee von Arnsberg nach Meschede, nicht weit von dem Haus des Gastwirts Hirschberger“ (Haus-Nr. 4a),  - in einem anderen Text - „dem Bernard Kluten Haus (Haus-Nr.112) gegenüber“. Dann folgt ein „Person-Gutachten“-Text wie bei Adolf Feldmann.

Am 20 August 1840 : Der Wegebaumeister aus Neheim  - auch zuständig für Freienohl – hält in seinem Rundschreiben 3 Bedingungen für wichtig: 1.  Das neue Gebäude muss genau in derselben Entfernung von der Straße liegen wie die übrigen... 2. Der freie Abfluss des Wassers verläuft in dem Chausseegraben mittels eines 2 Fuß weiten Kanals... (2 Fuß = gut 60 cm), dessen Reinigung und Instandhaltung obliegt künftig dem Hauseigentümer. 3. Vor dem Haus darf kein Düngerhaufen gelagert werden und es dürfen keine sonstigen Unreinigkeiten in den Chausseegraben geleitet werden.

Vom 25. September 1839 bis zum 31. August 1840 fast ein kleines Spektakel der Macht, wobei heutzutage freilich nur der Akten-Einblick möglich ist; die gesagten Gründe müssen nicht die wahren Gründe sein:  Der Schmied Franz Caspar Düring (Haus-Nr. 109a) möchte einen Stall bauen, „den er aber nicht gut auf sein Eigentum setzen kann... Die Gemeinde Freienohl besitzt neben und hinter seinem Wohnhaus noch öde liegendes Grundeigentum, womit sie nichts anfangen kann. Für seinen Stall benötigt er diesen öde liegenden Gemeindegrund, den möchte er der Gemeinde abkaufen.“  Am 1. Oktober 1839 beschließt der Gemeinderat, „dass dem Düring nur der fragliche Platz seinem Haus gegenüber überlassen werden kann“. Franz Caspar Düring genügt das als als Bauerlaubnis und er errichtet noch vor dem Winterbeginn den Stall. Aber es fehlt die polizeiliche Genehmigung. Und der neue Stall steht etwas auf dem öffentlichen Weg. Der Streit ist da. Düring soll den Stall wieder abreißen. Hin und Her behördlicher und privater Schreiben: Bürgermeister in Freienohl – Landrat in Arnsberg – Schmied Düring (dazu noch ein „Grobschmied“ als Berufsangabe). Der Stall bleibt stehen. Düring soll eine Geldstrafe zahlen. Ein zunächst letztes Schreiben an den Landrat vom 31. August 1840. - Am 3. Oktober 1841 (!) hat sich Franz Caspar Düring wieder beim Landrat in Arnsberg beschwert, „dass seine Angelegenheit wegen Ankauf des von ihm bereits mit einem Stall bebauten Gemeindegrundstück der Freiheit Freienohl noch immer nicht reguliert ist“. Der Landrat will vom Bürgermeister Alberts binnen 14 Tage Klarheit haben. Der Bürgermeister will Düring dazu bringen, „den Stall wieder fort zu nehmen und dicht neben seinem Haus aufzurichten“. - Wie´s weiter ging? Leider schweigen nun die Akten (AA  1579)

Am 20. April 1841: Schreinermeister Georg Schröder bittet um Erlaubnis zum Wohnhausbau „in der Dorfwiese unterhalb Freienohl“; wird genehmigt vom Landrat am  4. Mai 1841. Haus-Nr. 137.

Am 29. Mai 1841: Anton Schwarze darf sein Wohnhaus erweitern.

Am 24. August: Theodor Funke: „...habe ein vollständiges Haus in Calle gekauft, dasselbe dort abgebrochen, beabsichtige, es jetzt aufzubauen oder wieder aufzurichten, einen Abriss (= Bauzeichnung) werde ich daher jetzt nicht bedürfen.“ Wird genehmigt.

Am 10. September 1841:  Schultheiß Franz Feldmann erhält die Erlaubnis, für seinen Sohn Caspar Feldmann, der sich als Schlossermeister hier niederlassen möchte, ein neues Wohnhaus zu bauen: „rechts an der Arnsberg-Beverunger Straße neben dem Straßennummer 134 gelegenen Garten zwischen Freienohl und der Pflasterbrücke“ Ruhrbrücke, auch: Plasterbrücke, Plastenberg-Brücke). „Mit Schieferdach und einem Schornstein.“

Am 30. September 1841: Bernard Heckmann erhält die Erlaubnis zum Neubau eines Wohnhauses auf seinem Grundstück Flur I, Nr. 579/5.

Am 13. November 1841: Bernhard Humpert gnt. Rocholl erhält die Erlaubnis zum Bau eines Wohnhauses „im Garten oberhalb von Freienohl mit einem Schornstein, mit Schieferziegeln oder Lehmschindeln“. (1846: Franz Humpert gnt. Rocholl, Haus-Nr. 49, Parz. 836; Brunnenstraße; AA  2170)

Am 6. Mai 1842: Johannes Stirnberg wird erlaubt, „auf seinem und seiner Frau geerbten Grundstück neben dem Haus der Erben Hirnstein ein neues Wohnhaus zu errichten“.

Am 28. Juni 1842: Waldwärter Gaudenz Kerstholt (Haus-Nr. 66, Parz. 518) wird erlaubt, für seinen Sohn Fritz-Ernst (Franz?-Ernst, Haus-Nr. 145a) ein Wohnhaus zu bauen. „Das Gebäude muss wenigstens 5 Fuß (= 1,60 bis 1,75 m) vom äußersten Rand des gepflasterten Chausseebanketts entfernt bleiben und darf der Linie von dem Sollmanschen Haus und dem Rathaus nicht vortreten.“ Mit Schornstein, Schiefer- oder Ziegeldach, Düngestätte nicht zur Chaussee.

Am 29. April 1844: Caspar Helnerus darf ein neues Wohnhaus errichten „an der östlichen Seite der Chaussee nach Arnsberg“; Fl. I, Parz. 790.

Am 10. Juni 1844: Der Landrat genehmigt dem Christoph Hirnstein seinen neuen Wohnhausbau: Fl. I, Parz. 430/3, an der Arnsberger Straße; das Gebäude soll „in derselben Entfernung von der Chaussee wie die gegenüberliegende namentlich dasjenige des Franz Tönne und in paralleler Richtung mit der Chaussee erbaut werden“. (Stilistisch etwas ungewohnt.)

Am 19. Juni 1844 erlaubt der Landrat den Neubau eines Wohnhauses dem Ferdinand Wrede gt. Kückenhoff; Haus-Nr. 22; Fl. I, Parz. 903 (Bergstraße).

Am 29. März 1845 wird dem Franz Wilhelm Hahse, Schuster und Musikus, der Bau eines Wohnhauses zunächst erlaubt, dann, am 18. April 1845 nicht, auch nicht am 29. April 1845 „auf dem von Ludwig Feldmann angekauften bei dessen Wohnhaus belegenen (= gelegenen) Garten an der Chaussee von hier nach Meschede ein neues Wohnhaus errichten zu dürfen“. Nach Verbesserungen in seiner Zeichnung erhält er die Erlaubnis am 7. Mai 1845. Im Text folgen die vom 20. August 1840 schon bekannten „Abfluss-Bestimmungen“. Haus-Nr. 152.

Am 21. März 1845: Schüsseldreher Johann Cohsmann gnt. Claren wird der Bau eines neuen Wohnhauses nicht erlaubt in seinem 15 – 20 Schritt von der Chaussee entfernten Garten; Fl. I, Parz. 426A/1. Sein Schwager Maurermeister Franz Göckeler wird die Maurerarbeiten leisten; sein Schwager Schreiner Franz Mühlenberg die Schreinerarbeiten.  Cohsmann kann nicht die notwendige Geldmenge nachweisen.

Am 10. Mai 1845: Schneider Heinrich Schwarzfärber darf ein neues Wohnhaus bauen, Fl. I, Nr. 872, (St. Nikolaus-Straße) auf der Hälfte des Gartens, den er von Anton Neise gekauft hatte.

Vom 17. Juli 1845 (Antrag) und dann am 18. August 1845 erhält Joseph Helnerus, Tagelöhner, die Erlaubnis zum Neubau eines Wohnhauses mit der Einrichtung einer Wirtschaft;  Fl. I, Parz. 880 (St. Nikolaus Straße / Kerstholtsgasse?)  

Am 27.Oktober 1845: Johann Cohsmann gnt. Dreher (Schüsseldreher) erhält die Erlaubnis für einen neuen Backofen und Saustall. Haus-Nr.148.

Bau-Erlaubnisse zum Wohnhausbau: Oktober bis November 1845:

Heinrich Lenze gnt. Lichte, Fl. I, Parz. 93 + Einrichtung einer Wirtschaft.

Adam Köster,  Fl. I, Parz. 579.

Ferdinand Kerstholt, Fl. I, Parz. 830 + Einrichtung einer Wirtschaft.

Immer müssen alle nachweisen, dass sie genug Geld und Holz für den Bau besitzen.

Am 22. Februar 1847: Franz Hesse, Maurer, erhält die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau, Fl. I, Parz. 579/5, Haus-Nr. 151a.

Am 28. März 1847: Schuster Florenz Plugge erhält die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau vorerst nicht, weil er das notwendige Vermögen nachweislich nicht besitzt, weil er in diesem Jahr „wegen Diebstahl wiederholt in Untersuchung gestanden habe, wobei er jedoch gänzlich freigesprochen worden sei“.

Am 12. Oktober 1847: Ackerbauer Josef Funke hat von Caspar Flinkerbusch die Parzelle Flur I, Nr. 901 gekauft und erhält die Genehmigung zum Neubau eines Wohnhauses (am Ende der Bergstraße).

Am 10. Mai 1849: Hermann Krick, Schüsseldreher, erhält die Erlaubnis zum Wohnhaus-Neubau, Fl. I, Nr. 980/851, Haus-Nr. 27b.

Am 25. Februar 1850: August Lichte (Bruder von Johann Lichte, Wirt, Haus-Nr.1, 2009 = Hirsch-Apotheke) hat vom Gemeinde-Verordneten Pöttgen die Parzelle Flur I, Nr. 2 an der Arnsberg-Beverunger Chaussee gekauft und erhält die Erlaubnis, darauf ein Wohnhaus zu errichten.

Am 5. März 1850: Gastwirt Carl Neise erhält die Erlaubnis für den Neubau eines Wohnhauses auf Parzelle Flur I, Nr. 697, Haus-Nr.130.

Am 19. Juni 1850: Georg Geihsler erhält die Erlaubnis für den Neubau eines Wohnhauses auf Parzelle Flur I, Nr. 531. Weil dieses Grundstück jedoch an keinem öffentlichen Weg liegt, so gehört zur Bauerlaubnis auch das Einverständnis, „sich im Besitz eines Weges zu stellen, welcher von der Chaussee nach dem Baugrundstück führt, um den Weg dem öffentlichenVerkehr nach seinem Haus Preis zu geben“.

Am 21. Juli 1850: Tagelöhner Kaspar Lenze gnt. Penschröer jun. Erhält die Erlaubnis zum Bau eines Wohnhauses auf seinem Grundstück Parzelle Flur I, Nr. 708 (Bergstraße). Dieses Grundstück verkauft Kaspar Lenze am 7. Oktober 1851 an den Schuster Caspar Helnerus. Dabei scheint es wohl nicht alles ganz korrekt gewesen zu sein: Bürgermeister Devivere macht am 22. November 1851 den Einwand, es handelte sich um einen Scheinkauf. In Protokollen sind Befragungen festgehalten. Am 19. Januar 1852 gibt es eine kleine Notiz vom Notar Grewe, Arnsberg, dass Kaspar Lenze jun. „die Gegenstände  an Kaspar Lenze sen.  weiter verkauft habe“. 

Am 20. August 1850: Postexpediteur Tönne hat Maurermeister Neuhaus aus Arnsberg beauftragt, bei ihm einen neuen Schornstein zu bauen. Neuhaus läßt den durch seinen Gesellen Franz Göckeler ausführen.

Am 13. Mai 1851 bis zum 12. August August 1851: Kaspar Pöttgen hat ein Grundstück von Bernhard Tönne gekauft und er hat die Erlaubnis für ein neues Wohnhaus darauf. Das liegt neben dem Haus des Schmieds Franz Kaspar Düring und des Wirts Kaspar Vogt an einem öffentlichen Weg; Fl. I, Nr. 827/2 (später zunächst Düringstraße genannt, jetzt Brunnenstraße)..

Vom 2. bis 9. August 1852: Joseph Schnapp darf auf seiner Parzelle Flur III Nr. 26 neben seinem jetzigen Wohnhaus ein neues Wohnhaus bauen.

Am 3. März 1855:: Kaspar Stirnberg darf auf seiner Parzelle Flur I, Nr. 834/2 ein neues Wohnhaus errichten (jetzt Brunnenstraße).

Am 10. Mai 1855: Schuster Lorenz Bruder darf den Umbau seines Hauses vornehmen.

Am 11. Juli 1855: Franz Köster darf den Umbau seines Hauses vornehmen.

Am 11. Juli 1855: Joseph Mester darf auf seinem Grundstück Flur I, Nr. 1100/708 ein neues Wohnhaus errichten (Bergstraße).

Am 13. August 1855: Ehefrau Heinrich Cohsmann darf auf ihrem Hofraum einen neuen Ofen für den Stall errichten

Am 31. März 1858: Der Fuhrmann Philipp Trumpetter darf an seinem Wohnhaus einen kleinen Anbau errichten als Pferde- und Saustall.

Am 15. März 1861: Adolf Feldmann darf nach dem Alten Triftswege hin hinter seinem Wohnhaus einen Anbau anlegen: 14 Fuß Länge, 13 Fuß Breite; eine Mauer vor dem Weg (etwa 4,90 x 4,50 m).

Am 26. März 1861: Der Tagelöhner Franz Heckmann darf auf dem von seinem Bruder Adam Heckmann gekauften Grundstück Flur I, Nr. 1205/871 (Krummestraße / St. Nikolaus Straße) ein neues Wohnhaus mit einer Wirtschaft errichten.

Am 21. Mai 1861: Schreiner Georg Schröder darf einen Anbau anlegen: 24 Fuß Breite, 14 Fuß Höhe, mit Pfannendach (etwa 8,40 m; 4,90).

Am 13. Juni 1861: Franz Korte hat seinen alten Stall wegen Baufälligkeit abgerissen und darf einen neuen bauen.

Am 12. Februar 1863: Adam Heckmann hat auch wegen Baufälligkeit seinen alten Stall abgebrochen und darf einen neuen bauen.

Am 3. Mai 1864: Schuster Johann Cohsmann darf ein neues Wohnhaus mit Wirtschaft bauen, mit Schornstein und Ziegeldach. Fl. I, Nr. 382. Sein Schwiegervater Heinrich Düring bezeugt den guten Ruf von Cohsmann.

Am 6. August 1864: Johann Röther darf das vom Wirt Fritz Ernst Kerstholt gekaufte Wohnhaus erweitern.

Am 14.September 1864: Wirt Fritz Ernst Kerstholt erhält die Erlaubnis zum Neubau seiner Werkstätten, das schaffen Maurermeister Franz Göckeler und Zimmermeister Franz Korte.

Am 13. Juni 1865: Schneidermeister Heinrich Klute darf einen Anbau an sein Wohnhaus errichten durch Maurermeister Franz Göckeler und Zimmermeister Franz Korte.

Am 20. November 1865: Zimmermeister Franz Korte darf an sein Wohnhaus einen Anbau errichten; 11 ½ Fuß lang und 31 Fuß breit (etwa 4 m und 10 m).

Am 11. September 1866: Tagelöhner Fritz Lenze / Funke hat sein altes Wohnhaus abgerissen und darf ein neues bauen; Fl. I, Nr. 524, durch Maurermeister Franz Göckeler und Zimmermeister Franz Korte.

Am 10. Januar 1867: Zimmermeister Franz Korte darf ein neues Wohn haus errichten auf seinem Garten an der Chaussee Fl. I, Nr. 667 zwischen Postexpediteur Tönne und Johann Korte.

Am 26. März 1868: Maurer Franz Kohsmann gnt. Vohshane erhält die Erlaubnis zum Neubau seines Wohnhauses; 32 Fuß 8 Zoll lang, 22 Fuß breit (etwa 11,20 m, 7,70 m), 2 Etagen, massiv mit Ziegelsteinen; Flur I,  Nr. 772 (Straße Am Hügel). Das Grundstück hat er von Johann Kückenhoff erworben. Kohsmann hat einen guten Ruf (eine Voraussetzung für die Bauerlaubnis in Freienohl).

Am 22. Februar 1869: Joseph Spindeldreher wird erlaubt, durch Maurermeister Franz Göckeler einen Erweiterungsbau für sein Wohnhaus bauen zu lassen; Fl. I , Nr. 678 und 679 (hinten in der Voßecke).

Am 9 Januar 1871: Johann Trompetter muss wegen der Anlage des Wehrs durch die Ruhr bei der Langelbrücke sein Haus auf der Alten Wiese abbrechen. Er bittet um die Genehmigung zum Neubau eines Wohnhauses „Aufm Hahn“ am öffentlichen Communalweg nach der Giesmecke, Nr. 1076 / 270. - Die Baugenehmigung kann erst erfolgen beim Nachweis des nötigen Vermögens für den Bau. Der Nachweis ist wohl erbracht worden; die Akten schweigen.

Am 22. Mai 1871: Maurer Fritz Göckeler erhält die Baugenehmigung für ein Wohnhaus.

Am 20. Juni 1871: Anton Kloke erhält die Erlaubnis für ein Wohnhaus Fl. I, Nr. 429/2 zwischen Heinrich Klute und Ludwig Feldmann, vor Caspar Helnerus an der Arnsberg-Beverunger Straße.

Am 29. Juni 1871: Für Johann Rocholl die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau.

Am 10. Juli 1871: Für Franz Kaulmann  die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau.

Am 23. August 1871: Für Kaufmann Kampschulte die Erlaubnis für ein Stall-Gebäude.

Am 12. Januar 1872: Für Bäcker Franz Trompetter, Fl. I,  Nr. 1492/717, die Erlaubnis zur Vergrößerung des vom Schaufelmacher Johannes Lenze angekauften Hauses.

Am 9. Februar 1872: Für Georg Trompetter die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau.

Am 18. Februar 1872: Fritz Kehsler erhält die Erlaubnis zum Wohnhaus-Bau.

Am 12. Juni 1872: Für Schaufelmacher Johann Lenze Erlaubnis zur Bau-Veränderung, Flur I, Nr. 702.

Am 30. Dezember 1872: Für Maurer Kaspar Schwefer gnt. Goers  die Bau-Erlaubnis zum Wohnhaus, Fl. I, 1016/428, an der Arnsberg-Mescheder Chaussee.

Am 6. Januar 1873: Für Franz Wilhelm Hahse Bau-Erlaubnis für ein neues Wohnhau beim vorhandenen Haus, Fl. I, Nr. 655, „an der Chaussee in der Linie von Caspar Feldmann  und Heinrich Klute“.

Am 3. März 1873: Für Joseph Klauke in der Giesmecke Bau-Erlaubnis zum Wohnhaus, Fl. I, Nr. 1148/269 „am Weg von Freienohl durch die Giesmecke nach Hirschberg“.

Am 18. Mai 1873: Für Heinrich Schwer Bau-erlaubnis für ein neues Wohnhaus, Fl. I, Nr. 732, 1303/731, „unmittelbar an der Arnsberg-Beverunger Landstraße“.

Am 20. Mai 1873: Für Engelhardt Kraas aus Brumlingsen die Bau-Erlaubnis für ein neues Wohnhaus, Fl. IV, Nr. 21.

Am 3. März 1874: Für Joseph Schwer (?) Bau-Erlaubnis für ein neues Stallgebäude an der südöstlichen Giebelfront seines Wohnhauses.

Am 15. April 1874: Für Franz Hoffmann Bau-Erlaubnis zum Anbau ans Wohnhaus, Haus-Nr. 118.

Am 9. Juli 1874: Für Schornsteinfeger Franz Weber Bau-Erlaubnis für ein neues Wohnhaus, Fl. I, Nr.8 und 9.

Am 24. August 1874: Für Kaspar Göckeler Bau-Erlaubnis für ein neues Wohnhaus, Fl. I Nr. 8 und 9 erworben von H. Vohs; gelegen an der Arnsberg-Beverunger Staatsstraße.

Die folgende Kurzfassung und schon kommentierte, steht in der Akte 1579 an dieser Stelle; alle Texte sind von 1872:

Am 28. April 1872: Bei dem „Grenzproblem“ zwischen der katholischen Kirchengemeinde, mit Pfarrer Adams – einerseits – und – andererseits – mit Gastwirt Diedrich Kampschulte

(2009 = Hirschapotheke) ist zu beachten: der jetzige Kirchenbau mit den beiden Seitenschiffen und dem verlängerten Mittelschiff mit dem Altarraum und mit der „alten Sakristei“ (später Tauf-Kapelle, danach Abstellraum vor allem für lange Leitern) und der jetzigen „neuen Sakristei“ gab es noch nicht. Das Hauptschiff endete mit seinem äußeren Mauerrand vor den jetzigen Altarstufen. - Der Gastwirt Diedrich Kampschulte hatte „ein Anbaugebäude südwärts vom Wohnhaus“, einen Stall zu nahe an die Grundstücksmauer der Kirchengemeinde gebaut. Darüber beschwerte sich Pfarrer Adams mit seinem Kirchenvorstand (gez.) Sasse. Und er hat von der zuständigen Behörde in Arnsberg eine genaue Kataster-Zeichnung über die Grundstücksbegrenzung (leider nicht in der Akte 1579). Der Abstand zwischen Stall und Kirchhofsmauer betrug 18 Zoll, das sind 45,72 cm. - Jahre später, um 1887, kommt es wieder zu einem peinlichen Streit (nachlesbar im Buch über die Geschichte des Kirchengebäudes: „1753 – 2003, 250 Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus Freienohl“ ab Seite 68).

Am 26. Januar 1875: Für Küster Gerhard Links Erlaubnis für einen neuen Wohnhaus-Bau auf dem von Heinrich Voß gekauften Grundstück Fl. I, Nr. 809, „unmittelbar an der Chausse gelegen“.

Am 2o. August 1876: Für Bahnwärter Johann Klute aus Stockhausen die Bau-Erlaubnis auf seiner Wald-Parzelle Fl. III. Nr. 167 „in der oberen Rümmecke für eins Scheune, weil er das auf einer 8 Morgen-Wiese gewonnene Heu nicht zu jeder Jahreszeit nicht nach Hause fahren kann“.

Am 8. April 1876: Für Heinrich Funke die Bau-Erlaubnis für eine Scheune hinter seinem Wohnhaus.

Am 31. März 1877: Für Caspar Düring die Erlaubnis, seine alte Schmiede ab zur eißen und eine neue Schmiede zu errichten; Fl. I, Nr. 887 ( = Kerstholtsgasse; in der Skizze „Situation“ steht „Hauptstraße / = Mittlere Straße, jetzt: St. Nikolaus-Straße; statt „Kerstholtsgasse“: „Nebenstraße“).

Am 16. April 1877:. Für Johann Höhmann Erlaubnis für einen Anbau, Fl. I, Nr. 808/2 an der Arnsberg-Beverunger Chaussee.

Am 30. November 1877: Für Schreiner Caspar Stirnberg Erlaubnis für einen Stall-Anbau.

Am 8. Dezember 1877: Für Maurer Franz Göckeler Erlaubnis für Stall-Vergrößerung.

Am 12. März 1878: Für Tagelöhner Franz Kaulmann Erlaubnis für Wohnhaus-Anbau, Fl. I, Nr. 1513/579 (Alter Weg zwischen Johann Rocholl und Fritz Kehsler).

Am 27. März 1878: Für Fritz Göckeler Bau-Erlaubnis für einen Backofen in seinem Haus Nr. 124, Fl. I, Nr. 1520/822 (Alter Weg neben Hömberg / Rosenthal).

Am 16. Mai 1878: Für Johann Düring Bau-Erlaubnis für einen neuen Backofen.

Am 31. Mai 1878: Für Ackerer Caspar Altenwerth Bau-Erlaubnis für einen neuen Schornstein.

Am 10. Juni 1878: Für Wirt Johann Siepe Erlaubnis für Neu-Aufbau seiner abgebrannten Scheune; Haus-Nr. 155; Straßen-Namen: Arnsberg-Warburger Straße, Feldweg = jetzt Kapellenstraße.

Am 25. Juni 1878: Für Rendant Theodor Bracht Erlaubnis für einen neuen Anbau an sein Wohnhaus; zum Kirchhofsweg hin.

Am 31. Juli 1878: Für Adam Ahsmann Bau-Erlaubnis für einen neuen Schornstein.

Am 8. August 1878: Für Witwe Franz A. Spindeldreher Bau-Erlaubnis an ihrem Wohnhaus zur Umwandlung des Ziegeldachs in ein Schieferdach.

Am 16. August 1878: Für A. Kotthoff Bau-Erlaubnis zur Anlage einer Schmiede-Werkstatt mit Feuerungsanlage.

Am 27. August 1878: Für Schreiner Franz Schwefer Erlaubnis für einen „neuen kleinen Anbau“; an der Arnsberg-Beverunger Straße zwischen – links – Schaufelmacher Franz Düring und – rechts – altes Wohnhaus von Caspar Flinkerbusch.

Am 5. September 1878: Für C. Kehsler Bau-Erlaubnis für einen zweiten Schornstein im früheren Kartoffelhaus.                

AA 1579 vom 26. September bis 5. September 1878. Zwischen 5. September 1878 und 27.03.1879 (s.u.) kein Akten-Befund.

14,2, Strohdocken zum Dachdecken im Auftrag der Regierung!

Kein Schreibfehler: Strohdocken – mit „o“ - ist richtig. Was damit gemeint ist? Wikipedia und andere wissen das lang und breit. Hier kurz und bündig: unter den Dachziegeln liegt genau bemessenes, geschnittenes und gebündeltes, reines Stroh. Das schützt vor Kälte, hält auch Regen, Flugschnee und Sturm draußen. Die Übertragung von „Strohdocken“ in  „Strohdecken“ ist sicher nicht falsch. Handwerkliches Können und meisterliche Bedachtsamkeit sind selbstverständlich. (Man kann ergänzen: passt zu Freienohlern.)

Nun der Einschub aus General-Akten und Polizei-Verordnungen aus Berlin und Arnsberg  zum Hausbau. Aus der Polizei-Verordnung vom Landrat in Arnsberg am 27. Februar 1884: Die Jahreszahl ist nicht ganz so wichtig, aber das Jahrzehnt. „Die Anwendung von Strohdocken ist bei einer Reparatur von Dächern nur bei solchen Dächern gestattet, welche bereits bei Publication dieser Polizei-Verordnung“ unter Verwendung von Strohdocken eingedeckt gewesen sind, im Übrigen aber verboten..“  Warum verboten? Bei der einleitenden Erklärung tauchte das Wort vom Brandschutz, von der Feuergefahr nicht auf!

Weiteres aus dieser Akte (AA 1592): Bis zum 15. Januar 1898 haben die Polizeidiener Schwert und Kebekus den Auftrag, über Mißstände bei denvorhandenen Düngerstätten zu berichten, ob die Sohle (der Untergrund) und die Wand dicht hergestellt sind. - Die beiden Polizeidiener berichten: Bei Neubauten sind die Bestimmungen eingehalten, „im übrigen ist vorläufig alles in Ordnung“.

Zur „Prüfung von Projekten feuergefährlicher Anlagen, Abnahme von Rohbauten, Besichtigung der Feuerstellen“ erlässt der Minister des Innern in Berlin am 14. Mai 1899 eine sehr eindringliche Verordnung für die Baupolizei und weist zum Schluss darauf hin, „dass für diejenigen Bauten, deren Bedeutung eine Prüfung durch bestimmte technische Beamte erfordert,, diese durch die Zuziehung eines Mitgliedes der Feuerwehr nicht ersetzt werden kann“.

Der Regierungspräsident in Arnsberg ergänzt am 21. Juli 1899: „Auf den letzten Absatz vorstehenden Erlasses (s.o.)  mache ich noch besonders aufmerksam.“

Der Freienohler Gemeindevorsteher Kehsler notiert am Rand, wohl nach dem Lesen, am 5. August 1899: „Nach den hiesigen Verhältnissen ist der vorstehend benannte Vorschlag nicht empfehlenswert, zugleich erscheint derselbe als durchaus überflüssig.“ Damit kann gemeint sein: die Freienohler nehmen im gut nachbarschaftlichen Sinn, gekoppelt mit bedächtiger Neugier Anteil an Neubauten im Dorf. Ein möglicher Beleg: diese Akte 1592 ist äußerst umfangreich, besteht aus vielen, vielen Seiten von Bauverordnungen; darum auch für „Bauleute“ und Baupolizei eine „General-Akte“.  Und ein Zeichen dafür, dass in diesen Jahren Freienohl gewachsen ist, dass viele neue Häuser gebaut wurden, dass man  - Männer – von hier aus doch einigermaßen günstig „zur Arbeit“ fahren konnte mit dem Zug nach Oeventrop, Arnsberg, Neheim, Hüsten, zu Fuß - später mit dem Rad – nach Wildshausen, in die Giesmecke zur Glasfabrik, Mühle. - Erinnert sei an die Baupläne für eine Eisenbahn durch die Giesmecke, woran allerdings Hirschberg mehr interessiert war als Freienohl, auch mit dem geplanten Bahnsteig an der Langelbrücke. - Und eine „Amtliche Ausgabe: Bestimmungen für die Ausführung von Konstruktionen aus Eisenbeton bei Hochbauten, Berlin 1904“ lag auf dem Arbeitsplatz des Freienohler Amtmanns.

Zum Zusammenleben gehört auch „Arbeiterfürsorge“. Fragen zum Bau von Seiten des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 23. März 1908: „1. Wie viele Arbeiter werden voraussichtlich dauernd auf dem Bau beschäftigt sein? - 2. Ist die Bereitstellung eines besonderen Unterkunftraumes notwendig? (Mehr als eine Baubude?) -  3. Wird die Bauausführung sich voraussichtlich bis in die kältere Jahreszeit ausdehnen und wird bejahendenfalls (!) für genügende Erwärmung des Unterkunftraumes Sorge getragen? - 4. Werden die Arbeiter auf der Baustelle die Möglichkeit haben, Speisen und Getränke zu erwärmen? - 5. In welcher Weise soll für die notwendigen Bedürfnisanstalten gesorgt werden?“ - Angemerkt sei, dass diese Fragen schon Jahre vorher gestellt und gelöst worden sind.                                                                                                       (AA  1592)

 

14.3. Bau-Erlaubnisse + Neubauten: Berichte und Listen ab 1825                (AA 1593)

                                                                    

Jahr Name + Stand, alte Haus-Nr. Bau-Gegenstand; Flur+Parzelle
1879    
27.03.79 Franz Weber, Zimmermann Anbau ans Wohnhaus + neue Feuerungsanlage mit Schornstein
25.04.79 Carl Feldmann, Schreiner Beim Anbau ans Wohnhaus: Aufsetzen eines Stockwerks + Anbau für die Schreinerwerkstatt

29.05.79

25.07.79

Joseph Noeke, Ackerer, Nr. 112

Franz Humpert

Anbau neuer Rindvieh- u. Schweinestall.

Neuer Schornstein

28.7.79

28.07.79

1.8.79

6.8.79

23.8.79

Johann Kohsmann, Schuhmacher

Heinrich Funke

Kaspar Heckmann

Kaspar Schemme, Landwirt

Franz Molitor, Schuhmacher

Verbreiterung des Kuhstalls ans Wohnhaus.

In der Scheune ein neuer Schornstein.

Russischer Schornstein.

Im Wohnhaus Umbauten, daneben: Stall.

Umbauten im Wohnhaus.

26.9.79 Fritz Düring, Flurschützer Anbau eines Backofens ans Wohnhaus
1880    

2.3.80

4.3.80

8.3.80

29.5.80

30.5.80

20.6.80

19.12.80

10.12.80

8.12.80

Clemens Toenne, Postverwalter

Johann Trompetter, Zimmermeister

Johannes Mester

Johann Trompetter, Zimmermeister

Heinrich Neise, Fl. I, Parz. 905

Johann Kerstholt, Haus-Nr. 83

Anton Schröer

Caspar Rocholl, I, 801/1

Caspar Köster, Wagner

Abbau des alten Backofens im Wohnhaus, Neubau des Backofens „für den gewöhnlichen Hausbedarf im seitherigen Kegelhaus“.

Fl. I, Parz. 61: neues Wohnhaus, „3 m vom vorher führenden Feldweg entfernt, Abtritte, Viehställe, Düngestätten nicht zur Chaussee hin anlegen!“

Neuer Schornstein

Neubau: Wohnhaus

ans Wohnhaus: Stall, Küche, Anbau.

Zweiter Russischer Kamin.

Russischer Kamin (= Schornstein).

Stall hinter Wohnhaus.

Stall hinter Wohnhaus (zwischen Hauptstraße / Alter Weg)

1881    

8.2.81

12.2.81

19.3.81

18.3.81

21.5.81

28.5.81

30.5.81

25.6.81

26.7.81

6.8.81

26.9.81

Anton Loebach, I, 701

Bendix Löwenbach, I, 699

Ferdinand Pöttgen, Haus-Nr.37

Heinrich Hecking

Heinrich Geihsler I, 884

Heinrich Geihsler, Ackerer

Bendix Löwenbach

Caspar Kehsler

Franz Heinrich Kaulmann

J. Düring

Joseph Noeke Sen.

Neues Wohnhaus (Ecke Bergstraße).

„Nebengebäude“

Stallungen ans Wohnhaus.

Anbau ans Wohnhauses

Anbau ans Wohnhaus

Anbau: Seitenflügel ans Wohnhaus

im Wohnhaus: russischer Kamin

neuer Backofen, russischer Kamin

im Wohnhaus neuer Backofen + russischer Kamin

an Westseite der Scheune ein russischer Kamin, alter Schornstein abgerissen.

Backofen hinter dem Haus im Garten (Randnotiz: früher E. Ransenberg)

30.9.81 Joseph Nolte sen., Tagelöhner Neubau: Backofen ans Wohnhaus, Stall beim Wohnhaus
1882    

13.2.82

15.2.82

4.5.82

10.10.82

Ehefrau Franz Wiesemann

Witwe Caspar Neise, Haus-Nr. 130

Ehefrau Joseph Noeke

Franz Gördes, Tagelöhner

Russischer Kamin

Anbau einer Remise.

In ihrem geerbten Sasse´schen Haus: Russischer Kamin.

Anbau ans Wohnhaus: unten Stall, oben „Fourageraum“.

5.12.82

Anton Linneborn, Fabrikbesitzer

Trockenraum der Holzstoffpappe, Fl. I, Nr. 1269/217
1883    
31.1.83 Witwe Johann Trompetter Schreinerwerkstatt
14.2.83 Caspar Kehsler, Maurermeister Stall mit Remise.
22.2.83 Anton Korte, Hausierer, Küster Umbau von Caspar Düring´s Schmiede in ein Wohnhaus, Umlegung des Schornsteins
17.3.83 Caspar Zacharias, Haus-Nr. 169 Anbau Tenne und Kuhstall
14.3.83 Franz Korte

Neubau Wohnhaus; I,1804/720;

I,1803/770

14.3.83 Franz Molitor, Schuster Anbau ans Wohnhaus

16.4.83

15.5.83

12.6.83

25.6.83

Georg Mester, Schreiner, Haus-Nr. 150

Ferdinand Kehsler, Rottenarbeiter

Friedrich Kihsler

Witwe Philipp Trumpetter, Haus-Nr. 164

Anbau ans Wohnhaus

Umbau am Wohnhaus: aus Strohdach ein Schieferdach, beim Stall aus Strohdach ein Ziegeldach.

Neubau Schornstein

Ans Wohnhaus: Schreinerwerkstatt

19.9.83 N Reuther; Nr. 26 Anbau ans Wohnhaus
1884    
22.2.84 Franz Weber, Zimmermann Verlängerung eines Anbaus
14.5.84 Adam Pöttgen, Ackerer Neubau : Anbau ans Wohnhaus
14.5.84 Anton Löbach, Krämer Neubau Stall neben Wohnhaus
15.7.84 Franz Storm, Pottschulte Mauer, Neubau Schornstein
1885    
14.2.85 Kaspar Trompetter, Zimmermann Neubau Wohnhaus, I,1985/582
4.3.85 Otto Geihsler, Bäcker, Neubau Wohnhaus
9,5,85 N Kehsler Neubau Wohnhaus+Pferdestall. I,451/127
17.6.85 Johann Kerstholt, Wirt Neubau Schornstein
28.7.85 Anton Neise, Handelsmann Neubau Wohnhaus
1886    
20.1.86 Johann Flinkerbusch, Maurer Anbau ans Wohnhaus
15.2.86 Johann u. Ernst Trumpetter Bau: Dampfkornmahlmühle
16.3.86 Anton Neise, Handelsmann Bau: Oekonomiegebäude
27.3.86 Franz Düring Anbau an Stall
27.3.86 Kaspar Weber, Tagelöhner Bau: Backofen + Schornstein im Haus
15.6.86 Heinrich Albers, Schneider Anbau ans Wohnhaus
14.8.86 Joseph Noeke, Auktionator Neubau: Stall ans Wohnhaus
28.8.86 Johann Höhmann, Ackerer Neubau: Holzschuppen
16.9.86 Clemens Toenne, Schuster Neubau: Anbau ans Wohnhaus
16.11.86 Franz Trompetter, Bäcker Neubau: Backofen hinterm Wohnhaus
1887    
26.2.87 Fritz Gördes, Handelsmann Anbau ans Wohnhaus
18.4.87 Bernard Gahse, Ackerer Umbau des Kuhstalls
29.4.87 Franz Georg Korte, Schmied Wiederaufbau des abgebrannten Wohnhauses
2.5.87 Johann Mester, Tagelöhner Umbau seines Wohnhauses
5.5.87 Louis Bracht, Rendant Vergrößerung seines Wohnhauses
10.5.87 Franz Schwefer, Schmied Anbau ans Wohnhaus
10.5.87 Arnold Schröder den., Schneider Anbau ans Wohnhaus
  Ende AA 1593, Anfang  AA 1600 Hier fehlen die Jahre 1888-1898!
1898    
25.5.98 Johann Caspar Zacharias, Nr 44 Falzziegeldach aufs Wohnhaus (kein Strohdach mehr)
1899    
4.5.99 Anton Kückenhoff, Tagel., Nr. 126 Falzziegeldach aufs Wohnhaus
10.5.99 Heinrich Klute, Krummestraße Falzziegeldach
18.5.99 Franz Heckmann, Nr. 104 Falzziegeldach
1900    
22.3.00 Kaspar Storm, Nr. 32 Falzziegeldach
17.4.00 Franz Siepe, Nr. 46 Falzziegeldach
14.9.00 Joseph Noeke, Nr. 47, Krumme Str. Falzziegeldach
1901    
14.1.01 Franz Peetz Im neuen Wohnhaus: Bau eines weiteren Schornsteins aus Kaminzementröhren
3.5.01 Anton Bauerdick, Brumlingsen Falzziegeldach
20.5.01 N Schwer Wohnhaus+Stall: Falzziegeldach
14.6.01 Franz Savour, Maurer, Nr.103, Alter Weg Reparatur am Süll des Hauses (Süll = Schwellen des Hauses)
24.6.01 G. (?) Helnerus, Nr. 149 Bau : Schaufenster
20.8.01 Franz Bauerdick, Wildshausen Bau: Brunnen auf seinem Hof
30.8.01 Joseph Noeke, hinter Nr. 112: Bau eines Pferderinggöpel mit einem Dach aus Teerpappe
1902    
26.3. Caspar Toenne, Postverwalter Garten mit Mauer abschließen, mit Mauer zum Garten von Fritz Göckeler
19.4.02 Caspar Toenne, Postverwalter Schornstein seitlich am Backhaus, 4,5 m
2.5.02 August Becker Holzschuppen an Ostseite seines Wohnhauses, Schiefer gedeckt, 7,30m lang, 1,80m breit + hoch
31.7.02 Firedrich Kihsler, Schuhmacher Falzziegeldach + Kamin
1903    
29.4.03 Gottfried Becker Falzziegeldach
4.9.03 Caspar Pöttgen Neuer Schornstein anstelle des alten abgerissenen

16.4.

1904

Gerhard Schröder, Nr. 63 Falzziegeldach

                                                                                                                            (AA  1600)

1909 – 1929

(Zahl vor Semikolon = Flur, danach = Parzelle)                     (AA 1606 endet im Jahr 1933)

Flur; Parzelle

1909

Name + Stand, Haus-Nr. Bau-Gegenstand
1; 45 Johann Kaspar Zacharias, Tagelöhner, 44 Holzschuppen
15; 79 Wilhelm Hachmann, Wirt, Nr. 83 Neubau Wohnhaus
11; 213/99 Kaspar Kessler, Bauunternehmer, Nr. 62 Wohnhaus
1; 2003/719 Josef Schwefer, Schneidermeister, Nr. 64 Schneide-Anbau
2; 75 Louis Neise, Bäcker, Nr. 209 Dachaufbau für das abgebrannte Dach
1; 180/129 Johann Kerstholt, Rendant, Nr. 9 Stallgebäude

2;75

1910

Theodor Meier, Leitungsaufseher, Nr. 75 Neubau Wohnhaus
4; 181/18 Wilhelm Niesen, Amtssekretär, Nr. 78 Wohnhaus
11; 59 Adolf Göckeler, Maurer, Nr. 188 Einfriedigung
2; 157 Wilhelm Siepe, Nr.155 Pissoir
11; 271/134 Josef Trompetter, Maurer, Nr. 128 Wohnhaus
1; 2058/830 Franz Kerstholt, Maurer, Nr. 56 Wohnhaus-Anbau
3; 101/64 August Gebhardt, Waldarbeiter, Nr. 261 Wohnhaus
3; 102/64 Gustav Gebhardt, Schreiner, Nr. 262 Wohnhaus
3; 103/64 Wilhelm Gebhardt, Waldarbeiter, Nr. 263 Wohnhaus
3; 83 Johann Pöttgen, Schlosser, Nr. 147 Wohnhaus
2; 1218/851 Fritz Beckmann, Fabrikarbeiter, Nr. 161 Wohnhaus-Anbau
15; 88 Albert Figge, Händler, Nr. 67 Wohnhaus-Anbau
11; 132 Heinrich Helnerus, Nr. 197 Werkstatt-Bau
15; 6 Kaspar Göckeler, Maurer, Nr. 107 Stall-Anbau
4; 127 Franz Stirnberg, Fabrikarbeiter; Nr. 131 Stall+Werkstatt-Bau
4; 180/18 Dr. med. René Ransonné, Nr. 186 Wohnhaus
Kein Eintrag Josef Schmidt, Schmiedemeister Einfriedigung
1; 178/137 Franz Schröder, Ehefrau geb. Kerstholt, Nr. 14 Einrichtung Wohnzimmer
11; 270/134 Josef Dirkes, Fabrikarbeiter, Nr. 264 Wohnhaus+Stall
15; 72 Josef Schwefer, Schmied, Nr. 64 Einrichtung Wohnzimmer
15; 64 Kaspar Holzgrewe, Werkstattschlosser, Wohnhaus; Nr. 252

1911

10; 224/128

Robert Schwefer gt. Ruilf, Maurer, Nr. 265

Wohnhaus

2; 1 Kampmann W., Wtw. Einfriedigung
Kein Eintrag Fritz Düring, Fabrikarbeiter, Nr. 107 Dach-Aufbau
15; 1792/796 Lorenz Düring, Landwirt, N r. 127 Scheune
3; 109/64 Christian Butz, Anstreicher, Nr. 266 Wohnhaus
11; 297/ 116 Hugo Altenwerth, Schreinermeister, 267 Wohnhaus
2; 257/131 Adalbert Linneborn, Fabrikbesitzer, 170 Fabrikgelände und
2; 256/130 Adalbert Linneborn Turbinenhaus-Anbau
6; 84 Johann Kessler, Wohnhofsaufseher, 125 Wohnhaus-Anbau
Kein Eintrag Anton Röther, Kaufmann Einfriedigung
11; 749 Kirchengemeinde, kath., Nr. 71 Wohnhaus-Anbau
11; 274/115 August Klassmeier, Fabrikarbeiter, Nr.268 Wohnhaus
11;275/115 Albert Altenwerth, Maurer, Nr. 269 Wohnhaus
1; 140 Fritz Neise, Metzger, Nr. 5 Innen-Umbau v. Wohnhaus
8;271/161 Schützenverein Freienohl, Nr. 204 Bierkeller + Abort
1; 67 Kreis-Elektrizitätswerk, Nr. 42 Anbau
Kein Eintrag Fritz Kraas, Wirt Einfriedigungsmauer
1; 127 Heinrich Mester, Kaufmann, Nr. 198 Wohnhaus-Anbau
Kein Eintrag Adam Geissler, Holzhändler, Nr. 17 Anbau Schuppen z.Stallgel.
Kein Eintrag Hasse und Kleinsorge Einfriedigung
3; 137/68 Adam Beckmann, Nr. 157 Wohnhaus-Anbau
4; 174/19 Kirchengemeinde, kath., Nr. 95 Kinderverwahrschule u.
4; 183/18 Kirchengemeinde, kath. Nr. 95 Nähschule
Kein Eintrag Kirchengemeinde, kath. Nr. 77 Heizungskeller Kirche
1; 66 Gemeinde Freienohl, Nr. 270 Pumpenhaus
8;3 Anton Kessler, Maurer, Nr. 271 Wohnhaus
Kein Eintrag Franz Korte, Ww., Nr. 65 Wohnhaus-Umbau
Kein Eintrag Theodor Folle, Invalide, Nr. 130 Errichtung einer Wohnstube
1912    
4;154/77 Heinrich Rocholl, Maurer, Alter Weg, 176 Wohnhaus-Anbau
8; 133/372 Adalbert Linneborn, Fabrikbesitzer, 173 Schneide-Anbau
1; 67 Kreis-Elektrizitätswerk, Nr. 42 Lokomobilschuppen
Kein Eintrag Josef Schwefer, Schreiner, Nr. 64 Umbau
4; 99 August Becker, Fabrikarbeiter, Nr. 195 Wohnhaus-Anbau
4; 46, 206/48 Ferdinand Heckmann, Fabrikarbeiter, 117 Wohnhaus+Stallgebäude
Kein Eintrag Theodor Folle, Invalide, Nr. 130 Stall-Umbau
1536 Heinrich Pöttgen, Schuhmacher, Nr. 91 Wohnhaus-Anbau
4; 201/104 + Louis Siepe, Holzarbeiter, Nr. 272 Wohnhaus
   202/102 Louis Siepe. Holzarbeiter, Nr. 272  
11; 287/116 Hugo Altenwerth, Schreinermeister, 267 Einfriedigung
Kein Eintrag Josef Kleine, Briefträger, Nr. 45 Stall-Um- u. Aufbau
Kein Eintrag Christian Hahne, Nr. 182 Einfriedigung
Kein Eintrag Josef Figge, Bäcker, Nr. 88 Umbau der Backstube
11; 285/134 Gebr. Rocholl, Bauunternehmer, Nr. 274 Wohnhaus + Stallgebäude
11; 284/134 Josef Geissler, Maurer, Nr. 273 Wohnhaus
4; 61 Johann Kaiser, Schreinergeselle,  Nr. 275 Wohnhaus
10; 91 Karl Assmann, Nr. 276; Olper Str. Wohnhaus-Neubau an einer anderen Stelle
15; 22 Josef Korte, Zimmerermeister, Nr. 150 Wohnhaus-Anbau
15;1 Heinrich Lichte, Maurer, Nr. 147;Alter Weg Wohnhaus-Anbau
6; 84 Johann Kessler, Bahnhofsvorsteher, 125 Stallgebäude; Prov.Str.
1; 65 Johann Mester, Fabrikarbeiter, Nr. 220. Mittelstr. Wiederherstellung des abgebrannten Wohnhauses und Stallgebäudes
15; 22 Josef Korte, Zimmerermeister, Nr. 150 Einfriedigung; Prov.Str.

1913

8

Königl. Eisenbahnfiskus, Nr. 277

Blockhaus

15;3  14;0,36 Adolf Rocholl, Bahnwärter, 105, Alter Weg Wohnhaus-Anbau
Kein Eintrag Heinrich Funke, Wwr. Reparatur-Bau
10; 219/0,150 Johannes II. Mester, Fabrikarbeiter, Nr.82, Kirchhofsweg Stallgebäude anstelle des abgebrannten
Kein Eintrag Albert Flinkerbusch, Landwirt Einfriedigung
4; 98 Johann Vieth, Nr. 192 Wohnhaus-Dachbau
15;83 Louis Bracht, Wirt und Rendant, Nr. 3 Wohnhaus-Neubau anstelle des abgebrannten
1; 193/138 Franz Gerke, Fabrikarbeiter, 248, Bergstr. Wohnhaus-Neubau
3; 2/3 Anton Pöttgen, Waldarbeiter, Nr. 279 Wohnhaus
3; 118/2, 22 Josef Althaus, Bauer, Nr. 280 Wohnhaus
3; 116/65 Hermann Pütz, Arbeiter, Nr. 281 Wohnhaus
15;81 Heinrich Funke Ww,, Nr. 2 …nterfahrt u. Stall-Anbau
Kein Eintrag Adolf Rocholl,Bahnwärter Düngergrube
Kein Eintrag Heinrich Rocholl, Maurer, Alter Weg Düngergrube
11; 218/66 Josef Stirnberg, Schreiner, Nr. 256 Werkstatt-Anbau
11; 85 Königl. Eisenbahnfiskus Elberfeld, Nr. 282 Stellwerksgebäude
15;13, 109/82 Louis Bracht, Wirt und Rendant, Nr. 3 Stallgebäude anstelle des abgebrannten
Kein Eintrag Richart Pöttgen, Nr. 37 Wohnhaus-Umbau + Einfriedigung
1; 26 Josef Trumpetter, Bäcker, Nr. 201 Backstube-Umbau
1; 188/145 Josef Folle, Bäckermeister, Nr. 130a Anbau
8; 35 Anton Kessler, Nr. 271 Einfriedigung
1; 149 Johann Schirp, Nr. 84 Anbau
Kein Eintrag Josef Funke. Landwirt Düngergrube
Kein Eintrag Adalbert Linneborn, Fabrikbesitzer, Nr.228, Prov.Str. Wohnhaus-Innenausbau
1; 105 Kaspar Altenwerth, Werkführer, Nr. 20, Bergstr. Stallgebäude-Anbau
11; 235/101 Franz Koeter, Kaufmann, Nr. 35 Werkstätten-Anbau
1; 188/145 Josef Folle. Invalide, Nr. 130a Stall-Anbau, 2 Dachstuben
1914    
Kein Eintrag Josef Nathan, Kaufmann, Nr. 90 Küche + Anbau
Kein Eintrag Franz Siepe, Fabrikarbeiter, Nr. 232 Wohnhaus
Kein Eintrag Alexander Emmerich, Kaufmann Einfriedigung des Gartens beim Denkmal
4; 203/104 August Kerstholt, Waldarbeiter, Nr. 283 Wohnhaus + Stall-Anbau
10; 512 Theodor Hellmann, Wirt, Nr. 215  
5; 1792/796 Lorenz Düring, Landwirt, Nr. 127 Stall-Umbau
Kein Eintrag Ludwig Neise, Bäcker, Nr. 209 Backofenanlage
Kein Eintrag Franz Weber, Nr. 187 Einfriedigung
1; 139 Josef Trompetter, Maurer, Nr. 284 Wohnhaus, Stallgebäude
8; Eisenbahnfiskus Elberfeld, Nr. 285 Aufenthaltsraum für Streckenarbeiter: Tunnel: Rümmecke – Glösingen
Kein Eintrag Bernhard Kohle. Nr. 111 Dachausbau
15; 83 109/82 Louis Bracht, Wirt + Rendant, Nr. 3 Abort-Gebäude
1915 Erster Weltkrieg  
1; 187/145 Josef Schmidt, Schreiner, Nr. 240 Wohnhaus-Anbau
1916 Erster Weltkrieg  
1;  148/8, 2159/698 Josef Schmidt, Schmiedemeister (?) Wellblechbedachung
1917 Erster Weltkrieg  
1918 Erster Weltkrieg  
1919    

1; 559/161

1; 111

Caspar Kessler

Fritz Geissler

Bauliche Änderungen

Vorgarten-Umzäunungen

1; 2055/428 Heinrich Weber, Maurer Dach-Ausbau
1; 2054/269 Josef Klauke, Invalide, Nr.191 Wohnhaus + Stall-Anbau
2; 9 Ernst Rocholl, Schlosser Schlosser-Werkstatt
1; 2091/546, 2092/546 Josef Schulte, Schreiner Schreiner-Werkstatt; Genehm. erloschen, nicht ausgeführt
11; 2137/29 Eisenbahnfiskus, Nr. 28 Beamten-Doppelwohnhaus
1920    
3; 134/67 Wilhelm Hömberg, Holzbeamter, Nr. 290 Wohnhaus
2;73 Otto Kloke, Maschinist, Nr. 291 Wohnhaus
1; 132 Johann Köster, Tagelöhner Stall-Anbau an Wohnhaus
11; 119 Fritz Lenze, Bahnarbeiter, Nr. 292 Wohnhaus
3; 130/67 Kaspar Becker, Fabrikarbeiter, Nr. 293 Wohnhaus
2; 25 Fritz Spieler, Fabrikarbeiter, Nr. 294 Wohnhaus
11; 1582/9 Anton Becker, Schlosser Umbau in Kettenschmiede
11; 328/114 Heinrich Rebbe, Fabrikarbeiter, Nr. 295 Wohnhaus
11; 326/114 Norbert Maahz, Schlosser, Nr. 296 Wohnhaus
11; 327/114 Johann Kessler, Maurer, Nr. 297 Wohnhaus
8; 65 u. 253/64 Franz Spindeldreher, Landwirt; gelangte nicht zur Ausführung, Genehm. zurückgez.

Neubau + Umbau der

Werkstattgebäude

8; 192 Hugo Wrede, Maurer Schuppen-Anbau
15; 52,53,54 Josef Schröder, Fabrik-Schreiner Wiederaufbau des abgebrannten  Wohnhauses
1921    
11; 95 Spindeldreher, Gebrüder Schuppen-Neubau
10; 51 Johann Hecking, Nr. 119 Wiederaufbau des abgebrannten Wohnhauses
11; 143/54 Heinrich Schröer Metall-Werkstatt
11; 348/114 Johann Klauke d.Ä., Nr. 298 Wohnhaus
Kein Eintrag Hugo Düring u. Alois Gebr., Nr. 299+300

Doppelwohnhaus, Bauge-

nehmigung ist erloschen

Kein Eintrag Emil u. Josef Molitor, Gebr., Nr. 301+302

Doppelwohnhaus, Bauge-

nehmigung ist erloschen

Kein Eintrag Franz u. Fritz Nolte, Gebr.., Nr. 303+304

Doppelwphnhaus, Bauge-

nehmigung ist erloschen

Kein Eintrag Wilhelm Kehr, Schlosser, Nr. 305

Wohnhaus, Baugenehmi-

gung ist erloschen

1; 107 Johann Korte, F.A. (?) Umbau des Wohnhauses
11; 332/119 Franz Beilmann, Schreiner, Nr. 306

Wohnhaus; Baugenehmi-

gung ist erloschen

3; 113/32 u. 114/32 Heinrich + Fritz Wiesemann, Gebr., Nr. 307 u. 308 Doppelwohnhaus; Bauge-nehmigung ist erloschen
1; 107 Johann Korte, Fabrikarbeiter Wohnhaus-Umbau
Kein Eintrag Albert Flinkerbusch, Landwirt Einfriedigung
11; 98 Fritz Kraas, Kaufmann Umbau eines Eiskellers für Früchte
2; 9 Heinrich Rocholl Einfriedigung
8; 102 Hermann Wrede, Ww. Errichtung eines Aborts u. einer  Düngerstätte
10;11; 271/134 Josef Trompetter, Maurer Einfriedigungsmauer
10; 502 Theodor Hellmann, Gastwirt Abortanlage
1922    
1; 2139/786 Heinrich Korte, Maurer Einfriedigungsmauer
10; 143/144, 187/145 Franz Höhmann, Sattler Einfriedigung
1; 38 Kaspar Albers,  Schneidermeister Wohnhaus-Umbau
11; 60 Paul Düring, Kassengehilfe Wohnhaus-Anbau
11; 40 Heinrich Kaulmann Anbau d. Pumpenhauses
1; 2014/909 u. 2257/909 Johann Korte, Waldarbeiter Wohnhaus-Anbau
1923    
11; 297/34 Kaspar Schröer, verw. Sägewerkshalle, Aufent-haltsraum + Abort
8; 9 Gemeinde Freienohl 4 Zwei-Familienwohnhäuser nebst Stall-Ausbauten
3;2021/813 Pauline Toenne, Wirtin Pissoir- u. Abort-Anlage
1; 239/539 Johann Bruchhage, Landwirt Anbau einer Unterfahrt
2; 137 Wilhelm Siepe, Wirt Anlage eines Überdaches u. einer Packscheune
11; 103 Schröer, Gebr., Firma Lagerraum
8; 6 u. 262/7 Gemeinde Freienohl Bau / Neubau  eines Vier-Familienhauses
Kein Eintrag Gemeinde Freienohl Bau / Neubau eines Vier-Familienhauses
2; 123/102 Köster, Gebr., Firma Lagerschuppen
1924    
11; 360/52, 361/53, 362/55 Josef Hatzig, Dr. med.dent. Wohnhaus-Neubau
1; 2147/831 Anton Röther, Kaufmann Wohnhaus-Umbau
11; 40/41 Heinrich Kaulmann, Fabrikarbeiter Wohnhaus-Anbau
2; 694/355, 78 Theodor Meier, Oberleitungsaufseher Anbau Stallgebäude
1; 2167/859 Karl Geissler, Fuhrmann Dach-Erker
11; 332/119 Franz Beilmann, Schreiner Wohnhaus-Neubau
3; 100/69 Ferdinand Pöttgen, Gärtner Wohnhaus-Neubau
3; 134/67 Wilhelm Hömberg, Holzmeister Überdachung des Hauseingangs
1; 19 Katholische Kirchengemeinde Einfriedigung Schwestern-Haus
1; 13 Josef Becker, Holzarbeiter Einfriedigung
2; 177/71 Wilhelm Rocholl, Schreiner Wohnhaus
3; 114/32 Fritz Wiesemann, Arbeiter Wohnhaus
1; 130 u. 131 Albert Schwefer, Schreinermeister Umbau eines Stallgebäudes zur Schreinerwerkstatt
11; 95 u. 96 Franz Spindeldreher Schuppen
1925    
11; 323/114